Sonntag, 3. Juni 2012

DER DOPPELTE NESSER, CLAUDIA CARDINALES MULTIPLE PERSÖNLICHKEITEN UND NOCH MEHR GEBÄCK


Übersetzung (l.) und Original

So! Gestern habe ich einen "Etappensieg" in puncto Schwedisch für mich verbuchen können. Ich habe den ersten Roman auf Schwedisch ausgelesen, Och Piccadilly Circus ligger inte i Kumla von meinem schwedischen Lieblingsautor Håkan Nesser. Den Roman hatte ich mir bereits vor vielen Jahren auf Deutsch  zu Gemüte geführt. Lange lag die schwedische Version angefangen rum, aber nachdem ich mich vor ein paar Wochen endlich dazu entschlossen hatte, die Sache konsequenter zu verfolgen, war es ziemlich schnell so weit, dass ich kaum noch in der deutschen Übersetzung nachschlagen musste. Eine sehr empfehlenswerte Methode also, eine Sprache zu vertiefen, ich habe sozusagen von Seite zu Seite gemerkt, wie mein Schwedisch besser wurde und es hat sich auch im täglichen Sprachgebrauch gezeigt. Gleichzeitig blieb mir das nervige Wörterbuch-Nachschlagen oder das Eintippen in Suchfelder erspart. Allerdings ist mir beim vergleichenden Lesen aufgefallen, dass die Übersetzerin offenbar eine andere Textversion vorliegen hatte.

Der Kater wollte unbedingt mit aufs Bild.
Sieht auch gleich noch besser aus
Im deutschen Buch fehlen zuweilen ganze Passagen und Sätze und es gibt auch sonst einige Merkwürdigkeiten. Zum Beispiel wurde kanelbulle mit "Heißwecke" übersetzt, wobei "Zimtschnecke" die richtige Übersetzung gewesen wäre. Es gibt zwar tatsächlich so etwas wie hetvägg, also "Heißwecken", die heutzutage identisch sind mit den semlor, dem traditionellen skandinavischen Fastenzeitgebäck. Es handelt sich dabei allerdings um ein vollkommen anderes Backwerk.

Ebenso ist, meiner Auffassung nach, Claudia Cardinales häst –"Claudia Cardinales Pferd" – wie es im schwedischsprachigen Buch heißt, substanziell verschieden von "Claudia Cardinale" selbst (= Version im deutschsprachigen Buch, das Pferd ist spurlos verschwunden). Die Sache mit den multiplen Persönlichkeiten ginge sonst doch entschieden zu weit. Darum vermute (und hoffe) ich, dass es sich bei dem verloren gegangenen Pferd und der magischen Gebäckverwandlung nicht um Fehler, sondern um die Übersetzung einer anderen Textversion handelt. Die Übersetzerin ist nämlich eine ziemlich renommierte solche und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ihr so grobe Schnitzer unterlaufen wären. Wie das letztlich vonstatten gegangen ist, darüber habe ich diverse Theorien. Eine davon: Vielleicht hat der Autor eine frühe Version beim Verlag abgeliefert, die nach Rücksprache mit der Lektorin im schwedischen Original noch mal geändert wurde. Und die Übersetzerin hat dann versehentlich die alte Version bekommen. So könnte es gelaufen sein. Jemand eine andere Idee?

Da German Shit!
Einen anderen Erfolg konnte ich erneut im inzwischen immer vertrauteren Backsektor verzeichnen! Sauerteigbrotbackversuch Nummer 3 ist genauso abgelaufen wie geplant und gewünscht. Dafür bin ich wieder mitten in der Nacht aufgestanden, um den Sauerteig zur richtigen Zeit zu füttern und bin vorher schon ständig aufgewacht und habe ungefähr fünf Mal kontrolliert, ob die Temperatur auch noch die richtige ist. Aber der Brotteig hat die Zuwendung honoriert und sich dann schon beim Aufgehen höchst erfreulich verhalten. Er ist sozusagen weit über sich hinaus gewachsen. Der Geschmack war dann auch ganz wunderbar: Mild, mit ganz leichter Säure, auch "die Krume" war locker-flockig und dennoch saftig. Die Verkostung verleitete J. zur ehrfürchtigen Bemerkung da German shit, angeblich das beste Brot, das er jemals gegessen hat (aber so was sagt er eigentlich immer...)

Kommentare :

  1. Der Fehler, versehentlich eine alte Version eines Werbetextes in die Übersetzung zu schicken, ist mir auch schon unterlaufen. Deine Theorie könnte stimmen... Und jetzt wart's mal ab: Wenn du so weitermachst, bringst du mich noch zum Backen!

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    1. Oh ja! Super, fang auch an zu backen, dann können wir fachsimpeln. Wie schön, dass du so spät abends noch reinschaust. Ist gerade ein ziemlicher Lichtblick.

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  2. Hallo
    Jetzt weiß ich auch, warum ich das Buch nie verstanden haben :-)
    Ich fand es im Vergleich zu seinen anderen Büchern nicht so toll.
    Nicht ein Buch zum einschlafen, da brauche ich seichte Kost.

    Das Brot sieht sehr lecker aus!! Bin stolz auf Dich!!
    Weiter so!!!!
    Markus D.

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    1. Ich find das Buch super (und die anderen Bücher sind fast alle von der gleichen Übersetzerin übersetzt.)

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  3. Thomas Bandion5. Juni 2012 um 09:42

    Semlor: Om nom nom! Müssen wir endlich mal wieder machen. Danke für die Erinnerung.

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