Samstag, 2. Juni 2012

VON KOSAKEN, KURZEN HOSEN UND DEN GEHEIMNISSEN EINER FÜHRUNGSPERSÖNLICHKEIT




Ein Gehirn? So ähnlich: Ein Klumpen Teig
 voller Mikroorganismen
Bevor ich hier überhaupt nicht mehr hinterherkomme vor lauter sich überschlagenden Ereignissen: Hier kommt die Lüftung des Geheimnisses, was aus Sauerteigbrotbackversuch Nummer 2 geworden ist. Mittels entsprechender Vorkehrungen (siehe Bild rechts) habe ich es – mit Hilfe meines tüchtigen Backassistenten J. – hinbekommen, eine stützende Konstruktion aus einer flashy roten Kuchenform ohne Boden zu basteln (Schnäppchen aus der Ikea Resterampe, kam von Hause aus nur mit Guglhupfeinsatz, falls sich jemand fragt, wieso die Form keinen Boden hat). Der Teig hatte also diesmal keine Chance, seinen anarchistischen Frisbeebestrebungen zu folgen. Und tatsächlich: Das Brot sah aus wie ein Brot. Nicht unbedingt ein besonders dickes oder fluffiges Brot, aber immerhin. Es erfüllte die wichtigste Bedingung: Es war butterbrotkompatibel, schneidbar und saftig. Perfekt, wäre da nicht die Sache mit dem Aroma, das konnte die Frisbee etwas besser. Dieses neue Brot hatte was von einem sehr deftigen und kompakten Gebäck namens Kosakenbrot, das meine Mutter manchmal gekauft hat, als ich klein war (kennt das jemand außer mir?). Eher auf der säuerlichen, als auf der milden Seite. Prima für Käse, aber nicht für Marmelade oder Nussnougatcreme. Die Ursachenforschung im Sauerteigforum ergab: Ich hatte vermutlich "zu kalt und zu fest geführt". Falls Sie gerade in etwa so was denken wie HÄ? oder WASNDAS? kann ich das sehr gut verstehen. Denn bis man zur Führungspersönlichkeit geworden ist, muss man ganz offensichtlich viele Foren lesen, deren Inhalt erst mal so verständlich ist wie Atomphysik und ja im Grunde auch so was Ähnliches ist.

Ich habe inzwischen gelernt: Weicher Teig, also einer mit relativ viel Wasser, der bei relativ tropischen Temperaturen in relativ kurzer Zeit backfertig gemacht wird (das bedeutet nämliche weiche und warme Führung), hat offenbar die Tendenz, milder zu schmecken. Kalte und festere Führerei führt zu allgemeiner Säuernis (das hätte mal jemand beizeiten bestimmten Diktatorenarschgeigen erzählen sollen).

Sieht schon mal ganz gut aus, oder?
Derzeit läuft nun also Versuch 3, Codename Soft & Cosy, dessen Ziel es ist, die Anforderung der grundsätzlichen Butterbrotkompatibilität mit einem milderen Aroma zu kombinieren. Vorher habe ich akribische Temperaturmessungen an verschiedenen Orten in der Wohnung vorgenommen (Backofen mit eingeschalteter Lampe, Backofen mit eingeschalteter Lampe und 1 Zentimeter geöffnet, im Abwärme-Fach über dem Kühlschrank etc.) damit sich die richtigen kleinen Viecher im Sauerteig auch wohl fühlen und vermehren  – für den erwünschten milden Geschmack brauche ich wärmeliebende Sauerteighefepilze (keine Bakterien, vielen Dank für den Hinweis, Frau Fischer) und Milchsäureorganismen, während die Essigsäurejungs sich etwas zurückhalten sollen. Die mögen's lieber kalt.

Apropos kalt (<-- völlig an den Haaren herbeigezogene Überleitung). Hier ist es kalt. Trotz Juni. Temperaturen um zehn, elf Grad halten den durchschnittlichen Schweden aber nicht davon ab, in kurzen Hosen oder kürzesten Röcken rumzulaufen oder draußen im Garten rumzusitzen. Juni ist Juni, denkt sich der Schwede als solcher offenbar, da kann man auf das Wetter keine Rücksicht nehmen. Warum ich das schreibe? Weil ich hiermit andeuten will, dass ich nicht beabsichtige, in Zukunft NUR über Gebäck zu dozieren, sondern auch über andere Dinge zu schreiben, die mir so tagtäglich begegnen. Keine Sorge, ich bitte um etwas Geduld. Das Backthema drängt sich nur momentan etwas in den Vordergrund. Ich freu mich übrigens über geteilte Back-Erfahrungen meiner Leser.

Kommentare :

  1. Das mit dem Backthema kann ich als nicht in Deutschlandland-Lebender gut verstehen... Ich war hier (in den USA) auch schon oft vom Brot enttaeuscht, habe allerdings noch nicht zur Selbsthilfe gegriffen!

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    1. An typisches US-Brot kann ich mich gar nicht erinnern. Was gibt's denn da so?

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    2. Ich komme auf Hamburgerbrötchen und Megatoast. Aber ansonsten verbinde ich "Brot" einfach nicht mit den USA. Dabei war ich ja nun schon des öfteren dort. Was hab ich da bloß gegessen? Muffins?

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    3. Ja, das mit dem Brot ist hier (k)ein Thema... Du hast recht super typisch ist das Toastbrot was mich irgendwie immer an eine eckige Nackenrolle erinnert (und vom Naehrwert sicherlich aehnlich ist) und die Hamburgerbroetchen (die sich ja eigentlich nur in der Form davon unterscheiden)... Und auch wenn man nach Alternativen sucht, ist es schwer die richtige (und vertraute) Mischung zwischen knackiger Kruste und saftigem Inneren zu finden... Bei WholeFooods gibt es ein Brot, das ganz ok ist, aber halt nicht toll... Man soll ja eh nicht so viel Brot essen! ;)

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    4. Ja, genau. Lieber Kuchen und Kardamomschnecken... ;o)

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  2. Was machst Du morgens um 4.44 so alles? Musste deine rechte Hand J. Auch so früh dabei sein? Kosaken schmeckte immer mit Käse sehr gut, oder mit Leberwurst!!!! weiterhin viel Erfolg mit den Brotversuchen. Wichtig ist nur, dass es lecker ist! Aussehen ist nebensache!!!!
    Markus D.

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  3. Christiane Fischer4. Juni 2012 um 12:26

    Da bekommt man ja fast Lust, selbst zu backen. Auch wenn die Bäckerei um die Ecke ist und damit viel schneller ein sichereres Ergebnis zu erwarten ist.

    Allerdings muss ich noch loswerden, dass mir als Mikrobiologin das Wort "Hefebakterien" sauer aufstößt. Hefe ist ein Pilz und damit kein Bakterium. Deine Milchsäurefreunde dafür schon.

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    1. Oh, Verzeihung! Das wird geändert, will hier ja keine Falschinformation verbreiten. Danke für den Hinweis! :)

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    2. Christiane Fischer4. Juni 2012 um 12:40

      Hihi und schwupps taucht man namentlich auf einer renommierten Website auf. Vielen Dank dafür :-)

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