Donnerstag, 13. Dezember 2012

WIE WIR UNS AN JANTE VORBEI AUF EINE WEIHNACHTLICHE ZEITREISE SCHMUGGELTEN

Der "Dorfkern" des Freilichtmuseums Fredriksdal
Fredriksdal in Helsingborg ist ein tolles großes Freilichtmuseum mit herrlichem Park und im Sommer war ich schon ein paar Mal hier. Hier hat man es sich zum Beispiel zur Aufgabe gemacht, Skåne (Schonen) in Miniatur zu präsentieren und dabei alte Haustierrassen oder alte Kulturpflanzen – etwa seltene Obstsorten – vor dem Aussterben zu bewahren. Gleiches gilt für traditionelle schwedische Bräuche. Darum gibt es an einem der Adventswochenenden in Fredriksdal immer einen ganz besonderen Weihnachtsmarkt. Eine Veranstaltung, bei der man sich wirklich in der Zeit zurückversetzt fühlt. Oder von mir aus auch wie in ein Charles Dickens-Märchen. Aber das schließt sich ja nun auch nicht aus.

Ihr ahnt es bereits: J. und ich haben uns am vergangenen Wochenende in und auf diesem stimmungsvollen Gesamtkunstwerk umgesehen. Beinahe wäre es allerdings nicht dazu gekommen. Wir wären beinahe wieder umgedreht, denn unsere Zeit war begrenzt und als wir am Haupteingang ankamen, war das erste, was wir sahen, eine ewig lange Schlange. Schweden lieben aus unerfindlichen Gründen das Schlangestehen und steuern immer ganz automatisch die längste Schlange an, die sie finden können. In der warten sie dann allerdings mit stoischer Ruhe und ohne jedes Murren, bis sie an der Reihe sind – ob jetzt im Supermarkt oder bei der Fährüberfahrt oder eben vor Fredriksdal.  Nur J. ist trotz seiner durch und durch schwedischen Wurzeln eine Ausnahme von der Gern-Schlangesteh-Regel (deren Existenz er übrigens betriebsblind abstreitet, während alle mir bekannten Deutschen in Schweden hier sofort ein Muster erkennen). Ich selbst habe als Deutsche ja sowieso den Ruf weg, mich in rüpelhafter
 Weise immer vordrängeln zu wollen (und das nur, weil ich weiß, wie das Reißverschlusssystem funktioniert, aber das ist eine andere Geschichte, die Interessierte bald in diesem Buch nachlesen können).


Jedenfalls standen wir kurz ratlos herum und fragten uns, ob sich die Sache angesichts unseres begrenzten Zeitbudgets überhaupt lohnt. Doch dann erspähten wir plötzlich ein Schild, auf dem "V.I.P.-Entré" stand. Dort wartete, obiger Logik zufolge, kein Mensch. Schweden haben außerdem fürchterliche Angst, dass jemand anders denken könnte, sie seien unbescheiden und hielten sich für was Besseres. Das hat möglicherweise mit einer (angeblich) typisch skandinavischen Haltung zu tun, die den dänisch-norwegischen Schriftsteller Aksel Sandemose zum Jantelagen inspirierte, dem fiktiven Gesetz des fiktiven Örtchens Jante. Jante war das Zentrum eines gesellschaftskritischen Romans Sandemoses und Jantes Gesetz untersagt es, kurz zusammengefasst, dem Einzelnen, sich über die anderen zu erheben (der englische Wikipedia-Eintrag dazu hier  ist etwas differenzierter und klüger als der deutsche). Demzufolge ist natürlich bereits ein Wort wie "V.I.P." für einen Skandinavier die reinste Abschreckung. Wir allerdings hofften, dass J.s Fredriksdal-Jahreskarte und mein Presseausweis möglicherweise in die V.I.P.-Kategorie  fallen könnten, auch wenn wir uns sonst eigentlich nicht so fürchterlich wichtig nehmen (hoffe ich). Getreu meines Lieblingsmottos "Versuch macht kluch" wagten wir also einen beherzten und zutiefst unschwedischen Vorstoß. Und, oh Wunder, ohne jegliche Wartezeit konnten wir sofort ins Weihnachtsparadies eintreten, mit zahllosen Ständen, Lichtern, Weihnachtsbäumen, Tomtes und kulinarischen kleinen Überraschungen, wie zum Beispiel Weihnachtsknäckebrot oder Apfel-Glögg. An dieser Stelle lasse ich jetzt einfach mal ein paar Bilder für sich sprechen.

Brueghel, der ganz Junge

Schönheitswettbewerb
Geisterhaft

Paradiesisch schimmert der Apfelglögg
Sternzeichen

Un dann stonn se en d'r Kaffebud un schödden
sich d'r Kaffee in d'r Kopp ("Kopp" auf Schwedisch = Tasse)

Feuerchen zum Aufwärmen
zwischendurch



O Tannenbaum!


Adventskranz,
sort of


Ist der Elch klein oder die Katze groß?


Knopfaugen waren  gestern,
warme Knopfohren sind in

Weihnachtsknäcke mit Kardamom
Jede Menge Tomtar (= kleine Hausgeister)


Hier ein besonders
"berauschtes" Exemplar

Eins der Häuser des Freilichtmuseums,
eine typische alte Kate




Kommentare :

  1. Hallo Stella,
    vielen Dank für deinen Kommentar und das Kompliment zu meinem Schreibstil :)
    Die Wahrheit ist: SOOO interessiert an Mode bin ich eigentlich auch gar nicht, zumindest nicht an Trends, da kenne ich mich gar nicht aus. Ich schlafe morgens auch lieber eine Viertelstunde länger als mir großartig Gedanken über mein Outfit zu machen. Shoppen mag ich trotzdem und mich schön machen auch!
    Und ja, es ist tatsächlich Viersen! Kommst du auch von dort? :)

    Liebe Grüße
    Leni


    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Leni, ich bin in Krefeld geboren, aber habe in Viersen während meiner Gymnasium-Zeit gelebt, danach war ich dann allerdings auch bald wieder weg (und froh darüber), die Stadt möge mir meine Undankbarkeit verzeihen (allerdings wüsste ich auch nicht, wofür ich großartig dankbar sein sollte). Gefällt es Dir dort? Viersen ist ja nicht gerade eine Shopping-Metropole. Bin jedenfalls gespannt auf mehr Deiner Einträge und vielen Dank für Deinen Kommentar! :)

      Löschen

Kommentare müssen erst frei geschaltet werden