Freitag, 24. Februar 2017

SCHWEDENS BEITRAG ZUM KARNEVAL: LECKERE SEMLOR (REZEPT!)


Last night in Sweden:
Die Ausschweifungen
 des schwedischen Karnevals.
Unerhört (lecker)! 

In meiner alten Heimat geht die Karnevalssaison in die heiße Endphase, in Schweden bleibt man gewohnt cool. Nicht nur, wenn seltsame Trolle darüber orakeln, was hierzulande passiert oder eben nicht passiert ist oder sich eine Schneefront  breit macht, wenn es eigentlich schon leise nach Frühling roch. Mit Karneval hat man hier einfach nix am Hut. Oder sagen wir: fast nix. Die Ausschweifungen vor der Fastenzeit beschränken sich allerdings auf den Konsum eines ebenso reichhaltigen wie köstlichen Gebäcks, nämlich der semlor. Der eigentliche Semmeltag ist dabei der Fettisdag, der "fette Dienstag". Wo ich herkomme, heißt er Veilchendienstag – vermutlich, weil man sich da veilchenblau säuft oder im Suff veilchenblau haut oder auch beides. Sicher ist, es handelt sich um den Tag vor dem Aschermittwoch.

Heute habe ich auch wieder etwas Neues zum Thema semlor gelernt. Ursprünglich aß man in Schweden vor Beginn der Fastenzeit nur ein simples Hefeteilchen, das man in Milch tunkte, den hetvägg (eine Geschichte über die unerwartete Gefährlichkeit der Dinger lest ihr hier). Irgendwann wurde das zu langweilig und die Sahne- und Mandelfüllung wurde erdacht. Was ich bisher nicht wusste: Eines Tages kam dann jemand (vermutlich ein Konditor) auf die Idee, dass man die Dinger nicht nur am Fettistag, sondern jeden Dienstag zwischen jenem und Ostern essen könne. Fasten kann man ja an der anderen Tagen. Wenn man denn unbedingt will. Mittlerweile gibt's semlor zwischen Weihnachten und Ostern ungefähr überall. Gefastet wird dann eher vor dem Sommerurlaub.

J. und ich haben schon ein bisschen vorab experimentiert – unter anderem, damit ich rechtzeitig diesen Eintrag schreiben kann. Nachdem wir im vorigen Jahr in mühevoller Kleinarbeit relativ komplizierte, wenn auch zugegebenermaßen sehr schmackhafte, semlor hergestellt hatten, sollte es diesmal etwas Einfaches, aber trotzdem wirklich Leckeres sein. Darum fiel unsere Wahl auf ein Rezept des Hobbybäckers Martin Johansson, der mit seinem erfolgreichen Backblog Pain de Martin (Martins Brot) das Konzept "einfach, aber gut" verfolgt. Früher war ich bei uns fürs Backen zuständig (was mit der ein oder anderen Katastrophe einherging, wie zum Beispiel hier nachzulesen), nach der Geburt von M. hat J. das Backen übernommen. Eigentlich war das für "vorübergehend" gedacht, aber wir haben das bis heute mehr oder weniger beibehalten. Entweder backt J. oder wir zusammen. Auch das gar köstliche und – man staune! – gänzlich knetfreie Brot, das bei uns inzwischen auf den Tisch kommt, ist eine Erfindung von Martin und wird alle paar Tage von J. gebacken.

Kugelkunst.
Kann erst später weg.

Kurz: Unsere Erwartungen waren hoch – und wurden nicht enttäuscht! Die semlor waren nicht nur fluffig und hübsch, sondern einfach köstlich. Die Geheimnisse der Köstlichkeit sind der frisch gemörtelte Kardamom und die vor dem Zerkleinern in der Pfanne gerösteten Mandeln. Und tatsächlich wird auch hier so gut wie nicht geknetet – Kneterei scheint im Backbereich insgesamt enorm überbewertet zu sein.

Und hier ist das Rezept:

Teig für ca. 24 semlor:

25 g Frischhefe
250 g Milch
250 g Wasser
150 g Zucker
150 g Butter (kalt, wird in den Teig gehobelt)
5 g (1 Teelöffel) Salz
10 g (1 Esslöffel) ganzer Kardamom
850 g Weizenmehl (wir haben ganz normales genommen, entspricht der deutschen Type 405)
1 Ei
Puderzucker

1. Alle Zutaten – bis auf das Ei – mixen (kein Erwärmen nötig, aber wir haben die Hefe in die Milch gebröselt und gerührt, bis sie sich aufgelöst hat, auch wenn Martin das nicht explizit erwähnt), dabei dass Mehl nach und nach hinzufügen. Martin empfiehlt, von Hand mit 500 g Mehl und den restlichen Zutaten zu beginnen und später die restlichen 350 g hinzuzufügen.

2. Den Teig auf ein bemehltes Brett geben und zu einer Art Paket zusammenfalten. Es macht nichts, wenn der Teig jetzt noch nicht geschmeidig und toll aussieht, das ist völlig normal. Erst nach dem ersten Gehen wird er zu seiner Form finden. Den Teig mit Frischhaltefolie abdecken und zwei Stunden gehen lassen – alternativ kann man den Teig auch über Nacht in den Kühlschrank stellen.

3. Der Teig sollte nun ganz gut gegangen sein. Mit etwas Mehl bestreuen und mit der Hand zu einem ungefähren Viereck zusammenklopfen, von dem man gut Stücke von 60 g abschneiden kann (bitte nicht ausrollen!) Martin empfiehlt, das erste Teigstück zu wiegen, um eine Auffassung davon zu bekommen, wieviel 60 g sind – die runden Brötchen werden schnell zu groß (was jetzt auch nicht so wahnsinnig schlimm wäre, aber nun gut). Die Teigstücke zu kleinen Bällen rollen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Mit Frischhaltefolie abdecken und auf doppelte Größe gehen lassen. Dauert bei Zimmertemperatur etwa 2 Stunden. Eilige stellen das Backblech an einen warmen Ort.

4. Den Ofen rechtzeitig auf 225 Grad aufheizen.

Mit geübtem Pinselstrich 
5. Die Kugeln mit dem mit einer Messerspitze Salz verquirlten Ei bepinseln und auf der mittleren Schiene backen bis sie gut Farbe angenommen haben. Dauert ca. 10 - 15 Minuten.

6. Abkühlen lassen.

So in etwa sieht das
Backergebnis aus

Martin empfiehlt, nur für die Hälfte der Kugeln die typische Sahne- und Marzipanfüllung zu machen. Schließlich wird die Sahne am ehesten schlecht, wenn man nicht alles sofort auffuttert. Die noch ungefüllten Semmeln lassen sich aber auch prima einfrieren und schmecken wunderbar als süße Frühstücksbrötchen – einfach nur mit Butter oder auch mit Butter und Käse. Mmmmm!

Füllung für 12 semlor

Von 12 fertig gebackenen semlor schneidet man eine Kappe ab (etwa das obere Drittel) und gräbt mit den Fingern ein Loch in die untere Hälfte (ungefähr die Menge von anderthalb Esslöffeln pro Kugel). Den herausgebaggerten Teig in eine Schüssel bröseln.

Außerdem braucht Ihr noch:

1 dl (ca. 70 g) Süßmandeln
200 g Marzipanmasse (je hochwertiger, desto besser)
ca. 4 dl Schlagsahne 


1. Die Mandeln in einer Pfanne rösten bis sie etwas Farbe angenommen haben (wir haben eine gußeiserne Pfanne benutzt).

Mandeln, bereits leicht gebräunt


2. Dann die Mandeln hacken und unter die Marzipanmasse und die Teigbrösel mischen. Mit einem Schuss Sahne und etwas Wasser geschmeidig kneten. Diese Füllung kommt nun in die ausgehöhlten semlor. 

3. Die Sahne schlagen (ohne Zucker!)

4. Auf die untere Hälfte der semlor streichen oder – wenn es etwas schicker sein soll – mit einer Tülle spritzen (ein Gefrierbeutel, dessen Spitze abgeschnitten wurde, tut es auch).

5. Deckel aufsetzen.

6. Mit einem Teesieb Puderzucker aufstäuben.

Et voilà!




Ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Dies hier ist mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit der letzte Blog-Eintrag, den ich bei Blogger verfasst habe. Ich bin mit Hilfe des grandiosen Sascha von der grandiosen Agentur Poli dabei, Blog und Website zu Wordpress.org umzuziehen, um nicht länger in das enge Google-Blogger-Korsett gepresst zu werden. Das dauert allerdings ein bisschen länger als gedacht. Ich melde mich, sobald "es vollbracht ist". Seid gespannt!