Samstag, 29. August 2015

WESTSKÅNE FÜR ANFÄNGER, TEIL 2: HÖGANÄS – GEHEIMTIPP IM SCHATTEN DES KULLABERGES

Nicht weit von hier, etwa zwanzig Minuten mit dem Auto oder eine halbe Stunde mit dem Bus, liegt das hübsche Küstenstädtchen Höganäs im – bildlich gesprochenen und manchmal auch tatsächlichen – Windschatten des bekannteren Kullaberges. J. ist dort geboren und hat dort seine ersten Lebensjahre verbracht. Früher war der Ort ein Fischerdorf, später baute man hier Kohle und Ton ab – so wurde Höganäs zur Keramikhauptstadt Schwedens. Keramik aus Höganäs ist in ganz Schweden und darüber hinaus ein Begriff für formschöne Qualität.

Kvickbadet in Höganäs
- familienfreundlicher geht's nicht

Einer meiner Lieblingsplätze dort ist seit einiger Zeit die Höganäs Saluhall, eine in einer ehemaligen Keramikfabrik von 1835 untergebrachte Markthalle. Sie versprüht den gleichen Charme, den man auch in diversen Weltstädten an Stadtteilen schätzt, in denen einst mal irgendwas kernig Arbeitermäßiges gemacht wurde. Nun ist Höganäs (zum Glück) nicht New York City, das mit dem Charme funktioniert trotzdem ganz hervorragend – und zwar ganzjährig!

Ein Vulkan? Nein,
ein ehemaliger Keramikofen im Restaurant
der Saluhall in Höganäs

In der Höganäs Saluhall kann man zwischen 11 und 14 Uhr (samstags 12 − 15 Uhr, sonntags Brunch 12 − 15 Uhr) vorzüglich und preisgünstig speisen. Die meisten Rohwaren werden – so versicherte uns der Koch bei Landwirten aus der näheren Umgebung gekauft. Das servierte Fleisch stammt, wenn es auch nicht immer bio ist, von Tieren, die die saftigen Wiesen rund um den Kullaberg genießen durften.

Saftige Wiesen in Lerhamn zwischen
Höganäs und Mölle

Aber es muss ja auch kein kein Fleisch sein: Vegetarier und Veganer werden hier am Mittagsbuffet aufs Köstlichste an gedünstetem Gemüse, knusprigen Kartoffeln, Salaten und Früchten satt. So gut schmeckt hier übrigens alles, dass das Restaurant jüngst in Schwedens Gastronomieführer White Guide empfohlen wird. Seit Neuestem gibt es an manchen Samstagen zum Mahl sogar Live-Jazz

Schmeckt ausgezeichnet!

Poppig – nicht nur die Farben!


Auch an den schwedischen Markt adaptierte
deutsche Qualitätsprodukte sind hier zu

bekommen – neben schwedischen godis, wie man süße Sachen
hier nennt. Könnte man in etwa mit
"Leckerchen" übersetzen.


Die Architektur der Markthalle:
Runde Sache mit Durchblick!
Und dann erst die Innenarchitektur: Das Restaurant liegt im ersten Stock und ist rund um die alten Keramiköfen angelegt, die wie bizarre Vulkane in den Raum ragen. Der Küchenchef und seine fleißigen Helfer residieren auf einer Art DJ-Kanzel hoch über allem. Große runde Aussparungen und Fenster im Fußboden geben den Blick auf die Etage darunter frei. Dort kann man, wenn man es vorzieht, selber zu kochen, die Rohwaren aus der Umgebung erwerben – nebst schwedischen und internationalen Delikatessen, fast alles bio. Selbst mein Lieblingssalatgewürz „Wilde Hilde“ bekommt man hier – als Vilda Hilda (was, wie ich finde, irgendwie noch besser klingt).
Außer der Markthalle gibt es noch ein Café, eine kleine Keramikmanufaktur und jede Menge schöne Lädchen – mit stilvollen, speziellen und echt schwedischen Dingen. Hier findet man immer Mitbringsel für die Lieben daheim (in unserem Fall sind wir das selbst).

Der Schwede als solcher
muss jederzeit Zugang zu Koffein haben:
Natürlich gibt's auch
 in der saluhall in Höganäs eine
Fika-Möglichkeit
Nach dem Speisen und Shoppen empfiehlt sich unbedingt noch ein Abstecher an den Strand: Das Kvickbad (kvickbadet) ist der Stadtstrand in Höganäs. Das Bild hinter dem Link ist übrigens nicht repräsentativ, so voll ist es dort nie und man sieht auch überhaupt nicht, wie schön es da ist – aber das war der einzige Link mit (kreativ-)deutschem Text, den ich finden konnte.


Höganäs – Strand
Der Strand ist besonders bei Familien mit Kindern beliebt, weil das Wasser hier direkt am Strand so flach und darum so warm ist, dass auch Kleinkinder im (Spät-)Sommer gemütlich und gefahrlos wie in einer Badewanne plantschen können (natürlich trotzdem nur unter Aufsicht!)  M. hat hier zum ersten Mal mit ganz großer Begeisterung im Meer gebadet. Eine Wasserrutsche begeistert wiederum die etwas größeren Kinder (siehe Bild ganz oben) und wer etwas weiter hinaus watet, kann natürlich auch richtig schwimmen.

Kurz: Wer nach Westskåne reist, wird – vielleicht auf dem Weg zum Kullaberg und nach Mölle – von einem kleinen Abstecher nach Höganäs sicher nicht enttäuscht!

Platsch!

Apropos Kinder: Ab sofort fließen alle Flattr-Einnahmen dieser Seite in ein Hilfsprojekt zweier bewundernswerter Britinnen. Rachel und Sue helfen in Eigeninitiative Flüchtlingen – Kindern, Frauen und Männern – die aus Syrien, Afghanistan, Pakistan u.s.w. ausgezehrt, traumatisiert, halb verdurstet und verhungert mit Booten auf der griechischen Insel Kos ankommen. Diese Menschen glauben nach einer anstrengenden und gefährlichen Flucht, sie hätten es geschafft – doch weit gefehlt! Weil die Infrastruktur auf der abgelegenen Insel schlecht ist, Griechenland kein Geld hat und die Einheimischen mit den Flüchtlingen lieber nix zu tun haben wollen – aus Angst um Einnahmen aus dem Tourismus – geht das Elend weiter: die Leute stehen zum Teil kurz vor dem Verhungern! Kranken, ausgezehrten Menschen, darunter Schwangere, Säuglinge, Kleinkinder und Folteropfer, wird medizinische Hilfe verweigert. Die Menschen kommen nicht weiter, sie stranden buchstäblich auf Kos. 
 In dieser Misere helfen Rachel und Sue. Sie spenden: Wasser und Nahrung, Windeln, Stilleinlagen, Seife, Hygieneartikel, Sonnencreme, Sonnenhüte, Kleidung, Medikamente, Tickets zur Weiterreise, praktische Hilfe u.s.w. Aber vor allem spenden sie menschliche Nähe, Trost und Hoffnung. Die beiden waren gerade eine Woche auf der Insel, in der sie täglich jeden Morgen 500 Britische Pfund allein für Nahrung und Wasser für die Flüchtlinge ausgegeben haben. Im Oktober werden sie wieder hinreisen: diesmal für einen ganzen Monat. Sie möchten dann ein altes Haus auf eigene Kosten wieder auf Vordermann bringen und dieses zu einem Hilfs-Hostel umwandeln. Sie suchen dafür übrigens noch Freiwillige. Bis sie wieder nach Kos kommen, haben sie mit örtlichen Händlern alles geregelt, dass den Menschen auch in ihrer Abwesenheit geholfen wird – aber dazu müssen die Spenden weiter fließen. Dabei möchten wir helfen. Also: Flattert alle, was das Zeug hält!

Hier kann man auch direkt spenden – und hier auf ihrer Facebook-Seite erzählt Rachel von ihren Erlebnissen.
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