Dienstag, 16. Oktober 2012

BRIEFE AUS BLOGONIEN

Meine lieben Leser,

Hinter dem Horizont geht's weiter,
das sang bereits der geschätzte Udo.
Und das ist nicht allzu lange hin.
vielleicht wundert Ihr Euch: schon seit ein paar Tagen kein Posting. Ich hätte viel zu erzählen, ich habe leider nur keine Zeit. J. und ich sind jetzt beim Endspurt für unser Schweden-Buch, außerdem kommt (wie immer) ständig was dazwischen, das keinen Aufschub duldet und dann noch zusätzlich erledigt werden muss. Die Erkältung, die so alle zwei Tage anklopft, halte ich immerhin in Schach mit Globuli (Sie wirken, ich habe keine Ahnung, warum, aber sie tun es! Und es ist nicht "nur" Placebo, denn als ich sie das erste Mal nahm, war das reine Verzweiflung, kein Glaube an die Homöopathie), Vitamin C plus Zink und ansonsten mit Nichtbeachtung, was bedeutet, dass ich arbeite und jogge wie immer, damit mein Körper erst gar nicht auf die Idee kommt, jetzt könne er doch mal ein paar Tage im Bett auf leidend machen und so... NO WAY! Jedenfalls habe ich Euch und das Blog nicht vergessen, aber so richtig was schreiben werde ich wohl erst wieder Mitte November. Bis dahin bitte ich um Geduld! Stöbert bis dahin doch gern mal in den alten Einträgen und sagt mir, was Ihr denkt. Auf Kommentare zu antworten, werde ich trotz Stress schon hinbekommen.
Also los, ich bin gespannt!

Alles Liebe und bis bald,

Eure Stella

Montag, 8. Oktober 2012

DIE LINNÉSTAD, DAS ST.PAULI SCHWEDENS – GÖTEBORG, TEIL III

Die Butik Kubik in der Linnéstad
unter dem Restaurant Stearin
 hat ausgefallenste Mode-Unikate.
 Freitags verwandelt sie sich
in Club oder Konzertvenue

Kommen wir also zu Teil III meiner "Göteborg-Saga". Alle wollen ja immer nach Stockholm und lustigerweise denken unheimlich viele Leute, denen ich erzähle, dass ich jetzt in Schweden bin, ganz automatisch, dass ich dann wohl in Stockholm sein muss. Erst vor Kurzem schrieb M., der Mann meiner Freundin S. aus D., zu meinem Geburtstag: "Ich habe geträumt, dass S. und ich dich in Stockholm besucht haben." Helsingborg sagt den meisten erst mal gar nichts (wenn sie nicht gerade Covenant-Fans sind), dabei hat die Stadt den Beinamen "Perle des Öresunds" und ist wirklich ein besonderer Flecken – doch dazu ein andermal mehr. Worauf ich hinaus will: Selbst die bedeutend größere Stadt Göteborg, Schwedens zweitgrößte, haben viele nicht auf dem Schirm, wenn es um Schweden geht. Dabei hat Göteborg (mindestens) genauso viel zu bieten wie Stockholm. Beide Städte haben zum Beispiel jeweils fünf Sterne-Restaurants, Göteborg allerdings bei nur einem Drittel der Einwohner. Beide Städte haben Schären vor der Tür, malerische Kanäle, Prachtstraßen, je einen Vergnügungspark...

Stichwort "Vergnügen": Nöjesguiden bedeutet übersetzt "Vergnügungsführer" und zu dem Zeitpunkt, als wir Sebastian in Göteborg treffen, ist er noch Mitarbeiter der lokalen Göteborger Redaktion des Blattes (allerdings packt er schon seine Umzugskartons für Stockholm, wo er einen Job bei einer der größten Tageszeitungen des Landes bekommen hat, dem Aftonbladet). Den Nöjesguiden gibt es sowohl in Stockholm, als auch in Göteborg und Malmö. Schon auf meinem verregneten Göteborg-Trip nach dem Abi hatte ich die kostenlose Zeitung, die in einem Café herumlag, mitgenommen, obwohl ich natürlich kein Wort verstanden habe. Aber sie sah einfach so unheimlich hip aus. Viele Jahre war die Wand über meinem Viersener (Viersen, noch eine andere Geschichte...) Jugendzimmerbett mit langsam vergilbenden Doppelseiten aus dem Göteborger Nöjesguiden verziert.  Wenn ich damals schon gewusst hätte, was mir in sehr viel späterer Zukunft alles so passiert – möglicherweise hätte ich einen Schwedischkurs an der Volkshochschule belegt. Aber man kann ja – zum Glück – nicht in die Zukunft schauen, sonst würde man am Ende noch alles vermasseln.

Erste Anlaufstelle für eine Tour
 durchs Göteborger
Nachtleben (oder auch einfach nur
 für eine Sightseeing-Pause):
 die Café-Bar "Kino" unter
dem Programmkino
 Hagabio 
Sebastian trägt Mod-Anzug und liebenswürdiges Lächeln, als wir ihn am Järntorget – übersetzt: Eisenplatz – treffen. Von hier aus ist es nicht weit bis zu einer Café-Bar mit dem deutschen Namen KinoDer Name erklärt sich durch den Standort, denn das Lokal befindet sich im Erdgeschoss des alten Programmkinos Hagabio (Falls Ihr Euch fragt, warum auf der Website "Hagabion" steht: Das bedeutet "das Hagabio", da die Schweden den bestimmten Artikel anhängen). "Bio" hat nichts mit "biologisch" zu tun, sondern ist die schwedische Kurzform von biograf und das heißt schlicht und ergreifend "Kino". Sebastian wartet vor dem Ziegelbau – einer früheren Schule, erbaut Ende des 19. Jahrhunderts – auf dem Kiesplatz, der als Außenterrasse dient, während ich drinnen unsere Cappuccino-Bestellung aufgebe. Mit dem Betreten der Bar macht man eine kleine Zeitreise. Schon die Theke aus poliertem Holz versprüht den Charme vergangener Tage und neben dem Eingang steht ein Klavier, das gerade leider nicht bespielt wird. Aber man kann sich lebhaft vorstellen, wie ein Musiker im James Dean-Look daran später am Abend in die Tasten haut. Aber dafür ist es dann vermutlich zu eng, denn wir haben es hier mit einem der Hotspots des Göteborger Nachtlebens zu tun. „In die paar Quadratmeter quetschen sich abends die jungen Hipster Göteborgs.“ erklärt Sebastian einige Minuten später. „Wenn es unten zu voll ist, gehe ich meistens in den ersten Stock." Dort befindet sich das vegetarische Restaurant, dort ist Platz und es gibt Veggie-Gerichte zu Studentenpreisen. Außerdem ist das Publikum einen Hauch älter.

Ein bisschen Rotlicht gibt es immer noch
Früher war die Linnéstad, so heißt das Viertel hier, vor allem für Pornokinos und Strip-Clubs bekannt (weiterführende Angebote gab es nicht, zumindest nicht offiziell, denn Prostitution war und ist in Schweden verboten). Heute hat sich hier das kreative Leben ausgebreitet, mit Künstler-Ateliers, Vinyl-Plattenläden, Vintage-Boutiquen, Läden junger Designer, die aus alten Kleidern Klimaneutrales schneidern, Galerien und Bars, sämtlich untergebracht in charmant schrammeligen Altbauten. Wer den Hamburger Stadtteil St. Pauli kennt, darf sich die Linnéstad getrost so ähnlich vorstellen. Schlagader des Viertels ist die Andra Långgatan, die wir bald drauf entlang schlendern. Irgendwo spielt jemand Gitarre, es riecht nach frischem Kaffee und Erdbeeren. An der Ecke zur Nordhemsgatan betreibt Magnus Winström seine Galerie, die als eine Art moderner Salon fungiert. „Da treffen sich Schriftsteller, Musiker und Künstler.“ sagt Sebastian. 

 (Fortsetzung folgt)

Mittwoch, 3. Oktober 2012

WILDER WESTEN AUF SCHWEDISCH: INSIDER-TIPPS VON CARIN HJULSTRÖM (GÖTEBORG, TEIL II)

Also, wo war ich? Genau: Das Hotel Avalon in Göteborg ist ein Designhotel der gelungenen Sorte, eins von diesen Hotels, wo Popstars untergebracht werden, wenn sie in der Stadt sind, um Interviews zu geben. Zum Beispiel in der Swimmingpool-Suite auf dem Dach, wobei der Pool bis nachmittags allen Hotelgästen zur Verfügung steht. Wir haben uns das Schmuckstück auch einmal kurz angeschaut, allerdings handelt es sich dabei weniger um ein unter sportlichen Aspekten interessantes Objekt, als um eine etwas größere Badewanne mit Top-Aussicht. Schön in jedem Fall! (Den besten Dach-Swimmingpool, den ich bisher erleben durfte – es waren bislang allerdings nur zwei – gibt es übrigens im Adelphi Hotel in Melbourne, einen Pool den ich morgens um fünf unter dem unfassbaren australischen Sternenhimmel beschwamm, weil ich um sieben zum Flughafen musste, aber mir den Pool auf keinen Fall entgehen lassen wollte.)

Wilder Westen auf Schwedisch:
Göteborg gilt als der ungeschliffene
Gegenpol zu Stockholm
Aber wir waren ja nicht zum Schwimmen da! Als erstes stand ein Treffen mit dem Journalisten Sebastian auf dem Programm, der kurz vor seinem Umzug nach Stockholm stand, weil er in der Hauptstadt einen Job bei der Tageszeitung Aftonbladet bekommen hatte. Zum Zeitpunkt unserer Reise befand er sich aber noch in Göteborg und war als Autor für das kostenlose und in den Städten Göteborg, Stockholm und Malmö erhältliche Veranstaltungsmagazin Nöjesguiden – dem "Vergnügungsführer“ – ein erklärter Experte der Sze...

HALT! STOPP! SO GEHT DAS NICHT!

Ich bin schon wieder zu schnell! Denn noch bevor wir uns aufmachten, um Sebastian am Platz Järntorget zu treffen – wo übrigens J.s Großvater früher mal gewohnt hat (Hej Olle, jag vet att du läser detta och det gör mig jätteglad!), überflog ich erst noch mal das Interview, das ich zu Recherche-Zwecken  im Vorfeld mit einer anderen Journalistin geführt hatte, der in Schweden vor allem aus dem Fernsehen sehr bekannten Carin Hjulström. Carin ist übrigens die Autorin des auch auf Deutsch erschienen Romans
Wo der Elch begraben liegt. Der Originaltitel lautet Finns inte på kartan!, was so viel heißt wie "Nicht auf der Karte verzeichnet!" Gemeint ist der Ort Bryseryd in Småland, in dem die Protagonistin des Romans, die Publizistikstudentin Frida, während eines Praktikums landet. Hier ist es – also das Interview, nicht das Buch – und zwar in der deutschen Übersetzung und zur Erleichterung für die schwedischen Mitleser auch auf Schwedisch:


1.) Stella: Carin, Du bist in Göteborg aufgewachsen und wohnst auch weiterhin im Vorort Mölndal. Aber als Journalistin bist du vermutlich oft in Stockholm gewesen. Was ist der größte Unterschied zwischen Göteborg und Stockholm?

Carin: Ich bin in Göteborg geboren und aufgewachsen und habe hier mein ganzes Leben verbracht, genau genommen wohne ich in der Nachbargemeinde Mölndal in einem alten Laden an einem See. Aber ich bin lange Zeit nach Stockholm gependelt. Manchmal habe ich dort auch monatsweise gewohnt. Der allergrößte Unterschied ist, dass die Göteborger mehr miteinander reden, sogar mit fremden Leuten! Man ergreift die Chance, etwas zu demjenigen zu sagen, der mit einem im Aufzug steht oder am Parkautomaten, man reißt einen Witz in der Warteschlange am Ticketschalter oder wenn man dicht gedrängt in der Straßenbahn steht. Ein Göteborger versucht immer, etwas zu finden, worüber er oder sie einen Witz machen kann. Man wechselt ein paar Worte, gibt eine schlagfertige Erwiderung, die zu einem erlösenden gemeinsamen Lachen führt. Die Bewohner Stockholms sind ernster und schweigsamer, man spricht nur mit Leuten, die man kennt und ist mehr auf Prestige bedacht. Man scherzt und ulkt nicht auf die gleiche Weise wie in Göteborg und auch nicht so oft.


Stella: Carin, du är uppväxt i Göteborg och du bor fortfarande där, men som journalist har du säkerligen varit många gånger i huvudstaden. Vad tycker du är den största skillnaden mellan Göteborg och Stockholm? Och varför?
 
Carin: Jag är född och uppvuxen i Göteborg och har bott här i hela mitt liv (eller egentligen bor jag i grannkommunen Mölndal, i en gammal affär vid en sjö) men under långa perioder pendlat till Stockholm. Ibland har jag bott där månadsvis. 
Den i särklass största skillnaden är att göteborgare pratar mycket mer med varandra, även med främmande människor! Man tar chansen att säga något till den som står intill i hissen, eller vid parkeringsautomaten, man drar gärna ett skämt i kön vid biljettkassan eller om det är trångt på spårvagnen. En göteborgare försöker alltid hitta något att skoja om. Man byter några ord, en rapp replik som leder till ett förlösande gemensamt skratt. I Stockholm är invånarna allvarligare och tystare, man pratar bara med folk man känner. Allt är mer prestigefyllt. Man skämtar och skojar inte alls på samma sätt och lika ofta. 

2.) Stella: Stimmt es, was man sagt? Dass Göteborg ein bisschen wilder ist und dass die Göteborger mehr offen sind für alles, was anders ist? Und wenn das so ist, was glaubst du, woran das liegt?

Carin: Ich denke, das stimmt. Göteborg war immer die zweite Stadt Schwedens. Die Macht – die Könige, der Reichstag und die Regierung – befand sich immer in Stockholm. Das hat in Göteborg eine Underdog-Perspektive erzeugt und ein Gefühl, eine eigene, alternative Kultur schaffen zu wollen, die sich nicht an dem Feinen, Versnobbten und der Prestigeeinstellung Stockholms misst.  Weil wir uns nicht um die höchsten Ämter schlagen können  – sofern wir nicht umziehen oder pendeln wollen – haben wir stattdessen einen Sinn dafür entwickelt, zusammenzuarbeiten und zusammenzuhalten. Dass Göteborg die größte Hafenstadt Skandinaviens ist, spielt natürlich auch eine Rolle. Wir sind es gewohnt, dass sowohl Güter als auch Menschen anderer Kulturen herkommen. Es war lebensnotwendig für uns, offen zu sein. Dass wir in den vergangenen hundert Jahren eine ausgeprägte Industriestadt geworden sind, allem voran mit einer starken Autoindustrie, das hat sicher das starke Wir-Gefühl noch verstärkt. Ich kann jedenfalls nur beipflichten, dass Göteborg ein bisschen wärmer, ein bisschen dreckiger und viel glücklicher ist als Stockholm.


Stella: Är det rätt som man säger, att Göteborg är lite vildare och att invånarna är lite mer öppna för allt som är annorlunda? Och i så fall, varför är det så tror du?
 
Die Älvsborgsbrücke über den Älv,
so eine Art Golden Gate
Göteborgs
Carin: Jag tycker det. Göteborg har alltid varit en andrastad. Makten - kungar, riksdag och regering - har alltid funnits i Stockholm vilket har skapat ett underifrånperspektiv och en känsla av att vilja odla en egen, alternativ kultur som inte tävlar med det fina, snobbiga och prestigeinriktade. Eftersom vi inte kan slåss om de högsta ämbetena (såvida vi inte flyttar eller pendlar) har vi utvecklat en anda där vi istället jobbar tillsammans och håller ihop. Att Göteborg är Skandinaviens största hamnstad har förstås också spelat in. Vi är vana vid att både gods och människor från andra kulturer kommer hit, och det har varit livsnödvändigt för oss att vara öppna. Att vi de senaste hundra åren blivit en utpräglad industristad, framför allt med en stark bilindustri, har säkret spätt på den starka vi-känslan. Så visst kan jag hålla med om att Göteborg är lite varmare, lite skitigare och mycket gladare än Stockholm.

3.) Stella: Welchen Ort in Göteborg magst du am liebsten und warum?

Carin: Ich fühle mich am allerwohlsten im Viertel um Lorensberg, in der Nähe des Södra Vägen und des Götaplatsen. Ganz oben auf der Kungsportsavenyen mit der Stadtbibliothek, dem Kunstmuseum und dem Konzerthaus, da liegt immer eine besondere Stimmung in der Luft, die bewirkt, dass ich mich zuhause fühle. Ich mag es, in Parks Veranda oder auf der Außenterrasse von Evas Paleys zu sitzen und einfach die Leute anzuschauen. Das Viertel an der Markthalle rund um den Platz Kungstorget oder die Kungspassage sind auch wunderbar. Und der Stadtteil Haga, der Platz Järntorget und die Straße Linnégatan. Die ganze Stadt ist heimelig!

Stella: Vilket ställe tycker du om bäst i Göteborg och varför?
 
Carin: Jag trivs allra bäst i kvarteren runt Lorensberg, nära Södra vägen och Götaplatsen. Högt upp på Kungsportsavenyen, med Stadsbiblioteket, Stadsteatern, Konstmuseet och Konserthuset, finns en särskild stämning som får mig att känna mig hemma. Jag tycker om att sitta på Parks veranda eller på uteserveringen på Evas Paleys och bara titta på folk. Kvarteren vid Saluhallen, runt Kungstorget och Kungspassagen är också härliga. Och Haga, Järntorget och Linnégatan. Hela stan är mysig! 


4.) Stella: Welcher Ort repräsentiert für dich das „echteste“ Göteborg?

Carin: Das ist ohne Zweifel die Feskekyrka, die große schöne Fischverkaufshalle in der Nähe des Hafens. Bald wird das ganze nördliche Älvufer (Anm. Älv ist der Fluss, an dem Göteborg liegt) ein neues Profil bekommen. Man hat einen Autotunnel entlang des Hafens gebaut, um den Autoverkehr zu verlagern. Nun ist der Weg frei für einen neuen attraktiven Stadtteil obendrauf! Die ganze Stadt wartet!

Stella: Vilket ställe representerar det mest äkta Göteborg?
 
Carin: Det måste vara Feskekyrka, den stora vackra fiskhallen nära hamnen. Snart kommer hela Norra Älvstranden att få en ny profil. Man har ju byggt en biltunnel längs med hamnen för att få bort biltrafiken. Nu ska man skapa en ny attraktiv stadsdel ovanpå. Hela stan väntar!

5.) Stella: Was zeigst du deinen Gästen, die noch nie in Göteborg gewesen sind? Was sollte man unbedingt machen?

Carin: Natürlich den Freizeitpark Liseberg. Ein Besuch dort macht Spaß, es ist wunderschön und es herrscht eine tolle Stimmung. Ich empfehle, tagsüber hinzugehen, bevor die Jugendlichen den Park  für sich erobern. Wenn es regnet, machen wir einen Schlenker ins Wissenschaftsmuseum Universeum direkt daneben und werfen einen Blick auf den Regenwald. Bei schönem Wetter drehen wir eine Runde im Botanischen Garten. Dort kann man stundenlang zwischen fantastischen Blumen herumwandern. Ein persönlicher Favorit liegt in Göteborgs Nachbarkommune Mölndal, wo ich wohne. Dort hat man das alte Schloss (Anm. Das „Schloss“ Gunnebo ist eigentlich kein richtiges Schloss im königlichen Sinne, denn im schwedischen Sprachgebrauch bezeichnet man auch gern alte prächtige Herrenhäuser als „Schloss“) aus dem 18. Jahrhundert, hat die Parks instand gesetzt, man zieht eigenes Gemüse und serviert Essen in Bioqualität in einer wunderbaren Umgebung. Wenn die Sonne richtig scheint und es warm ist,  kann man auch einen Trip zum Yachthafen in Yachthafen in Långedrag machen, das Restaurant Långedrags Värdshus ist einfach wunderbar. Wenn man einen ganzen Tag Zeit hat und sich danach sehnt, ein bisschen mehr vom Meer zu haben, dann ist ein  Nachmittag auf der kleinen Insel Marstrand ein paar Dutzend (Anm. eine schwedische Meile – en mil – sind zehn Kilometer) Kilometer nördlich der Stadt ein charmantes und pittoreskes Erlebnis. Mit Bus und Fähre dauert die Anreise gerade mal eine Stunde. 

Stella: Vad visar du för gäster som har aldrig varit i staden? Vad är bäst att göra?
 
Carin: Liseberg förstås! Roligt, fantastiskt vackert och en underbar stämning. Gå på dagtid, innan ungdomarna tar över parken. Om det regnar tar vi kanske också en sväng in på Universeum som ligger intill och tar en titt på regnskogen. Är det fint väder går vi nog och fikar på Trädgårdföreningens vackra Rosencafé, eller tar en tur bort till Botaniska trädgården. Där kan man vandra i timmar bland fantastiska blommor. En personlig favorit ligger i Göteborgs grannkommun, Mölndal, där jag bor. Där har man restaurerat det gamla 1700-talsslottet(Anm. In Schweden bedeutet „1700-tal“ das, was wir in Deutschland als 18. Jahrhundert bezeichnen, also alle Jahre, die mit 17... anfangen), satt parkerna i skick, odlar lokalt och serverar ekologisk mat i underbar miljö. Skiner solen riktigt varm kan en tripp till småbåtshamnarna i Långedrag och värdshuset där vara alldeles underbart. Har man en hel dag att spendera och vill komma ut till havet mer ordentligt är en eftermiddag på lilla ön Marstrand ett par mil norr om stan en charmig och pittoresk upplevelse. Tar bara en timme med buss och några minuter med färja. 

Auf das Treffen mit Sebastian müsst Ihr jetzt noch ein bisschen warten. Sieht aus, als werde das hier eine längere Serie...

(Fortsetzung folgt)







Montag, 1. Oktober 2012

SCHWEDISCHE REISEN – GÖTEBORG (TEIL I)

Vor einiger Zeit war ich mit J. in Göteborg, weil ich den Auftrag hatte, eine Reisegeschichte für ein großes Reisemagazin zu schreiben. Ich habe meinen Text verfasst und abgeliefert, mein Geld bekommen, doch – wie das manchmal so geht, Journalisten-Kollegen kennen das – erst gab es Probleme mit den Fotos oder besser gesagt: die Bild-Redaktion fand keine geeigneten. Dann wurde über der Suche die Heft-Planung umgeschmissen, andere Themen vorgezogen, der Artikel lag rum und irgendwann war er zu alt, um gedruckt zu werden. Da der Text aber theoretisch immer noch veröffentlicht werden könnte, kann ich ihn hier leider nicht so einfach hin kopieren, aber ich möchte Euch die Reise trotzdem nicht vorenthalten. Also habe ich mich entschlossen, für Euch einen neuen Text zu basteln, den ich Euch hier jetzt als „Fortsetzungs-Geschichte“ präsentiere, damit Ihr was zu lesen habt, während J. und ich damit beschäftigt sind, unser Schwedenbuch zu schreiben (mehr dazu beizeiten!)

Ein schöner Schwan
in dezentem Petrol darf
im Hotel Avalon
auch
von hässlichen Entlein
besessen werden
Mein allererster Eindruck von Göteborg datiert bereits aus dem verflossenen Jahrhundert und war gar nicht so gut. Ich hatte nämlich nach dem Abi (vor mittlerweile doch erheblicher Zeit) in einem Preisausschreiben bei einem schwedischen Versandhaus, das es inzwischen nicht mehr gibt, eine so genannte „Kreuzfahrt“ in Schwedens zweitgrößte Stadt gewonnen. Dafür bekam ich sogar eine Art Sonderurlaub von meiner gerade begonnen Ausbildung als Verlagskauffrau beim RBDV, dem Düsseldorfer Verlag, der auch die "Rheinische Post" druckt. Die trostlose Ausbildung schmiss ich übrigens noch in der Probezeit. Das hatte mitunter damit zu tun, dass man mich unvorsichtigerweise auf einen Botengang in die Redaktion des Zeitungs-Supplements "Prisma" geschickt hatte. Dort saßen langhaarige Jungs mit Kaffeetassen im Chaos, hörten Nirvana und schrieben Artikel. Da erkannte ich, dass es genau DAS war, was ich machen wollte, nicht im Rechnungszentrum des Verlages Zahlen in den Computer eintippen. Zu der kaufmännischen Ausbildung hatte ich mich sowieso nur von der Verwandtschaft überreden lassen ("Kind, mach was Sicheres!"), dabei habe ich so überhaupt kein kaufmännisches (oder von mir aus auch "kauffrauisches") Gen.

Wanne – noch nicht voll,
 aber in Kürze
Doch das ist eine andere Geschichte, die ich ein anderes Mal erzählen werde. Das mit der "Kreuzfahrt" war jedenfalls ein guter Witz! Die Anfahrt nach Kiel musste selbst bezahlt werden und auf der Fähre gab’s dann eine Innenkabine mit den Ausmaßen eines Wohnklos. Es war November, windig, kalt und regnerisch und während unserer paar Stunden Aufenthalt in Göteborg hielten die Freundin, die ich mitgeschleppt hatte und ich uns angesichts des lausigen Wetters bei H&M (letzteres war damals in Deutschland noch eine Seltenheit, woran man bereits mein biblisches Alter erkennen kann. Ich erstand dort übrigens ein ziemlich geiles orangefarbenes Kapuzenteil, das heute vermutlich als Vintage-Stück wieder völlig problemos getragen werden könnte, aber leider spurlos verschwunden ist) und in Cafés auf, bis wir endlich wieder auf die Fähre konnten. So was nennt man dann wohl runtergeschraubte Erwartungen.

Doch dieses Mal, Ihr ahnt es, wurde natürlich alles ganz anders! Schon unsere Unterkunft, das Hotel Avalon, war ein ziemlicher Knüller: Das Avalon, benannt nach dem mystischen Land aus der Artussage, liegt mitten in der City. Im Gegensatz zu vielen anderen Design-Hotels hält es, was es verspricht. Unser Zimmer mit einer Badewanne mittendrin strotzte nur so vor Arne Jacobsen und im Flur davor war ein Sessel von Alvar Aalto ausgestellt. Aber noch viel beeindruckender war die Kunst-Sammlung, überall im Haus hängen Kunstwerke, in der Lobby hängt über dem Kamin zum Beispiel ein riesiges Gemälde einer Tanzgesellschaft des jungen Stockholmer Künstlers Alexander Klingspor mit dem Titel – nun ja – "Avalon" (hier kann man einen signierten Druck davon erwerben

(Fortsetzung folgt)