Samstag, 9. Juni 2012

DIE 48 STUNDEN VON LAMENG


Die Pizza im Sack. Oder ist es doch nur ein
Riesenklumpen Kaugummi? 
Experiment! Liebes Publikum, Sie sehen hier zwei Testobjekte, nämlich zwei steinharte Klumpen Pizzateig, Rohstoff der ganz hervorragenden Pizza (= das Runde), die ich neulich natürlich im Ofen (= das Eckige) gebacken habe. Ich hatte vor einer Woche nämlich nur zwei Pizzen gemacht und den Rest ins Tiefkühlfach geworfen. 
Sie erinnern sich vielleicht, es geht um die Luxus-Pizza, deren hefearmer und mit Olivenöl und Meersalz versehener Teig 48 Stunden im Kühlschrank gehen musste und bei dessen Herstellung mir das Haltbarkeitsdatum auf dem Hefewürfel aufgefallen war, was zu diversen weiteren bahnbrechenden Ereignissen geführt hatte (wir berichteten).

In diesem Fall stand leider nicht im Rezept, dass man die Teigklumpen vor dem Einschlagen in Haushaltsfolie oder Gefrierbeutel am besten bemehlt. Sicher, da hätte man als gute Hausfrau selbst drauf kommen können. Das Problem ist: Ich bin keine. Gute Hausfrau, meine ich. Und ich gehe davon aus, dass in einem Rezept schon alles Wichtige geschrieben steht. An dieser Stelle ein dringender Appell an alle Rezeptautoren: Ihr könnt nicht voraussetzen, dass jeder Eurer Leser weiß, was Sache ist. Genau darum konsultiert man ja Rezepte: Weil man zu doof ist, die Sache aus der Lameng zu veranstalten (hach, manchmal liebe ich die Ausdrücke meiner niederrheinischen Heimat. Lameng kommt natürlich vom französischen la main, die Hand, und ist ein Überbleibsel aus Zeiten französischer Besetzung. Die Sache hat man dann der örtlichen Ausdrucksart ein bisschen angepasst. Was Mach keine Fisimatenten! bedeutet, erkläre ich in einer anderen Folge dieses spannenden Blogs).

Darum war es dann nach den 48 Stunden *ein bisschen* schwieriger, den Teig aus den Plastikbeuteln wieder herauszubekommen. In etwa so als wollte man einen zauberwürfelgroßen Hubba Bubba-Klotz von der Klebkraft "Konrads Spezialklebers" nach dreißigjähriger Anpappzeit unter einem Klassenzimmertisch lösen. Aber es ist mir schließlich, nicht zuletzt dank der hervorragenden Elastizität des Teiges, gelungen. Jetzt bin ich gespannt, ob das heute etwas besser klappt. Vielleicht, wenn ich die Tüte löse, sobald der Teig nur ein ganz kleines bisschen angetaut ist. Jetzt werde ich erst mal Tomatensauce köcheln. Später heißt es dann hoffentlich: Pizza, Pizza!

Und sie wird hoffentlich ungefähr so aussehen wie das Gebäck linkerhand.

Doch wird es der Autorin dieser Zeilen tatsächlich gelingen, den Teig aus der unbarmherzigen Umkrallung der Tüte zu befreien? Bleiben Sie dran, verehrtes Publikum! Wer außerdem den heimlich versteckten Schweden-Verweis im Text findet, darf ihn gerne hier (!) posten und erhält beim nächsten Mal in dieser Küche eine selbst gebackene Kardamonschnecke nebst Kaffee. 

Kommentare :

  1. Christiane Fischer9. Juni 2012 um 23:27

    Kam Konrads Spezialkleber nicht von Pippi Langstrumpf? Ich tippe jedenfalls darauf als besagten Schwedenverweis. Und ein bisschen hoffte ich darauf, auch den Ausdruck “Schisselameng“ zu lesen; eher als oder zusätzlich zu Fisimatenten.

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    1. Richtig! Ich gratuliere zur Kardamonschnecke. :) Ich denke, ich werde zu den Ausdrücken einen eigenen Eintrag schreiben, im Schwedischen gibt es nämlich auch einiges, was in ähnlicher Weise aus dem Französischen entlehnt ist (fällt mir nur gerade nicht ein). Schisselameng musste ich nachgucken, das ist wohl eher im Ruhrgebiet verbreitet und obwohl ich da studiert hab, hat meine sprachliche Prägung am Niederrhein stattgefunden. Allerdings haben meine Eltern versucht, mit mir Hochdeutsch zu sprechen, mein Wortschatz hat in dieser Hinsicht einige Lücken.

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  2. Christiane nochmal10. Juni 2012 um 00:28

    Ui fein, Schweden steht eh auf meiner Urlaubs-todo-Liste!

    Hehe ich erinnere mich daran, schon öfters ein "dazu schreibe ich später nochmal einen eigenen Eintrag" gelesen zu haben. Bin gespannt, wann das alles abgearbeitet wird. Jedenfalls freue ich mich darauf und darüber!

    Und ja, die Ruhrpottwurzeln werde ich wohl nie los. Will ich aber auch gar nicht.

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