Montag, 1. Oktober 2012

SCHWEDISCHE REISEN – GÖTEBORG (TEIL I)

Vor einiger Zeit war ich mit J. in Göteborg, weil ich den Auftrag hatte, eine Reisegeschichte für ein großes Reisemagazin zu schreiben. Ich habe meinen Text verfasst und abgeliefert, mein Geld bekommen, doch dann wurde die Heft-Planung umgeschmissen, andere Themen vorgezogen, der Artikel lag rum und irgendwann war er in den Augen der Redaktion zu alt, um gedruckt zu werden. Da der Text aber theoretisch immer noch veröffentlicht werden könnte, kann ich ihn hier leider nicht so einfach hin kopieren, aber ich möchte Euch die Reise trotzdem nicht vorenthalten. Also habe ich mich entschlossen, für Euch einen neuen Text zu basteln, den ich Euch hier jetzt als „Fortsetzungs-Geschichte“ präsentiere, damit Ihr was zu lesen habt, während J. und ich damit beschäftigt sind, unser Schwedenbuch zu schreiben (mehr dazu beizeiten!)

Ein schöner Schwan
in dezentem Petrol darf
im Hotel Avalon
auch
von hässlichen Entlein
besessen werden
Mein allererster Eindruck von Göteborg datiert bereits aus dem verflossenen Jahrhundert und war gar nicht so gut. Ich hatte nämlich nach dem Abi (vor mittlerweile doch erheblicher Zeit) in einem Preisausschreiben bei einem schwedischen Versandhaus, das es inzwischen nicht mehr gibt, eine so genannte „Kreuzfahrt“ in Schwedens zweitgrößte Stadt gewonnen. Dafür bekam ich sogar eine Art Sonderurlaub von meiner gerade begonnen Ausbildung als Verlagskauffrau beim RBDV, dem Düsseldorfer Verlag, der auch die "Rheinische Post" druckt. Die trostlose Ausbildung schmiss ich übrigens noch in der Probezeit. Das hatte mitunter damit zu tun, dass man mich unvorsichtigerweise auf einen Botengang in die Redaktion des Zeitungs-Supplements "Prisma" geschickt hatte. Dort saßen langhaarige Jungs mit Kaffeetassen im Chaos, hörten Nirvana und schrieben Artikel. Da erkannte ich, dass es genau DAS war, was ich machen wollte, nicht im Rechnungszentrum des Verlages Zahlen in den Computer eintippen. Zu der kaufmännischen Ausbildung hatte ich mich sowieso nur von der Verwandtschaft überreden lassen ("Kind, mach was Sicheres!"), dabei habe ich so überhaupt kein kaufmännisches (oder von mir aus auch "kauffrauisches") Gen.

Wanne – noch nicht voll,
 aber in Kürze
Doch das ist eine andere Geschichte, die ich ein anderes Mal erzählen werde. Das mit der "Kreuzfahrt" war jedenfalls ein guter Witz! Die Anfahrt nach Kiel musste selbst bezahlt werden und auf der Fähre gab’s dann eine Innenkabine mit den Ausmaßen eines Wohnklos. Es war November, windig, kalt und regnerisch und während unserer paar Stunden Aufenthalt in Göteborg hielten die Freundin, die ich mitgeschleppt hatte und ich uns angesichts des lausigen Wetters bei H&M (letzteres war damals in Deutschland noch eine Seltenheit, woran man bereits mein biblisches Alter erkennen kann. Ich erstand dort übrigens ein ziemlich geiles orangefarbenes Kapuzenteil, das heute vermutlich als Vintage-Stück wieder völlig problemos getragen werden könnte, aber leider spurlos verschwunden ist) und in Cafés auf, bis wir endlich wieder auf die Fähre konnten. So was nennt man dann wohl runtergeschraubte Erwartungen.

Doch dieses Mal, Ihr ahnt es, wurde natürlich alles ganz anders! Schon unsere Unterkunft, das Hotel Avalon, war ein ziemlicher Knüller: Das Avalon, benannt nach dem mystischen Land aus der Artussage, liegt mitten in der City. Im Gegensatz zu vielen anderen Design-Hotels hält es, was es verspricht. Unser Zimmer mit einer Badewanne mittendrin strotzte nur so vor Arne Jacobsen und im Flur davor war ein Sessel von Alvar Aalto ausgestellt. Aber noch viel beeindruckender war die Kunst-Sammlung, überall im Haus hängen Kunstwerke, in der Lobby hängt über dem Kamin zum Beispiel ein riesiges Gemälde einer Tanzgesellschaft des jungen Stockholmer Künstlers Alexander Klingspor mit dem Titel – nun ja – "Avalon" (hier kann man einen signierten Druck davon erwerben

Kommentare :

  1. Mensch Stella!! Ich bin sprachlos! Jetzt wo es interessant wird, kommt ein Breake!!! Ist das Brot fertig????
    Bin gespannt auf die Fortsetzung!!!!
    Grüße
    Markus

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    1. Ich bin eben die Meisterin des Cliff Hangers. Hatte einfach keine Zeit, noch mehr zu schreiben. Kommt aber noch. Brot ist fertig, natürlich!

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