Donnerstag, 29. Mai 2014

KOPENHAGEN BEI HELSINGBORG: MEINE TIPPS FÜR DIE DÄNISCHE HAUPTSTADT

Ja, ich wollte viel häufiger bloggen, aber ich habe ja mit der Schwangerschaft eine ganz gute Ausrede
Fröhliche Kopenhagener beim Tanz am
Amager Strand – einer von vielen
Kopenhagen-Tipps
im Moment. Schwangersein macht nämlich mitunter schlapp. Nach einem grandiosen Energie-Zwischenhoch im zweiten Trimester, ist die bleierne Anfangsmüdigkeit jetzt - leider – teilweise zurückgekehrt. Das Wetter tut ein Übriges dazu. Während nämlich Deutschland im Regen versinkt, regiert in Südschweden der blaue Himmel. Heute weht immerhin eine erfrischende Brise, aber wenn ich es mir in den vergangenen Tagen mit Rhabarberkuchen, Vanilleeis und Krimi in unserer Innenhofoase gemütlich gemacht habe, habe ich es etwa 20 Minuten ausgehalten, bevor ich mich wie ein Grillwürstchen gefühlt habe. Danach war dann erst mal ein Schläfchen angesagt. Ja, mitten am Tag, – endlich mal ein Vorteil des Freelancerdaseins. Es lebe der Biorhythmus!

Am heutigen Feiertag nehme ich mich aber mal zusammen – aus aktuellem Anlass. Meine St. Töniser Grundschulfreundin Iris, die ich erst kürzlich über das Business-Portal XING wiedergefunden habe (HIER geht es übrigens zu meinem Profil dort) fliegt nämlich morgen zum ersten Mal nach Kopenhagen. Kopenhagen? werdet Ihr jetzt fragen. Was hat das denn mit Schweden zu tun? War das nicht die Hauptstadt von Dänemark?

Das ist natürlich absolut richtig. Was viele nicht wissen: Helsingborg liegt gerade mal 55 km von Kopenhagen entfernt. Die Zugfahrt von Kopenhagen bis Helsingør dauert knapp eine Stunde, dann setzt man mit der Fähre nach Helsingborg über (und von uns aus eben alles umgekehrt). Da ich mal vier Monate in Kopenhagen gewohnt habe, werde ich immer wieder nach Tipps gefragt. Also dachte ich mir, dass ich die einfach mal hier poste – ich habe die Tipps natürlich auf Aktualität geprüft. (Da fällt mir ein: Liebe Redaktionen, ja, Ihr könnt mich tatsächlich auch mit Kopenhagen-Reportagen und anderen kopenhagenrelevanten Dingen beauftragen. Sagen wir, mit Interviews mit Mads Mikkelsen oder Helena Christensen oder wer sich da sonst noch so herumtreibt. Ich kann so was! Siehe z.B. hier oder hier

Erst mal ein paar allgemeine Punkte zu Kopenhagen

Holzauge, sei wachsam:
Kopenhagen ist teuer!
(Bild: Bademeisterwachturm in
Klampenborg)
Die Warnung vorab: Es ist teuer!

Unbedingt dänisches Bargeld mitbringen! Es gibt jede Menge Bars, Cafés, Restaurants und Läden, die nur Bargeld oder die so genannte (nur im Eigentum von Dänen befindliche) Dancard akzeptieren. Insbesondere, wenn man sich auch nur ein kleines bisschen aus dem direkten Zentrum weg bewegt. Verlasst Euch nicht darauf, dass Ihr schon irgendwo Geld ziehen könnt. An Feiertagen werden die Geldautomaten nicht nachgefüllt – kein Scherz! In meiner Kopenhagen-Zeit wurde ich an einem langen Feiertagwochenende Zeugin, wie Karawanen von Radfahrern vergeblich von Automat zu Automat pilgerten, um irgendwo ein paar Kröten zu bekommen. Unter den Pilgern: moi.

Nehmt kein Taxi vom Flughafen. Viel zu teuer! Stattdessen fährt Euch die Hightech-Metro M2 oder der Zug bequem ins Zentrum. Wenn Ihr aus dem Baggage-Claim-Bereich herauskommt, geht Ihr einfach stur geradeaus bis ans gegenüberliegende Ende der Halle. Die Metro ist oben, der Zug unten. Einfacher geht es nicht!



Ansehen oder nicht ansehen – das ist hier die Frage:

Die bunten hübschen Häuschen in Nyhavn (bzw. hier) muss man zumindest einmal gesehen haben, da haben die Reiseführer recht. Aber lasst Euch never ever dazu hinreißen, dort auch nur einen Kaffee zu trinken. Hier wurde das Wort "Touristenfalle" vermutlich erfunden und authentisch ist hier, sorry, gar nix mehr. Ihr bekommt inmitten von Touristenmassen wenig Mittelmäßiges für einen exorbitanten Preis. Bitte auch auf Eure Taschen achten!

Ja, schaut Euch ruhig die Kleine Meerjungfrau an, das ist ja schon so was wie ein Pflichtprogramm. Aber macht Euch drauf gefasst, dass sie viel kleiner ist als ihr glaubt. Sie ist ein zartes Persönchen und wirklich leicht zu übersehen. Übrigens hat die Dame inzwischen ein interessantes männliches Pendant namens Han (= er) im Helsingborg gegenüber liegenden Örtchen Helsingør (siehe auch unten unter "Ausflüge").

Seht Euch unbedingt Christiania an, die berühmte Freistadt, die inzwischen zum Freistaat geworden ist, da die alternativen Anwohner zumindest einen Teil der Gebäude und das zugehörige Gelände vom Staat kaufen konnten und es so vor der Umwandlung in teure Apartmentanlagen bewahrt haben. Hier gibt es auch leckere Sachen zu vernünftigen Preisen.

Vergnügungspark Tivoli (direkt am Bahnhof): Kann man machen. Muss man aber nicht. Finde ich.
Besonders ärgerlich: Anders als in anderen Vergnügungsparks bezahlt man einen (nicht unerheblichen) Obolus für den Eintritt und dann noch einmal extra für alle Fahrgeschäfte – und fürs Essen natürlich sowieso. Gerade Familien mit mehreren Kindern haben danach erst mal Ebbe in der Kasse. Dann doch lieber nach Klampenborg – siehe unten.

Zimmer 606 – Jacobsen, wohin man schaut
(Bild: Richard Moross - Original hier)
Das Royal Hotel Copenhagen (heute Radisson Blu) wurde ursprünglich von Arne Jacobsen gestylt. Man hat viel geändert, aber Zimmer 606 befindet sich noch im Originalzustand! Lasst es Euch zeigen, wenn es gerade nicht gebucht ist – oder, falls Ihr Euch gleich einmieten möchtet, fragt bei der Buchung danach!

Die Einkaufsstraße Strøget steht in jedem Reiseführer, ist aber – ganz ehrlich –  eine Einkaufsstraße wie jede andere, mit McDoof, Ketten und Konsorten. Anders gesagt: Wer die Schildergasse in Köln kennt, kennt auch die Strøget. Bummelt lieber auf der Parallelstraße Læderstræde – viel nettere Läden!

Jede Menge schöne Parks laden Euch ein, es ruhig angehen zu lassen. Ein besonderer Tipp und eine Oase der Ruhe ist der Assistens Kierkegård, der Friedhof, auf dem u.a. Hans Christian Andersen begraben ist. Hier in der Nähe, in der Struenseegade 15 A, findet Ihr auch den Showroom meiner Lieblingsschuhmarke Lola Ramona. Designerin Christina bekommt es hin, wundervoll individuelle Schuhe zu entwerfen – die meisten haben einen Hang zum Rockabilly, passen aber zu allem.

Falls Euch nach Sightseeing und Shopping (s.u.) ein wenig nach angenehmer Meeresbrise ist, nehmt die Flughafen-Metro M2 zum Amager Strand, kauft Euch ein Eis und glotzt rüber nach Malmö in Schweden. Oder, von mir aus, auch hübsche Dänen bzw. Däninnen an (siehe Bild unten).

Life is a beach – am Amager Strand,
dem Stadtstrand von Kopenhagen,
erreichbar per Metro M2
In kleinen süßen Souterrainläden super einkaufen – insbesondere Klamotten – kann man im bei Studenten beliebten Stadtteil Nørrebro in der Elmegade. Ich habe es ja eigentlich nicht so mit dem Shoppen, aber bei Foxy Lady habe ich einige meiner Lieblingsstücke erstanden. Tolles, sehr spezielles Design, weit weg von Massenware – und bezahlbar. Auch Cafés und nette Restaurants findet Ihr hier und am benachbarten Sankt Hans Torv (Torv heißt "Platz" auf dänisch). Wer unkompliziertes und nicht zu teures Nachtleben sucht, ist hier ebenfalls richtig.

Wenn es regnet oder Euch nach Ruhe ist, lege ich Euch die Glyptothek neben dem Tivoli mit ihren herrlichen Skulpturen ans Herz. Der verträumte Wintergarten mit seinem pergamentenen Licht und den ausgewachsenen Palmen entführt in eine andere Zeit. Bis vor einiger Zeit wurde das Café dort von Dänemarks Starkonditorin Mette Blomsterberg geführt, aber da meiner Erfahrung nach alle Dänen hervorragend backen können, könnt Ihr Euch bestimmt auch ihren Nachfolgern anvertrauen.

Das führt mich zum nächsten Punkt:

Cafés & Restaurants 

Bang & Jensen:
Spitzenfrühstück zum Ankreuzen
in gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre
Fürs Frühstück und Brunch gibt's nix Besseres als das Bang & Jensen (Istedgade 130 im dauerangesagten
Stadtteil Vesterbro) in einer früheren Apotheke. Gut zu wissen: Einmal bestellt, könnt Ihr Euch den (normalen und sehr guten Filter-)Kaffee immer wieder nachnehmen.

Eine Kollegin, die halb in Kopenhagen lebt und besonders im Food-Sektor aktiv ist, empfahl mir jüngst das Café Atelier September . Ich habe es noch nicht ausprobiert, bin mir aber sicher, dass es ganz wunderbar ist!

Nach dem Shopping in der Innenstadt ist es Zeit für Smushi, einen Mix aus dem echten dänischen Smørrebrød und Sushi. Diese Kreation könnt Ihr im schrillen Royal Café genießen.

Wenn Euch nach hervorragender und möglichst authentischer dänischer Küche und großen Portionen ist, macht Euch auf ins Restaurant Puk. Schmeckt köstlich, ist aber nix für Kalorienzähler!

Falls Ihr den Trubel des berühmten Vergnügungsparks Tivoli nicht scheut, könnt Ihr Euer Smørrebrød zum Bier auch an Biergartentischen mit karierten Tischtüchern im Grøften probieren. Das hat mit Gruft nix zu tun, sondern mit Graben: Das Restaurant liegt in einer Senke.

Ein sehr schön gelegenes Café-Restaurant ist das Oven Vanden – das "Über dem Wasser" – im hübschen Stadtteil Christianshavn (in der Nähe von Christiania)

Lecker und stilvoll speist man in der Atlas Bar, im Süden des Zentrums gelegen.

Noch ein Smørrebrød-Tipp ist das Restaurant Tivolihallen (in der Nähe des Tivoli, aber nicht darin). Probiert unbedingt eines der Hering-Gerichte (= sild) zum Lunch (das Mittagessen heißt auf dänisch frokost, nicht zu verwechseln mit dem schwedischen frukost, das ist nämlich das Frühstück).

Im Norden der Stadt, gegenüber vom Rigshospitalet, einem von Lars von Triers schaurigen Lieblingsschauplätzen,  findet Ihr ein romantisches, französisch angehauchtes Restaurant namens Blegdammens Stjerne.

Im Süden der Stadt auf der Insel Amager, auf der auch der Flughafen und der Strand liegen, gibt es ein sehr empfehlnswertes und kein bisschen touristisches Café: Ingolfs Kaffebar. Liegt versteckt, lohnt sich aber.


Bars & Nachtleben

Ohne jeden Zweifel die schickste und wahrscheinlich beste Cocktail-Bar in Kopenhagen ist die K-Bar von Cocktail-Star Kirsten Holm. Mitten in der Stadt malerisch an einem Kanal gelegen. Stars und Sternchen beginnen hier ihren Abend – macht Euch auf Schlangen vor dem Eingang gefasst!

Alternativer geht es in der Wohnzimmer-Atmosphäre der Jolene Bar im hippen Schlachterviertel, dem Kødbyen (wörtlich übersetzt: Fleischdorf), zu. Hier trinkt man Bier statt Cocktails! Im Kødbyen findet Ihr auch noch einige andere Restaurants, Bars und spannende Galerien. Schaut Euch einfach um.

Altmodisches Flair hat die winzige Bobi-Bar im Zentrum. Hier sieht man alten Herren beim Schach zu, trinkt Cognac und – raucht. Aufgrund einer bizarren Gesetzesnische ist das Qualmen erlaubt: Wenn das Loka eine gewisse Größe nicht überschreitet, darf man zum Glimmstängel greifen.


Mit etwas mehr Zeit: Ausflüge

Keine Panik – formschön ist
hier in Klampenborg alles
In Klampenborg (Zug Richtung Helsingør) findet Ihr direkt hinterm Strand die von Arne Jacobsen gestaltete Wohnanlage Bellavista mit dem Bellevue-Theater. Außerdem den ehemals königlichen Wald Dyrehaven mit Ponyreiten und Wildgehege. Mit dem Dyrebakken gibt es sogar einen kleinen Vergnügungspark. Ein perfektes Ausflugsziel für Familien!

Kopenhagen ist reich und designbewusst. Auf Flohmärkten in der Stadt und vor allem in den reichen Vorstädten könnt Ihr darum großartige Schnäppchen machen, sowohl was Interieur als auch was Mode angeht. Einer meiner Lieblingsmärkte findet sonntags in Vedbæk von 9 - 14 Uhr  am und im alten Bahnhof statt (Vedbæk Stationsvej 20 A, Valhalla)

Bleibt Ihr ein paar Tage länger, solltet Ihr in Erwägung ziehen, den Zug zum wunderbaren Louisiana-Museum für Moderne Kunst im Örtchen Humlebæk (Zug Richtung Helsingør) zu nehmen. Mein Lieblingsmuseum auf dieser Welt! Yves Klein, Giacometti, Miró, Hockney ... Nach dem Rundgang lasst Ihr Euch im himmlischen Park mit Panoramablick hinüber nach Schweden auf die Wiese sinken. Entspannender kann ein Museums-Besuch nicht sein.

Von Humlebæk ist es dann nur noch ein Katzensprung ins malerische Örtchen Helsingør mit dem "echten" Hamlet-Schloss Kronborg – und – tata – der Fähre nach Helsingborg, wo wir wohnen. Was man in den beiden Helsingorten so machen kann, dazu findet Ihr eine erste Übersicht hier.

Zurück nach Hause – nach der
Bahnfahrt von Kopenhagen
geht's auf die Fähre
von Helsingør nach Helsingborg
(dafür steht auch das HH)


Das war natürlich längst nicht alles, aber jetzt ist mir erst mal nach Kaffee & Kuchen und darum ist hier Schluss!