| Das Café am Ende des Tunnels |
VERLIEBT IN SCHWEDEN
IN LOVE WITH SWEDEN
Mittwoch, 8. Mai 2013
LEBENSZEICHEN AUS DEM TIEFEN INNEREN DES ARBEITSBERGES
Hallo! Hallo! Mein lieben Leute, ich habe Euch nicht vergessen und vermisse Euch. Ja, ich lebe noch, ich bin lediglich verschüttet unter einem Arbeitsberg und werde mit Deadlines massiv bedroht. Bitte habt Geduld mit mir, nur ein paar Wochen noch, spätestens im Juni bligge – BLIGGE? – nein, BLOGGE ich auch wieder richtig. Ihr seht: Ich hacke wie ein blindes Huhn auf der Tastatur rum. Dann erzähle ich Euch vom Frühling in Schweden, vom Fahrradfahren, vom Meer, dann backe ich für Euch, jawohl, dann hole ich Pauken und Trompeten hervor und vielleicht auch das ein oder andere "ö" und dann, Ende Juni, kommt auch bald unser Buch (aber dazu mehr zu gegebenem Zeitpunkt!) Bis dahin bitte ich Euch, mir und diesem Blog gewogen zu bleiben!
Samstag, 6. April 2013
AUF DEN MOND GEPRESST – ODER WARUM MAN NIE WEISS, WAS MAN BRAUCHT, BIS MAN ES HAT
Es gibt Dinge, von deren Existenz man keine Ahnung hatte und plötzlich glaubt man, ohne sie nicht mehr leben zu können. Presskegel zum Beispiel. Etwas, das ich noch bis vor Kurzem noch dem Bereich der Beckenbodengymnastik zugeordnet hätte. Und natürlich die Santos 11. Nicht umsonst erinnert ihr Name an Apollo 11. Ihre Eleganz weckt tatsächlich (mit etwas Phantasie) Assoziationen an eine Mondrakete. Nicht einen Augenblick zweifle ich daran, dass man sie auch im schwerelosen Raum benutzen könnte, da fallen ihre Kilos auch nicht so ins Gewicht. Gut, wenn da nicht die Sache mit der Nummer 11202 wäre...
Doch der Reihe nach! Um meiner "weitschweifigen Art", wie Dirk sie genannt hat und die ich mir nur hier im Blog erlaube(n darf) alle Ehre zu machen, muss ich natürlich wieder ein wenig ausholen. Ich ging vor einigen Tagen, als es zu kalt zum Joggen war, mal wieder spazieren. Das mache ich vorzugweise am Meer, entlang der Helsingborger Srandpromenade, dabei passiere ich unter anderen das Restaurant Pålsjökrog mit seinem Strand und dem pittoresken Kallbadhus, einer Saunaanlage mit Meeranschluss, die ich irgendwann auch noch mal ausprobieren werde.
Genau dort, auf dem Fußgängerweg zwischen Kallbadhus und Pålsjökrog las ich an diesem Tag auf der Tafel, auf der sonst für das Sonntagsbrunch geworben wird, allt bortskänkas – alles zu verschenken. Ich folgte mit dem Blick dem aufgemalten Kreidepfeil und sah allerlei Firlefanz, der auf der offenen Veranda vor dem Haus, in dem augenscheinlich renoviert wurde, angehäuft war. Auf Anhieb identifizierte ich ein Waschbecken, einen Kinderhochsitz und jede Menge Kartons und Körbe, aus denen Sachen hervorlugten, die sich nicht auf den ersten Blick näher bestimmen ließen. Ich kam neugierig näher. In den Behältern fand ich so unterschiedliche Dinge wie alte Kaffeetassen, Gesundheitslatschen, Dekokrempel – etwa einen julbock aus Stroh, Küchentücher, Fleecedecken, Besteck, Plastikdeckel ohne Dosen, Edelstahldosen ohne Deckel, und massenhaft nicht sofort eindeutig identifizierbares Küchengerät, mehrheitlich völlig versifft und in seine Einzelteile zerlegt und auf diverse Kartons verstreut.
Es dämmerte bereits, aber es gelang mir, aus dem Durcheinander die Einzelteile eines etwas angerosteten Mixers herauszufischen. Aufgeregt trug ich den Fund nach Hause und siehe da: Das Mixgerät funktionierte. Nach einer Runde in der Spülmaschine sah der Glasbehälter wie neu aus, nach einer Behandlung des Fußes mit Stahlwollpads – J. hat das übernommen – galt das fürs gesamte Gerät. Der Milchshake-Zubereitung stand nichts mehr im Weg. Endlich! Seit Jahrzehnten lebte ich ohne Milchshakes, wie hatte ich das bloß ausgehalten?
Ich fasste den Entschluss: Da geh ich morgen noch mal gucken, ob ich nicht noch was finde, von dem ich nur noch nicht wusste, dass ich es dringend brauche!
Gedacht, gemacht. Doch am nächsten Tag schienen zunächst die interessanteren Stücke abgegrast. Ich betrachtete längere Zeit eine Backform von Ikea – bis ich den Beschluss fasste, dass wir wirklich nicht noch mehr Backformen benötigen. Dann wühlte ich mich durch diverse verwaiste Küchemaschinenutensilien und fragte mich, wo wohl die Küchenmaschine dazu war, denn die könnten wir wirklich gebrauchen. Wahrscheinlich, weil mich dieser Gedanke unterbewusst auf etwas Größeres und Maschinenartiges programmierte, nahm ich sie überhaupt wahr, als ich gerade schon gehen wollte. Nur im Augenwinkel blitzte ein Zipfel von ihr hinter dem Waschbecken und der Kiste auf, auf der dunkelblaue Aschenbecher in Fischform um Aufmerksamkeit buhlten.
Sie war limonengrün und voller seltsamer Krusten. Ich erkannte nicht gleich, wozu sie diente. Ich nahm einige der umliegenden rätselhaften Gegenstände in die Hand und kombinierte und probierte und schraubte, bis ich sicher war: Das hier gehört zusammen. Schließlich stand sie vor mir, die Santos 11. Verstaubt, verkrustet, aber – vielleicht – funktionsfähig. Ich trug sie über die Strandpromenade nach Hause, misstrauisch beäugt von Spaziergängern und mit einem Beinahekrampf im Arm – sie ist nicht gerade ein Leichtgewicht und mein Bizeps derzeit etwas untrainiert.
Zuhause in der Küche kam der große Moment: Ich stöpselte das staubige Kabel ein und – sie rotierte! Ich warf die abnehmbaren Teile in die Spülmaschine, J. schrubbte ihren wohlgeformten Kurven, bis die Krusten fort waren und ihr limonengrüner, gut fünf Kilo schwerer Metallkorpus wieder leuchtete wie eine gut gepflegte Vespa. Ich suchte derweil im Internet, ob auch wirklich alle Teile dabei waren. Dabei erfuhr ich, dass die Gastronomiezitruspresse Santos 11 seit 1954 im nahezu unveränderten Design vom französischen Hersteller bei Lyon gebaut wird. Ein Klassiker also! Neupreis ab etwa 270 Euro! Bei unserem Gerät fehlte allerdings das Teil mit der Nummer 11202. Ein Teil, das oben auf den Spritzschutz kommt, unklar, ob es nur zur Dekoration dient oder noch zusätzlich vor Gespritze schützt! Und das Zubehör 11103 und 11101, letztere die Presskegel für Grapefruit und Limonen und Zitronen! Mit dabei war nur der Orangenpresskegel.
Natürlich war klar: Wir brauchten diese Dinge! Dringend! Okay, gut, eigentlich mag ich keine Grapefruits und für alles andere glaubten wir bisher super mit unserer kleinen Plastikpresse für ca. 1 Euro zurechtzukommen, aber das war natürlich eine primitive vorzivilisatorische Einbildung.
Im Neanderthal wusste man auch nicht, dass es sich mit Zentralheizung besser lebt.
Hier entdeckte ich die notwendigen Teile. Den "Black Squeezer Cone-Bulb for Grapefruit" für schlappe 15, 86 Euro, den "Black Squeezer Cone-Bulb for Lemon" für den gleichen Preis und den "Ornamental Ring Anodized Aluminium" für läppische 23, 92 Euro. Macht ja lediglich 55,64 Euro.
Okay, zuzüglich zu den entstehenden Gebühren, um ein Gewerbe anzumelden, damit ich im Gastrohandel überhaupt einkaufen kann. Lächerlich, wenn man bedenkt, dass wir die Santos 11 völlig gratis bekommen haben! Was wir da gespart haben!
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| Startklar für die Mondexpedition? Detail 1 |
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| Die Ringe des Saturn? Detail 2 |
Es dämmerte bereits, aber es gelang mir, aus dem Durcheinander die Einzelteile eines etwas angerosteten Mixers herauszufischen. Aufgeregt trug ich den Fund nach Hause und siehe da: Das Mixgerät funktionierte. Nach einer Runde in der Spülmaschine sah der Glasbehälter wie neu aus, nach einer Behandlung des Fußes mit Stahlwollpads – J. hat das übernommen – galt das fürs gesamte Gerät. Der Milchshake-Zubereitung stand nichts mehr im Weg. Endlich! Seit Jahrzehnten lebte ich ohne Milchshakes, wie hatte ich das bloß ausgehalten?
Ich fasste den Entschluss: Da geh ich morgen noch mal gucken, ob ich nicht noch was finde, von dem ich nur noch nicht wusste, dass ich es dringend brauche!
Gedacht, gemacht. Doch am nächsten Tag schienen zunächst die interessanteren Stücke abgegrast. Ich betrachtete längere Zeit eine Backform von Ikea – bis ich den Beschluss fasste, dass wir wirklich nicht noch mehr Backformen benötigen. Dann wühlte ich mich durch diverse verwaiste Küchemaschinenutensilien und fragte mich, wo wohl die Küchenmaschine dazu war, denn die könnten wir wirklich gebrauchen. Wahrscheinlich, weil mich dieser Gedanke unterbewusst auf etwas Größeres und Maschinenartiges programmierte, nahm ich sie überhaupt wahr, als ich gerade schon gehen wollte. Nur im Augenwinkel blitzte ein Zipfel von ihr hinter dem Waschbecken und der Kiste auf, auf der dunkelblaue Aschenbecher in Fischform um Aufmerksamkeit buhlten.
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| Eine Mundöffnung? Eine Höhle? Detail 4 |
Zuhause in der Küche kam der große Moment: Ich stöpselte das staubige Kabel ein und – sie rotierte! Ich warf die abnehmbaren Teile in die Spülmaschine, J. schrubbte ihren wohlgeformten Kurven, bis die Krusten fort waren und ihr limonengrüner, gut fünf Kilo schwerer Metallkorpus wieder leuchtete wie eine gut gepflegte Vespa. Ich suchte derweil im Internet, ob auch wirklich alle Teile dabei waren. Dabei erfuhr ich, dass die Gastronomiezitruspresse Santos 11 seit 1954 im nahezu unveränderten Design vom französischen Hersteller bei Lyon gebaut wird. Ein Klassiker also! Neupreis ab etwa 270 Euro! Bei unserem Gerät fehlte allerdings das Teil mit der Nummer 11202. Ein Teil, das oben auf den Spritzschutz kommt, unklar, ob es nur zur Dekoration dient oder noch zusätzlich vor Gespritze schützt! Und das Zubehör 11103 und 11101, letztere die Presskegel für Grapefruit und Limonen und Zitronen! Mit dabei war nur der Orangenpresskegel.
| Eine Vespa? Fast! |
Im Neanderthal wusste man auch nicht, dass es sich mit Zentralheizung besser lebt.
Hier entdeckte ich die notwendigen Teile. Den "Black Squeezer Cone-Bulb for Grapefruit" für schlappe 15, 86 Euro, den "Black Squeezer Cone-Bulb for Lemon" für den gleichen Preis und den "Ornamental Ring Anodized Aluminium" für läppische 23, 92 Euro. Macht ja lediglich 55,64 Euro.
Okay, zuzüglich zu den entstehenden Gebühren, um ein Gewerbe anzumelden, damit ich im Gastrohandel überhaupt einkaufen kann. Lächerlich, wenn man bedenkt, dass wir die Santos 11 völlig gratis bekommen haben! Was wir da gespart haben!
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| Die Santos 11 ist: eine Zitruspresse! Originaldesign von 1954. Dieses Modell ist allerdings von 1985 |
| Hier übrigens Santos' Freundin Melissa, die wir zunächst adoptiert haben |
Sonntag, 31. März 2013
AN INDECENT PROPOSAL – AND A COUPLE OF MIRACULOUS TRANSFORMATIONS
| The German publisher transformed the worms into a gardener, the English publishers still did not come to a conclusion |
Some time ago I decided to re-read Håkan Nesser novels that I already knew in German in their original tongue, in order to prevent my Swedish to deteriorate (you can read about that here, but so far only in German). As a little help I kept the German editions nearby – but since then I’m rather proud to say that I haven’t needed any of those, except for a thesaurus every once in a while. I’m not going to re-tell, not even thoroughly describe, the story of when I met Håkan Nesser, his wife Elke and their dog Norton in New York a couple of years ago. It’s sufficient to say that it happened, as a matter of fact, on Carmine Street. And perhaps add, once again, that the photos for the resulting article were taken by Dirk Eusterbrock whose wonderful photo-blog "Emotive Pixelations" can be found here.
| No, I did not move to a gambling den, but the next post office is located in a lottery hotspot |
However, that wasn’t the whole story. Several folkloristic theories circulate about how the place actually got its name in the first place. One version has it that a large estate owner in the region of nearby Uppsala in the 17:th century had an affair with one of his maidservants. And it happened, as it usually does, that the maid got pregnant. The estate owner got scared stiff - probably not without reason – that his wife would give him a proper, loud and thorough piece of her mind and promptly expel the maid from the household in case the truth would surface. What to do? Yes! He got hold of an unmarried farmhand and bribed him to marry and care for the maid, including the child to be, in return for a small piece of land that he could give the girl as a morgongåva. The boy happily accepted the deal and I presume that no one asked the girl, but what was she to do, after all? Maids with means to sustain themselves and their illegitimate children were few and far between in those days. In any case, the little homestead grew into a village and eventually came to be known as Morgongåva – today a little hamlet with a couple of thousand inhabitants. In another version of the story the unfaithful husband was a duke, no less.
Which version comes closest to the truth – if any of them do – or if it’s simply sprung out of the need for gossip among the populace as the boring, actual truth – husband gives wife homestead as wedding present – turned into a juicy ménage à trois (which is my insider’s tip on this explosive issue) appears to be forever lost in the mists of time. No matter what, I can’t help thinking of Christmas gifts. What if Joseph was actually bribed by some unknown man who preferred to be anonymous, using the alias “Holy Ghost”? Food for thought …
Translation from German o English by Joakim Montelius
Mittwoch, 20. März 2013
EIN UNMORALISCHES ANGEBOT – UND EIN PAAR WUNDERSAME VERWANDLUNGEN
| Man sollte die Raupe nicht zum Gärtner machen oder wie war das noch gleich? |
Weil mein Schwedisch irgendwie stagnierte, hatte ich zunächst damit begonnen, Romane von Håkan Nesser, die ich schon auf Deutsch kannte, auf Schwedisch zu lesen (wie hier nachzulesen). Als kleine Hilfe hatte ich immer die deutsche Übersetzung daneben liegen – inzwischen geht es fast ganz ohne, nur gelegentlich brauche ich noch ein Wörterbuch. Ich möchte hier nun allerdings weder darüber noch mal berichten, noch ausführlich erzählen, wie ich Håkan Nesser, seine Frau Elke und Hund Norton vor ein paar Jahren in New York getroffen habe, unter anderem auch in der Carmine Street. Dazu vielleicht ein andermal mehr (Dirk Eusterbrock, dessen wunderbares Foto-Blog "Emotive Pixelations" Ihr hier findet, hat übrigens damals die Fotos gemacht).
| Nein, ich habe keine Spielhölle eröffnet, die "Spelbutik" ist eine Lottoannahmestelle (keine Lotterannahmestelle!) und dort befindet sich der nächste Postschalter |
Das war aber nicht die ganze Geschichte. Es kursieren mehrere Gerüchte, wie nun just dieser Ort zu seinem Namen kam. In einer Version hatte ein Großgrundbesitzer in der Uppsala-Region im 17. Jahrhundert eine Affäre mit einer seiner Mägde. Es kam, wie es kommen musste: Das Mädchen wurde schwanger. Der Großgrundbesitzer bekam – vermutlich zu Recht – Muffensausen, dass ihm seine Frau die Leviten lesen und das Mädchen vom Hof jagen würde, falls die Sache rauskam und fragte einen seiner Knechte, ob der die Magd bitte heiraten und sich um sie – inklusive Kind – kümmern könne. Dafür würde er einen Hof bekommen, den er seiner Braut als morgongåva überreichen konnte. Der Knecht willigte in den Deal ein, die Magd wurde vermutlich nicht gefragt, aber was hätte sie schon tun sollen? Allein erziehende Mägde waren ja doch eher unterrepräsentiert damals. Um diesen Hof herum entwickelte sich später die Ortschaft Morgongåva, heute ein Dorf mit etwas über anderthalbtausend Einwohnern. In einer anderen Version der Geschichte handelt es sich beim untreuen Ehemann um einen Herzog, nicht um einen Großgrundbesitzer.
Welche von diesen Versionen stimmt – bzw. ob überhaupt eine davon stimmt – oder ob hier nur das Klatsch- und Tratschbedürfnis der Bevölkerung ausgelebt wurde und eine ansonsten eher langweilige Geschichte – Ehemann gibt Frau Hof als Hochzeitsgeschenk – in ein Dreiecksdrama verwandelt wurde (das ist mein Tipp in dieser brisanten Angelegenheit!), lässt sich wohl heute nicht mehr feststellen. Aus irgendeinem Grund musste ich allerdings an die Weihnachtsgeschichte denken. Ob wohl Joseph auch von einem Mann, der sich möglicherweise unter dem Decknamen "Heiliger Geist" versteckte,
P.S. Kleiner Hinweis in eigener Sache: In der aktuellen, noch bis kommenden Dienstag erhältlichen Brigitte findet Ihr einen Psychologie-Artikel von mir und falls Ihr noch irgendwie an eine Märzausgabe der Cosmopolitan kommt, da ist ebenfalls einer drin. Freue mich auch immer über Feedback zu Gedrucktem!
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Montag, 11. März 2013
THE TRIPLE ZINGO OR WHAT A SWEDISH SOFTDRINK HAS TO DO WITH A BOXING CHAMPION AND OUR CAT
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| Who is that? There can be only one! |
In order to explain the headline I need to backtrack a little: As you perhaps already have deducted, J. and I have a feline room mate. When we decided to get ourselves a cat, we quickly agreed upon that it should be a grown up one that was in need of a new home for one reason or another. Kittens usually find a home quickly. Grown up cats don’t. So I dug into the classified ads site blocket.se and stumbled upon a tomcat that had to be given away because of “health reasons”.
He lived not far from our place, but since my car was in the workshop to be restored after having been run over by a (probably blind and mentally challenged) Swedish garbage truck driver, we jumped on our bicycles and pedaled away to the Helsingborg suburb Laröd a few kilometers to the north. And we were in for a surprise. I always had a weak spot for big and round tomcats, but I was entirely unprepared for something on this scale. Neither I nor J. had ever seen such a large housecat. He was unbelievably long (around 90 cm) and his Body Mass Index must be on par with Oliver Hardy's. In addition to that he possessed what, in relation to his massive body, could only be described as an almost grotesquely thin and pathetically short tail. But he purred with a loudness and intensity that I would have assumed only a lion could achieve – and so he immediately won our hearts. (J. recently “employed” him for the recordings of his band’s upcoming album and made an absolutely unbelievable sound from the purring: you can read more about that here, including photographic evidence. To listen to the sound click HERE. Talented fan Marina even dedicated a very special band picture to Zingo afterwards)
| The rare chameleon cat blends in perfectly with the furniture |
J. and I were immediately sure that that was only part of the truth. They were both “dog people” and while they clearly liked the cat in a way, you could easily see that there was a distance between him and the people he lived with. We agreed almost instantly: the purring machine comes with us. The thought that he would end up in a cat shelter - where, due to his size and age, he would probably have a very hard time to get picked up - was unbearable to me. However, his current hosts worriedly asked: “But, he can keep the name ‘Zingo’, right?” and we nodded in affirmation. Of course we had no plans to rename him and anyway he knew his name perfectly well. You wouldn’t suddenly re-christen a six year old kid that you adopted, would you?
Shortly thereafter I happened to read Håkan Nesser’s book “Och Piccadilly Circus ligger inte I Kumla” (And Piccadilly Circus is not in Kumla) and there is a scene where the protagonist Mauritz stops at a kiosk to buy a couple of cigarettes and a Zingo. That he purchased a fat ginger cat in a kiosk, I found unlikely to say the very least, so I decided to research the matter and found this out: Zingo is actually a Swedish soda that’s been around since the ‘50s. The main idea of its taste is to resemble oranges, a property mostly conveyed by its intense orange colour (which of course leaves you in no doubt why Zingo is called Zingo…). Since then I have found out that Zingo doesn’t just look great, it tastes fantastic as well – the soda, obviously, not the cat. He just looks great.
The irony of the tale is that Zingo, the soda, was actually renamed. Originally it was called “Ingo”, after the Swedish heavyweight boxing world champion Ingemar "Ingo" "The Champ" Johansson. But since he screwed up and lost his title in 1960 they renamed the drink “Zingo” in 1962. Even more ironically Ingo became the European champion that same year, but the “Z” was there to stay. I ask myself what the good Ingo thought about getting dropped like a hot potato. Had he been a housecat he would probably have been dumped at the cat shelter.
However, our fat boy would never be renamed nor would he get abandoned,
By the way, another example of an unusual and empathic cat is the wonderful tomcat Bob here. The story revolves around a lonely stray cat and an equally lonely street musician who’s struggling with his drug addiction. How they strike up a close friendship and help each other and get back up on their feet/paws is one of the most heartwarming books I’ve read in years (together with Nick Hornby’s A Long Way Down). My sincerest recommendations!
Translation from German to English: Joakim Montelius
Donnerstag, 7. März 2013
DER DREIFACHE ZINGO ODER: WAS EINE SCHWEDISCHE LIMO MIT EINEM BOXCHAMPION UND UNSEREM KATER ZU TUN HAT
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| Wer ist das? Was will diese Flasche hier? Es kann nur einen geben! |
| Die seltene Chamäleon-Katze passt sich farblich der Einrichtung an |
J. und mir wurde direkt in den ersten Minuten klar, dass das nur halbe Wahrheit war. Die beiden waren "Hundemenschen". Sie mochten den Kater irgendwie schon, aber verstanden ihn nicht, man konnte die Distanz zwischen den Leuten und dem Kater spüren. Wir waren uns schnell einig: Die Schnurrmaschine kommt zu uns. Der Gedanke, dass er, wenn wir ihn nicht nehmen, im Tierheim landet, wo er aufgrund seiner Größe und seines Alters bestimmt nicht so leicht vermittelbar gewesen wäre, war für mich unerträglich. Nur den Namen fand ich zunächst etwas seltsam: Zingo. Was sollte das denn bedeuten? Seine Noch-Besitzerin fragte allerdings besorgt: "Er kann doch weiterhin Zingo heißen, oder?" und wir nickten. Natürlich hatten wir nicht vor, ihn umzutaufen, schließlich kannte er seinen Namen. Ein sechsjähriges Kind würde man ja auch nicht plötzlich anders nennen, wenn man es adoptiert.
Kurze Zeit später las ich zufällig in Håkan Nessers "Och Piccadilly Circus ligger inte i Kumla" (auf deutsch hier erhältlich), wie sich Protagonist Mauritz an einem Kiosk ein paar Zigaretten und en Zingo kauft. Dass er am Kiosk einen dicken roten Kater erwirbt, hielt ich für einigermaßen ausgeschlossen, also recherchierte ich und fand heraus: Zingo ist eine schwedische Limonade, die es schon seit den Fünfzigerjahren gibt. Die Hauptgeschmacksrichtung des Getränks ist Apfelsine und seine Farbe ein durchdringendes Orange (man darf jetzt rätseln, warum unser Zingo so heißt, wie er heißt ...) Inzwischen weiß ich, dass Zingo nicht nur toll aussieht, sondern auch wunderbar schmeckt – die Limonade natürlich, nicht der Kater (der sieht nur toll aus).
Die Ironie der Geschichte ist, dass Zingo, die Limonade, selbst zunächst einen anderen Namen hatte. Ursprünglich hieß das Zeug nämlich "Ingo", nach dem Boxer Ingemar "Ingo" "The Champ" Johansson. Nachdem selbiger aber 1960 die Weltmeisterschaft versemmelt hat, taufte man 1962 das Getränk in Zingo um. Ironischerweise gewann Johansson im selben Jahr die Europameisterschaft, das "Z" nahm man trotzdem nicht zurück. Ich frage mich, welche Meinung der gute Ingo wohl dazu hatte, so fallen gelassen zu werden wie eine heiße Kartoffel. Wäre er ein Tier, hätte man ihn wahrscheinlich in ein Tierheim abgeschoben.
Unser Dickmops wird jedenfalls niemals abgeschoben oder umbenannt werden, denn er ist ein echter Champion. Als Boxer wäre er zwar vermutlich eine Vollniete – sein Kampfinstinkt ist quasi nicht vorhanden –, aber im Schnurren
Übrigens, ein anderes Beispiel für eine außergewöhnliche und empathische Katze ist der wunderbare Kater Bob hier. Die Geschichte, wie der verletzte Straßenkater und der einst drogenabhängige Straßenmusiker Freundschaft schließen und sich gegenseitig helfen, ihr Leben wieder auf die Füße/Pfoten zu stellen, ist eins der herzerwärmendsten Bücher
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Montag, 11. Februar 2013
DER SCHWEDISCHE KARNEVAL IS(S)T EIN HEFETEILCHEN ODER: DICK AM DIENSTAG
| Hej, Süße? Wie wär's mit uns beiden? |
| Querschnitt durch eine gefährliche Kalorienbombe: Bei genauem Hinsehen erkennt man die klebrige Mandelschicht unter der Sahne |
| Ein paar Meter von der Konditorei entfernt: Wenn die Sonne mal scheint, kann es am Helsingborger Hafen im Winter so aussehen |
| Eispatchwork |
| Wer findet den Eindringling? |
Wie mir meine semla denn nun geschmeckt hat? Tja, mich erinnerte das Ding ein wenig an den Bienenstich – nur eben ohne den Mandeldeckel – und damit an einen Kuchen, der in meiner Kindheit bei keinem Familienfest fehlen durfte und in größeren Mengen besonders gern von meiner Tante Ilse – Gott hab sie selig (ich weiß, was Ihr jetzt denkt, aber nein, es ist nicht nach einem Festmahl mit in Milch schwimmendem Bienenstich passiert) – genossen wurde. Auch mein Fazit fällt sehr "bienenstichig" aus: Semlor kann man mal essen, muss man aber auch nicht unbedingt.
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