Montag, 11. Juni 2012

EIN GANZ NORMALER SONNTAG UND DIE SACHE MIT DEM TOPFLAPPEN AUF DEM OVERHEADPROJEKTOR


Ein Mann, ein Topflappen.
Lehrer H. mit Opfern
Gestern gab es keinen Blogeintrag, wie vielleicht der ein oder andere bemerkt hat. Das lag insbesondere daran, dass gestern ein grauer, nicht besonders aufregender Sonntag war, an dem nicht sonderlich viel passiert ist. Außer in meinem Kopf selbstverständlich. Da passiert immer eine Menge, das sagte ja schon mein Grundschullehrer H., der Phantasie, zumindest "zu viel" davon, als Makel ansah. Im Übrigen war H. der vermutlich unfähigste Pädagoge der nördlichen Hemisphäre und der südlichen noch dazu, ach was: des ganzen Universums, das ja mutmaßlich noch irgendwo, in anderen Quadranten, weiteres intelligentes Leben umfasst. Das glauben ja sogar Wissenschaftler, die wirklich nichts mit grünen Männchen und Esoterik und so was am Hut haben, allein der wahrscheinlichen Wahrscheinlichkeit halber.

Nur: Zu diesem intelligenten Leben gehörte mein Grundschullehrer eben nicht dazu. Falls Sie das jetzt lesen, Herr H., was dann wiederum sehr unwahrscheinlich ist, aber nicht ausgeschlossen: Es tut mir Leid, aber das ist die Wahrheit. Kindern "zu viel Phantasie" als Fehler zu bescheinigen ist nämlich nicht intelligent. Auch zu versuchen, Kindern Häkeln mittels eines auf den Overheadprojektor projizierten Topflappenschattenrisses beibringen zu wollen, ist das nicht. Es war offensichtlich, dass Sie selbst keine Ahnung von der offenbar so wichtigen Fertigkeit des Häkelns hatten. Ich allerdings auch nicht. Ihnen hat wahrscheinlich Ihre Frau die Grundlagen beigebracht, den meisten Kindern in der Klasse wurde von ihren häkelfertigen Müttern geholfen. Meiner hat sich später meine Tante Ilse erbarmt, weil meine Mutter Wichtigeres zu tun hatte, als zu häkeln. Ihre glorreiche Idee mit dem Overheadprojektor, Herr H., hat didaktisch gesehen nämlich nicht funktioniert. Überhaupt nicht. Kein bisschen. Ich kann mich nicht mehr an viele Grundlagen des Häkelns erinnern, aber eins weiß ich noch: Es ist enorm wichtig, zu sehen, wo oben und unten ist. Sieht man das im Schattenriss? Nun?

Auch ausgerechnet einige der smartesten Kinder in der Klasse auf die Hauptschule zu schicken, war eine ausgesprochen doofe und vor allem egoistische Aktion: Auch Sie sind zu just zu diesem Zeitpunkt dorthin gewechselt, wie ich später erfuhr. Zufällig haben Sie dort dann die beinahe geschlossen versammelte Klasse übernommen. In dieser von Ihnen geleiteten Hauptschulklasse landete zum Beispiel mein Freund M., heute erfolgreicher Ingenieur oder Z., die eine großartige Designerin geworden ist und inzwischen in Istanbul lebt. Zum Glück haben die beiden Ihrer "Prognose" getrotzt, die interessanterweise vor allem sämtliche Klassenmitglieder mit Migrationshintergrund erhalten hatten (M.s Familie stammt aus Spanien, Z.s Familie aus der Türkei). Ich – damals ohne Migrationshintergrund, heute mit –  war eine der wenigen, die das Prädikat "gymnasiumtauglich" von Ihnen bekamen, und das trotz der ganzen hinderlichen Phantasie. Vielleicht wollten Sie mich ja auch einfach loswerden, dafür wäre ich dann durchaus dankbar, das beruhte nämlich auf Gegenseitigkeit. Sie wären vermutlich heute auch einer dieser Pädagogen, die Kindern mit Namen wie "Kevin" oder "Mandy" geistige Minderbemittelung bescheinigten, wobei sie – die "Pädagogen" – dabei eigentlich nur ihre eigene Blödheit beweisen, wie hier nachzulesen. Ich kann nur hoffen, dass Sie frühverrentet worden sind, um so vielen Schülern wie möglich Ihre Einflussnahme zu ersparen.

So! Das musste zwar mal alles gesagt werden, trotzdem wollte ich DAS eigentlich alles gar nicht schreiben.

Brot mit Aussicht: Nummer 5 lebt
Ich wollte ja eigentlich nur schreiben, dass gestern nichts passiert ist oder zumindest nicht viel, dass Sie sich dann aber nicht direkt Sorgen machen müssen (also Sie, liebe Leser, meine ich, nicht Herrn H., der könnte sich ruhig mal ein bisschen Sorgen machen, vor allem um sich selbst im Bereich zwischen den Ohren). Okay, ja, gut, ich habe Sauerteigbrot Nummer 5 gebacken. Auch dieses Brot hat an Fluffigkeit und Aroma das vorherige übertroffen, nur die Kruste ist etwas dunkel geworden, weil dieser vermaledeite Backofen der schwedischen Firma mit I. zwar sehr hübsch aussieht, der Temperaturschalter aber sehr unübersichtlich geraten ist, so dass man sich da gern mal um vierzig, fünfzig Grad vertut, wie gestern geschehen. Aber diese ganze Brotbackarie wird Ihnen vielleicht langsam auch fad (wobei fad übrigens einer meiner Lieblingsausdrücke aus dem Österreichischen ist, vielleicht sollte ich da mal was drüber schreiben). Sie macht MIR ja weiterhin Spaß, die Brotbackarie, insbesondere weil ich später in den Genuss des Brotes komme, aber das ist ja bei Ihnen nicht der Fall. Ich werde trotzdem weiter darüber bloggen, sagen Sie also nicht später, ich hätte Sie nicht gewarnt. Demnächst back ich aber mal was anderes, was weder Brot noch Pizza ist. Wie wäre das? Da fällt mir ein, ich bin Ihnen ja noch die Auflösung der Pizzageschichte von vorgestern schuldig. Sie lautet: Hat geklappt, war lecker. Knuspriger Rand, ganz grandios. Empfehlenswert. 

Sieger der 48 Stunden von Lameng
Ansonsten habe ich geschrieben, nur eben nicht hier im Blog, und habe natürlich den weltbesten Kartoffelsalat gegessen, mit Vinaigrette, mit Zuckerschoten, roten Zwiebeln und Thunfisch (selbstverständlich MSC), der für mich vom weltbesten Kartoffelsalatzubereiter zubereitet wurde, der für mich auch sonst der Weltbeste ist, in mehr oder weniger allem. Ich habe beim Parallellesen des nächsten Nesser-Buches skuggorna och regnet/Die Schatten und der Regen bereits einige sehr seltsame Übersetzungsfehler entdeckt, die mich langsam vermuten lassen, dass die renommierte Übersetzerin das Renommee gar nicht verdient, so viele verkehrt versandte Manuskripte kann es auch wieder nicht geben, aber das werde ich zu einem späteren Zeitpunkt ausführlicher analysieren. Aber vor allem habe ich einen Abendspaziergang gemacht, im Dunkeln, nach dem trüben Tag, über die Helsingborger Elbchaussee, mit den ganzen dollen Hütten (= tolle Häuser, Anm. für die schwedischen Leser)  und dann unten an der Elbe zurück, die natürlich nicht die Elbe ist, sondern Öresund heißt, aber irgendwie fühlt sich das alles so ähnlich an. Bis auf den Moment, wo man dann stehen bleibt, aufs Wasser guckt und feststellt: "Ach, das ist ja gar nicht die Elbe. Das ist ja das Meer." Und dann denkt man so was wie "Verrückt, das alles!" oder auch "Leck misch  en de Täsch!" (Anm. für schwedische Mitleser: Wörtlich übersetzt heißt das "Leck mich in der Tasche!", Kölner Ausruf des Unglaubens, wie man hier nachlesen kann,) und wenn man dann wenig später im Bett liegt, denkt man das noch mal, dann schläft man ein und das war's dann auch schon wieder mit dem Sonntag. In diesem Sinne danke ich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche eine wunderschöne Woche. 

Kommentare :

  1. WO bist du denn auf dem Foto von der Grundschule?
    Das Problem mit den "sehr fähigen" Lehrern kenn ich auch. Mir wurde da auch nahae gelegt, dass aus mir nichts vernünftiges werden kann (Grüße an Frau O. Zitat: Ich müsste sehr dringend zum Schulpsychologen.. etc). Irgenwie ist doch etwa saus mir geworden!! Daher habe ich nun so meine Probleme mit Lehrern und halte mich auf den "geliebten" Elternsprechtagen echt zurück. Wobei, es gibt auch sehr gute Leherer und Schulleiter!!!! Freue michs chon auf Midsommer, da komtm doch sicher ein ganz besonderer Blog von dir, oder? Ach ja, Brot und Pizza haben nun meinen Hunger geweckt! Sieht wieder sher gut aus und der Kartoffelsalat höhrt sich auch sehr lecker an. Grüße Markus

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    1. Ich bin das Kind mit dem schmerzverzerrten Gesicht und dem größtmöglichen Abstand zum Peiniger. Ich war schon damals nicht so gut darin, mich auf Fotos niedlich in Szene zu setzen. Natürlich gibt es auch gute Lehrer, nur eben leider auch viele Vollnieten.

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  2. Als Österreicher muss ich jetzt ja mal was fragen:
    Wieso soll "fad" denn ein österreichisches Wort sein? Und wie sagen Menschen aus D-Land dazu? Langweilig? Fad und langweilig ist ja nicht unbedingt das Gleiche ...
    Was Deutsche über Österreich denken (unter anderem) konnte ich in diesem Podcast nachhören:
    http://not-safe-for-work.de/nsfw016-bavarian-fire-drill/
    Ich habe sehr gelacht.

    Fad wurde mir beim Lesen Deiner Texte (auch wenns Brotbackarien sind) noch nie. Die lese ich ja unter anderem auch, damit mir gerade eben nicht fad wird. Und natürlich wegen des Bezugs zu Schweden.

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    1. Klar, es gibt "fad" auch im Bundesdeutschen (oder wie man das nennen will), das wird aber eher verwendet, wenn Speisen zu wenig gewürzt sind. Eine fade Suppe, zum Beispiel. Im Sinne von "langweilig" – oder zumindest einer Bedeutung in dieser Richtung – wird "fad" eher nicht verwendet, zumindest nicht dort, wo ich mich so vorwiegend rumtreibe (Großraum Nordrhein-Westfalen und Norddeutschland). Und natürlich ist es nicht zu 100% das Gleiche wie "langweilig", das macht diese Sprachunterschiede ja so spannend, weil sie gewisse kulturelle Feinheiten offenbaren. Freut mich, dass Dir nicht fad wird bei der Backerei. Den Podcast höre ich später noch an, ich backe gerade...

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    2. War sehr lustig, der Podcast. Hatte ich noch gar nicht erwähnt. Vielen Dank für den Link!

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  3. oh mann, bei der abrechnung mit dem grundschullehrer hab ich nen ordentlichen inneren wutanfall gekriegt. so eine arschkrampe...

    was mir auch auffiel und ich mich schon lange frage und du das ja wissen musst als autorin: gibt es einen grund dafür, dass ikea in JEDEM text, den ich auf blogs lese in irgendeiner form umschrieben, aber nie genannt wird? ist das verboten? und hab ich mich grad strafbar gemacht, weil ich den unaussprechlichen namen ausge...schrieben habe?

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    1. Bei mir ist es so, dass ich nur Firmen, die ich wirklich toll finde – Vaude z.B., großartige Firma, nachhaltig, nett zu den Mitarbeitern, etc. – namentlich nenne und DIE mit I gehört nun mal nicht dazu. Sie hat ihre Vorzüge, aber baut eben auch eine Menge Mist, steuerflüchtet, scheinheiligt, etc.

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