Samstag, 22. Dezember 2012

DIE ERLEUCHTETE LUZIE UND EINE KLEINE KATZENPARADE


Lusse-Experimente
Ja, ich hatte versprochen, am 13. Dezember etwas über den Luciatag zu schreiben. Der aufmerksame Leser wird gemerkt haben, dass es dazu nicht gekommen ist. Im Moment ist einfach so viel los und zu tun, dass ich buchstäblich zu kaum etwas komme (im wahrsten Sinne...) Ich versuche aber trotzdem mal ein kurzes Posting (ob ich DAS schaffe?)

Backexpertin A. bei der Rosinenausgabe
Am 12. haben wir – J., ich und eine ganz besondere Backexpertin, die uns an diesem Tag die Ehre gab – Lussekatter gebacken, das traditionelle schwedische Luciatag-Hefegebäck. Lussekatter heißt so viel wie "Luciakatzen". Bei diesen Katzen handelt es sich um eine Art Mini-Stuten mit Safran in Form einer schiefen Sonnenbrille mit zwei Rosinen drauf. Oder, wenn man so will,  auch von den verschlungenen Schwänzen zweier orangefarbener Katzen mit zwei durch Rosinen symbolisierten Trockenfutterkeksen obendrauf.

Ein leuchtender Lussesnigel auf den Lussekaterna
Das heißt, so sollten die Dinger eigentlich aussehen. Da wir aber nun die ganz besondere Expertin beim Backen dabei hatten, gab es neben den normalen Lusserkatter auch Lussesnigel (Lusseschnecken) und ein Lussehjärta (Lusseherz). Außerdem wurde auf meinen besonderen Wunsch  ein Lussestjärna (Lussestern) und ein Lusseweckmann hergestellt. (Ich vermisse nämlich meine St-Martins-Weckmänner, damit bin ich am Niederrhein aufgewachsen) und außerdem eine richtige Lussekatt, die auch aussah wie eine Katze. Das Rezept habe ich übrigens von Stefanie Andersson geklaut und zwar hier (ich habe mich für die Quarkversion entschieden). Ihren lesenswerten Blog erreicht Ihr auch über den Link unten rechts bei meinen Bloglieblingen.

Singende Jungfrauen-Darstellerinnen in
Helsingborg 
Die Heilige Lucia war übrigens eine sizilianische Jungfrau, die sich nicht zwangsverheiraten lassen wollte, weil sie sich als mit Jesus vermählt betrachtete. Der verschmähte Bräutigam – also der sizilianische solche, nicht Jesus – war ein schlechter Verlierer und hat sie als Christin verpetzt. Daraufhin sollte sie in ein Bordell verschleppt werden (der Mensch ist doch wirklich eine reizende Spezies, nicht wahr?), aber Lucy war dank Jesus-Power auch mit der Kraft der 1000 Ochsen (also ungefähr) nicht vom Fleck zu bewegen und wurde dann "nur" erstochen. Diese Geschichte hat selbstverständlich überhaupt nichts mit den Lussekattern und auch nichts mit den Lucias zu tun, die am 13. Dezember auf schwedischen Plätzen in weißen Nachthemden mit einer Art Adventskranz auf dem Kopf herumstehen und herumsingen. Nichts, außer, dass Lucia so viel wie "die Leuchtende" bedeutet und man am Luciafest den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit zur Wintersonnenwende feiert. Der aufmerksame Leser wird stutzen, was die Wintersonnenwende  am 13. Dezember zu suchen hat.

Die erste Fuhre ist etwas dunkler geworden,
trotzdem lecker
Des Rätsels Lösung: Wir haben es hier, ähnlich wie beim schwedischen Nationalfeiertag mit einem etwas fehl platzierten Feiertag zu tun, der durch  die Umstellung vom Julianischen auf den Gregorianischen Kalender nach vorn gerutscht ist, wo er gar nicht hin gehört. So, jetzt wisst Ihr auch das.

Eigentlich wollte ich auch noch von ganz vielen anderen Sachen schreiben, zum Beispiel von Thomanders Jul in Lund, vielleicht komme ich an Weihnachten dazu.

Die Lussekater haben den Geschmackstest
 durch die Expertin bestanden
Bis dahin wünsche ich ein allerherzlichstes GOD JUL!

Donnerstag, 13. Dezember 2012

WIE WIR UNS AN JANTE VORBEI AUF EINE WEIHNACHTLICHE ZEITREISE SCHMUGGELTEN

Der "Dorfkern" des Freilichtmuseums Fredriksdal
Fredriksdal in Helsingborg ist ein tolles großes Freilichtmuseum mit herrlichem Park und im Sommer war ich schon ein paar Mal hier. Hier hat man es sich zum Beispiel zur Aufgabe gemacht, Skåne (Schonen) in Miniatur zu präsentieren und dabei alte Haustierrassen oder alte Kulturpflanzen – etwa seltene Obstsorten – vor dem Aussterben zu bewahren. Gleiches gilt für traditionelle schwedische Bräuche. Darum gibt es an einem der Adventswochenenden in Fredriksdal immer einen ganz besonderen Weihnachtsmarkt. Eine Veranstaltung, bei der man sich wirklich in der Zeit zurückversetzt fühlt. Oder von mir aus auch wie in ein Charles Dickens-Märchen. Aber das schließt sich ja nun auch nicht aus.

Ihr ahnt es bereits: J. und ich haben uns am vergangenen Wochenende in und auf diesem stimmungsvollen Gesamtkunstwerk umgesehen. Beinahe wäre es allerdings nicht dazu gekommen. Wir wären beinahe wieder umgedreht, denn unsere Zeit war begrenzt und als wir am Haupteingang ankamen, war das erste, was wir sahen, eine ewig lange Schlange. Schweden lieben aus unerfindlichen Gründen das Schlangestehen und steuern immer ganz automatisch die längste Schlange an, die sie finden können. In der warten sie dann allerdings mit stoischer Ruhe und ohne jedes Murren, bis sie an der Reihe sind – ob jetzt im Supermarkt oder bei der Fährüberfahrt oder eben vor Fredriksdal.  Nur J. ist trotz seiner durch und durch schwedischen Wurzeln eine Ausnahme von der Gern-Schlangesteh-Regel (deren Existenz er übrigens betriebsblind abstreitet, während alle mir bekannten Deutschen in Schweden hier sofort ein Muster erkennen). Ich selbst habe als Deutsche ja sowieso den Ruf weg, mich in rüpelhafter
 Weise immer vordrängeln zu wollen (und das nur, weil ich weiß, wie das Reißverschlusssystem funktioniert, aber das ist eine andere Geschichte, die Interessierte bald in diesem Buch nachlesen können).


Jedenfalls standen wir kurz ratlos herum und fragten uns, ob sich die Sache angesichts unseres begrenzten Zeitbudgets überhaupt lohnt. Doch dann erspähten wir plötzlich ein Schild, auf dem "V.I.P.-Entré" stand. Dort wartete, obiger Logik zufolge, kein Mensch. Schweden haben außerdem fürchterliche Angst, dass jemand anders denken könnte, sie seien unbescheiden und hielten sich für was Besseres. Das hat möglicherweise mit einer (angeblich) typisch skandinavischen Haltung zu tun, die den dänisch-norwegischen Schriftsteller Aksel Sandemose zum Jantelagen inspirierte, dem fiktiven Gesetz des fiktiven Örtchens Jante. Jante war das Zentrum eines gesellschaftskritischen Romans Sandemoses und Jantes Gesetz untersagt es, kurz zusammengefasst, dem Einzelnen, sich über die anderen zu erheben (der englische Wikipedia-Eintrag dazu hier  ist etwas differenzierter und klüger als der deutsche). Demzufolge ist natürlich bereits ein Wort wie "V.I.P." für einen Skandinavier die reinste Abschreckung. Wir allerdings hofften, dass J.s Fredriksdal-Jahreskarte und mein Presseausweis möglicherweise in die V.I.P.-Kategorie  fallen könnten, auch wenn wir uns sonst eigentlich nicht so fürchterlich wichtig nehmen (hoffe ich). Getreu meines Lieblingsmottos "Versuch macht kluch" wagten wir also einen beherzten und zutiefst unschwedischen Vorstoß. Und, oh Wunder, ohne jegliche Wartezeit konnten wir sofort ins Weihnachtsparadies eintreten, mit zahllosen Ständen, Lichtern, Weihnachtsbäumen, Tomtes und kulinarischen kleinen Überraschungen, wie zum Beispiel Weihnachtsknäckebrot oder Apfel-Glögg. An dieser Stelle lasse ich jetzt einfach mal ein paar Bilder für sich sprechen.

Brueghel, der ganz Junge

Schönheitswettbewerb
Geisterhaft

Paradiesisch schimmert der Apfelglögg
Sternzeichen

Un dann stonn se en d'r Kaffebud un schödden
sich d'r Kaffee in d'r Kopp ("Kopp" auf Schwedisch = Tasse)

Feuerchen zum Aufwärmen
zwischendurch



O Tannenbaum!


Adventskranz,
sort of


Ist der Elch klein oder die Katze groß?


Knopfaugen waren  gestern,
warme Knopfohren sind in

Weihnachtsknäcke mit Kardamom
Jede Menge Tomtar (= kleine Hausgeister)


Hier ein besonders
"berauschtes" Exemplar

Eins der Häuser des Freilichtmuseums,
eine typische alte Kate




Sonntag, 9. Dezember 2012

MATGLÄDJE* BEI MIKI IN BILLEBERGA – UND WAS DIE VORRATSKAMMER VON ONKEL ELOF DAMIT ZU TUN HAT

Klettersanta 
Billeberga. Das klingt wie Lönneberga, der Ort, in dem Astrid Lindgrens Michel lebt (der in der schwedischen Originalversion übrigens Emil heißt). Und Billeberga erinnert wirklich an das Lindgren-Lönneberga, wenn man mal davon absieht, dass die Häuser, wie oft hier in Skåne, nicht aus ochsenblutrot gestrichenem Holz bestehen, sondern aus Stein (die roten Holzhäuser gibt es in Skåne auch, aber lang nicht so viele wie weiter nördlich). Ein winzig kleines Örtchen, das so idyllisch ist, dass es schon fast weh tut. Ganz besonders, wenn es geschneit hat. Und es hatte geschneit am Donnerstag. Auf allen Häuschen und der Kirche lag eine dekorative Puderzuckerschicht Schnee, in den Fenstern sah man Kerzen und Lichter und Weihnachtssterne und als wir die paar Hundert Meter von der winzigen Eisenbahnstation zu Farbror Elofs Skafferi (Skafferi = Vorratskammer) spazierten, einem Restaurant, das sogar im berühmten Restaurantführer White Guide aufgeführt ist, kam ich mir vor wie in einem dieser Dörfer aus den Weihnachtsmärchen, die ich als Kind gelesen habe und von denen ich immer dachte, dass es sie gar nicht gibt.

Flohmarktsachen auf unserem Tisch
Doch als wir dann das Tor zum Gutshof bei Farbror Elof – Onkel Elof** – durchschritten, ging das Märchen gleich weiter. Ein zauberhafter Innenhof, kopfsteingepflastert, bäumchenbewachsen und schneebepudert lag geradeaus, gerade so, als würde gleich Aschenputtel oder Tinkerbell (oder von mir aus auch der Shrek) aus einer der Türen im Fachwerk ringsum treten. Doch nur durch die mintgrün gestrichene Tür vorn rechts ging es geradewegs ins Paradies. Ins Gaumenparadies.


Gemütlichkeit!
Vor einigen Jahren war ich schon mal hier, das war allerdings in einem Juni, einem schicksalhaften solchen (warum der so schicksalhaft war, werden Leser dieses Buches im nächsten Jahr erfahren). Schon damals war ich schwer beeindruckt. Jetzt war (ist!) es also statt kurz vor Mittsommer kurz vor Mittwinter, naja, fast, und wir hatten einen Tisch fürs Julbord gebucht, das klassische schwedische Weihnachtsbuffet. Für ein richtiges Julbord fährt man aufs Land, hatte J. gesagt und J. weiß Bescheid, er kommt schließlich aus Schweden, unter anderem darum war unsere Wahl auf den Onkel gefallen. Und natürlich, weil das Julbord hier als eins der besten in Skåne gilt. Wir bekamen einen Tisch direkt hinter dem Eingangstresen zugeteilt, mit Blick über das ganze entzückende Lokal, mit seinen alten Balken und den Flohmarktsachen auf allen Tischen und Theken und Regalen und an den Wänden. All das versprühte einen Charme, wie es kein Design je vermögen würde. Nippes, wie der Kölner sagt. Aber was für einer.

Die Inuit haben tausend Sorten Schnee,
die Schweden tausend Sorten Sill.
Also ungefähr.
Zur Begrüßung wurde uns ein Glögg in die Hand gedrückt, der schwedische Glühwein mit Rosinen und Mandeln. Und dann ginges auch schon los. Traditionell, sagt J., beginnt man das Julbord mit Sill, eingelegtem Hering. Wenn es sonst, sagen wir, fünf Sorten gibt, so gab bei Onkel Elof mindestens zwanzig. Branteviksill mit Pfeffer, Dill und Zwiebeln. Havtornsill mit Sanddorn. Nyponsill mit Hagebutten. Senapssill mit Senf. Vodkasill. Skärgårdssill (skärgård = Schären). Kräftsill mit Krebsen. Und so weiter. Ich habe nicht alle probieren können, aber alles, was ich probiert habe, schmolz auf der Zunge. Ich habe ja inzwischen schon viel Sill gegessen, in Schweden kommt man nicht drum herum, aber der  Sill hier bei Farbror Elof, das war echter Sterne-Sill. Zum Sill trinkt man einen Schnaps. Hallands Fläder mit Holunder- und Zimtgeschmack war es in diesem meinem Fall, ein klassischer schwedischer Festtagsschnaps. Der war nicht nur sehr lecker, sondern ich bekam – wen wundert's – direkt noch bessere Laune. Schnaps ist in Schweden übrigens kein Säufergetränk, sondern ein wichtiger kulinarischer Bestandteil jedes Festtagsessens.
Knifflig!

Weiter ging es mit mehr Fisch und Meeresfrüchten. Muscheln zum Beispiel und Bücklingpastete, Makrele und Lachs in verschiedenen Ausführungen. Alles serviert mit unterschiedlichen Soßen und Dipps. Eine Besonderheit an diesem Buffet war der Grövad Lax. Das ist, so erklärte uns die nette Dame vom Service, normaler Gravad/Graved Lachs (früher wurde der Lachs zur Fermentierung tatsächlich vergraben, heute gibt es andere Verfahren), der anschließend noch geräuchert wurde.
   Nach der ganzen Fischigkeit mussten wir dann erst mal eine Pause einlegen und vertrieben uns die Zeit mit Yatzy (Kniffel), das neben anderem Flohmarktkram (wie einer Siebziger-Sonnenbrille, einer Schneekugel aus Malta und aus rätselhaften Gründen auch einem Döschen Mundwassergel...) auf unserem Tisch herumlag. Und während wir so spielten, wurden wir zu unserer Überraschung plötzlich freudig vom Koch begrüßt: Miki stellte sich als Nachbar aus unserer (nicht unbedingt langen) Straße heraus – und er hatte uns sofort erkannt! Kleine Welt! Da wohnt ein paar Häuser weiter so ein Küchengenie und wir wissen von nichts!

Das ist nur eine Seite des im wahrsten Sinne
vielseitigen Buffets
Der nächste Gang eines Julbords ist gewissermaßen der Hauptgang und da sind fleischige Gerichte wie Schweinebauch, Würstchen und Köttbullar (die bekannten Fleischklößchen) die vorwiegenden Bestandteile. Da ich es in den meisten Fällen vermeide, Fleisch zu essen, sofern es sich nicht um Wild – da 100% Öko und artgerecht aufgewachsen – oder nachhaltig gefangenen Fisch handelt oder ab und zu mal um ein Bjäre-Huhn (Veggies mögen mich für inkonsequent halten, aber ich mache mir schon eine Menge Gedanken und esse insgesamt nicht besonders viel Fleisch), habe ich mich an Janssons Frestelse gehalten, was übersetzt "Janssons Versuchung" bedeutet, ein Kartoffelgratin mit Anchovis und einer Million Kalorien. Dazu gab es Brunkål, Grönkål und Rödkål (Braun-, Grün- und Rotkohl) und damit war ich dank unglaublicher weihnachtlicher Gewürzexplosionen auf den Geschmacksknospen schon sehr glücklich...

Zeitmaschine aus den Siebzigern
die Zaubersonnenbrille macht's möglich!
Ich kürze das hier jetzt etwas ab, sonst komme ich nie zum Schluss: Im nächsten Gang gab es weitere Pasteten (auch Wild!), diverse Schinken, unter anderem den traditionellen Julskinka (Weihnachtsschinken) und ich habe hier und da ein winziges Stückchen probiert – die Neugier! –  und auch in diesen Fällen war der Geschmack überragend. Anschließend konnte man sich, wenn man wollte, an mediterranen Köstlichkeiten erfreuen (Oliven, Auberginenpaste, Chorizo, Salami, etc.), was ich allerdings übersprungen habe, weil ich unbedingt den Süßkram probieren wollte.

Frau B., im matgladen Zustand
Das war zum Beispiel traditioneller Ostkaka – Käsekuchen – mit Sanddorn. Oder Crema Catalana (okay, nicht direkt schwedisch). Schokolierte Nüsse und Früchte. Milchreis mit Sylt (Marmelade). Ich schreibe "oder", abe eigentlich müsste es "und" heißen, denn ich habe tatsächlich von allem probiert. Beim Käse musste ich dann leider passen, denn der passte definitiv nicht mehr rein.... Nächstes Jahr!
   Als wir schließlich den Zehn-Uhr-Zug von Billeberga zurück nach Helsingborg nahmen, waren J. und ich jedenfalls beide gewaltig matglad, so lautet ein wunderschönes schwedisches Wort, das so viel bedeutet wie essensglücklich. Und so fuhren wir nach einem gelungenen Abend durch die verschneite Nacht gen Norden... (Hätten wir allerdings nicht gemusst, denn bei Farbror Elof kann man auch übernachten!)


Hier noch ein paar Eindrücke (wie immer gibt es die Bilder auch in groß, wenn man drauf klickt):
Kronleuchter im Buffetsaal


Stil(l)leben über unserem Tisch

Sup-Experimente (sup = Schnaps)  der Küche,
noch nicht zum
Trinken zugelassen
Flohmarkt – auch an der Wand
Liebe (kärlek) geht durch den Magen!

Leider war die Batterie der "guten" Kamera
am Ende, als wir ein Außenfoto machen wollten,
also musste J.s Xperia ran.




Adresse und Infos
 Ein Extradank geht an Monica vom Helsingborgs Turistbyrå, Sara von Visit Skåne und Sabine von Visit Sweden

* Matglädje ist ein besonderes schwedisches Wort und bedeutet so viel wie "Essensglück" oder "Glück durch Essen"
** Farbror ist der Onkel väterlicherseits, mütterlicherseits hieße der Onkel morbror, also Mutterbruder, farbror heißt – der detektivisch begabte Leser hat es sich bereits gedacht –  wörtlich übersetzt Vaterbruder

Donnerstag, 6. Dezember 2012

MIT DER NIKOLAUSMÜTZE GEPOCHT: VON SUPERSANTA UND ANDEREN ZIPFELTRÄGERN

Dieser Nikolausmützenhund
begrüßt Euch mit freundlicher
 Genehmigung meines
wunderbaren
Adoptivgroßvaters
Olle Montelius
Frohen Nikolaus allerseits! Als Deutsche ist man ja überrascht, dass die Schweden mit dem Nikolaustag nichts anfangen können. Kein Kind stellt seine Schuhe (oder besser: Stiefel, die größten, die man finden kann) vor die Tür. Da kann natürlich auch kein Nikolaus Gaben hinterlassen. Wenn die armen schwedischen Kinder wüssten, wie sie hier hinters Licht geführt werden, indem ihnen so eine einmalige Gelegenheit mutwillig verschwiegen wird. Ich habe Nikolaus als Kind fast noch mehr geliebt als Weihnachten, die Sache war so wunderbar geheimnisvoll. Plötzlich waren am Morgen die Schuhe voll mit Süßigkeiten, Mandarinen, Äpfeln, Nüssen und dazwischen kleinen Geschenken, aber vom edlen Spender nie die geringste Spur. In diesem Punkt sind die Schweden also tatsächlich mit der Mütze gepocht, nämlich mit der Nikolausmütze. So wenig Nikolaus gefeiert ist, so sehr ist hier alles von Nikolausmützen übersät!


Bei Ebbas Fik gibt es nur Kaffee und
Kuchen, keine anderen
Dienstleistungen (auch wenn
 diese Dame zugegebermaßen
sehr luftig gekleidet ist)
Zum Beispiel bei  Ebbas Fik. Ja, die deutschen Leserinnen und Leser werden jetzt kichern, ab er natürlich kommt "Fik" nicht von dem, was Ihr jetzt denkt – da fehlt ja dann auch ein entscheidender Buchstabe – und Ebba arbeitet auch nicht im horizontalen Bereich. "Fik" kommt selbstverständlich von Fika, der schwedischen Allzweck-Kaffeepause, meiner Ansicht nach die Basis der gesamten schwedischen Kultur. Ohne Fika würde Schweden so wenig funktionieren wie Frankreich ohne Rotwein.

"Ebbas Fik" ist im Moment mein Lieblingscafé in ganz Helsingborg, die Fünfziger-Einrichtung ist konsequent bis ins letzte Detail, es gibt sogar eine Jukebox, von der man sich für den bescheidenen Obulus einer Krone Lieder wünschen kann. Aber vor allem bekommt man hier die weltbeste warme Blåbärspaj mit Vanillecreme (unser Freund Johan hatte außerdem selbst gebackene und nicht minder köstliche Lussekatter eingeschmuggelt) und ganz hervorragenden Kaffee – wie in Schweden üblich mit Nachfüllung bis zum Abwinken.

Es war also nur ganz logisch,  dass wir am vergangenen Sonntag "bei Ebba" waren, nachdem wir uns eine Übersicht übers Julskyltning verschafft hatten. Julskyltning ist der erste Sonntag im Advent, an dem die meisten Innenstadt-Geschäfte in Schweden geöffnet haben und ihre Weihnachtsdekoration präsentieren. Außerdem stehen überall Buden rum für einen eintägigen Weihnachtsmarkt, auch durchgefrorene Chöre stehen hier und da in der Gegend herum und in  Helsingborg gab es vor der wunderschönen Mariakyrka ein Krippenspiel, mit kreativen Requisiten.

Noch ein bisschen Weihnachtsstimmung im Bild (alle Bilder gibt's auch in groß, wenn man drauf klickt!):

Supersanta im figurbetonenden
Outfit (sollte man vielleicht nach
Köln exportieren?)

"O"hne W"O"rte

Entdecke die Fehler!

Oben Mitte: Die Köstlichkeit der Köstlichkeiten
Nikolaus-Mitarbeiter bei Ebba

Leicht zweideutiger Luciakranz aud Filz,
der auf dem Julskyltnings-Weihnachtsmarkt
angeboten wurde