Mittwoch, 11. Januar 2017

WER IST EIGENTLICH DIESER KNUT – UND WAS HAT DER SCHUFT MIT DEM WEIHNACHTSBAUM GEMACHT?

Unsere Weihnachtskarte 2016 –
selbst gestaltet von der ganzen Familie.
Praktischerweise passt das Motiv
auch zu "Knut" 2017.
Statt rein kommt der Baum eben raus.
Am 13. Januar – dieses Jahr übrigens ein Freitag – ist der tjugondag jul, also der 20. Tag nach Heiligabend, dank der Werbespots eines schwedischen Möbelhauses in Deutschland kurz und bündig bekannt als "Knut" – kurz für tjugondag Knut (zur Herkunft dieser alternativen Bezeichnung komme ich gleich). Jedenfalls pfeffern, glaubt man dem Möbelhaus, an diesem Tag alle Schweden ihren Weihnachtsbaum durchs Fenster auf die Straße. "Knut" ist nämlich offiziell der letzte Tag der Weihnachtszeit, die damit in Schweden eine satte Woche länger dauert als an anderen Orten, wo mit dem Dreikönigs-Tag bereits Schluss mit lustig ist. Dafür übernimmt dann ja meist der Karneval, der in Schweden bekanntlich eine eher untergeordnete Rolle spielt. 

Zwei Männer in der Prinzenrolle sind einer zuviel 

Der Baum im Raum
Wer ist denn nun dieser komische Knut? Oder besser gesagt: Wer war es? Am 7. Januar 1134 wurde der dänische Prinz Knut Lavard von seinem Vetter Magnus im dänischen Ringsted um die Ecke gebracht. Magnus schlug einen Tag nach dem Ende des obligatorischen Weihnachtsfriedens zu – auch Morden geht nicht immer, Ordnung muss sein. Magnus war der Sohn des damaligen Königs Nils. Eigentlich war aber Cousin Knut der rechtmäßige Thronfolger, weil Onkel Nils nach Knuts Vaters Tod übernommen hatte, als Knut noch klein zum Regieren war. Kurz: Knut war Magnus ein Dorn im Auge. Knut wurde nun also nicht König (Magnus übrigens auch nicht, die Karmakeule schlug ein knappes halbes Jahr später zu – tja!), aber immerhin später heilig gesprochen. Sein Todestag wurde sein Namenstag – in Dänemark ist er das immer noch. In Schweden allerdings schob man "Knut" Anfang des 18. Jahrhunderts auf den 13. Januar.

Alles muss raus: Julgransplundring mit Ringelpiez und Trällerei
Unsere Krippe erfuhr im Laufe
der Weihnachtszeit leichte personelle
Veränderungen: ein vierter König
tauchte auf und brachte Fischbrötchen mit

Knut hat also mit dem Bäume-Rauswerfen in etwa genauso viel oder wenig zu tun wie Orangenhaut mit einer Orange. Nun ist der gemeine Schwede natürlich viel zu gut erzogen, um einfach seinen Baum auf die Straße zu schmeißen. Der Rieselpin wird selbstverständlich als Gartenabfall entsorgt. Richtig ist nämlich, dass die meisten Schweden am 13. den Christbaumschmuck und die Krippe einpacken. In manchen Familien hängen statt Kugeln Süßigkeiten und kleine Geschenke am Baum – das lädt dann zur traditionellen julgransplundring, der Weihnachtsbaumplünderei, ein, bei der die Kinder den Baum stürmen und die Geschenke an sich bringen.

Kommt nächstes Jahr der Zombie-Baum?

Zuvor wird allerdings um den Baum herumgetanzt (Schweden tanzen allgemein gern um irgendwas herum) und gesungen (und singen tun sie auch gern):

”Nu är glada julen slut, slut, slut
julegranen kastas ut, ut, ut
men till nästa år igen
kommer han, vår gamle vän
för det har han lovat. 

Übersetzt bedeutet das sinngemäß (ich habe die wortwörtliche Übersetzung zugunsten von Grammatik und Reim verlassen):

"Nun ist das frohe Weihnachtsfest aus, aus, aus
und der Weihnachtsbaum kommt raus, raus, raus
aber bis zum nächsten Jahr 
ist der alte Freund wieder da,
denn das hat er versprochen."

Wie so eine zunächst all ihrer Kleider beraubte und dann lieblos hinausgeworfene rieselnde Tanne es nun schaffen will, beim nächsten Weihnachtsfest wieder am Start zu sein – außer vielleicht als Zombie – ist das Geheimnis des Reimerfinders. 

Liebe Grüne-Daumen-Träger: Sachdienliche Hinweise erwünscht!

Unser Baum könnte theoretisch noch viele Weihnachtssaisons mitmachen: Ich bin nämlich Hippie und Baumumarmerin im Herzen und ertrage nicht den Tod eines hoffnungsvollen Bäumchens, schon gar nicht zu schnöden Dekozwecken. Darum haben wir eine im Topf gewachsene Bio-Nordmanntanne mit Wurzeln erstanden. Um sie nach Weihnachten in den Garten von J.s Vater zu pflanzen. Ob das allerdings an "Knut" passieren wird, ist fraglich. Denn: Kann man so einen Baum mitten im Winter rauspflanzen? Weiß das jemand? Für Tipps bin ich dankbar! Auch was die restlichen Festivitäten betrifft, gibt es Schwierigkeiten: Unser Baum steht zum Beispiel aus Platzgründen drumherumtanzunfreundlich in der Zimmerecke. Aber vor allen Dingen bin ich erst vor ein paar Tagen auf die gut 100 Jahre alte Plünderungstradition aufmerksam geworden – darum hängt – pssst! – dieses Jahr, an unserem allersten richtigen Baum, auch noch nix Süßes. Aber nächstes Jahr an Weihnachten wissen wir Bescheid ...

Kommentare :

  1. Bitte den Baum vom warmen Wohnraum zunächst in einen kühlen, aber frostfreien Raum stellen, z.B. eine Garage. Mit Schutz ginge z.B. auch ein Balkon.
    Zum Auspflanzen muss frostfreies Wetter und die Umgewöhnung auf Kälte abgewartet werden. Theoretisch könnte der Baum auch nächstes Jahr noch genutzt werden, dafür müsste er an einem schattigen Platz und immer gegossen über Sommer draussen stehen.Im Dezember könnte er dann wieder in Gagage, später ins Wohnzimmer...

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    1. Super, liebe Roswitha! Vielen Dank für diese Tipps! Wenn wir ihn noch mal verwenden möchten, pflanzen wir den Baum aber vermutlich besser in einen größeren Topf, oder? Ich spiele allerdings schon mit dem Gedanken, den Baum rauszupflanzen und nächstes Jahr einen neuen zu besorgen. Da müssen wir allerdings mal nachfragen, was J.s Eltern davon halten, ab sofort einen Tannenwald im Garten heranzuziehen ...

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    2. Klar kann man ihn in einen etwas(10 cm Durchmesser mehr !) grösseren Topf pflanzen, aber bitte nicht in Torferde! Und unten ausreichend Drainage durch Steine und Scherben, damit keine Staunässe entsteht. Ganz normale Gartenerde ist ausreichend, Torferde schädlich.

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    3. Vielen Dank auch für diesen Hinweis! Torf hätte ich sowieso nicht verwendet, ist ja sehr umweltschädlich. Vielen Dank noch einmal. Bist du Gärtnerin?

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