Freitag, 29. Juni 2012

VON SCHWEDISCHEN PHALLUSSYMBOLEN, SAUERLÄNDER SITZKISSEN, KÜNSTLERISCH WERTVOLLEN WASCHKÜCHEN – UND UFOS MIT AUSSERIRDISCHEN HEILPRAKTIKERN

Meine Sauerland-Reportage
 in der
aktuellen Vital
Nach einer ereignisreichen Woche komme ich endlich wieder dazu, ein kurzes Update zu schreiben –und weiß gar nicht so recht, wo ich anfangen soll. Vielleicht mit dem wasserfesten Sauerland-Sitzkissen, das sich am midsommarafton als ausgesprochen nützlich erwiesen hat. Sauerland-Sitzkissen? Wieso Sauerland?

Nun... Einen Tag vor dem längsten Tag, am Mittwoch vergangener Woche – dem 20. Juni –  ist die "Vital" mit meiner Sauerlandreportage vom vergangenen Spätsommer erschienen. Diese paar Tage im September waren wirklich ein Erlebnis. Um zu begreifen, was für ein toller Landstrich das Sauerland ist, musste ich allerdings erst aus dem Sauerland – ich habe nach Jahren in Essen, Hamburg und Köln gut drei Jahre in der Nähe von Meschede gelebt – wieder wegziehen. Insbesondere der Startpunkt unserer Wanderung, der Waldgasthof Schinkenwirt, war eine unerwartete Sensation. Hier hat der aus dem Süddeutschen "Zugereiste" Michael Pfannes mit seiner Sauerländer Frau Gabi ein kleines Paradies geschaffen. Der Küchenchef kocht mit selbst gesammelten Kräutern, Pilzen, Beeren und Wildsalaten, das in seiner Küche verwendete Fleisch kommt aus artgerechter Haltung in der Nähe. Das schnucklige Hotel liegt unglaublich idyllisch unterhalb des Waldes am Hang. Inklusive Traumaussicht, großartiger Luft und wunderbarer Ruhe. Meine absolute Empfehlung für ein erholsames Wochenende in der Natur mit kulinarischem Anspruch! Und das Beste: Nicht nur die Übernachtung, auch das sensationelle Viergängemenü ist bezahlbar. Besonderer Tipp: Herrn Pfannes kulinarische Kräuterwanderungen mit leckeren Überraschungen.

Toskana? Falsch!
Sauerland!


Zingo beim
 Sitzkissen-Test
Aber ich wollte ja vom wasserfesten Sauerländer Sitzkissen schreiben. Das haben wir nämlich von der phantastischen Sauerländer Tourismus-Fachkraft Anna G. für unsere Wanderung über Teile des Rothaarsteigs bekommen und das leistet uns seitdem wunderbare Dienste. Im Sauerland weniger, das Wetter war nämlich sensationell. Aber zum Beispiel vergangene Woche am Mittsommerabend, also Freitag, ergab sich die Gelegenheit. Mittsommer ist ja für die Schweden so was ähnliches wie Weihnachten, nur im Sommer. Jedenfalls ist das festliche Gefühl genau das gleiche. Und genauso wie es an Weihnachten eigentlich nie den Schnee gibt, den man sich wünscht, zumindest nicht in Mittel- und Norddeutschland und Südschweden, gibt es möglicherweise an Mittsommer selten das dafür eigentlich vorgesehene Wetter. Sie ahnen es: Es hat es geregnet. Ach was, das ist die Untertreibung des Jahres. Es hat aus Kübeln geschüttet, dass man glatt Verwendung für eine Arche gehabt hätte. In zwei Tagen ist hier in Skåne so viel Regen runtergekommen wie sonst in einem ganzen Monat. 

Doch der Schwede zuckt da mit den Schultern und sagt: Det finns inget dåligt väder, bara dåliga kläder. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Bei den Norddeutschen unter den Lesern werden die Erinnerungsglocken bimmeln. Also sind wir natürlich trotzdem losgestiefelt Richtung Freilichtmuseum Fredriksdal, wo ein echt traditionelles Mittsommerfest für alle gefeiert werden sollte. Mit dabei: Schirme, Regenwear und eben die Sauerländer Sitzkissen. Außer uns rückten SEHR viele Schweden mit Picknickkörben in regenfesten Ganzkörperzelten und Gummischuhwerk an. Wegen des Wetters hatte man kurzerhand die Feierlichkeiten in die gigantische alte Scheune verlegt, während draußen vor der Tür glückliche Enten in mal eben ganz neu geschaffenen Tümpeln planschten. Dort wurde dann tatsächlich getanzt. Also in der Scheune (und in den Tümpeln vielleicht auch)  und jeder konnte mitmachen. 

Das Tanzen um den Maibaum – der ja eigentlich kein Maibaum ist, sondern ein Junibaum und darum korrekterweise auch nicht Maibaum heißt, sondern midsommarstång, also Mittsommerstange und das hat durchaus Symbolcharakter – ist ein Ritual, bei dem sich in alten Zeiten die Schweden in ihrem dünn besiedelten Land kennen und lieben lernten. Falsch: kennen und lieben lernen mussten, weil es danach wieder zurück an den Arsch der Welt ging, wo man eben zufällig geboren worden war. Vermutlich ist das in irgendeinem März geschehen, also das Geborenwordensein. Es ist nämlich so:

Mittsommer-Tänzerinnen im Aufwärmmodus.
Das lilafarbene Plastik rechterhand ist 
übrigens eine der charakteristischen Tüten aus
dem staatlichen Alkoholladen Systembolaget
Um die Verpaarung zu beschleunigen, wurde bereits Anno Tobak getanzt, was das Zeug hielt und alle Anwesenden wurden mit großen Mengen Alkohol abgefüllt (Pardon, die Vergangenheitsform ist nicht ganz korrekt, das gilt nämlich noch immer). Es ist kein Zufall, dass im März früher immer die meisten Schweden geboren wurden (oder vielleicht immer noch werden, ich werde aktuelle Statistiken bei Gelegenheit prüfen). Offenbar ist die imposante und blumengeschmückte Mittsommerstange ein wirkungsvolles Phallus- und Fruchtbarkeitstotem.

Auch diesmal sind möglicherweise neue Lieben entstanden. Die Mitglieder unserer bereits bestehenden Verpaarung brachten jedenfalls auf den langen Holzbänken in eingangs erwähnter Scheune die Sitzkissen zum Einsatz, die Zingo zuvor einer eingehenden und positiv beschiedenen Prüfung unterzogen hatte, wie oben zu sehen. Die Details des Tages sind dann im nächsten Jahr in einem ganz bestimmten Magazin zu lesen – in welchem, werde ich noch mitteilen. Ich bitte um Verständnis, dass ich hier darum nicht alles bereits ausplaudern kann. Nur so viel sei verraten: Die Sonne kam doch noch raus und der Tag nahm noch einen sehr versöhnlichen Verlauf...

Blick in die Waschküche
aus dem
Louisiana-Museum.
 Abspringen will hier aber keiner
Am Samstag kam dann mein Bruder M. mit meiner Schwägerin G. zu Besuch. Auch für diese kurze Stippvisite hatte ich beim Teutates Sonne bestellt. Die Bestellung wurde leider nur unzureichend ausgeführt. Ging es am Samstagabend noch so einigermaßen und reichte für einen Spaziergang, hat es am Sonntag wieder derart geschüttet, dass es eigentlich nur zwei Möglichkeiten gab: Den Tag im Bett zu verbringen oder einen Ausflug ins Louisiana-Museum auf der anderen Seite des Öresunds zu machen. Wir haben uns für Möglichkeit 2 entschieden – und haben es nicht bereut. Die Ausstellung "Pink Caviar" mit Werken junger Künstler ist absolut beeindruckend. Leider habe ich gerade nicht die Zeit und Muße, ausführlich darüber zu schreiben, ich hoffe, ich komme zu einem späteren Zeitpunkt dazu, einen Eintrag ganz allein diesem sensationellen Museum zu widmen, das auf sehr subtile Weise auch mit J.s und meiner Geschichte verwoben ist. Und das, obwohl wir erst jetzt, vergangenen Sonntag, zum ersten Mal gemeinsam dort waren.

Wer für eine eigene Louisiana-Reportage ist, darf gern einen Kommentar hinterlassen. Am Montag haben wir das Wetter-Dilemma dann zunächst mit Shopping in Ängelholm gelöst – dem Ort, von dem in dem gerade in der Herstellung befindlichen Buch noch die Rede sein wird und der mit meiner persönlichen Geschichte der letzten Jahre sehr viel zu tun hat. Ich habe M. und G. außerdem den sechs Kilometer langen Strand im Ortsteil Havsbaden gezeigt und "mein" Ferienhäuschen hinter der Düne – zumindest von außen. Und natürlich den herrlichen und mit Birken und Kiefern typisch schwedischen Wald, der so toll ist, dass nicht nur ich mich dort unzählige Male glücklich gejoggt habe, sondern dass dort 1946 ein Ufo gelandet ist, das sogar ein sehr verstecktes Denkmal bekommen hat, an der Stelle, wo die Außerirdischen einen toten Mitreisenden begraben haben. Die Außerirdischen haben damals außerdem einem zufällig am Landeort anwesenden Ängelholmer Bürger ein Rezept für eine Naturarznei verraten, mit der der Mann später Millionen gemacht hat. Glauben Sie nicht?  Das ist wirklich wahr! Wahr ist auch, dass in Ängelholm eins der schnellsten Autos der Welt hergestellt wird, der Koenigsegg, ein Paradox in einem Land, in dem man maximal 110 fahren darf und die meisten auch das noch für zu schnell halten, vorsichtshalber lieber 90 fahren oder manchmal auch ganz stehen bleiben... Ja, es gibt  auch über Ängelholm viel mehr zu erzählen (und über die Schweden sowieso) als ich gerade Zeit habe. Wer für eine eigene kleine Ängelholm-Reportage ist – bitte melden!
Tosendes Meer in Ängelholm,
im Hintergrund der alpengleiche
(fast 200 Meter!) hohe Kullaberg

Ich bitte um Entschuldigung für all diese angerissenen Themen, aber geht gerade nicht anders. Und ich bin natürlich auch noch die Erklärung schuldig, was aus dem geretteten Sauerteig geworden ist. Was soll ich sagen: Ein sensationell leckeres Brot...

Bekletterbare Kunst aus Treibholz
in der Wildnis des Kullabergs
Zum Abschluss noch ein Bild einer midsommarstång im wunderhübschen Dörfchen Arild am Meer – ein Haus dort wäre mein absoluter Traum. Das Bild ist von Dienstag, als dann schließlich doch noch die Sonne rauskam. Am Dienstag sind wir auch den Kullaberg hinunter zum illegalen Kunstwerk Nimis gekraxelt, das der Künstler Lars Vilks, Kunstprofessor an der Uni Bergen in Norwegen, seit Jahrzehnten aus Treibholz zusammenschustert und das sogar Joseph Beuys mal besessen hat, das aber die Gemeinde, der der Grund eigentlich gehört, aus unerfindlichen Gründen gerne abgerissen sehen möchte. Es gab auch schon Kettensägen- und Brandanschläge. Auch diese Sache ist eine eigene spannende Reportage wert... Also, wie gesagt: Sagt Bescheid, worüber Ihr als nächstes mehr lesen wollt. Das Thema mit den meisten Stimmen wird zuerst behandelt!


Wir sehen uns – oder wie man in Schweden sagt: Vi ses snart!
Schamloses Phallussymbol in Arild,
das zur Vereinigung von Dänen und Schweden 
aufruft






Kommentare :

  1. Perfekt sammanfattning av en händelserik vecka. :)

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  2. Christiane Fischer4. Juli 2012 um 10:09

    Ich würde gern mehr über Nimis und Ladonien erfahren. Aber meine erste Stimme geht trotzdem an Brot-Geschichten!

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  3. Thomas Bandion5. Juli 2012 um 07:54

    Mehr Ängelholm, yay!

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  4. midsommar ist also eigentlich ein fortpflanzungsritual. sehr interessant! wenn das mal keine smalltalktaugliche info ist...

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  5. Mer nimis, snälla ! Och louisiana ....

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