Sonntag, 11. Dezember 2016

MARSTRAND, DER PIRATENSCHATZ AN SCHWEDENS WESTKÜSTE – UND EIN JUWEL FÜR KRIMI-FANS (BÜCHER ZU GEWINNEN!)

Das Christkind backt pepparkakor: Die Insel Marstrand im Schnee.
Nichts deutet darauf hin, dass das Kopfsteinpflaster der verträumten
 Gässchen einst das heißeste Pflaster Schwedens war.
(Foto: Jonas Ingman, © Turistrådet Västsverige)

Es ist nun schon eine Weile her, dass J., M. und ich auf der Insel Marstrand den Zauber der
westschwedischen Schären in klirrender Kälte erleben konnten. Damals war ich unterwegs für eine Reportage. Nun ist es wieder Winter und höchste Zeit, Euch endlich von diesem tollen Ausflug zu erzählen. Und nicht nur das: Ich habe Euch, liebe Leser, von der Reise zum ehemaligen Piratennest Marstrand etwas mitgebracht, was ich seitdem wie, nun ja, einen Piratenschatz gehütet habe. Und diesen Schatz will ich Euch nicht weiter vorenthalten. Ihr bekommt also von mir heute also einen winterlichen Reise-Geheimtipp und außerdem könnt Ihr gleich mehrere Krimi-Leckerbissen gewinnen – denn bald ist ja Weihnachten! Doch der Reihe nach. 

Wo Kriminalinspektorin und Krimiautorin das Segelboot nehmen

Heute, Kinder, wi-hird's wa-has geben ...
Wa-has da-has sein wird?
Das Bild gibt einen kleinen Tipp...


Marstrand liegt gut 30 Kilometer Luftlinie nordwestlich von Göteborg, mit dem Auto sind es bis zum Fähranleger auf der Insel Koö – der "Kuhinsel" – 45 Kilometer. Dort muss man sein Auto stehen lassen, wenn man nach Marstrand übersetzen möchte. Im Sommer gilt Marstrand als Seglerparadies. Doch bei unserem Besuch war von Segelbooten keine Spur. Es pflügte nur ein von kreischenden Möwen verfolgter Fischtrawler durch die Wellen. Ein Inselchen mit Leuchtturm war im Dunst zwischen uns und dem Horizont zu sehen. „Das ist Hamneskär mit dem Pater Noster“, erläuterte uns niemand geringere als Ann Rosman. Ann ist Krimiautorin, passionierte Seglerin und sie liebt Ihre Wahlheimat Marstrand von ganzem Herzen. Früher hat Ann mal als IT-Fachfrau für eine Firma gearbeitet, die den Auftrag hatte, jenen von Nahem knallroten Leuchtturm, zu renovieren. Das hatte Folgen: Anns erster Roman heißt Die Tochter des Leuchtturmmeisters. Das Buch begeisterte nicht nur mich, sondern war so ein Erfolg, dass Ann ihren Job an den Nagel hängen konnte. Inzwischen schreibt sie einen Krimi im Jahr. Heldin ihrer Krimis ist die Göteborger Inspektorin Karin Adler, die nach der Trennung von ihrem Freund auf ihrem Segelboot wohnt, ihr Abendessen gern selber fischt und am liebsten auf Marstrand ermittelt. Es ist nicht schwer zu erraten, dass in der Figur mehr als nur ein bisschen von Ann steckt, die uns in Segeljacke und Gummistiefeln begrüßt.

Eine Festung macht Karriere: vom Knast zum Kulturzentrum

Unseren Marstrand-Krimi gib uns heute:
Das Inselchen Hamneskär mit dem Leuchtturm
Pater Noster. Ann Rosman
 inspirierte das einsame 
Eiland zu ihrem Debütkrimi
(Foto: Jonas Ingman)
Im Zentrum Marstrands liegt die Festung Carlsten, das Wahrzeichen der Insel. Einst war das alte Gemäuer ein berüchtigtes und sagenumwobenes Gefängnis, heute wird hier keiner mehr gefangen gehalten. Stattdessen kann man hier historischen Dinners beiwohnen, Konzerten lauschen oder bei Rollenspiel-Events mitmachen – im Sommer. Im Winter taugt Carlsten vor allem als Fixpunkt, wenn man ohne die Gefahr, sich zu verirren um das nicht mal einen Quadratkilometer „große“ Eiland herum wandern will. Weit unten führen Leitern von den rauen Klippen in die tosende Gischt: Badestellen. Tatsächlich konnten wir auch jetzt Zeugen werden, wie ein "Verrückter" seine Hüllen abwarf und mal eben untertauchte. Vielen Schweden geht nichts über ihren dopp, ihr tägliches Bad in freier Natur. Wie Leser dieses Blogs wissen, "doppen" wir (J. und S., heißt das – M. ist noch nicht so überzeugt) ja auch gerne – im Sommer. Bei winterlichen Temperaturen höchstens nach einem erhitzenden Saunabad (Verliebt in Schweden-Leser werden sich erinnern).

Ein Park für Trolle und Elfen 

Untergetaucht: Früher kletterten hier oft Piraten
 über die Felsen,
heute nur noch Dopp-Bekloppte
ins Wasser
(Foto: Jonas Ingman)
Schließlich bogen wir ab ins Inselinnere und wanderten durch den St. Eriks-Park, ein verwunschenes
Fleckchen Erde, windgeschützt von hohen Felsen. Der Park sieht mit moosbewachsenen Steinen, moorigen Senken und alten Bäumen wenig nach Grünanlage, dafür sehr nach Elfen- und Trollwohnsitz aus. Von hier aus führt auch eine versteckte Steintreppe hinauf zur St. Eriks-Höhle, wobei die eine Höhle eigentlich zwei sind, die direkt nebeneinander liegen. Hier haben sich Marstrands Bewohner unter dänisch-norwegischer Belagerung Anfang des 18. Jahrhunderts versteckt gehalten. Das war allerdings nicht die erste Nutzung. "Hier hat man auch schon Werkzeuge aus der Steinzeit gefunden“, erfuhren wir von Ann.

Abba und des Königs Badewässerchen

Zurück im Örtchen zeigte Ann uns das weiß-grüne Gesellschaftshaus direkt am Meer, in dem sich einst die feinen Leute trafen und später Abba Teile des Videos zu „The Winner Takes It All“ drehten. Im Varmbadhus nebenan, heute ein Hostel namens Båtellet mit Spa, ließ sich König Oscar II. vor gut 120 Jahren gerne betüddeln. Hinterher badeten Groupies im royalen Badewasser, natürlich gegen Bares. Auch der Friseur machte gern eine Extrakrone mit den Locken des Königs. Ich persönlich bin ja nicht so für recyceltes Badewasser und auf königliche Haare kann ich auch wunderbar verzichten. Lieber hätte ich schon eines der pastellfarbenen Holzhäuser Marstrands, die gerade mit ein bisschen Schneeresten obendrauf aussahen wie leckere Petit Fours mit Zuckerguss, ergänzt von der braunen Festung als krönendes Stück kladdkaka – schwedische Schokotorte – obenauf (ich erwähnte wohl schon mal, dass ich Konditorentochter bin ...) Während es hier im Sommer hier vor meist gut betuchten Gästen wimmelt, waren die Gassen zu Füßen der Festung nun leer – abgesehen von uns und einer Katze, die übers Kopfsteinpflaster streunte. Viele der Domizile auf Marstrand sind nur im Sommer bewohnt. Das macht es im Winter aber noch mal so idyllisch.

Wo die Kriminellen Schwedens auf legale Piraten trafen 

Als wir später in der Veranda des Hotels und Restaurants Villa Maritime am Hafen bei prasselndem Kaminfeuer saßen und auf das Tagesgericht warteten (Fisch, klar), schien allerdings plötzlich ganz Marstrand auf den Beinen zu sein. Ann kam aus dem Begrüßen gar nicht mehr heraus. Als Ann endlich fertig war mit dem Umarmen ihrer Freunde und Bekannten, sagte ich: „Eigentlich ist die Insel ja viel zu idyllisch für so viel Mord und Totschlag.“ Die Antwort war ein breites Grinsen. „Lass dich nicht täuschen! Marstrand hat eine kriminelle Tradition. Als die Insel Ende des 18. Jahrhunderts Freihafen war, siedelten sich hier Kriminelle aus ganz Schweden an – Verbrechen, die nicht mit Mord und Ehre zu tun hatten, wurden hier nämlich nicht verfolgt.“ Dann erzählte sie noch, dass auch Piraten auf Marstrand zuhause waren: Bestimmte Einwohner bekamen vom König einen kaparbrev - die Lizenz zum Entern von Handelsschiffen. Offiziell durften nur Schiffe überfallen werden, mit denen Schweden sich im Kriegszustand befand. Davon, was inoffiziell vermutlich auch geschah, kann man bei der Lektüre von Anns zweitem Krimi, "Die Wächter von Marstrand", eine Vorstellung bekommen. Dann beugte Ann sich verschwörerisch vor und flüsterte mir zu, was sie nach Fertigstellung dieses Buches erfahren hatte. Sie, die Zugezogene, ist im Grunde eine echte Piratenbraut, denn sie ist mit dem letzten Piraten Marstrands verwandt. Daniel Jacobsson, der „Riese der Westküste“, gestorben 1854, mit 78 Jahren. Genau über den hatte sie geschrieben. Vorsehung?


Fünf Minuten Fährüberfahrt in eine andere Welt



Marstrand von der "Kuhinsel" – Koö – aus gesehen.
Hinten im Bild: die Festung Carlsten.
Hier vorn am Steg legt Kriminalinspektorin
 Karin Adler während ihrer Ermittlungen gerne an.
(Foto: Jonas Ingman)
Auf dem Hinweg waren wir mit der Fähre von Koö gekommen – die Überfahrt dauert fünf Minuten – zurück nahm uns Fischer Matias Sörvik mit dem Boot mit. Matias ist Fischer. Er schwärmte, die Hummer vor Marstrand seien die besten der Küste. Die, die er fängt, schaffen es allerdings nie bis ans Festland, sondern werden direkt auf der Insel verspeist. Übrigens kann man mit Matias auch zum Hummerfang oder Seehunde gucken rausfahren – Interessenten melden sich bei Matias per SMS unter der Nummer 0046-707323877 – er spricht Englisch. (Wer des Schwedischen mächtig ist, findet auf seiner Website noch mehr Infos zum Angebot.) Von Matias' Boot aus warfen wir einen letzten Blick auf die schönen alten Häuser. Da haben wohl schon die Piraten ihren Hummer gegessen. Und während wir über den schmalen Sund brausten, schaute ich hinüber nach Klöverö, der „Kleeinsel“, wo Daniel Jacobsson seine Basis hatte ...

Zu gewinnen: Drei Karin-Adler-Krimis von Ann Rosman

Ann Rosman am Ort ihres
Herzens.
(Foto: Jonas Ingman)
Wenn Ihr mehr über den echten Piraten und die spannende Geschichte Marstrands wissen möchtet, die Ann Rosman in fesselnde Romane um Kriminalinspektorin Karin Adler verpackt hat, ist heute Eure Chance! Wir verlosen ein von Ann Rosman signiertes Exemplar von "Die Wächter von Marstrand", inklusive eines maritimen Lesezeichens mit von Ann persönlich geknüpftem Seemannsknoten. Außerdem kann eine Glückliche oder ein Glücklicher bald den Krimi "Die Gefangene von Göteborg" ihr/sein eigen nennen, einen Roman, in dem Ann Rosman die wahre Geschichte der Anfang des 19. Jahrhunderts unschuldig zur Haft auf Carlsten verurteilten Metta Fock meisterlich mit einem fiktiven Kriminalfall der Gegenwart verwebt. Auch dieses Buch ist von Ann Rosman signiert und mit Seemannsknoten-Lesezeichen versehen. Und weil bald Weihnachten ist, legt Anns deutscher Verlag, der Aufbau-Verlag, noch ein Exemplar ihres zuletzt auf Deutsch erschienenen Marstrand-Krimis "Das Totenhaus" obendrauf.
Damit Ihr in den Lostopf wandert, müsst Ihr mir nur eine Frage beantworten: Wie hieß der Enkel des in diesem Text erwähnten schwedischen Monarchen, der wiederum statt auf Marstrand lieber im Öresund bei Helsingborg planschte und auf Schloss Sofiero residierte (der Enkel, nicht der Opa)? Tipp: Die Antwort findet Ihr im Blog, in einem Eintrag vor nicht allzu langer Zeit! Schickt die Antwort mit Eurer Adresse an sternenkeks ätt yahoo punkt co punkt uk. 
... Anns 
zuletzt auf Deutsch 
erschienenen
Roman 
Die Krimis "Die Wächter von Marstrand"und
"Die Gefangene von Göteborg"
gibt's heute zu gewinnen, sowie ...
















Unter den richtigen Einsendungen wird Glücksfee M. unterm Weihnachtsbaum die glücklichen drei Gewinner ziehen. Einsendeschluss ist darum der 23. Dezember 2016.
J., M. und ich drücken Euch die Daumen!

Und falls Ihr Lust bekommen habt, die Koffer zu packen:

Zum Schluss noch ein kleiner Hoteltipp für Eure Reise: Wir haben bei unserem Aufenthalt im Marstrands Havshotell gewohnt, das auf Koö direkt am Fähranleger liegt – ein tolles, modernes Hotel mit grandiosem Schwimmbad und Spa und dem hervorragenden Restaurant "Ottos Kök", in dem man ganz vorzüglich die westschwedischen Fisch-Spezialitäten genießen kann. Wenn es etwas günstiger sein soll, könnte Eure Wahl aufs im Text schon erwähnte Båtellet direkt auf der Insel fallen – wohl eines von Schwedens schönsten Hostels.

Noch einmal Hamneskär mit dem Pater Noster
aus anderer Perspektive.

Das Häuschen rechts hat übrigens 
ein eigenes Leuchtfeuer
 und ist heute eines der
exklusivsten Domizile Schwedens.
(Foto: Jonas Ingman)



Kommentare :

  1. Hallo liebe Stella,

    ich hoffe meine Email ist bei Dir angekommen.

    LG
    Ute-ChrisTINE

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    1. Liebe Tine,
      ja, beide Mails sind angekommen. Alles super! Ich freu mich, dass Du mitliest!
      Liebe Grüße nach Maulbronn (das ist ja wohl mal ein hübsches Städtchen, habe eben kurz gegoogelt. Bestimmt wunderschön in der Vorweihnachtszeit. Habt Ihr Schnee?)
      Stella

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    2. Nein von Schnee ist nichts zu sehen, sehr gerne lese ich mit, denn Schweden ist unsere 2. Heimat.

      Liebe Grüße
      Tine

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