Donnerstag, 13. September 2012

DIE GEHEIME ZUCCHINI-CONNECTION – UND WAS DONNA HAY DAMIT ZU TUN HAT

Ich habe mal wieder Teig an den Fingern. Brotteig. Eines Brotes, das ich basierend auf Lutz Geißlers Rezept für Apfelbrot backe. Eines Brotes, das ich in Eigenregie modifiziere, weil ich den Sauerteig dreistufig und klassisch nach der hier beschriebenen Methode führe,weil ich mir einbilde, dass das Sauerteig-Anstellgut – also das, was man fürs nächste Backen vom Sauerteig aufbewahrt – dadurch seine Qualität immer mehr verbessert. Da das Brot außerdem sehr feucht und kaum formbar, also nur mit Form backbar war, versuche ich, peu à peu die Wassermenge zu verringern und die Mehlmenge minimal zu erhöhen, außerdem verwende ich inzwischen Vollkornmehl, das ja mehr Wasser bindet.

Was ich eigentlich nur sagen will: Ich backe inzwischen regelmäßig. Nach einigen anfänglichen Katastrophen (und hier)  klappt das inzwischen ganz gut.  Und nun sind J. und ich darauf gekommen, das Brot, das immer ein Hit ist, wenn wir Besuch bekommen oder es irgendwohin mitbringen, zu tauschen. Und zwar gegen Bio-Gemüse, das J.s Studionachbar Niklas in einem eigenen Garten im Höhenzug Söderåsen zieht. Der Söderåsen ist deutschen Schwedenurlaubern eher nicht bekannt, aber hat Nationalparkstatus, soll wunderbar idyllisch und ursprünglich sein und liegt vor allem nicht allzu weit von Helsingborg entfernt. Ich war bisher noch nicht dort, will aber unbedingt in Kürze mal hin – auch, um diese unglaublichen Gemüse in natura zu bestaunen. Hier haben wir die erste Ladung:

Riesenzucchini, Gourmet-Rote Beete & friends
(nicht im Bild: die Kartoffelgang)
Detail, man beachte den zart-violetten
Delikatess-Knoblauch

Das Tauschgut haben wir hier:

Das ist ein
 Weizensauerteigbrot nach diesem Rezept.
Im Gegensatz zu anderem Weizenbrot
bleibt dieses länger saftig
und schmeckt nach einem Tag
sensationell getoastet


Nun hatten wir also plötzlich Unmengen Gemüse, die natürlich nicht schlecht werden durften. Und da habe ich mich eines Beilagen-Rezeptes von Donna Hay erinnert, die ich übrigens mal in Sydney interviewt habe. Das Interview stand lange beim ADAC Reisemagazin online, inzwischen leider nicht mehr – und ich Depp habe keinen Screenshot oder so was gemacht. Aber das ungekürzte Interview habe ich natürlich noch. Besteht daran Interesse, liebe Leserinnen und Leser? Dann werde ich mal den mich damals begleitenden Fotografen Andreas Fechner nach einem Bild mit Donna fragen und die Sache hier wieder veröffentlichen.

Jedenfalls habe ich mich des supereinfachen und sogar veganen Rezeptes erinnert, das sich eigentlich nur auf Süßkartoffeln bezog, aber, wie ich nach unerschrockenem Probieren herausgefunden habe, mit Wurzelgemüse aller Art funktioniert (vermutlich sogar mit fast jeglichem Gemüse, Zucchini gehen jedenfalls hervorragend, das hab ich dann beim zweiten Mal getestet.)

Zubereitung:
Man schneidet das Gemüse in Scheiben. Möhren, (Süß-)Kartoffeln, Rote Beete, Pastinaken, Zucchini, was auch immer man halt da hat. Blumenkohl geht zum Beispiel auch super (hab ich später ausprobiert). Legt das Ganze in eine ofenfeste Form. Sprengselt ordentlich Olivenöl drüber und rührt einmal mit dem Pfannenheber durch, damit auch untendrunter Öl ist. Streut grobflockiges Salz drüber und einen halben bis ganzen Esslöffel getrockneten Thymian – oder frischen, vom Zweig abgezupft. Dann hab ich noch eigenmächtig Sesam drüber gestreut (nicht nach Donna). Das Ganze kommt 20 bis 25 Minuten in den auf 200 Grad vorgeheizten Backofen. Nach Geschmack kann man in den letzten drei Minuten auch noch Knoblauch in Scheiben drüber geben, Zwiebeln würde ich dagegen nicht empfehlen, die sind zu wässrig und dominant. Das war bereits alles. Einfacher geht's nicht.

Wurzelgemüse  à la Söderåsen,
inspiriert von Donna Hay


Köstlich! Übrigens das erste Mal, dass ich Rote Beete wirklich gern gegessen habe, die schmeckten einfach nicht so muffig wie die Exemplare, die man sonst so bekommt. Dazu schmeckt Brot, am liebsten natürlich selbst gebacken und Tsatsiki (das wäre dann natürlich nicht mehr vegan).

Montag, 10. September 2012

SCHAU MIR IN DIE AUGEN, KLEINER! HEUTE SCHON HYPNOTISIERT?

Zur Abwechslung mal wieder eine kleine Buchempfehlung! Heute erscheint nämlich Jan Beckers Du wirst tun, was ich will: Hypnose-Techniken für den Alltag, das in Buchform zu bringen ich ihm geholfen habe. Wie Ihr vielleicht wisst, ist Jan Becker ein so genannter "Mentalist", also jemand, der Gedanken lesen kann und andere "magische" Dinge beherrscht. Er ist aber außerdem noch ausgebildeter Hypnosetherapeut. "Du wirst tun, was ich will!" ist ein Buch darüber, wie wir alle tagtäglich manipuliert und gesteuert werden – und darüber, wie wir das erkennen und dagegen angehen können, um nicht zum Spielball anderer zu werden. Dabei geht es zum Beispiel darum, wie wir bereits beim Einkaufen im Supermarkt so geschickt manipuliert werden, dass wir vorrangig zu bestimmten Waren greifen und dann auch noch felsenfest glauben, wir hätten das selbst so gewollt.

Unter dem folgenden Link geht es zu einem faszinierenden Video über ein Experiment, das Jan mit dem Team der ZDF-Reihe "Terra X-Press" in einem süddeutschen Supermarkt gemacht hat. Macht Euch auf was gefasst, da schlackern einem die Ohren: Jan Beckers Supermarkt-Hypnose 

Die Realität ist vielleicht eine andere als Du annimmst!

Beinahe unnötig zu sagen, dass die Gespräche mit Jan in Berlin (die ich ja hier schon mal kurz angesprochen hatte) und die Arbeit an dem Buch unglaublich spannend waren. Selbst für jemanden wie mich, die Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt Ethnomethodologie studiert hat und glaubte, sich bereits eingehend damit beschäftigt zu haben, wie unsere Realität(en) und alltäglichen Glaubenssätze konstruiert werden. Tja, ich weiß dann also mal wieder, dass ich doch im Grunde nichts weiß. Oder nur sehr wenig. Schön jedenfalls, dass man immer wieder was dazu lernen kann!


Jan Becker beweist, dass wir täglich umgeben sind von hypnotischen Suggestionen. Nicht nur im Supermarkt, auch im Gespräch mit Verkäufern beim Klamottenkauf, beim Flirt im Café, vor dem Fernseher und beim Surfen im Internet. In jedem Gespräch, bei jedem Spaziergang durch die Stadt oder dem Blick in ein Magazin sind wir versteckten hypnotischen Nachrichten an unser Unterbewusstsein ausgesetzt – selbst wenn wir dabei nicht in Trance fallen. 
Auch wir selbst suggerieren, senden Botschaften, manipulieren und beeinflussen. Uns selbst und die Menschen um uns herum. Nicht immer zu unserem und der anderen Vorteil, denn die meisten dieser Vorgänge werden uns nicht bewusst. Die tägliche Hypnose – Jan nennt sie "Hypnose Undercover" – hat dabei nichts mit geheimen Verschwörungen zu tun, sondern beruht auf handfesten Reaktionsmechanismen unserer Psyche und manchmal auf dem Wissen einiger, diese zu bedienen. Höchste Zeit, hier selbst das Ruder in die Hand zu nehmen! Nach der Lektüre des Buches kennt der Leser die geheimnisvollen hypnotischen Mechanismen, die täglich auf unsere Psyche einwirken. Er kann sich vor ungewollter Manipulation schützen und kann die Erkenntnisse nutzen – zum Wohle seiner selbst und zum Wohle anderer. Ich wage zu behaupten: Wer in diesem Buch schmökert, wird zufriedener, gibt weniger Geld für Unsinn aus, führt eine glücklichere Beziehung, verzaubert seinen Flirt und wird zum Mittelpunkt  der nächsten Party.




Im letzten Kapitel gibt es sogar eine Anleitung, wie man selber eine "echte" Hypnose durchführen kann – einerseits als Test, ob man als Leser die Mechanismen auch verstanden hat, aber auch als Grundlage, um zum Beispiel eine Anti-Rauch-Hypnose bei einem Freund zu probieren.

Falls Ihr das Buch gelesen habt, würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr Eure Gedanken dazu posten würdet!

Link zum Buch – click!


Samstag, 8. September 2012

SIND SCHWEDEN MIT DER MÜTZE GEPOCHT? (UNNÜTZES WISSEN BEI STELLAMAT)

Wenn man so ein Blog hat, bekommt man auch immer Statistiken über die aktuellen Suchanfragen, die dazu geführt haben, dass Menschen auf dem Blog gelandet sind. Das sind oft ziemlich spezielle Wortkombinationen, etwa "Katja" "Meerjungfrau" oder "Hefe" "Rüdiger". Ab und zu handelt es sich aber auch um richtige Fragen. Zum Beispiel habe ich in meinem allerersten Posting den vielleicht nicht überall so geläufigen Ausdruck "mit der Mütze gepocht" benutzt. So kam es, dass gleich mehrere Suchanfragen, die auf mein Blog führten, sich mit dieser Frage beschäftigten: Was bedeutet eigentlich ,Mit der Mütze gepocht'? Nun weiß ich natürlich, wie ich den Ausdruck benutze. Wenn ich sage "Wenn ich nicht ganz mit der Mütze gepocht bin", dann heißt das "Wenn ich nicht völlig auf den Kopf gefallen bin". Wieso, weshalb, warum es zu diesem doch eher ungewöhnlichen Spruch kam, entzieht sich hingegen meiner Kenntnis. Schließlich ist eine Mütze ein eher weicher Gegenstand und wenn man damit gegen einen Schädel klopft – oder pocht – wird das schwerlich einen größeren Effekt auf die Gehirnleistung haben. So lässt sich die Sache also nicht erklären, Zum Glück weiß ich aber noch, woher ich den Ausdruck kenne. Nämlich von diesem Mann:

 Myk Jung ohne Mütze, aber mit vorbildlich gepflegten Zahnreihen
hinter der Hamburger "Markthalle", ungefähr anno 1993
(Foto: Rascal Hüppe)

Es handelt sich um Myk Jung, den Sänger der legendären Ruhrpottband The Fair Sex aus Essen (wo ich, wie einige wissen, studiert und gelebt habe) und inzwischen Autor von wichtigen Werken der Weltliteratur wie "Der Herr der Ohrringe" oder "Der Hobbknick". Er war es, von dem ich zum allerersten Mal die Worte "Mit der Mütze gepocht" vernahm. Was liegt also näher, als eben jenen Myk zu fragen, was es damit auf sich hat? Das habe ich dann einfach mal gemacht – und damit gibt es in diesem Blog auch eine Premiere: Das allererste Interview!

Stella: Hallo Myk, was bedeutet eigentlich ,Mit der Mütze gepocht?'

Myk: Ich denke, dies ist ein längst überkommener Begriff für 'bescheuert', 'dämlich' oder 'bekloppt' sein - oder abgemildert: 'begriffsstutzig'. Ich benutze diesen Ausdruck seit Jahren schlichtweg aus dem Verdacht heraus, dass diese Deutung wohl auch stimmen mag.


Stella: Woher kennst du diesen Ausdruck?


Myk: Ich fand ihn, schätzungsweise um 1982 herum, in einem meiner All-time-Lieblingsbücher: Krabat. Im Kapitel 'Der mit der Hahnenfeder' ruft Krabat: "Ich bin ja nicht blind und nicht taub - und vor allem nicht mit der Mütze gepocht, das schon gar nicht!" Obwohl ich das Buch schon zuvor mehrere Male gelesen hatte, habe diesen Ausdruck erst dann bewusst wahrgenommen. Ich finde, der Sinn erschließt sich sofort - obgleich man sich keinerlei Eselsbrücken bauen kann! Vielleicht war ich genau deswegen total begeistert. Ich weiß noch, dass ich mich fragte: "Wäre es nicht verständlicher, wenn es hieße: 'GEGEN die Mütze gepocht'?" In einer solchen Variante wäre dann die Mütze als Synonym für 'Kopf' zu deuten. Jedoch fand ich es gerade cool und abgefahren (weil für mich irgendwie unerklärlich), dass es 'mit der Mütze' heißt. Wundersam surreal.


Stella: Wann benutzt du den Ausdruck am liebsten?

Myk: Dieser Ausruf ist mir so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich ihn wahrscheinlich fast tagtäglich benutze. Ich hab ihn sogar in mein Buch Der Herr der Ohrringe eingebaut - was mir bis vor kurzem gar nicht mehr bewusst war. Es steht da: "Das Tor sprang wie mit der Mütze gepocht auf." Komisch, dass der Lektor es mir nicht korrigiert hat. Als ich es wieder las, hab ich mich gefragt, ob das eigentlich verständlich ist. Dann dachte ich sowas wie: "Womöglich nicht. Aber macht ja nix! Vielleicht kommt es irgendjemandem genauso surreal und außergewöhnlich vor wie mir, als ich es bei 'Krabat' las. Und das wär doch was!"
Ich glaube übrigens nicht, dass mir dieser Begriff außer bei 'Krabat' und meinem alltäglichen Genuschel jemals wiederbegegnet ist. Eigentlich ist das seltsam - so wunderbar wie auch populär 'Krabat' doch eigentlich ist! Nach Deiner Interview-Anfrage war ich versucht, im Netz nachzugucken - hab's aber wegen Myk-typischer Lethargie sein lassen.


***

So, nun wisst Ihr Bescheid! "Krabat" war übrigens auch eins meiner Lieblingsbücher als etwa Elfjährige, ein Buch, das ich nur empfehlen kann. Ich habe nun allerdings noch ein paar Ergänzungen zu Myks Ausführungen – und kann sogar einen Bogen zu Schweden schlagen. J. hat mir nämlich erzählt, das krabat heute noch ein schwedischer Ausdruck ist. Er geht auf einen im fünfzehnten Jahrhundert gebräuchlichen deutschen Ausdruck zurück und bezeichnete ursprünglich einen Kroaten. Überliefert ist eine briefliche Äußerung eines schwedischen Generals namens Axel Oxenstierna, der im Dreißigjährigen Krieg eine Division kroatischer Soldaten als krabaterna  – die Krabats – bezeichnet hat. Weil sich diese Soldaten als äußerst wehrhaft entpuppten, entwickelte sich möglicherweise die heutige schwedische Bedeutung: Ein Krabat ist ein furchtloses und wildes Männchen. Der Ausdruck wird zum Beispiel gern für kleine unerschrockene Jungs verwendet. Und diese Krabats sind ganz bestimmt nicht mit der Mütze gepocht.


Außerdem habe ich herausgefunden, dass der Autor von "Krabat", Otfried Preußler, geb. 1918, noch lebt, zumindest wenn man Wikipedia glauben darf. Das bedeutet, der nächste Schritt ist es, zu versuchen, mit ihm Kontakt aufzunehmen und ihn nach dem Ursprung von "Mit der Mütze gepocht" zu fragen. 

Stay tuned!



Links im Bild: Myk Jung. Rechts im Bild: mein jüngeres Ich.
Das Bild entstand in Berlin, ebenfalls um
1993
(Foto: Rascal Hüppe)

Dienstag, 4. September 2012

KREBS, ASZENDENT AQUAVIT ODER: GEMETZEL UNTERM HÜTCHEN


Ich war am Samstag zum dritten Mal auf einer kräftskiva, und damit auf einer der berühmt-berüchtigten schwedischen Krebspartys, auf denen Binnenseekrebse, die aussehen wie Mini-Hummer, verzehrt werden. (Immerhin hat sich ein Irrtum inzwischen aufgeklärt: Die Krebse sind trotz hartnäckiger anders lautender Gerüchte doch nicht mit  anheimelnden Tierchen wie Spinnen und Skorpionen verwandt). Kräftskivor (= Plural) finden vornehmlich im August statt, aber hin und wieder auch noch Anfang September. Bei so einer Gelegenheit trägt man normalerweise alberne Papphütchen, passende Lätzchen und sitzt unter Girlanden, Luftschlangen und Lampions. Ein bisschen also wie eine Silvesterfeier bei Hoppenstedts. So in etwa:

(Bild: Björn Tesch)
Hier ging bereits der ein oder andere Ganze.
(Bild: Björn Tesch)
Entfernter Verwandter der
gemeinen Hausspinne? Nein.
Wichtig bei der Sache sind die Schnapslieder, denn bei einer kräftskiva wird neben Bier vor allem Schnaps konsumiert und zwar im Extremfall alle paar Minuten. Und jedes Mal wird gesungen. Das heißt, sofern man dazu noch in der Lage ist. Das bekannteste dieser Lieder ist Helan går, eine Multikfunktions-Weise, die bei allen schwedischen Festen, bei denen Schnaps getrunken wird, zum Einsatz kommt. Also eigentlich bei allen. Helan går bedeutet „Der Ganze geht (runter)“ bedeutet. Soll ausdrücken, dass der erste Schnaps für gewöhnlich ganz getrunken wird. In der nächsten Runde muss man dann eigentlich „Halvan går“ singen – der Halbe geht – und das Glas nur halb leer trinken. In jeder Schnaps-und-Trink-Runde soll dann eigentlich die Menge reduziert worden. Im Prinzip gibt es sogar siebzehn Abstufungen, bis hin zu ein paar Tropfen. Aber das kann sich sowieso kein Mensch merken, schon gar nicht im alkoholisierten Zustand und darum trinkt man eigentlich immer das ganze Glas. Oder das halbe. Ober eben so viel, wie man will. Dieser Logik kann man nach dem ersten Schnaps bereits gut folgen.
Der Legende nach war das schwedische Eishockeyteam übrigens nach seinem Sieg bei der Weltmeisterschaft in Moskau 1957 mit dem Text der schwedischen Nationalhymne überfordert und sang stattdessen Helan går. Skål!

(Foto: Björn Tesch)
Entfernte Verwandte der
gemeinen Hausspinne,
zubereitet
Angesichts des einsetzenden Gemetzels kann man auch ganz froh sein, wenn man nicht mehr allzu nüchtern ist.  Die Krebse sind ja schon tot, das ist wirklich ein Glück. Für alle Beteiligten.  
Die Angelegenheit ist eine äußerst brachiale Geschichte, mit Hilfe derer Medizinstudenten das Sezieren ohne Skalpell lernen könnten. Sie besteht, grob gesagt, aus Panzeraufbrechen mit bloßen Händen, aus Aussaugen, Herausschälen, Auslöffeln und Hereinbeißen. Dabei spritzt und tropft es ganz ordentlich und auf einmal ergibt sogar das Lätzchen einen Sinn. Messer und Gabel erweisen sich hingegen mehr oder weniger als Dekoration. Nur zum Aufhebeln eines widerspenstigen Krebsbeins kann ein Gabelzinken schon mal nützlich sein und das Messer kommt zum Einsatz, wenn die kräftsmör, die als Delikatesse geltende ,Krebsbutter‘, auf Brot geschmiert wird. Ich habe nachgeschaut: Es handelt sich um ein Kombiorgan des Krebses und entspricht Leber und Bauchspeicheldrüse. Äh, vielleicht will man das nicht so genau wissen... Das Zeug schmeckt, keine Frage. Aber, ehrlich gesagt, hätte ich auch nichts dagegen, wenn die Krebse aus Tofu wären. Oder aus Kartoffeln.  

Dazu isst man ausnahmsweise keinen Sill (Hering), wie sonst bei allen schwedischen Festen, sondern Västerbotten paj – eine fette Käsepie –, Brot und einen ganz köstlichen brännvinsost – Branntweinkäse. Da ist trotz des Namens kein Alkohol (mehr) drin, denn der Schnaps wird nur zur geschmacklichen Abrundung verwendet.Der Käse schmeckt jedenfalls mindestens so gut wie alter Gouda. 

(Mann, schon wieder so lang. Aber kürzer kann ich einfach nicht.)


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