| (1) Phantombild eines Attentäters, mit sehr gut getroffenem Gesichtsausdruck |
| (2) Beinahe wären diese glücklichen Menschen einem heimtückischen Walzanschlag zum Opfer gefallen... |
| (3) ...und hätten dann wohl das berühmte Fenster am Ende des Tunnels erblickt |
Ich kürze die unglaubliche Geschichte an dieser Stelle etwas ab. Nach einem Telefonmarathon stellte sich raus, dass ein Angestellter der städtischen Müllabfuhr, Tobias N. aus Å., beim Abbiegen in eine Seitenstraße mit einem voluminösen Kfz der städtischen Müllabfuhr blöderweise vergessen hatte, was vermutlich in der ersten Stunde des LKW-Führerscheinkurses gelehrt wird und was hinten auf fast allen LKW steht: Fahrzeug schwenkt aus. Das ist so lange kein Problem, so lange sich im Ausschwenkbereich nichts befindet. Falls doch, ist es eins.
In den folgenden Wochen passierten verschiedene Dinge (Reihenfolge beliebig): Ich absolvierte eine Göteborg-Reise mit der Bahn, legte mir ein gebrauchtes Fahrrad mit Korb zu, stellte erstaunt fest, dass die Polizei in Schweden sehr entspannt mit dem Begriff der "Fahrerflucht" umzugehen scheint und Zettel am Auto bei Windstärke 4 und monsunartigen Regenfällen für ausreichende Hinweise nach einem Schadensfall hält und es auch sonst nicht für nötig befindet, sich die Sache mal anzugucken ("Fährt Ihr Auto noch?" "Ich glaube schon, aber ich muss auf der Beifahrerseite einsteigen." "Na bitte! Und Sie haben die Nummer des anderen Beteiligten?" "Ja, schon, aber..." "Na bitte. Für so was kommen wir nicht."), machte "Bekanntschaft" mit dem Phantom der Versicherungsmitarbeiterin Britt-Marie S. in Malmö, die sich bei Versuchen telefonischer Kontaktaufnahme immer entweder in Pause, in Urlaub, noch nicht am Platz, nicht mehr am Platz, im Meeting oder auf Geschäftsreise befand oder krank gemeldet war (zwischendurch schloss ich auch "verstorben" nicht aus). Und nach geschlagenen sechs Wochen, die sich mein Kfz in Rehabilitations-Behandlung befand, bekam ich dann endlich mein Auto wieder zurück. Wie neu, wie mir auch meine deutsche Werkstatt später zum Glück bescheinigte.
| (4) Dieses spektakuläre Dokument eines wunderbaren Tages am Meer hätten wiederum Sie nicht gesehen |
Plötzlich schickte sich ein gefühlt zehn Meter hoher LKW mit gefühlt mannshohen Rädern an, rückwärts einzuparken. Dummerweise peilte er dafür die Bucht an, in der wir standen. Erst dachte ich, er würde uns schon sehen, doch dann kam er immer näher und ich drückte erschrocken auf die Hupe. Kurz hielt das Fahrzeug inne, dann setzte es seinen Einpark-Vorgang fort, der Mensch am Lenker war sich ganz offensichtlich nicht bewusst darüber, was das Hupen aus fernen Tiefen bedeutet hatte. Nun geschahen diverse Dinge mehr oder weniger gleichzeitig: J. sprang in den Wagen, ich hupte erneut wild und fuhr in letzter Sekunde einige Meter vor, um aus der Gefahrenzone zu gelangen. Vor dem Fahrerhäuschen, in dem ein vermutlich eng mit Tobias N. aus Å. verwandter LKW-Fahrer mit interessantem Gesichtsausdruck (siehe Bild 1) seinen Kopf reckte ("Hö? Hä? Wo kommt denn das Zwergenauto her?") blieb ich stehen. Dann ließ ich das Fenster herunter und einen erheblichen Anteil meines Schimpfwortschatzes nebst diverser Gesten heraus, von deren Besitz ich bisher gar nichts wusste. Aber es beschleunigte den Adrenalin-Abbau.
Anschließend setzten wir unseren Weg fort. Leider ohne die Dosen und die Brezel, die allein und ausgesetzt am Parkplatz zurückblieben. Was wir allerdings erst im Laufe des nächsten Tages merkten und noch später rekonstruierten.
Heute schickte ich eine Mail an die Raststätte:
Guten Tag,
ich wollte Ihnen nur Bescheid sagen: Falls Sie auf dem Parkplatz rechts hinter der Tankstelle einen flachen Karton mit sieben Dosen Thunfisch und zwei Packungen Bio-Brezeln finden oder gefunden haben: Das Zeug ist in Ordnung. (...) Die Sachen können Sie gern behalten, falls Sie sie finden und sie nicht der LKW-Rowdy mitgenommen hat. Ich würde mich aber über eine Nachricht freuen.
Beste Grüße
Leider zu spät, wie folgende freundliche Antwort beweist:
Hallo Frau Bongertz - vielen Dank für die Info.
Leider kam Ihre Mail aber zu spät - wir haben alles in den Müll geworfen.
Es passiert leider sehr oft, daß Lebensmittel bei uns auf dem Parkplatz vergessen
oder auch entsorgt werden.
Wir werfen immer alles gleich in die Mülltonne, da wir ja eigentlich nie etwas
über die Herkunft wissen.
Trotzdem vielen herzlich Dank für Ihre Mail.
Viele Grüße aus den Hüttener Bergen
Tja. Da kann ich nur sagen: R.I.P., liebe Lebensmittel. Was lernen wir also daraus? Genau: Wenn man fast vom LKW mit einem offenbar von Blindheit geschlagenen Fahrer überrollt worden ist, am besten aussteigen und dem Typen eins auf die Mütze geben oder wahlweise die Leviten lesen und das Nummernschild fotografieren.
| (5) Das ist Knut. Wasserfest und mit jeder Menge praktischen Fächern und ausgetüftelten Gurtsystemen für bequemes Tragen. Er hat überlebt |
Nachtrag: Es stellte sich übrigens mittlerweile heraus, dass wohl nicht nur Thunfisch und Laugenbrezel, sondern auch hervorragender Weißwein und Bio-Apfelsaft an der Raststätte "Hüttener Berge" verblieben sind. Ich selbst hätte übrigens unangebrochene, eindeutig unversehrt verpackte und qualitativ hochwertige Lebensmittel sicher nicht in den Müll geworfen. Und ich hoffe weiterhin, dass das auch nicht passiert ist und der "Fresskorb" jemanden erfreut hat.
Hey
AntwortenLöschenDie Raststätte kenn ich.
Man sollte auch nicht auf den LKW-Plätzen parken.
Mache Fahrer werden dann echt komisch und machen solche Dinge.
Bei mir hat schon mal einer bis auf 5mm hinter mit geparkt und als ich dann einstieg (Hatte nur kurz für Königskinder und einen frischen Kaffee) hat er mal kurze sein Hupe für eine Minute laufen lassen. :-( Leider war der Fahrer auch ein Schrank (2X2 Meter mit 200kg), sodass ich lieber meine Klappe hielt. Hoffe Baltrum war gut und ihr seit an sonsten sicher wieder in der Heimat. Ach ja und ich hoffe, das ich nie einen Unfall in Schweden haben werde mit Mietwagen oder Firmenwagen. (Da ist eigentlich Polizei pflicht!!!)
Grüße
Falsch! Der Witz war: Ich stand NICHT auf einem LKW-Parkplatz. Neben mir war nur alles frei.
LöschenOK, hatte es wohl falsch verstanden.
LöschenWichtig ist nur, dass Ihr heile wieder in der Heimat seit!!! :-)
Nein, nein, ich hatte nicht geschrieben, ob ich auf einem LKW-Parkplatz stand oder nicht, die Erklärung hab ich erst hinterher eingefügt. Ich stand allerdings quer über drei PKW-Parkplätze, einfach, weil so unglaublich viel Platz war und ich nur eben ganz kurz anhalten wollte. Dadurch hat mich der Typ vermutlich nicht gesehen. Aber ein LKW hatte dort wirklich nix zu suchen.
LöschenWieder was gelernt (fast immer erfährt mein Wissen beim Lesen Deines Blogs signifikante Auswölbungen): Fau Deh. Danke!
AntwortenLöschenDas freut mich. Sehr. :)
Löschen