Freitag, 29. Juni 2012

VON SCHWEDISCHEN PHALLUSSYMBOLEN, SAUERLÄNDER SITZKISSEN, KÜNSTLERISCH WERTVOLLEN WASCHKÜCHEN – UND UFOS MIT AUSSERIRDISCHEN HEILPRAKTIKERN

Meine Sauerland-Reportage
 in der
aktuellen Vital
Nach einer ereignisreichen Woche komme ich endlich wieder dazu, ein kurzes Update zu schreiben –und weiß gar nicht so recht, wo ich anfangen soll. Vielleicht mit dem wasserfesten Sauerland-Sitzkissen, das sich am midsommarafton als ausgesprochen nützlich erwiesen hat. Sauerland-Sitzkissen? Wieso Sauerland?

Nun... Einen Tag vor dem längsten Tag, am Mittwoch vergangener Woche – dem 20. Juni –  ist die "Vital" mit meiner Sauerlandreportage vom vergangenen Spätsommer erschienen. Diese paar Tage im September waren wirklich ein Erlebnis. Um zu begreifen, was für ein toller Landstrich das Sauerland ist, musste ich allerdings erst aus dem Sauerland – ich habe nach Jahren in Essen, Hamburg und Köln gut drei Jahre in der Nähe von Meschede gelebt – wieder wegziehen. Insbesondere der Startpunkt unserer Wanderung, der Waldgasthof Schinkenwirt, war eine unerwartete Sensation. Hier hat der aus dem Süddeutschen "Zugereiste" Michael Pfannes mit seiner Sauerländer Frau Gabi ein kleines Paradies geschaffen. Der Küchenchef kocht mit selbst gesammelten Kräutern, Pilzen, Beeren und Wildsalaten, das in seiner Küche verwendete Fleisch kommt aus artgerechter Haltung in der Nähe. Das schnucklige Hotel liegt unglaublich idyllisch unterhalb des Waldes am Hang. Inklusive Traumaussicht, großartiger Luft und wunderbarer Ruhe. Meine absolute Empfehlung für ein erholsames Wochenende in der Natur mit kulinarischem Anspruch! Und das Beste: Nicht nur die Übernachtung, auch das sensationelle Viergängemenü ist bezahlbar. Besonderer Tipp: Herrn Pfannes kulinarische Kräuterwanderungen mit leckeren Überraschungen.

Toskana? Falsch!
Sauerland!


Zingo beim
 Sitzkissen-Test
Aber ich wollte ja vom wasserfesten Sauerländer Sitzkissen schreiben. Das haben wir nämlich von der phantastischen Sauerländer Tourismus-Fachkraft Anna G. für unsere Wanderung über Teile des Rothaarsteigs bekommen und das leistet uns seitdem wunderbare Dienste. Im Sauerland weniger, das Wetter war nämlich sensationell. Aber zum Beispiel vergangene Woche am Mittsommerabend, also Freitag, ergab sich die Gelegenheit. Mittsommer ist ja für die Schweden so was ähnliches wie Weihnachten, nur im Sommer. Jedenfalls ist das festliche Gefühl genau das gleiche. Und genauso wie es an Weihnachten eigentlich nie den Schnee gibt, den man sich wünscht, zumindest nicht in Mittel- und Norddeutschland und Südschweden, gibt es möglicherweise an Mittsommer selten das dafür eigentlich vorgesehene Wetter. Sie ahnen es: Es hat es geregnet. Ach was, das ist die Untertreibung des Jahres. Es hat aus Kübeln geschüttet, dass man glatt Verwendung für eine Arche gehabt hätte. In zwei Tagen ist hier in Skåne so viel Regen runtergekommen wie sonst in einem ganzen Monat. 

Doch der Schwede zuckt da mit den Schultern und sagt: Det finns inget dåligt väder, bara dåliga kläder. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Bei den Norddeutschen unter den Lesern werden die Erinnerungsglocken bimmeln. Also sind wir natürlich trotzdem losgestiefelt Richtung Freilichtmuseum Fredriksdal, wo ein echt traditionelles Mittsommerfest für alle gefeiert werden sollte. Mit dabei: Schirme, Regenwear und eben die Sauerländer Sitzkissen. Außer uns rückten SEHR viele Schweden mit Picknickkörben in regenfesten Ganzkörperzelten und Gummischuhwerk an. Wegen des Wetters hatte man kurzerhand die Feierlichkeiten in die gigantische alte Scheune verlegt, während draußen vor der Tür glückliche Enten in mal eben ganz neu geschaffenen Tümpeln planschten. Dort wurde dann tatsächlich getanzt. Also in der Scheune (und in den Tümpeln vielleicht auch)  und jeder konnte mitmachen. 

Das Tanzen um den Maibaum – der ja eigentlich kein Maibaum ist, sondern ein Junibaum und darum korrekterweise auch nicht Maibaum heißt, sondern midsommarstång, also Mittsommerstange und das hat durchaus Symbolcharakter – ist ein Ritual, bei dem sich in alten Zeiten die Schweden in ihrem dünn besiedelten Land kennen und lieben lernten. Falsch: kennen und lieben lernen mussten, weil es danach wieder zurück an den Arsch der Welt ging, wo man eben zufällig geboren worden war. Vermutlich ist das in irgendeinem März geschehen, also das Geborenwordensein. Es ist nämlich so:

Mittsommer-Tänzerinnen im Aufwärmmodus.
Das lilafarbene Plastik rechterhand ist 
übrigens eine der charakteristischen Tüten aus
dem staatlichen Alkoholladen Systembolaget
Um die Verpaarung zu beschleunigen, wurde bereits Anno Tobak getanzt, was das Zeug hielt und alle Anwesenden wurden mit großen Mengen Alkohol abgefüllt (Pardon, die Vergangenheitsform ist nicht ganz korrekt, das gilt nämlich noch immer). Es ist kein Zufall, dass im März früher immer die meisten Schweden geboren wurden (oder vielleicht immer noch werden, ich werde aktuelle Statistiken bei Gelegenheit prüfen). Offenbar ist die imposante und blumengeschmückte Mittsommerstange ein wirkungsvolles Phallus- und Fruchtbarkeitstotem.

Auch diesmal sind möglicherweise neue Lieben entstanden. Die Mitglieder unserer bereits bestehenden Verpaarung brachten jedenfalls auf den langen Holzbänken in eingangs erwähnter Scheune die Sitzkissen zum Einsatz, die Zingo zuvor einer eingehenden und positiv beschiedenen Prüfung unterzogen hatte, wie oben zu sehen. Die Details des Tages sind dann im nächsten Jahr in einem ganz bestimmten Magazin zu lesen – in welchem, werde ich noch mitteilen. Ich bitte um Verständnis, dass ich hier darum nicht alles bereits ausplaudern kann. Nur so viel sei verraten: Die Sonne kam doch noch raus und der Tag nahm noch einen sehr versöhnlichen Verlauf...

Blick in die Waschküche
aus dem
Louisiana-Museum.
 Abspringen will hier aber keiner
Am Samstag kam dann mein Bruder M. mit meiner Schwägerin G. zu Besuch. Auch für diese kurze Stippvisite hatte ich beim Teutates Sonne bestellt. Die Bestellung wurde leider nur unzureichend ausgeführt. Ging es am Samstagabend noch so einigermaßen und reichte für einen Spaziergang, hat es am Sonntag wieder derart geschüttet, dass es eigentlich nur zwei Möglichkeiten gab: Den Tag im Bett zu verbringen oder einen Ausflug ins Louisiana-Museum auf der anderen Seite des Öresunds zu machen. Wir haben uns für Möglichkeit 2 entschieden – und haben es nicht bereut. Die Ausstellung "Pink Caviar" mit Werken junger Künstler ist absolut beeindruckend. Leider habe ich gerade nicht die Zeit und Muße, ausführlich darüber zu schreiben, ich hoffe, ich komme zu einem späteren Zeitpunkt dazu, einen Eintrag ganz allein diesem sensationellen Museum zu widmen, das auf sehr subtile Weise auch mit J.s und meiner Geschichte verwoben ist. Und das, obwohl wir erst jetzt, vergangenen Sonntag, zum ersten Mal gemeinsam dort waren.

Wer für eine eigene Louisiana-Reportage ist, darf gern einen Kommentar hinterlassen. Am Montag haben wir das Wetter-Dilemma dann zunächst mit Shopping in Ängelholm gelöst – dem Ort, von dem in dem gerade in der Herstellung befindlichen Buch noch die Rede sein wird und der mit meiner persönlichen Geschichte der letzten Jahre sehr viel zu tun hat. Ich habe M. und G. außerdem den sechs Kilometer langen Strand im Ortsteil Havsbaden gezeigt und "mein" Ferienhäuschen hinter der Düne – zumindest von außen. Und natürlich den herrlichen und mit Birken und Kiefern typisch schwedischen Wald, der so toll ist, dass nicht nur ich mich dort unzählige Male glücklich gejoggt habe, sondern dass dort 1946 ein Ufo gelandet ist, das sogar ein sehr verstecktes Denkmal bekommen hat, an der Stelle, wo die Außerirdischen einen toten Mitreisenden begraben haben. Die Außerirdischen haben damals außerdem einem zufällig am Landeort anwesenden Ängelholmer Bürger ein Rezept für eine Naturarznei verraten, mit der der Mann später Millionen gemacht hat. Glauben Sie nicht?  Das ist wirklich wahr! Wahr ist auch, dass in Ängelholm eins der schnellsten Autos der Welt hergestellt wird, der Koenigsegg, ein Paradox in einem Land, in dem man maximal 110 fahren darf und die meisten auch das noch für zu schnell halten, vorsichtshalber lieber 90 fahren oder manchmal auch ganz stehen bleiben... Ja, es gibt  auch über Ängelholm viel mehr zu erzählen (und über die Schweden sowieso) als ich gerade Zeit habe. Wer für eine eigene kleine Ängelholm-Reportage ist – bitte melden!
Tosendes Meer in Ängelholm,
im Hintergrund der alpengleiche
(fast 200 Meter!) hohe Kullaberg

Ich bitte um Entschuldigung für all diese angerissenen Themen, aber geht gerade nicht anders. Und ich bin natürlich auch noch die Erklärung schuldig, was aus dem geretteten Sauerteig geworden ist. Was soll ich sagen: Ein sensationell leckeres Brot...

Bekletterbare Kunst aus Treibholz
in der Wildnis des Kullabergs
Zum Abschluss noch ein Bild einer midsommarstång im wunderhübschen Dörfchen Arild am Meer – ein Haus dort wäre mein absoluter Traum. Das Bild ist von Dienstag, als dann schließlich doch noch die Sonne rauskam. Am Dienstag sind wir auch den Kullaberg hinunter zum illegalen Kunstwerk Nimis gekraxelt, das der Künstler Lars Vilks, Kunstprofessor an der Uni Bergen in Norwegen, seit Jahrzehnten aus Treibholz zusammenschustert und das sogar Joseph Beuys mal besessen hat, das aber die Gemeinde, der der Grund eigentlich gehört, aus unerfindlichen Gründen gerne abgerissen sehen möchte. Es gab auch schon Kettensägen- und Brandanschläge. Auch diese Sache ist eine eigene spannende Reportage wert... Also, wie gesagt: Sagt Bescheid, worüber Ihr als nächstes mehr lesen wollt. Das Thema mit den meisten Stimmen wird zuerst behandelt!


Wir sehen uns – oder wie man in Schweden sagt: Vi ses snart!
Schamloses Phallussymbol in Arild,
das zur Vereinigung von Dänen und Schweden 
aufruft






Freitag, 22. Juni 2012

GLAD MIDSOMMAR (FRÅN REGNET)!

Helsingborg gestern 
Das heißt übersetzt: Glücklichen Mittsommer aus dem Regen. Hier tut es das nämlich, also regnen. Gestern war noch wunderbares Wetter, heute meint es der Wettergott leider nicht gut mit Südschweden. Aber wie ich ja aus Norddeutschland weiß: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung. Wir haben zumindest schon mal ein wunderbares schwedisches Mittagessen in wunderbarer Gesellschaft genossen (Schön, dass Ihr vorbeigekommen seid, I. und E.  und vielen Dank für die tollen Mitbringsel für unser Projekt! Wir werden es nicht halten wie E. und die Notizbücher tatsächlich benutzen.) 


 Zu so einem Essen gehört selbstverständlich Sill, so nennt sich der schwedische eingelegte Hering, und zwar möglichst viele verschiedene Sorten davon (wir hatten zum Beispiel: Holundersill, Midsommarsill in Kaviarcreme, Dillsill, Senfsill, Skärgårdssill – also Schärensill – und Matjes, selbstverständlich alles mit MSC-Siegel), mit Dill gekochte neue Kartoffeln mit einer Art Sauercreme und gehacktem Schnittlauch, hart gekochte und klein geschnittene Eier, Knäckebrot, das süße dunkle Kavring-Brot mit Butter (eigentlich eher eine Art Honigkuchen, denn es ist mit Sirup gebacken – in diesem Fall nicht von mir selbst, aber wir werden sehen, wie das im nächsten Jahr aussieht) und zum Nachtisch Erdbeeren mit ungesüßter Schlagsahne (das ist ein sehr interessantes Phänomen, diese ungesüßte Sahne, ebenso wie ungesüßte Waffeln, aber darüber berichte ich ein anderes Mal). Gleich schnappen wir uns unsere original grünen Sauerländer Sitzkissen (die Geschichte dazu erzähle ich ebenfalls zu einem späteren Zeitpunkt) und unsere Regenschirme und spazieren ins Freilichtmuseum Fredriksdal, in dem ein echt traditionelles Mittsommerfest gefeiert wird. Angeblich soll es später sogar aufhören zu regnen. Ich werde berichten!
Lecker!

Donnerstag, 21. Juni 2012

DAS MONSTER AUF DER FENSTERBANK

Es lebt und trägt ein Käppi! (1)
Hier kommt ein kleiner Zwischenstand, weil ich nicht weiß, ob ich den nächsten Tagen zum Schreiben komme, es steht einiges an. Arbeit zum Beispiel. Und Mittsommer. Der entgegen anders lautenden Gerüchten nur in Ausnahmefällen am längsten Tag des Jahres gefeiert wird (wie das z.B. im nächsten Jahr der Fall sein wird), sondern an dem Wochenende, das diesem längsten Tag am nächsten liegt. Kommenden Freitag wird also Midsommarafton gefeiert. Es ist das erste Mal, dass ich zu diesem Zeitpunkt in Schweden bin. Da wir ja gerade ein Buch über Schweden schreiben, J. und ich, zumindest im weitesten Sinne – also im weitesten Sinne über Schweden – und ich außerdem eine Reportage verfassen werde (also nicht nur für dieses Blog), soll es möglichst traditionell zugehen. Eigentlich müsste man für ein "richtiges" schwedisches Mittsommerfest weiter in den Norden fahren, eben dahin, wo die Sonne wirklich nicht oder nur für ein, zwei Stunden untergeht (hier sind es immerhin so um die vier). Um es trotzdem traditionell zu haben werden wir (unter Anderem) in Fredriksdal feiern, dem Freilichtmuseum hier in Helsingborg, wo man sich alle Mühe zu geben scheint, es "richtig" zu machen. Ich bin schon sehr gespannt.

Ansonsten ist gerade der "Sauer" für das nächste Brot in der Mache. Ich hatte ja letztes Mal vergessen, das "Anstellgut" zu sichern, bevor ich den Brotteig gemacht habe und hatte dann noch einen winzigen Rest gefunden (Die ganze Katastrophe ist hier nachzulesen). Ob der funktioniert: Keine Ahnung! Aber ich  vermute es. Denn als wir vorgestern vom Einkaufen zurückkamen, hörte ich plötzlich seltsame Laute aus der Küche. Ich dachte, es sei der Kater – aber der lag auf dem Schrank im Wohnzimmer. Dann hörte ich das unheimliche Geräusch wieder. Schließlich gelang es mir, dessen Ursprung zu orten: Eins der Gläser mit der neuen Sauerteigzüchtung. Ich schraubte vorsichtig den Deckel los – und dann passierte, nun ja, das, was Sie in Bild (1) sehen.

Die Sauerteigkultur hat jedenfalls eine ordentliche Sprengkraft entwickelt, darum habe ich tatsächlich Hoffnung. Morgen weiß ich mehr...

Leserin Vanessa hat kardemummabullar gebacken! :o)  (2)

Dann ist noch etwas ganz Tolles passiert! Leserin Vanessa hat inzwischen mein Kardemummabullar-Rezept ausprobiert und das zugehörige Bild auf der Stellamat-Seite bei Facebook gepostet (wer sich dort anmeldet, verpasst keinen Blogeintrag!) Ich bin total begeistert, dass meine bekloppten Einträge auf solche Resonanz stoßen. Außerdem sieht das Bild aus wie aus einer Top-Food-Produktion für eine Hochglanzzeitschrift. Ich habe in der Zwischenzeit natürlich mein nachkommenloses Karl XIII.-Brot gebacken. Durch das extra viele "Anstellgut" ist das Brot enorm aufgegangen, war wunderbar fluffig und knusprig außenrum. Und es sah obendrein aus, wie eins der Monster, denen Calvin (von Calvin & Hobbes) als Spaceman Spiff schon mal begegnet, wie deutlich in Bild (3) zu sehen.
Es kann sprechen, man muss nur genau hinhören (3)

Sonntag, 17. Juni 2012

DER SCHWEDENKÖNIG DER BROTE: CHRONIK EINER KATASTROPHE UND EIN FÜNKCHEN HOFFNUNG

Eigentlich wollte ich noch gar keinen neuen Blog-Eintrag schreiben, weil der gestrige ja heute brandaktuell ist. Aber die Ereignisse haben sich mal wieder überschlagen...

Im Auge des Nichts
Große Katastrophen gehen meistens auf einen kleinen Fehler, eine winzige Unachtsamkeit zurück. Die Titanic wäre noch in Betrieb, zumindest als Museumsschiff, hätte man sich mit der Entwicklung des Schiffsradars etwas mehr beeilt. Carmen Thomas würde für immer das Sportstudio moderieren, hätte sie nicht "Schalke 05" gesagt und dieses Glas ist leer, weil, ja, lesen Sie selbst:

Auch zu der Katastrophe, die in der Ihnen inzwischen wohl bekannten Küche geschah (wobei – für die neu zugestiegenen Leser – alles hier seinen Ausgangspunkt hat) führte ein winziger Fehler. Zunächst ging alles den gewohnten Gang: Ich entschloss mich im Laufe des Samstagnachmittags ein weiteres Sauerteigbrot zu backen, (wie Sie hier hier nachlesen können). Ich nahm das Anstellgut – die inzwischen gut funktionierende Sauerteigkultur – aus dem Kühlschrank, damit es sich auf Zimmertemperatur aufwärmen konnte. Gegen 20:30 Uhr fügte ich 100 g Mehl und 100 g lauwarmes Wasser hinzu und stellte diesen "Anfrischsauer" ins Fach über dem Kühlschrank, wo die ideale Temperatur zur Vermehrung der Hefepilze herrscht.  Gegen 00:30 Uhr fügte ich weiteres Wasser und Mehl hinzu und stellte diesen "Grundsauer" in den Backofen bei nur eingeschalteter Lampe, mit einer etwa einen Millimeter geöffneten Klappe. Dabei herrscht eine Temperatur von ca. 29° Grad, ideal für Milchsäureorganismen, die das Brot mild machen.  Dann legte ich mich schlafen.

Ich hatte seltsame Träume. In einem Traum lebte ich in einer WG, die offenbar einem Restaurant angeschlossen war. In der Küche herrschte reges Treiben. Darum machte ich mir Sorgen um meinen Sauerteig und ging ihn suchen. Ich fand eine leere Teigschüssel und erschrak bis ins Mark: Hatte man den Sauerteig weggeworfen? Dann entdeckte ich ihn, im Backofen. Aber: Die Temperatur war viel zu gering. Der Backofen hatte ein Loch!

In dem Moment klingelte der Wecker. Um 6:38 Uhr (ich stelle meinen Wecker immer auf krumme Uhrzeiten). Es war Zeit, weiteres Mehl und Wasser zur Herstellung des "Vollsauers" hinzuzufügen. Der Backofen hatte kein Loch, der Grundsauer war da, wo er sein  sollte, die Temperatur war okay. Ich war beruhigt und legte mich wieder schlafen.

Würde ich auf Borg-Größe
schrumpfen?
Wieder träumte ich. Ich  stand ich in meiner Küche und war auf einmal klein wie ein Kind. Ich wollte backen, aber war das möglich? Würde ich noch weiter schrumpfen? Vielleicht sogar auf Größe eines Hefeborgs?

Als der Wecker erneut klingelte, fühlte ich mich ahnungsvoll. Unheilvoll? Ich hörte ein leises Brummen: Der Kater schien nichts zu bemerken und schnurrte wie üblich wie ein Motor vor sich hin. Das beruhigte mich etwas. Auch schien ich noch normal groß zu sein. Jetzt war es Zeit, den richtigen Brotteig zu machen. Der Sauer war gut aufgegangen. Ich wog Mehl ab und mischte Salz und Brotgewürze darunter. Maß lauwarmes Wasser ab. Spülte zwei Gläser noch einmal gründlich aus, um sämtliche Spülmittelreste zu entfernen – für den Anfrischsauer fürs nächste Backen. Ich wusch mir die Hände.

Dann nahm ich den Vollsauer, kippte die Mehlmischung drüber und das Wasser, machte meine Hand nass und begann zu kneten. In diesem Moment überfiel mich die Erkenntnis wie ein Donnerkeil. Das Schicksal, es hatte tatsächlich zugeschlagen, die Träume waren böse Omen gewesen, die Tauben waren tief geflogen, Teutates hatte den Himmel gelockert, der Uhu hatte sich drei Mal um seine Achse gedreht und "Hey, Makarena!" gerufen:

Ich hatte vergessen, vor dem Mischen das Anstellgut abzunehmen!

Das Glas war leer geblieben. Das bedeutete mehrere Dinge: Ich würde kein weiteres Brot backen können. Meine Sauerteigkultur war verloren. Für immer! Dieses Brot würde das nachkommenlose letzte eines erfolgreichen Geschlechts sein. Wie der schwedische König, Karl XIII., der keine Nachkommen hatte und darum einen französischen General adoptierte, nämlich Jean-Baptiste Bernadotte, genannt Karl Johann, der dann den Schweden unter anderem den berühmten Karl Johann-Pilz als schmackhafte Mahlzeit empfahl (woanders als in Schweden als Steinpilz bekannt), als ihnen das  – ha ha – Brot ausgegangen war.

Würde ich in Zukunft ein Baguette adoptieren müssen?
Oder nur noch Pilze essen müssen?

Hier geht sie dahin,
die Sauerteigkultur:
Karl XIII. der Brote
Und würde das Brot überhaupt noch zu einem nachkommenlosen Karl XIII. werden? Denn jetzt stimmten natürlich alle Mischungsverhältnisse nicht mehr. Verzweifelt fügte ich ein bisschen mehr Mehl und Wasser hinzu, was mit teigklebrigen Händen – Vollsauer klebt wie Pattex und hier war viel davon drin – nicht so einfach ist. Der Teig wurde viel zu feucht, aber die aktuelle Roggenmehlpackung war aufgebraucht und die nächste stand unerreichbar verschlossen im Schrank: Ich war ausnahmsweise allein zu Haus, wenn man mal von einem mich interessiert beobachtenden orangen Kater absieht, der sicher gern geholfen hätte – doch ihm fehlt der Daumen.

Im Augenblick geht das Brot im Backofen.
Was daraus wird: Ungewiss!

Meine Arche?
In der Zwischenzeit habe ich jedoch Hoffnung geschöpft. Ich habe ein Glas mit einer winzigen Menge des alten Anstellguts entdeckt, zwischen dem Honig und den roten Zwiebeln auf dem Sideboard in der Küche. Vor ein paar Tagen hatte ich es abgezweigt, mit etwas Mehl gefüttert, um eine zweite Kultur zu züchten. Dann hatte ich es vergessen. Nun schraubte ich unter Aufbietung größerer Kräfte das völlig verklebte Glas auf (Anstellgut klebt wie Pattex, aber das sagte ich ja bereits) und stellte fest: Es scheint noch zu leben. Blasen waren sichtbar und auch der Geruch stimmte. Ein feiner Duft nach süßem Obstessig. Ich fügte Mehl und Wasser hinzu und stellte das Ganze auf die Fensterbank.
Die spannende Frage lautet nun: Wird dieser kleine Sauerteigrest meine Arche? Der Retter einer erfolgreichen Hochkultur von Hefepilzen, Milchsäureorganismen und Essigbakterien? Wir werden es sehen. Bleiben Sie dran, wenn es wieder heißt: Autoren im Backwahn.

Samstag, 16. Juni 2012

HAMLET ODER HANLET, DAS IST HIER DIE FRAGE!



Jude Law was here: Schloss Kronborg/Elsinor.
Links im Bild: Die Fähre nach Helsingborg
(Foto: Ted Fahn, Quelle: VisitDenmark)
Die Schweden sind ja jetzt leider raus. Aus der Fußball-EM natürlich nur. In allem anderen sind sie noch drin. Zum Beispiel in meinem Herzen und der EU. Auch wenn sie so tun, als ob sie nicht drin wären, also in der EU, mit der Extrawurst der Schwedischen Krone und so. Doch über so was will ich gar nicht reden, das gibt am Ende nur Ärger. Vielmehr möchte ich sagen: Das Gute an multinationalen Haushalten ist ja, dass man eine Mannschaft in Reserve hat, der man die Daumen drücken kann.

Am Sonntag spielt nun meines Wissens die restliche uns zur Verfügung stehende Mannschaft, nämlich Deutschland. Und zwar gegen Dänemark (auch in der EU, obwohl das einigen Leuten dort, glaube ich, gar nicht so passt). Nun befindet sich Dänemark zufällig direkt gegenüber von Helsingborg, genauer gesagt ist der dortige Außenposten des Landes das pittoreske Örtchen Helsingør (sprich: Helsingör, das entspricht übrigens auch der schwedischen Schreibweise) an der schmalsten Stelle der Meerenge Öresund, die zur Ostsee gehört, bevor sie, die Ostsee, Kattegatt genannt wird. Es gibt eine Fährverbindung der Scandlines zwischen Helsingborg und Helsingør, man legt tagsüber alle 15 Minuten ab, das gilt für beide Richtungen, abends und nachts etwas seltener. Die Überfahrt dauert 20 Minuten. An Bord gibt es einen Duty Free-Shop für Süßes und Alkoholisches – letzteres nur auf der dänischen Hälfte des Öresunds, also entweder in den ersten oder letzten zehn Minuten – und in der Snackbar diverse Erfrischungsgetränke und gerolltes Polarbröd mit Elchfleisch, was dann auch vermutlich das Exotischste im Angebot ist.

Vom Prinzen versetzt!
(Foto: Lennard Nielsen,
Quelle: VisitDenmark)
Falls dem ein oder anderen nun beim Namen Helsingør die Ohren klingeln: Dort, im Schloss Kronborg (das man übrigens sieht, wenn man von hier aus in die nächste Straße einbiegt, bei Gelegenheit mach ich mal ein Foto, wenn gewünscht) hat Shakespeare den unglücklichen Dänenprinzen Hamlet einquartiert (im Stück und im Englischen heißt das Schloss Elsinore). In Kronborg/Elsinore hat er sich dann über staatliche Fäulnisprozesse und Seinsfragen Gedanken gemacht, wie allgemein bekannt sein dürfte. De facto gab es keinen echten Prinzen namens Hamlet, denn die Handlung beruht auf einer überlieferten und selbstverständlich fürchterlich traurigen Sage. Aber man muss ja nicht zu kleinlich sein. Immerhin führte Shakespeares Stück z.B. dazu, dass ich in den Neunzigerjahren auf einer Exkursion des Faches Kunstwissenschaft einen Abstecher nach Helsingør machen durfte (weil das Ganze nicht allzu weit vom Louisiana-Museum für Moderne Kunst entfernt liegt) und dass Jude Law 2009 den Hamlet in Kronborg spielte. Leider war ich zu letzterem Zeitpunkt nicht anwesend, aber vielleicht kommt er ja noch mal vorbei. Möglicherweise fragt man aber auch nächstes Mal Mads Mikkelsen, schließlich ist der ein dänischer Superstar.

Hans Christian Andersen ist – oder war – ja auch so eine Art dänischer Superstar (man beachte die geschickte Überleitung). Auf ihn oder besser sein selbstverständlich fürchterlich trauriges Märchen "Die kleine Meerjungfrau" geht ja die Meerjungfrau-Skulptur in Kopenhagen zurück.  Über deren Größe  – oder besser: Kleine – sich z.B. Anders Trentemøller gewundert hat, als er sie das erste Mal sah, wie hier nachzulesen. Allerdings ist ja andererseits auch nicht zu erwarten, dass eine kleine Meerjungfrau besonders groß dargestellt wird. Finde ich. Sie zu finden ist jedenfalls trotzdem sehr einfach, man muss in Kopenhagen nur immer der japanischen Touristengruppe folgen, dahinter ist sie dann schon.

HANlet
(Foto: Anders Sune Bang
Quelle: VisitDenmark)
Damit die kleine Meerjungfrau nun nicht für immer grämt, weil der doofe Prinz (der vielleicht ja Hamlet war, auszuschließen wäre es nicht, immerhin gibt es da gewisse Handlungsparallelen) sich in die Falsche verliebt hat, hat man ihr nun, offenbar nach Vorlage des jungen Mick Jagger, einen Gefährten gebaut. Um es der Meerjungfrau nicht allzu einfach zu machen – ihr Märchen ist schließlich immer noch ein fürchterlich trauriges – hat man ihn aber nicht in Kopenhagen auf einen Stein gesetzt, sondern, Sie ahnen es: in Helsingør. Verantwortlich für die Skulptur sind die Künstler Elmgreen & Dragset, die auch schon am Trafalgar Square in London rumgebaut haben. Ein englischer Prinz also – offenbar soll Dänemark von England aus über Helsingør erobert werden: Hamlet, Han, Jude Law, die Indizien sind erdrückend. (Deswegen aber auf eine dänisch-englische Finalbegegnung zu schließen, das wäre voreilig. Davor haben die Götter Gomez gesetzt. So!)

Da hockt nun also HAN (das heißt "er") rum und wartet, genauso wie HON (das heißt "sie"),  die unglückliche Meerjungfrau circa sechzig Kilometer weiter südlich. Im Gegensatz zu ihr kann er aber wenigstens mal blinzeln, nämlich einmal die Stunde mittels eines hydraulischen Mechanismus. Vermutlich, damit die japanischen Touristen nicht nur anreisen, knipsen und abreisen, sondern auch die Wirtschaft in Helsingør ankurbeln und zwischendurch ein leckeres dänisches Eis schlecken, bis der Bursche wieder mit den Wimpern klimpert. Um jetzt die kulturelle Verwirrungsstrategie zur Vollendung zu bringen bzw. mit Hängen und Würgen wieder zum Thema Dänemark vs. Deutschland und einem  gewissen Haushalt zurückzukommen, in dem diese Begegnung per Livestream verfolgt werden wird (ein Glück, dass ich hier schreiben kann, was ich will, meine gewagten Gedankensprünge würde kein Redakteur mitmachen)  fällt mir die im deutschen Sprachraum verbreitete Ballade "Es waren zwei Königskinder" ein, die auf eine von Ovid und dem griechischen Dichter Musaios überlieferte und selbstverständlich ebenfalls fürchterlich traurige Sage zurückgeht. Dort heißt es:

Es waren zwei Königskinder,
die hatten einander so lieb,
sie konnten beisammen nicht kommen,
das Wasser war viel zu tief

Es wäre also besser gewesen, man hätte die Meerjungfrau nach Helsingør verpflanzt und den Meerjungmann nach Helsingborg und damit ganz von Kopenhagen Abstand genommen, dann hätten die beiden einfach die Fähre nehmen können. Aber Schweden ist ja raus, wie gesagt...
Äh, Moment, wo war ich? Ach ja: Die "Königskinder" Deutschland und Dänemark können jedenfalls nicht zusammen kommen, denn es kann nur einen geben. Sieger und Highscorer und natürlich Highlander, aber bevor ich jetzt auch noch nach Schottland und Umgebung abschweife und mich in Artus-Sagen oder ähnlichen Klimbim verstricke, sage ich lieber: Tschüss und möge der Bessere gewinnen, der allerdings am liebsten Deutschland sein soll. Jetzt gleich backe ich übrigens wieder. Mehr demnächst in diesem Theater.

Mittwoch, 13. Juni 2012

YOU WILL BE KARDAMOMATED ODER: WIE ICH DIE BORG ZUR (KARDAMOM-)SCHNECKE MACHTE (REZEPT!)

Als Hefewürfel
getarntes Borgschiff (1)
Borg-Königin mit Zepter (2)
Das Raumschiff der Borg ist bekanntlich ein Würfel voller gleich geschalteter Drohnen. Im Bild rechts oben (1) sehen Sie ein als Hefewürfel getarntes Raumschiff voller gleich geschalteter schwedischer Hefepilze.* Es gibt Gerüchte, nach denen die Königin der Hefeborg unter einem sehr starken Vergrößerungsglas ungefähr aussieht wie im Phantombild links oben (2). Auf dem Hefewürfel-Raumschiff erkennen Sie nun bei genauem Hinsehen ein Datum. Das Datum des letztmöglichen Angriffs. Das bereits gestern überschritten war (die Chronik eines ähnlichen Falls können Sie hier nachlesen.) Ich habe dennoch versucht, die Hefedrohnen zur Aktivität zu bewegen, um sie anschließend mit ihren eigen Waffen zu schlagen und zwar auf äußerst schmackhafte Weise. Das geschah mittels folgenden Schlachtplans (für mich als Stellamat 2000 angesichts meines aktuellen Aufenthaltsorts ein ganz natürliches Vorgehen):

Präzisionswerkzeug (3)
Ich habe zunächst 75 g Butter (Bild 3) geschmolzen und anschließend mit
Teig, Arbeitsfläche,
Nudelholz,
Kalorienbombe
(v.v.n.h.) (4)
250 ml Milch gemischt und dann diese Mischung auf 37°C erhitzt. Diese Reihenfolge ist wichtig, denn wenn man beides zusammen zu erhitzen versucht, dauert das ewig, weil es sich unterschiedlich schnell aufwärmt. Ich habe diesen Fehler bereits gemacht, damit Sie sich das ersparen können. Während des Erhitzungs-Vorgangs werden  50 g Zucker1/2 Teelöffel Salz1 Teelöffel Kardamom und 540 g Mehl abgewogen und bereit gestellt.

Teig,
geplättet (5)
Im nächsten Schritt des perfiden Schlachtplans müssen 25 g der Hefe in eine Schüssel gebröselt und mit einem kleinen Teil der nunmehr 37° C warmen Butter-Milch-Mischung verrührt werden, bis die nichts ahnenden Hefedrohnen sich darin verteilt haben und vergnügt planschen. Anschließend werden die obig aufgeführten restlichen Zutaten dazu gekippt und alles mit der bloßen Hand geknetet, bis der Teig nicht mehr klebrig ist. Das geht relativ schnell, in vier, fünf Minuten ist es so weit. Die Schüssel mit dem Teigklumpen wird nun mit einem Küchentuch zugedeckt und an einem zugfreien und einigermaßen warmem Ort – z.B. im NICHT eingeschalteten Backofen – 30 Minuten in Ruhe gelassen. Während der Wartezeit werden folgende Ingredienzien abgewogen: 75 g Butter (in Würfeln, um das Angleichen an die Zimmertemperatur zu beschleunigen),  1 Teelöffel Kardamom1 Teelöffel Zimt und  90 g Zucker.

Die Kalorienbombe
wird platziert (6)
Die Substanzen werden auf einen Teller gehäuft und mit einer Gabel zermatscht und vermischt. Falls Sie das zuhause selbst ausprobieren, liebe Leser, werden Sie feststellen: Zunächst hat man den Eindruck, dass das störrische Zeug sich nie verbinden wird, aber das wird es. Mit Geduld. Vertrauen Sie mir. Die auf diese Weise entstehende klebrige Masse enthält die Sprengkraft unermesslich vieler Kalorien und stellt das Herzstück unseres Schlachtgebäcks dar: Die Kalorienbombe. Anschließend werden noch schnell zwei Backbleche bereit gestellt und mit Backpapier belegt. Nach Ablauf der halben Stunde beginnt nun die eigentliche Konstruktion. Dazu benötigt man ein Nudelholz und ein bemehlte Arbeitsfläche (4). Auf diese Fläche wird der Teigklumpen gelegt, der hoffentlich etwa auf das doppelte Volumen aufgegangen ist.

Teig, 1 x nach
 hinten geklappt (7)
Der Klumpen wird nun mit dem Nudelholz platt gewalzt (5). Das mag brutal erscheinen, ist aber notwendig. Möglichst dünn, möglichst rechteckig,  möglichst so, wie es die Borg gewohnt sind. Dann wird die Kalorienbombe gleichmäßig auf dem Teig verstrichen (6). Das Ganze wird mittig gefaltet (7) und erneut auf die vorherige Größe platt gewalzt, so dass die Kalorienbombe als feine Schicht in der Mitte zwischen den Teiglagen versteckt ist. Nun werden von der Teigplatte mit einem Messer Zwei-Zentimeter-Streifen abgeteilt (8).

Geklappter Teig, nach
 dem erneuten Ausrollen (8)
Diese Streifen werden im nächsten Schritt in sich gezwirbelt (9) und dann zur Tarnung zu einer harmlos wirkenden Schnecke gedreht (10). Hier ist der Ursprung des drohenden Sprichwortes "Ich mach dich zur Schnecke!" zu suchen. Die Schnecken werden auf die Backbleche gesetzt, mit Küchentüchern abgedeckt und noch einmal eine halbe Stunde gehen gelassen. In den letzten paar Minuten vor Ablauf dieser Zeit kann man bereits den Backofen auf 225°C vorheizen und ein kleines Ei schlagen.

Kunstvolle Zwirbelung (9)
Das eigentliche
Zurschneckemachen (10)
Mit dem Ei werden die Schnecken eingepinselt, anschließend mit noch etwas Kardamom bestreut und – wenn man will – auch noch mit grobkörnigem Zucker (ich will das nie). Die Bleche werden in den Backofen geschoben und für 8 bis 10 Minuten gebacken. Verwendet man, wie ich, Ober- und Unterhitze, empfehle ich, die Backbleche zwecks gleichmäßiger Bräunung mindestens einmal zu tauschen, besser zweimal. Umluft macht die Schnecken leider etwas zu trocken. Das Ergebnis: Eine erhebliche Anzahl unwiderstehlich leckerer Kardamomschnecken, oder wie man in Schweden sagt kardemummabullar (das wohl zweitwichtigste Nationalgebäck neben den kanelbullar, den Zimtschnecken), die automatisch vernichtet werden, sobald jemand in ihren magnetisch wirksamen Duftkreis gerät. Eine äußerst effektive Methode, die Borg auf nützliche Weise unschädlich zu machen. Varsågod!

Varsågod!






* Hallo, Christiane Fischer: Diesmal habe ich es richtig gemacht und Hefepilze geschrieben! Ich bin lernfähig! Wollte übrigens zuerst Christiane F. schreiben, aber das schien mir dann doch in die Irre führend.


Montag, 11. Juni 2012

EIN GANZ NORMALER SONNTAG UND DIE SACHE MIT DEM TOPFLAPPEN AUF DEM OVERHEADPROJEKTOR


Ein Mann, ein Topflappen.
Lehrer H. mit Opfern
Gestern gab es keinen Blogeintrag, wie vielleicht der ein oder andere bemerkt hat. Das lag insbesondere daran, dass gestern ein grauer, nicht besonders aufregender Sonntag war, an dem nicht sonderlich viel passiert ist. Außer in meinem Kopf selbstverständlich. Da passiert immer eine Menge, das sagte ja schon mein Grundschullehrer H., der Phantasie, zumindest "zu viel" davon, als Makel ansah. Im Übrigen war H. der vermutlich unfähigste Pädagoge der nördlichen Hemisphäre und der südlichen noch dazu, ach was: des ganzen Universums, das ja mutmaßlich noch irgendwo, in anderen Quadranten, weiteres intelligentes Leben umfasst. Das glauben ja sogar Wissenschaftler, die wirklich nichts mit grünen Männchen und Esoterik und so was am Hut haben, allein der wahrscheinlichen Wahrscheinlichkeit halber.

Nur: Zu diesem intelligenten Leben gehörte mein Grundschullehrer eben nicht dazu. Falls Sie das jetzt lesen, Herr H., was dann wiederum sehr unwahrscheinlich ist, aber nicht ausgeschlossen: Es tut mir Leid, aber das ist die Wahrheit. Kindern "zu viel Phantasie" als Fehler zu bescheinigen ist nämlich nicht intelligent. Auch zu versuchen, Kindern Häkeln mittels eines auf den Overheadprojektor projizierten Topflappenschattenrisses beibringen zu wollen, ist das nicht. Es war offensichtlich, dass Sie selbst keine Ahnung von der offenbar so wichtigen Fertigkeit des Häkelns hatten. Ich allerdings auch nicht. Ihnen hat wahrscheinlich Ihre Frau die Grundlagen beigebracht, den meisten Kindern in der Klasse wurde von ihren häkelfertigen Müttern geholfen. Meiner hat sich später meine Tante Ilse erbarmt, weil meine Mutter Wichtigeres zu tun hatte, als zu häkeln. Ihre glorreiche Idee mit dem Overheadprojektor, Herr H., hat didaktisch gesehen nämlich nicht funktioniert. Überhaupt nicht. Kein bisschen. Ich kann mich nicht mehr an viele Grundlagen des Häkelns erinnern, aber eins weiß ich noch: Es ist enorm wichtig, zu sehen, wo oben und unten ist. Sieht man das im Schattenriss? Nun?

Auch ausgerechnet einige der smartesten Kinder in der Klasse auf die Hauptschule zu schicken, war eine ausgesprochen doofe und vor allem egoistische Aktion: Auch Sie sind zu just zu diesem Zeitpunkt dorthin gewechselt, wie ich später erfuhr. Zufällig haben Sie dort dann die beinahe geschlossen versammelte Klasse übernommen. In dieser von Ihnen geleiteten Hauptschulklasse landete zum Beispiel mein Freund M., heute erfolgreicher Ingenieur oder Z., die eine großartige Designerin geworden ist und inzwischen in Istanbul lebt. Zum Glück haben die beiden Ihrer "Prognose" getrotzt, die interessanterweise vor allem sämtliche Klassenmitglieder mit Migrationshintergrund erhalten hatten (M.s Familie stammt aus Spanien, Z.s Familie aus der Türkei). Ich – damals ohne Migrationshintergrund, heute mit –  war eine der wenigen, die das Prädikat "gymnasiumtauglich" von Ihnen bekamen, und das trotz der ganzen hinderlichen Phantasie. Vielleicht wollten Sie mich ja auch einfach loswerden, dafür wäre ich dann durchaus dankbar, das beruhte nämlich auf Gegenseitigkeit. Sie wären vermutlich heute auch einer dieser Pädagogen, die Kindern mit Namen wie "Kevin" oder "Mandy" geistige Minderbemittelung bescheinigten, wobei sie – die "Pädagogen" – dabei eigentlich nur ihre eigene Blödheit beweisen, wie hier nachzulesen. Ich kann nur hoffen, dass Sie frühverrentet worden sind, um so vielen Schülern wie möglich Ihre Einflussnahme zu ersparen.

So! Das musste zwar mal alles gesagt werden, trotzdem wollte ich DAS eigentlich alles gar nicht schreiben.

Brot mit Aussicht: Nummer 5 lebt
Ich wollte ja eigentlich nur schreiben, dass gestern nichts passiert ist oder zumindest nicht viel, dass Sie sich dann aber nicht direkt Sorgen machen müssen (also Sie, liebe Leser, meine ich, nicht Herrn H., der könnte sich ruhig mal ein bisschen Sorgen machen, vor allem um sich selbst im Bereich zwischen den Ohren). Okay, ja, gut, ich habe Sauerteigbrot Nummer 5 gebacken. Auch dieses Brot hat an Fluffigkeit und Aroma das vorherige übertroffen, nur die Kruste ist etwas dunkel geworden, weil dieser vermaledeite Backofen der schwedischen Firma mit I. zwar sehr hübsch aussieht, der Temperaturschalter aber sehr unübersichtlich geraten ist, so dass man sich da gern mal um vierzig, fünfzig Grad vertut, wie gestern geschehen. Aber diese ganze Brotbackarie wird Ihnen vielleicht langsam auch fad (wobei fad übrigens einer meiner Lieblingsausdrücke aus dem Österreichischen ist, vielleicht sollte ich da mal was drüber schreiben). Sie macht MIR ja weiterhin Spaß, die Brotbackarie, insbesondere weil ich später in den Genuss des Brotes komme, aber das ist ja bei Ihnen nicht der Fall. Ich werde trotzdem weiter darüber bloggen, sagen Sie also nicht später, ich hätte Sie nicht gewarnt. Demnächst back ich aber mal was anderes, was weder Brot noch Pizza ist. Wie wäre das? Da fällt mir ein, ich bin Ihnen ja noch die Auflösung der Pizzageschichte von vorgestern schuldig. Sie lautet: Hat geklappt, war lecker. Knuspriger Rand, ganz grandios. Empfehlenswert. 

Sieger der 48 Stunden von Lameng
Ansonsten habe ich geschrieben, nur eben nicht hier im Blog, und habe natürlich den weltbesten Kartoffelsalat gegessen, mit Vinaigrette, mit Zuckerschoten, roten Zwiebeln und Thunfisch (selbstverständlich MSC), der für mich vom weltbesten Kartoffelsalatzubereiter zubereitet wurde, der für mich auch sonst der Weltbeste ist, in mehr oder weniger allem. Ich habe beim Parallellesen des nächsten Nesser-Buches skuggorna och regnet/Die Schatten und der Regen bereits einige sehr seltsame Übersetzungsfehler entdeckt, die mich langsam vermuten lassen, dass die renommierte Übersetzerin das Renommee gar nicht verdient, so viele verkehrt versandte Manuskripte kann es auch wieder nicht geben, aber das werde ich zu einem späteren Zeitpunkt ausführlicher analysieren. Aber vor allem habe ich einen Abendspaziergang gemacht, im Dunkeln, nach dem trüben Tag, über die Helsingborger Elbchaussee, mit den ganzen dollen Hütten (= tolle Häuser, Anm. für die schwedischen Leser)  und dann unten an der Elbe zurück, die natürlich nicht die Elbe ist, sondern Öresund heißt, aber irgendwie fühlt sich das alles so ähnlich an. Bis auf den Moment, wo man dann stehen bleibt, aufs Wasser guckt und feststellt: "Ach, das ist ja gar nicht die Elbe. Das ist ja das Meer." Und dann denkt man so was wie "Verrückt, das alles!" oder auch "Leck misch  en de Täsch!" (Anm. für schwedische Mitleser: Wörtlich übersetzt heißt das "Leck mich in der Tasche!", Kölner Ausruf des Unglaubens, wie man hier nachlesen kann,) und wenn man dann wenig später im Bett liegt, denkt man das noch mal, dann schläft man ein und das war's dann auch schon wieder mit dem Sonntag. In diesem Sinne danke ich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche eine wunderschöne Woche. 

Samstag, 9. Juni 2012

DIE 48 STUNDEN VON LAMENG


Die Pizza im Sack. Oder ist es doch nur ein
Riesenklumpen Kaugummi? 
Experiment! Liebes Publikum, Sie sehen hier zwei Testobjekte, nämlich zwei steinharte Klumpen Pizzateig, Rohstoff der ganz hervorragenden Pizza (= das Runde), die ich neulich natürlich im Ofen (= das Eckige) gebacken habe. Ich hatte vor einer Woche nämlich nur zwei Pizzen gemacht und den Rest ins Tiefkühlfach geworfen. 
Sie erinnern sich vielleicht, es geht um die Luxus-Pizza, deren hefearmer und mit Olivenöl und Meersalz versehener Teig 48 Stunden im Kühlschrank gehen musste und bei dessen Herstellung mir das Haltbarkeitsdatum auf dem Hefewürfel aufgefallen war, was zu diversen weiteren bahnbrechenden Ereignissen geführt hatte (wir berichteten).

In diesem Fall stand leider nicht im Rezept, dass man die Teigklumpen vor dem Einschlagen in Haushaltsfolie oder Gefrierbeutel am besten bemehlt. Sicher, da hätte man als gute Hausfrau selbst drauf kommen können. Das Problem ist: Ich bin keine. Gute Hausfrau, meine ich. Und ich gehe davon aus, dass in einem Rezept schon alles Wichtige geschrieben steht. An dieser Stelle ein dringender Appell an alle Rezeptautoren: Ihr könnt nicht voraussetzen, dass jeder Eurer Leser weiß, was Sache ist. Genau darum konsultiert man ja Rezepte: Weil man zu doof ist, die Sache aus der Lameng zu veranstalten (hach, manchmal liebe ich die Ausdrücke meiner niederrheinischen Heimat. Lameng kommt natürlich vom französischen la main, die Hand, und ist ein Überbleibsel aus Zeiten französischer Besetzung. Die Sache hat man dann der örtlichen Ausdrucksart ein bisschen angepasst. Was Mach keine Fisimatenten! bedeutet, erkläre ich in einer anderen Folge dieses spannenden Blogs).

Darum war es dann nach den 48 Stunden *ein bisschen* schwieriger, den Teig aus den Plastikbeuteln wieder herauszubekommen. In etwa so als wollte man einen zauberwürfelgroßen Hubba Bubba-Klotz von der Klebkraft "Konrads Spezialklebers" nach dreißigjähriger Anpappzeit unter einem Klassenzimmertisch lösen. Aber es ist mir schließlich, nicht zuletzt dank der hervorragenden Elastizität des Teiges, gelungen. Jetzt bin ich gespannt, ob das heute etwas besser klappt. Vielleicht, wenn ich die Tüte löse, sobald der Teig nur ein ganz kleines bisschen angetaut ist. Jetzt werde ich erst mal Tomatensauce köcheln. Später heißt es dann hoffentlich: Pizza, Pizza!

Und sie wird hoffentlich ungefähr so aussehen wie das Gebäck linkerhand.

Doch wird es der Autorin dieser Zeilen tatsächlich gelingen, den Teig aus der unbarmherzigen Umkrallung der Tüte zu befreien? Bleiben Sie dran, verehrtes Publikum! Wer außerdem den heimlich versteckten Schweden-Verweis im Text findet, darf ihn gerne hier (!) posten und erhält beim nächsten Mal in dieser Küche eine selbst gebackene Kardamonschnecke nebst Kaffee. 

Freitag, 8. Juni 2012

KAPITÄNSKÄPPIS UND KRIEGSHERREN, ABER KEINE KAMELLE


Der Hut von Donald Duck?
Nein! Festtagsbekleidung
schwedischer Jugendlicher
mit zwölf Buchstaben.
Heute ist in Helsingborg studenten, das schwedische Äquivalent zu offiziellen Abi-Feierlichkeiten nach dem (hoffentlich) bestandenen Abi. Die Jungs und Mädels tragen heute nicht nur ein lustiges Kapitänshütchen, die studentmössa, die innen in den Landesfarben Blau und Gelb gehalten ist, sondern werden in offenen Lastwagen durch die Gegend gefahren und tanzen erheblich alkoholisiert darauf herum (auf den Lastwagen, nicht auf der Gegend). In Helsingborg, das scheint relativ einzigartig im Land zu sein, umkreist man außerdem noch sieben Mal die Magnus-Stenbock-Statue auf dem Stortorget. Das umreißt so in etwa die Feierlichkeiten, wenn ich alles richtig verstanden habe. Gewisse Ähnlichkeiten zu gewissen Rhein-Main-Regionen zu gewissen Zeiten sind nicht von der Hand zu weisen. Allerdings würde man in Köln, Düsseldorf, Mainz und Umgebung vermutlich nur müde lächeln, schließlich gibt es nicht mal Kamelle, geschweige denn so was wie vernünftiges Karnevalsliedgut.

Das führt mich zu: Es regnet seit Stunden in Strömen, was mir einerseits ein bisschen Leid tut, andererseits ist es vielleicht die gerechte Strafe dafür, dass unbeteiligte und nur zufällig in Hörweite befindliche Personen, z.B. deutscher Herkunft, in den letzten Tagen bei privaten Abi-Partys nächtens mit wirklich unsäglicher Musik beschallt wurden, gegen die Scooter hohes Kulturgut ist und Britney Spears Maria Callas. Außerdem wurde der ESC-Siegersong in gesundheitsgefährdendem Maße wiedergegeben (ESC von "Escape", das war leider in diesem Fall nicht möglich), obwohl doch jeder weiß, dass man davon gefährliche Gehörgangverschleimung bekommt, die tagelang den Song im Gehirn festhält, wo er schlimmen Schaden anrichten kann. Zum Glück gibt es Ohrstöpsel.

Was es in Schweden allerdings nicht gibt: So was wie einen Abistreich – oder jedenfalls nicht mehr, vermutlich verboten von der Schulleitung oder oberen Schulbehörde und was von oben angeordnet wird, wird in Schweden traditionell befolgt. Man hat damit einfach noch nicht genügend schlechte Erfahrungen gemacht in diesem Land, so ist zumindest meine Theorie, und ich hoffe, dass das so bleibt. Ein bisschen mehr Kritikkultur in Richtung Obrigkeit ist trotzdem nicht in allen Fällen schlecht. Wollte ich nur mal angemerkt haben.

Ich kann mich leider gar nicht mehr genau an unseren Abistreich erinnern, damals im Viersener Gymnasium an der Löh, aber das Ziel war es immer, durch gezielte Sabotage einen Tag schulfrei für die Jüngeren zu erwirken. Zum Beispiel durch Kidnapping des Kollegiums, Anfüllen sämtlicher Eingänge mit wassergefüllten Luftballons, Verbarrikadierung der Schule mit Heuballen, Verstecken der Schule in einem Wurmloch etc. Wenn es mit dem freien Tag geklappt hat, war es ein guter Streich.

Könnt/können Ihr/Sie Euch/sich noch an Euren/Ihren Abistreich erinnern? Oder an einen besonders gelungenen eines anderen Jahrgangs?

Donnerstag, 7. Juni 2012

ES LEBT! ER LEBT? DA ERLEBT MAN WAS!


Es lebt! Aber lebt ER auch darin?

Bevor es verputzt ist, habe ich noch schnell das Sauerteigbrot Nummer 4 fotografiert. Diesmal noch deutlich fluffiger und aromatischer, was allerdings auch an den Brotgewürzen liegt, die ich hinzugefügt habe, Kümmel und solche Sachen. Bereits nur mit Butter ein Gedicht! Ich konnte natürlich wieder die halbe Nacht nicht schlafen, weil ich ständig die Temperatur kontrolliert habe, so ein Sauerteig wächst einem irgendwie ans Herz und man will nicht riskieren, ihn zu verlieren. Das neue "Anstellgut", wie es auf gut Fachsimpel heißt - also der Teig, den man vom "geführten" Sauerteig wegnimmt als Starterkultur fürs nächste Backen -  ist dann vor lauter Aktivität im Kühlschrank sogar übergelaufen. Es lebt!

Dazu passt: Heute ist ja Fronleichnam. In Süddeutschland und Nordrhein-Westfalen ein Feiertag. Katholisch, logisch. "Was wird denn da gefeiert?" fragte J. gestern. Ich entgegnete in der mir eigenen Eloquenz so was wie "Äh, tja, hm... Ich guck mal nach." Zu meiner Entschuldigung muss ich sagen: Ich bin vor vier Jahren aus der Kirche ausgetreten, weil ich den Quark weder genutzt habe, noch weiter finanzieren wollte und katholisch war ich sowieso nie, meine Familie war/ist ökumenisch, mütterlicherseits katholisch, väterlicherseits evangelisch.
Ich guckte also nach, bei Wikipedia natürlich, und stellte fest: Heute wird gefeiert, dass Jesus in der Eucharistie anwesend ist. Na, schlauer? Nein? Verständlich! Ich übersetze: Nicht nur Sauerteig- oder Hefekulturen, nein, Jesus ist persönlich in der Oblate anwesend, die man in der katholischen Kirche als Snack reicht. Man macht die Gläubigen also quasi zu Kannibalen.

Aber wenn man diesen Unsinn in der falschen Zeit der Geschichte angezweifelt hat und z.B. gesagt hat: "Hey, Leute, keine Aufregung, das ist doch nur ein Symbol!" da konnte man, schwupps, auf dem Scheiterhaufen landen, da verstand man keinen Spaß!
Mehr zu solchen und anderen Dingen können Sie übrigens spaßigen Buch von Anne Weiss und Stefan Bonner namens Heilige Scheiße nachlesen. Empfehlenswert!

Mittwoch, 6. Juni 2012

DER FALSCHE FEIERTAG UND DAS TÄGLICHE BACKWERK


Als ich gestern Abend in der winterlich kalten  erfrischenden Abenddämmerung leise bibbernd summend über die Strandpromenade ging, fiel mir auf, wie viele Menschen unterwegs waren und ich war ein bisschen verwundert. Es ist nicht gerade ein Wetter, das Leute vor die Tür treibt. Aber dann fiel es mir ein: Heute ist schwedischer Nationalfeiertag und darum frei. Dafür haben die Schweden den Pfingstmontag gestrichen – zu viel frei, so die Ansicht, ist nicht gut für die Arbeitsmoral und für die Wirtschaft (dann müsste die allerdings in ganz Süddeutschland völlig am Boden liegen).

An einem 6. Juni 1523 wurde Gustav Wasa – übrigens entgegen anders lautender Gerüchte kein Knäckebrotproduzent – zum König gekrönt und Schweden damit zum eigenen Staat. Allerdings galt damals noch der Julianische Kalender und nach unserem heutigen Kalender wäre das der 19. Juni. Da haben zwar drei Freunde von mir Geburtstag, aber von Nationalfeiertag keine Spur. Angeblich weiß in Schweden kein Mensch, was heute eigentlich gefeiert wird. Wir Deutschen haben es mit unserem relativ kürzlichen Wiedervereinigungstag ja doch etwas einfacher, an den kann sich ja nun wirklich jeder über ungefähr 27 persönlich erinnern. Darum kann ich mir wiederum auch den Geburtstag meiner Freundin Steffi am 3. Oktober hervorragend merken, außer als ich 2009 ausgerechnet an diesem Tag in der Schweiz war.

Zur Feier des Tages eine Vereinigung (!) von deutschem und schwedischem Kulturgut: Meine Lieblingskaffeetasse vom Netzwerk Essener Kommunikationswissenschaftler, so eine Art Alumni-Verein unseres wunderbaren Studienganges, und ein Exemplar der schwedischen Kitkat-Variante namens Kex (sprich: Schecks), eine ganz vorzügliche Kombination. Damit wäre das tägliche Backwerk in diesem Fall ausnahmsweise fremdgebacken:

Was sich nekt, das kext sich
Ich geh jetzt noch schnell laufen. Ist zwar frisch, aber noch hell. Ihnen/Euch noch einen schönen Abend!

Dienstag, 5. Juni 2012

VON SCHARFEN GERÄTEN, ÄPFELN UND EIERN

Ohne das Internet würde ich mich gar nicht mehr kennen. Ich bin nämlich nicht nur eine Backmaschine, wie man hier nachlesen kann (und wie dieses Blog inzwischen wohl eindeutig beweist). Ich bin obendrein auch noch ein Diaprojektor. Genauer: Die "Braun Stellamat Autofocus", wie ich im digitalen "Kameramuseum"  bzw. der "Sammlung Kurt Tauber" erfahren durfte. Ich projiziere in meiner Eigenschaft als Diaprojektor also nicht nur, ich stelle also auch noch selbst scharf! Leider ist es mir trotz dieser nützlichen Eigenschaft nicht gelungen, ein Bild der "Braun Stellamat Autofocus" online zu finden, weder ein scharfes, noch ein unscharfes (auch wenn ich ernsthaft mit dem Gedanken gespielt habe, mir die digitale Version der Bedienungsanleitung für 5 Euro zu bestellen, aber am Ende sind da dann vielleicht gar keine Bilder drin und dann steh ich da...) Vielleicht schafft es jemand anders, ein Bild aufzutreiben?

Fürs erste hier ersatzweise ein Bild des 1956 ganz vorzüglich von Designer Dieter Rams gestalteten PA-2, ebenfalls von Braun:



Vorzüglich fanden auch die Leute vom MoMa in New York City das Gerät, sonst hätten sie sich das Ding wohl nicht gleich in die Ausstellung gestellt, wie noch einiges andere von Herrn Rams. Die Leute von Apple haben da dann vor lauter Begeisterung gleich mal im Dutzend Ideen geklaut, äh, kopiert und dafür richtig was springen lassen: Sie haben dem Designer dafür einen iPod und ein iPhone geschickt – wohl bereits nach dem modernen Modell der "freiwilligen Entlohnung". Schließlich wurde Herrn Rams Arbeit dadurch einem großen Personenkreis bekannt, also zumindest indirekt, worauf er sich sicher mit großer Freude ein Ei gebacken hat. Vielleicht hätte Christin Römer, Betreiberin des Bonner Mutter-Kind-Cafés "Apfelkind", dessen Logo aussieht wie, nun ja, ein Apfel, den Leuten von Apple auch einfach einen selbst gebackenen Kuchen schicken sollen (allerdings vorsichtshalber ohne Apfel und ohne Ei).
Ein Apfel und ein Ei? Oder ein Apple und ein i?
Manchmal lässt sich das nicht so genau sagen

Doch ich wollte ja nicht immer in jedem Eintrag so viel vom Backen reden! Der PA-2 würde jedenfalls hervorragend zur Einrichtung auf der "Enterprise" (Erste Generation) passen. Ich finde den Gedanken, dass Kirk, Spock, Scotty und McCoy im Cockpit zusammensitzen und in Ermangelung eines Holodecks Dias gucken, jedenfalls recht erhebend.

Nur, was würden sie sich wohl ansehen?

Noch viel mehr Schönes, das von Dieter Rams gestaltet wurde, sowie eine Vita des Designers, findet Ihr übrigens hier auf der Seite von Artsy, deren Betreiber es sich zur Aufgabe gemacht haben, Kunst und Design allgemein zugänglich(er) zu machen.

P.S. Von Braun ist übrigens auch unsere Kaffeemühle, ein ganz hervorragendes Gerät, das sich definitiv zum Familienbenutzer eignet! Mehr zu diesem Gerät ein anderes Mal.