Samstag, 14. Februar 2015

VON MÄNNERN MIT BRÜSTEN UND FRAUEN MIT EIERN

Ich habe immer gehört, man könne mit kleinem Baby kein Buch mehr in Ruhe lesen. Meiner Erfahrung nach stimmt das nicht: Beim Stillen konnte ich, gerade am Anfang, zeitweise wirklich nichts anderes tun und habe vor allem, aber nicht nur, Krimis inhaliert. Inzwischen dauert das Stillen nicht mehr so lange, ich lese trotzdem – ein paar Seiten schaffe ich fast immer (und was ich nicht schaffe, hole ich beim Baby-in-den-Schlaf-Latschen mit dem ErgoBaby nach). Die Still-Lese-Vorliebe habe ich mit Stefanie Lohaus gemeinsam, die mit ihrem Freund Tobias Scholz ein bemerkenswertes Buch geschrieben hat, das ich in zwei Tagen durch hatte: Papa kann auch stillen. Stefanie und Tobias haben bereits in Stefanies Schwangerschaft beschlossen, sich Kind, Haushalt und Job fifty-fifty zu teilen, damit beide die Möglichkeit haben, eine stabile Bindung zu ihrem Sohn zu etablieren und gleichzeitig nicht den Anschluss im Job zu verpassen. Und ganz generell mehr von allen Bereichen des Lebens zu haben. Spaß zum Beispiel. Als Familie. Mit dem Partner. Und auch alleine. Mit anderen Worten: Sie wollten die gesetzlich ja vorgesehene Gleichberechtigung von Mann und Frau einfach mal leben. Wie sie das in jeder Konsequenz durchziehen und auf welche Schwierigkeiten, Vorurteile und unterschwelligen oder offen geäußerten Rollenerwartungen sie dabei  in Deutschland – das Paar lebt in Berlin – gestoßen sind, darum dreht sich dieses Buch.



Ich habe beim Lesen eines Sachbuches selten so oft genickt. Zwischendurch habe ich mir zwar manchmal ein wenig mehr Humor gewünscht, aber als ich dann drüber nachgedacht habe, wurde mir klar: Zu viel Klamauk hätte dieses wichtige Thema vermutlich verwässert und den Verdacht aufkommen lassen, dass man doch gar nicht so richtig meint, was man da schreibt und darum die humorvolle Distanz sucht. Also: Es ist gut so wie es ist. Denn langweilig wird es ganz bestimmt nicht.

Vor allem aber ist dieses Buch eines: wichtig!

Dass ich das mal schreibe, hätte ich nicht von mir erwartet. Normalweise hasse ich nämlich diese "Wichtig"-Formulierungen im Stil von "Die 50 wichtigsten Männer, die sich gern in Denkerpose ablichten lassen" oder "Die wichtigsten Bücher, die ich auf dem Klo gelesen habe" oder von mir aus auch "Die 100 wichtigsten Käsekuchen" – und dann folgt fast immer eine mehr oder weniger willkürliche Auflistung von Dingen oder Leuten, die der jeweilige Redaktionsmitarbeiter irgendwie bemerkenswert fand. Geschmacksache also, fast immer. Zufall auch oft. Aber eben selten wirklich "wichtig". Wenn ich also sage: Dieses Buch ist wichtig, dann meine ich, dass es mir nicht nur gut gefallen hat, sondern dass es meiner Ansicht nach auch wirklich wichtig ist. Nämlich als gesellschaftliches Beispiel. Es handelt, gewissermaßen, von Männern mit Brüsten (die "auch stillen" können) und Frauen mit Eiern (die keine Angst vor vermeintlich "männlichen" Domänen haben). Will sagen, Menschen, die den Mut haben, bei und nach der Familiengründung etwas anders zu machen als, immer noch, die meisten. Daran mangelt es in Deutschland noch eklatanter als an gute ausgebildetem Krippenpersonal und genau darum fand ich den Gedanken ans Kinderkriegen früher in Deutschland so, sagen wir, schwierig. Weil ich gerne selbst entscheide, welche Rolle ich wann und warum ausfülle und mir ungern etwas aufdrücken lasse. Weder von gesellschaftlichen Normen, meinem Partner oder von einem "Tradionalisierungseffekt", der aus ökonomischen und gesellschaftlichen Gründen auch Menschen heimsuchte, die eigentlich bisher immer ganz progressiv waren. Hier habe ich mir darüber schon mal ein wenig Gedanken gemacht.

Ich, zufällig ebenfalls gut ausgebildete Akademikerin und wie Stefanie Lohaus freie Autorin, fand das alles blöd. Und mich eines Tages in Schweden wieder. Nicht zum Kinderkriegen, selbstverständlich, sondern aus hier beschriebenen Gründen. Ich hatte nun plötzlich einen Partner, der ganz selbstverständlich Putzlappen und Staubsauger in die Hand nahm, einkaufte, kochte und seine Tochter aus einer früheren Beziehung bespaßte. Gleichzeitig verdiente ich das meiste Geld (von uns) (was übrigens nicht gleichbedeutend mit "viel Geld" ist!) Traditionelle Rollenbilder spielten bei uns jedenfalls, haha, keine Rolle. Dem Sex-Appeal tat das übrigens auf beiden Seiten keinen Abbruch, was ja immer mal gerne mit Verweis auf angeblich steinzeitliches Erbe (Mann = Jäger und Sammler, Frau = will an den Haaren in die Höhle gezerrt werden) behauptet wird. Eine Ausnahme war das aber nicht. Ähnliches sah ich um mich herum. Zum Beispiel Spielplätze mit Papas in Elternzeit – und in der Überzahl. Ich erlebte Freunde, sämtlich gut ausgebildet, die ohne viel Tamtam gleiche Rechte und Pflichten lebten, Spaß als Familie hatten – und Kinder kriegten. Zum Teil viele Kinder. Unsere Freunde Britta und Kalle haben voriges Jahr das fünfte bekommen. Das hat mit der schwedischen Familienpolitik zu tun, die auf Eigenverantwortung beider Partner baut. Mit dem Fehlen von Dingen wie dem Ehegattensplitting. Mit dem ganz einfachen und superflexiblen Elterngeld-System. Mit sehr guter und günstiger – und vor allem flächendeckender – Kinderbetreuung. Mit Hippie-Eltern, die auch ihre Jungs in den Siebzigern und Achtzigern zur Mitverantwortung in Haushaltsdingen erzogen und ihre Mädels mit technischem Spielzeug beglückten. Mit Pippi Langstrumpf, natürlich. Und mit vielen großen und kleinen Dingen mehr.

Und plötzlich konnte ich es mir vorstellen. Das Kinderkriegen. Der Mann stimmte. Alles andere stimmte auch. Und wenn Stefanie Lohaus und Tobias Scholz' Beispiel Schule macht, stimmt es vielleicht auch irgendwann in Deutschland. Und ob Papa denn nun wirklich stillt? Lest das Buch, dann wisst ihr es.

P.S. In absehbarer Zeit soll übrigens hier eine von den Autoren betreute Website zum Thema online gehen.




Dienstag, 3. Februar 2015

WAS INZWISCHEN GESCHAH – EIN UPDATE

Nun gab es schon fast ein halbes Jahr kein Posting mehr – die bislang längste Blogpause. Fast ein halbes Jahr alt ist nun auch unsere kleine Tochter, die Ende August unter *etwas* dramatischen Umständen (über die Ihr im Laufe des Jahres noch in einem der größten deutschen Frauenmagazine etwas lesen können werdet) das Licht der Welt erblickt hat. Das Leben mit ihr ist ein klasse Abenteuer und da ich vorsichtshalber in Sachen Stress das Schlimmste erwartet habe, wurde ich durchaus positiv überrascht. Der Stress ist da, aber er ist einfach ein ganz anderer als der, den ich bisher kannte. Eustress, also positiver Stress, durch und durch. Außerdem ist J., der wunderbarste Mann von allen, auch ein ganz grandioser Vater. Aufgewachsen wie die meisten Schweden seiner Generation – also im Bewusstsein, dass Männer und Frauen tatsächlich gleiche Rechte und Pflichten haben – lässt er mich nicht mit Kind und Haushalt im Regen stehen, sondern wir wuppen die Sache gemeinsam. Ich genieße es dabei unendlich, mal eine Weile nicht nonstop produktiv sein zu müssen. Dank der schwedischen Version des Elterngeldes (die deutsche macht mit dem Elterngeld Plus allerdings auch neuerdings ganz gute Fortschritte – mehr zu diesem Thema ein andermal) konnte ich mich tatsächlich einige Monate voll aufs Baby konzentrieren. Ein unglaublicher Luxus!

Keine Paparazzi! 
Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten, wie es so klischeehaft, aber leider auch treffend heißt. In letzter Zeit sind in meinem Leben mitunter sehr traurige Dinge passiert, über die zu sprechen mir allerdings für diesen öffentlichen Rahmen zu privat ist. Zu privat, das gilt auch für (erkennbare) Bilder meiner Tochter (das obige ist so gerade an der Grenze). Allein der Gedanke, dass irgendjemand mit Neigungen, die ich mir lieber nicht im Detail vorstelle, hier einen unwillkommenen Blick auf meinen Augenstern werfen könnte, lässt in mir Übelkeit aufkommen. Dafür bitte ich alle meine Leser um Verständnis.

So langsam kommt nicht nur dieses Blog, sondern auch mein Job wieder ins Rollen. Ein neuer Buchauftrag steht an und seit dem vorigen Sommer bin ich Autorin für eine der warmherzigsten Redaktionen, die ich bisher kennen lernen durfte – für ELTERN. Eine ganz tolle Art, Kind und Beruf zu verbinden. Vielleicht hat ja der/die ein oder andere meine Texte dort gelesen, es waren bereits einige, dabei ging es ums so genannte Bellymapping, die Zuverlässigkeit der Geburtstermin-Berechnung, eine Geburt in Finnland, Schwangerenfitness und noch einiges mehr. Es könnte durchaus passieren, dass ich in Zukunft auch hier übers Elterndasein blogge, zumindest da, wo es sich ans übergeordnete Schwedenthema anbinden lässt.

Wir lesen uns also. Bleibt "Verliebt in Schweden" gewogen!




Samstag, 9. August 2014

KARPFEN IM ÖRESUND, DIE FREUDEN DER IMPROVISATION – UND ENDLICH DIE GEWINNER UNSERES MITTSOMMER-GEWINNSPIELS

Ich verzichte darauf, mich für die lange Blog-Pause zu entschuldigen – immerhin haben wir eine relativ gute Entschuldigung, denn unser sich derzeit noch im Brüter befindendes Baby kann im Prinzip jederzeit beschließen, den Weg nach draußen anzutreten (auch wenn es ebenso gut – und von mir aus sehr gerne – noch drei Wochen dauern kann) und vorher gibt es noch einiges zu erledigen und organisieren. Aber natürlich war es an der Zeit, nun ENDLICH die Gewinner unseres Mittsommergewinnspiels zu ziehen. Zur Erinnerung: Es gab drei Einkaufsgutscheine für den tollen Onfos-Shop meiner in München lebenden schwedischen Journalisten-Kollegin Linda zu gewinnen.

Ohne eine Brygga in der Nähe
ist ein Schwede nur ein halber solcher.

Also haben wir unser Morgenbad (eigentlich eher ein Vormittagsbad, aber psst!) genutzt, um zwei kleine Filme zu drehen. Nennen wir sie experimentell. Wegweisende Werke, die zweifelsfrei beweisen, dass an uns erstklassige Dogmafilmer verloren gegangen sind, von Trier kann einpacken. Da gibt es überraschende Perspektiven, neue Winkel und – im Prinzip – sogar Karpfen im Öresund! Improvisation ist alles! Außerdem beweisen die Aufnahmen, dass mein (Stellas) Haupthaar dank Hormondoping derzeit wuchert wie das im ersten Film zu sehende Seegras und völlig außer Form vor sich hin weht. Dabei handelt es sich jedoch um nichts anderes als mein bewusstes, ja, proaktives* Statement gegen die Übermacht der Schmink-, Nagellack- und Stylingblogs! Doch nun genug der getippten Worte. Los geht's:



Die Spannung steigt! Im zweiten Film – jenem mit der eigentlichen Ziehung – haben wir weniger mit Winkeln und Wackeln, dafür umso mehr mit der Dimension des Tons experimentiert. Für die besondere Lebensnähe ließen wir eine in Hörweite befindliche ältere Dame am Telefon einen sehr detaillierten Urlaubsbericht über die diversen Katastrophen ihres Skåne-Urlaubs abliefern (die Person am anderen Ende war angesichts der Dramatik der Ereignisse ganz offensichtlich völlig sprachlos – wer des Schwedischen mächtig ist, möge genau hinhören). Damit Ihr trotz dieses künstlerischen Höhepunkts der Filmgeschichte erfahrt, wer die Gewinner sind, haben wir eine geniale Lösung gefunden: Untertitel. Och varsågoda:


Herzlichen Glückwunsch!


* Ich wollte dieses tolle Manager-Wort immer schon mal verwenden, auch wenn ich immer noch nicht so genau weiß, was es eigentlich genau bedeuten soll. Wie sagte schon "die Partei": Inhalte überwinden!







Freitag, 20. Juni 2014

GLAD MIDSOMMAR - MIT "SVANSK" FISKSOPPA UND EINEM GEWINNSPIEL!

Heute ist midsommarafton  – und zur Feier des Tages könnt Ihr hier bei "Verliebt in Schweden" etwas gewinnen. Nämlich drei 25-Euro-Gutscheine für Onfos, den tollen Münchner Online-Shop für schwedische Lebensmittel und einiges Schwedische mehr (während es parallel im Onfos-Blog auch etwas ganz Besonderes zu gewinnen gibt ...). Von Abba-Sill über typisch schwedische Buttermesser, Kalles Kaviar, schwedischen Whisky bis hin zu Zeitschriften und Zoégas Kaffee aus der Rösterei in unserem schönen Wohnort Helsingborg bekommt Ihr dort alles, was das sich nach Schweden sehnende Herz begehrt. Unter anderem hat Onfos einen hervorragenden Fischfond im Programm, der in unserer Küche häufig zum Einsatz kommt (auch wenn wir ihn hier vor Ort kaufen) und mit dem Joakim seine wunderbare fisksoppa zaubert. Diese fisksoppa bildet heute den würdigen Auftakt zu unserem kleinen Mittsommerbuffet, an dem es natürlich auch bei uns das klassische Mittsommeressen geben wird – also sill, Kartoffeln mit Sauercreme und Schnittlauch, Västerbottenpaj und natürlich als Nachtisch jede Menge saftige jordgubbar. Nur Schnaps und Bier werde ich mir in diesem Jahr verkneifen – angesichts gewisser und ganz wunderbarer Umstände.

Svansk fisksoppa,
fein in französische Schale
geworfen – schmeckt (auch) zu Mittsommer
In Joakims svanska (Wortmix aus svensk = schwedisch und fransk = französisch) fisksoppa vereinen sich schwedische Aromen aufs Vorzüglichste mit französischen. Das ist gar nicht so seltsam, denn die schwedische Küche wurde im Laufe der Zeit ordentlich französisch gewürzt. Bereits König Gustav III. liebte Ende des 18. Jahrhunderts Frankreich und die französische Küche und sprach angeblich mit seiner gesamten Familie nur Französisch. Seit dann die Schweden einige Jahrzehnte später mangels royaler Nachkommen kurzerhand 1810 den französischen Marschall Jean-Baptiste Bernadotte als Kronprinz importierten (man muss sich nur zu helfen wissen), wurde es dann noch frankophiler. Jean-Baptiste – seit seiner Krönung im Jahr 1818 besser bekannt als Karl XIV. Johann – ist ein direkter Vorfahre des jetzigen Königs. Kalle, der alte Haudegen, brachte die hungernden Schweden zum Beispiel darauf, dass man die überall wachsenden Steinpilze tatsächlich auch essen kann – seitdem heißt der Steinpilz in Schweden zum ewigen Dank karljohansvamp.

Steinpilze gehören allerdings nicht zu den Zutaten in Joakims Suppe, dafür viele andere delikate Dinge. Als da wären (für vier bis fünf Portionen):



400 - 500 g weißes Fischfilet, auch gern tiefgefroren, zum Beispiel Kabeljau (aus nachhaltiger Fischerei, mindestens mit MSC-Siegel), sowie – nach Geschmack und Verfügbarkeit – Shrimps, Krebsschwänze, etc.

4 - 5 Knoblauchzehen
1 - 2 rote Zwiebeln
1 rote oder orange, mittelscharfe Chilischote

3 - 4 Möhren
5 - 6 durchschnittlich große Kartoffeln
1/2 Knollensellerie ODER 1 Fenchelknolle
2 Pastinaken ODER 2 Petersilienwurzeln
5 - 6 Kirschtomaten
1 Stange Lauch

1,5 dl Weißwein (wir verwenden derzeit alkoholfreien)
2 Esslöffel Fischfond (oder mehr, bitte selbst abschmecken)
2 - 3 dl Sahne oder Schmand
1 unbehandelte Zitrone
2 - 3 Esslöffel Weizenmehl
Wasser

1 Teelöffel Anis (kann man weglassen, wenn man den nicht mag)

1 Esslöffel Estragon (französischer Akzent) 
ODER
1 Esslöffel fein geschnittener Dill (schwedischer Akzent)

2 Teelöffel Kurkuma 
ODER 
ein kleines Tütchen (0,5 g) Safran (für die besonders französische Variante, in diesem Fall bitte Estragon statt Dill verwenden)

Salz
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
Olivenöl

Vorbereitung:

- gefrorenen Fisch auftauen, frische Filets mit kaltem Wasser abspülen
- Krustentiere (so vorhanden) pulen und kalt stellen
- Knoblauch schälen und mit der Seite des Küchenmessers leicht anpressen
- Zwiebeln schälen und in Spalten schneiden
- Chilischote fein hacken
- Paprika entkernen, waschen und würfeln

- Kartoffeln und Knollensellerie (oder Fenchel) schälen, in ca. 2 cm große Würfel schneiden
- Möhren schälen und in mittelstarke Scheiben schneiden
- Lauch waschen, 2/3 des Lauchs in grobe Ringe schneiden, 1/3 in sehr feine Streifen
- Pastinaken (bzw. Petersilienwurzeln) schälen und in ca. 1 cm große Stücke schneiden
- Kirschtomaten halbieren

- Zitrone waschen und die Schale fein reiben
- Zitrone auspressen
- Wein und Sahne/Schmand abmessen
- Kräuter und Gewürze bereitstellen

Zubereitung: 

Ihr braucht einen großen Topf, am besten einen gußeisernen (Joakim schwört auf seinen orangefarbenen Le Creuset, eine leichte Frankophilie schlummert also auch in unserem Hause). Olivenöl darin bei mittlerer Hitze erwärmen. Knoblauch, Zwiebeln und Chili zugeben und einige Minuten andünsten.

Sämtliche Wurzelgemüse (alles, was unter der Erde wächst, also auch die Kartoffeln) zugeben, umrühren und andünsten – das Gemüse soll keine Farbe annehmen.

Anis, Kurkuma (oder Safran) und Weizenmehl zugeben, umrühren.
Eine Minute dünsten. Dann so viel Wasser zugeben, dass alles gut bedeckt ist.
Gut umrühren.

Wein, Zitronensaft und Fischfond zugeben. Umrühren. Deckel auflegen und bei mittelschwacher Hitze ca. 15 - 20 Minuten kochen lassen bis die Möhren anfangen, weich zu werden.

Nun Fisch, Sahne (oder Schmand), Zitronenschale, Lauch (außer den Deko-Streifen), Tomaten, Paprika und Estragon (oder Dill) zugeben. Aufkochen, dann Hitze reduzieren und ohne Deckel köcheln lassen bis der Fisch fertig ist. Das dauert etwa 10 - 15 Minuten.

Mit Salz, Pfeffer und eventuell mehr Fischfond abschmecken.

Umrühren und mit dem in Streifen geschnittenen Lauch und eventuell einer Messerspitze zusätzlichem Dill (falls man kein Estragon verwendet) servieren. Eventuell vorbereitete Schalentiere hinzufügen.

Dazu schmeckt frisch gebackenes Baguette oder helles Sauerteigbrot – z.B. mit Butter, Olivenöl oder Aioli – ausgezeichnet.

Mitmachen und 25-Euro-Gutscheine
gewinnen!
Smaklig måltid!

Was Ihr tun müsst, um die angekündigten Einkaufsgutscheine zu gewinnen? Verratet uns einfach in einem Kommentar bis zum 15. Juli, was Euer schwedisches Lieblingsessen ist und vor allem, warum! Aus allen Kommentatoren werden wir dann Mitte Juli die drei glücklichen Gewinner ziehen. Kleiner Tipp: Lasst Euch doch einfach im Onfos-Shop inspirieren!  Lycka till!

Onfos wurde übrigens von ein paar waschechten Schweden gegründet, darunter die aus Uppsala stammende Linda Karlsson. Linda ist Journalistenkollegin und macht von München aus ungefähr das, was ich (d.h. Stella) von Helsingborg aus mache – während Linda allerdings für schwedische Zeitungen schreibt, schreibe ich für deutsche. Hier ist ein kleines Interview mit ihr:

Linda, wie kam es dazu, dass du aus Uppsala nach München gegangen und vor allem dort geblieben bist? 
Ich wollte Deutsch lernen und habe mich einfach in München als Stadt verliebt. Es ist auch spannend, in einem Land zu leben, das so viel politische und wirtschaftliche Bedeutung hat.

Was vermisst du an oder aus Schweden am meisten?
In Schweden sind viele Dinge etwas unkomplizierter, vor allem der Umgang mit Behörden. Mir gefällt es auch, dass wir das „Sie“ nicht verwenden. Seit der Du-Reform in den 60ern ist der Schwede mit allen außer den Mitgliedern der Königsfamilie per Du. Allerdings ist meine Heimat nur zwei Stunden per Flugzeug entfernt, wenn das Heimweh zu groß wird.

Linda von Onfos
Wie ist das Onfos-Team auf die Idee gekommen,schwedische Lebensmittel in Deutschland zu verkaufen?
Es ging los mit bestimmten Waren, die uns selbst immer wieder fehlten. Ein Kollege ist Halbschwede und ihm fehlte stets Bregott für sein Butterbrot. Bei mir ging es in erster Linie um die Süßigkeiten wie Djungelvrål, Dumle und Schokolade von Marabou. Zusammen haben wir uns überlegt, wie man einen Weg finden könnte einen schwedischen Supermarkt nach Deutschland zu bringen. Wir wollten nicht nur die Klassiker wie Knäckebrot und köttbullar anbieten, sondern alles was man dort kriegt. Das hat geklappt – dank einer tollen Zusammenarbeit mit ICA Maxi in Helsingborg. Mit mehr als 5000 Waren ist Onfos der größte Shop für schwedische Lebensmittel in Deutschland. Darauf sind wir sehr stolz.


Anmerkung: Für diese Aktion ist zu keinem Zeitpunkt und von (oder zu) keiner der beiden beteiligten Seiten Geld geflossen. Den erwähnten Fischfond kaufen wir seit Jahren in verschiedenen Lebensmittelgeschäften in Schweden. Wir benutzen ihn, weil uns die Qualität überzeugt und zwar völlig unabhängig von diesem Posting oder dem Onfos-Shop. 







 










Donnerstag, 19. Juni 2014

MORGEN IST MIDSOMMARAFTON ...

... und dann gibt es hier im Blog etwas Delikates zum Nachkochen und vor allem etwas ganz Tolles zu gewinnen! Mehr wird jetzt noch nicht verraten, aber schaut unbedingt morgen noch einmal hier herein – es lohnt sich, großes Ehrenwort!

Übrigens, wenn Ihr keinen Blogeintrag verpassen wollt, empfehle ich das Abo per Email (Feld oben rechts) oder Bloglovin' (rechte Spalte, Mitte), denn auf Facebook geht "dank" der facebookschen Selektionspolitik gerne mal was unter – und bei Twitter muss man den Moment des Tweets abpassen. Eure Emailadressen werden selbstverständlich von uns zu nichts anderem als zum Verschicken des Blogs verwendet! Bitte denkt daran, dass Ihr Eure Emailadresse einmal bestätigen müsst, damit das Blog-Abo von "Verliebt in Schweden" aktiv wird. Dafür wird Euch ein Bestätigungslink an die angegebene Adresse geschickt, auf den Ihr einmal klicken müsst. Nach diesem Klick bekommt Ihr jeden hier erschienenen Blogeintrag bequem frei Haus!

Besonders wichtig: Alle, die diesem Blog über Google Friends Connect folgen, empfehle ich, noch eine zusätzliche Abo-Möglichkeit zu nutzen, da "Verliebt in Schweden" in absehbarer Zeit umziehen und Blogger verlassen wird!

Nur noch einmal schlafen,
dann ist Midsommarafton
und das wird natürlich auch in
Helsingborg gefeiert.
(Das Bild zeigt die Terrasse des
wunderbaren Restaurants
Sillen & Makrillen)



Donnerstag, 5. Juni 2014

MORGENS UM ACHT IST DIE WELT NOCH IN ORDNUNG? DAS SCHWEDISCHE ABIFEST – MAL GANZ NÜCHTERN BETRACHTET

Mit einer solchen Mütze gepocht und
ganz sicher nicht nüchtern: schwedische
Abiturienten
Das da oben ist eine studentmössa, eine Abiturientenmütze. Heute ist in Helsingborg nämlich studenten, wie in Schweden die Abiturfeierlichkeiten in Antizipation des sich anschließenden Studiums heißen. Statt nun aber bescheiden an der Schule einen Abistreich zu organisieren, setzen sich der schwedische Abiturient und die schwedische Abiturientin  eine solche Mütze auf und lassen sich auf offenen Lastwagen zusammen mit erheblichen Mengen Alkohol (sowie erheblichen Mengen Fußballtröten und begleitet von erheblich mieser Musik) durch die Stadt kurven. Viele Abiturienten und auch solche, die es in ein paar Jahren erst noch werden wollen, fangen allerdings bereits Tage früher mit der Feierei an. Z.B. die Jungs aus dem Haus gegenüber, die wir zunächst am Montag grölend und mit einem dieser beängstigenden Einflöß-Trichter für Hochprozentiges beobachten konnten. Dieselben Jungs erspähten wir dann am Dienstag, wie sie eher leise und ziemlich blass herumschlichen.

Auf den ersten Blick scheint all das wenig damit zu tun zu haben, dass ich heute morgen um acht eine Kontrolluntersuchung bei der Hebamme – der barnmorska – hatte. Ich war, um es vorsichtig auszudrücken, eher mittelmäßig gelaunt, denn es stand eine vorsorgliche Untersuchung auf Schwangerschaftsdiabetes auf dem Programm.  Darum hatte ich am Morgen weder Nahrung noch Kaffee zu mir nehmen dürfen  – und zwar nicht mal den entkoffeinierten, mit dem ich derzeit meine Brühe verdünne. Außerdem war ich um kurz vor vier in der Nacht aufgewacht und hatte bis vor kurz vor sechs nicht wieder einschlafen können. Ich war also hundemüde und hatte Hunger bis unter die Arme. Die Laune wurde auch angesichts der Aussicht, dass mir noch mindestens zwei nüchterne Stunden bevorstanden, nicht besser: Das ist nämlich die Zeitspanne, die man nach dem "Genuss" eines Glases Zuckerwasser untätig herumsitzen muss, damit die Untersuchung relevante Ergebnisse bringt. Das Ganze wurde nur dadurch gemildert (das allerdings erheblich!), dass der weltbeste Mann, nämlich J.,  darauf bestanden hatte, mit mir aus Sympathie zu fasten und mich zu begleiten!

Doch was geschah, als ich gerade auf den Parkplatz vor der barnmorskemottagning einbiegen wollte?
Ich wurde angehalten.
Von der Polizei.
Ich ließ das Fenster runter.
Der Polizist brummte: "Nykterhetskontroll!"
Eine Alkoholkontrolle.
Oder, genauer übersetzt, eine "Nüchternheitskontrolle".
Morgens ums acht.
Vor der Hebammenpraxis.
Weil irgendwelche pubertierenden Endgymnasiasten sich mit Trichtern seit Tagen die Birne zudröhnen.

Zwar konnte man nicht nüchterner sein als ich es in diesem Augenblick war (und zwar, wie gesagt, in jeglicher Hinsicht!), aber da ich schon etwas spät dran war, deutete ich auf meinen inzwischen doch sehr deutlich sich wölbenden Bauch, in der Annahme, dass der Beamte mich dann sofort durchwinken würde:
"Sie sehen vielleicht: Ich bin schwanger!"
Meine Annahme erwies sich als irrig.
"Tut mir leid, Sie müssen trotzdem pusten!"
Ich kann mir nur vorstellen, wie mein Blick ausgesehen haben muss, aber vermutlich ist er nicht so ausgefallen, als würde ich mein Gegenüber für einen mitdenkenden Menschen halten. Mutmaßlich nicht mal für einen denkenden.
Ich kann nämlich leider nur sehr schlecht verbergen, was so in mir vorgeht.
Der Polizist hielt mir beharrlich das Röhrchen entgegen.
Okay, gut, ja, wenn der Herr Wachtmeister das nun unbedingt wollte – ich pustete also.
Leises Kichern drang derweil vom mit dem weltbesten Mann – nämlich J. – besetzten Beifahrersitz.
Der Polizist warf einen ernsten Blick auf das Messgerät.
Dann erklärte er ebenso ernst: "Sie sind nüchtern!"
"Na, das ist ja eine Überraschung!", entgegnete ich.
Und schon war die erste Alkoholkontrolle meines doch mittlerweile recht langen Lebens vorüber.
Morgens um acht.
Schwanger.
Vor der Hebammenpraxis.
Wer hätte das gedacht?

Auch die weiteren Kontrollen des Morgens (auf Diabetes, Eisen, Eiweiß) ergaben nur Bestwerte. Zum Glück ließ uns die Hebamme die zwei Stunden Wartezeit im gerade ungenutzten Gemeinschaftsraum verbringen – schlummernd, auf dem Sofa (ich) bzw. Gymnastikmatten (J.). Als wir dann erfrischt endlich um halb elf zuhause ankamen, schmeckte der Kaffee (ausnahmsweise gönnte ich mir den echten Stoff ohne Decaf-Anteil) und das am Morgen noch selbst gebackene Brot besonders gut. Die Welt war wieder in Ordnung.

Gerade wird gegenüber übrigens weiter gefeiert. Aber morgen ist Nationalfeiertag. Und da muss ich morgens um acht wirklich nirgendwohin.




Donnerstag, 29. Mai 2014

KOPENHAGEN BEI HELSINGBORG: MEINE TIPPS FÜR DIE DÄNISCHE HAUPTSTADT

Ja, ich wollte viel häufiger bloggen, aber ich habe ja mit der Schwangerschaft eine ganz gute Ausrede
Fröhliche Kopenhagener beim Tanz am
Amager Strand – einer von vielen
Kopenhagen-Tipps
im Moment. Schwangersein macht nämlich mitunter schlapp. Nach einem grandiosen Energie-Zwischenhoch im zweiten Trimester, ist die bleierne Anfangsmüdigkeit jetzt - leider – teilweise zurückgekehrt. Das Wetter tut ein Übriges dazu. Während nämlich Deutschland im Regen versinkt, regiert in Südschweden der blaue Himmel. Heute weht immerhin eine erfrischende Brise, aber wenn ich es mir in den vergangenen Tagen mit Rhabarberkuchen, Vanilleeis und Krimi in unserer Innenhofoase gemütlich gemacht habe, habe ich es etwa 20 Minuten ausgehalten, bevor ich mich wie ein Grillwürstchen gefühlt habe. Danach war dann erst mal ein Schläfchen angesagt. Ja, mitten am Tag, – endlich mal ein Vorteil des Freelancerdaseins. Es lebe der Biorhythmus!

Am heutigen Feiertag nehme ich mich aber mal zusammen – aus aktuellem Anlass. Meine St. Töniser Grundschulfreundin Iris, die ich erst kürzlich über das Business-Portal XING wiedergefunden habe (HIER geht es übrigens zu meinem Profil dort) fliegt nämlich morgen zum ersten Mal nach Kopenhagen. Kopenhagen? werdet Ihr jetzt fragen. Was hat das denn mit Schweden zu tun? War das nicht die Hauptstadt von Dänemark?

Das ist natürlich absolut richtig. Was viele nicht wissen: Helsingborg liegt gerade mal 55 km von Kopenhagen entfernt. Die Zugfahrt von Kopenhagen bis Helsingør dauert knapp eine Stunde, dann setzt man mit der Fähre nach Helsingborg über (und von uns aus eben alles umgekehrt). Da ich mal vier Monate in Kopenhagen gewohnt habe, werde ich immer wieder nach Tipps gefragt. Also dachte ich mir, dass ich die einfach mal hier poste – ich habe die Tipps natürlich auf Aktualität geprüft. (Da fällt mir ein: Liebe Redaktionen, ja, Ihr könnt mich tatsächlich auch mit Kopenhagen-Reportagen und anderen kopenhagenrelevanten Dingen beauftragen. Sagen wir, mit Interviews mit Mads Mikkelsen oder Helena Christensen oder wer sich da sonst noch so herumtreibt. Ich kann so was! Siehe z.B. hier oder hier

Erst mal ein paar allgemeine Punkte zu Kopenhagen

Holzauge, sei wachsam:
Kopenhagen ist teuer!
(Bild: Bademeisterwachturm in
Klampenborg)
Die Warnung vorab: Es ist teuer!

Unbedingt dänisches Bargeld mitbringen! Es gibt jede Menge Bars, Cafés, Restaurants und Läden, die nur Bargeld oder die so genannte (nur im Eigentum von Dänen befindliche) Dancard akzeptieren. Insbesondere, wenn man sich auch nur ein kleines bisschen aus dem direkten Zentrum weg bewegt. Verlasst Euch nicht darauf, dass Ihr schon irgendwo Geld ziehen könnt. An Feiertagen werden die Geldautomaten nicht nachgefüllt – kein Scherz! In meiner Kopenhagen-Zeit wurde ich an einem langen Feiertagwochenende Zeugin, wie Karawanen von Radfahrern vergeblich von Automat zu Automat pilgerten, um irgendwo ein paar Kröten zu bekommen. Unter den Pilgern: moi.

Nehmt kein Taxi vom Flughafen. Viel zu teuer! Stattdessen fährt Euch die Hightech-Metro M2 oder der Zug bequem ins Zentrum. Wenn Ihr aus dem Baggage-Claim-Bereich herauskommt, geht Ihr einfach stur geradeaus bis ans gegenüberliegende Ende der Halle. Die Metro ist oben, der Zug unten. Einfacher geht es nicht!



Ansehen oder nicht ansehen – das ist hier die Frage:

Die bunten hübschen Häuschen in Nyhavn (bzw. hier) muss man zumindest einmal gesehen haben, da haben die Reiseführer recht. Aber lasst Euch never ever dazu hinreißen, dort auch nur einen Kaffee zu trinken. Hier wurde das Wort "Touristenfalle" vermutlich erfunden und authentisch ist hier, sorry, gar nix mehr. Ihr bekommt inmitten von Touristenmassen wenig Mittelmäßiges für einen exorbitanten Preis. Bitte auch auf Eure Taschen achten!

Ja, schaut Euch ruhig die Kleine Meerjungfrau an, das ist ja schon so was wie ein Pflichtprogramm. Aber macht Euch drauf gefasst, dass sie viel kleiner ist als ihr glaubt. Sie ist ein zartes Persönchen und wirklich leicht zu übersehen. Übrigens hat die Dame inzwischen ein interessantes männliches Pendant namens Han (= er) im Helsingborg gegenüber liegenden Örtchen Helsingør (siehe auch unten unter "Ausflüge").

Seht Euch unbedingt Christiania an, die berühmte Freistadt, die inzwischen zum Freistaat geworden ist, da die alternativen Anwohner zumindest einen Teil der Gebäude und das zugehörige Gelände vom Staat kaufen konnten und es so vor der Umwandlung in teure Apartmentanlagen bewahrt haben. Hier gibt es auch leckere Sachen zu vernünftigen Preisen.

Vergnügungspark Tivoli (direkt am Bahnhof): Kann man machen. Muss man aber nicht. Finde ich.
Besonders ärgerlich: Anders als in anderen Vergnügungsparks bezahlt man einen (nicht unerheblichen) Obolus für den Eintritt und dann noch einmal extra für alle Fahrgeschäfte – und fürs Essen natürlich sowieso. Gerade Familien mit mehreren Kindern haben danach erst mal Ebbe in der Kasse. Dann doch lieber nach Klampenborg – siehe unten.

Zimmer 606 – Jacobsen, wohin man schaut
(Bild: Richard Moross - Original hier)
Das Royal Hotel Copenhagen (heute Radisson Blu) wurde ursprünglich von Arne Jacobsen gestylt. Man hat viel geändert, aber Zimmer 606 befindet sich noch im Originalzustand! Lasst es Euch zeigen, wenn es gerade nicht gebucht ist – oder, falls Ihr Euch gleich einmieten möchtet, fragt bei der Buchung danach!

Die Einkaufsstraße Strøget steht in jedem Reiseführer, ist aber – ganz ehrlich –  eine Einkaufsstraße wie jede andere, mit McDoof, Ketten und Konsorten. Anders gesagt: Wer die Schildergasse in Köln kennt, kennt auch die Strøget. Bummelt lieber auf der Parallelstraße Læderstræde – viel nettere Läden!

Jede Menge schöne Parks laden Euch ein, es ruhig angehen zu lassen. Ein besonderer Tipp und eine Oase der Ruhe ist der Assistens Kierkegård, der Friedhof, auf dem u.a. Hans Christian Andersen begraben ist. Hier in der Nähe, in der Struenseegade 15 A, findet Ihr auch den Showroom meiner Lieblingsschuhmarke Lola Ramona. Designerin Christina bekommt es hin, wundervoll individuelle Schuhe zu entwerfen – die meisten haben einen Hang zum Rockabilly, passen aber zu allem.

Falls Euch nach Sightseeing und Shopping (s.u.) ein wenig nach angenehmer Meeresbrise ist, nehmt die Flughafen-Metro M2 zum Amager Strand, kauft Euch ein Eis und glotzt rüber nach Malmö in Schweden. Oder, von mir aus, auch hübsche Dänen bzw. Däninnen an (siehe Bild unten).

Life is a beach – am Amager Strand,
dem Stadtstrand von Kopenhagen,
erreichbar per Metro M2
In kleinen süßen Souterrainläden super einkaufen – insbesondere Klamotten – kann man im bei Studenten beliebten Stadtteil Nørrebro in der Elmegade. Ich habe es ja eigentlich nicht so mit dem Shoppen, aber bei Foxy Lady habe ich einige meiner Lieblingsstücke erstanden. Tolles, sehr spezielles Design, weit weg von Massenware – und bezahlbar. Auch Cafés und nette Restaurants findet Ihr hier und am benachbarten Sankt Hans Torv (Torv heißt "Platz" auf dänisch). Wer unkompliziertes und nicht zu teures Nachtleben sucht, ist hier ebenfalls richtig.

Wenn es regnet oder Euch nach Ruhe ist, lege ich Euch die Glyptothek neben dem Tivoli mit ihren herrlichen Skulpturen ans Herz. Der verträumte Wintergarten mit seinem pergamentenen Licht und den ausgewachsenen Palmen entführt in eine andere Zeit. Bis vor einiger Zeit wurde das Café dort von Dänemarks Starkonditorin Mette Blomsterberg geführt, aber da meiner Erfahrung nach alle Dänen hervorragend backen können, könnt Ihr Euch bestimmt auch ihren Nachfolgern anvertrauen.

Das führt mich zum nächsten Punkt:

Cafés & Restaurants 

Bang & Jensen:
Spitzenfrühstück zum Ankreuzen
in gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre
Fürs Frühstück und Brunch gibt's nix Besseres als das Bang & Jensen (Istedgade 130 im dauerangesagten
Stadtteil Vesterbro) in einer früheren Apotheke. Gut zu wissen: Einmal bestellt, könnt Ihr Euch den (normalen und sehr guten Filter-)Kaffee immer wieder nachnehmen.

Eine Kollegin, die halb in Kopenhagen lebt und besonders im Food-Sektor aktiv ist, empfahl mir jüngst das Café Atelier September . Ich habe es noch nicht ausprobiert, bin mir aber sicher, dass es ganz wunderbar ist!

Nach dem Shopping in der Innenstadt ist es Zeit für Smushi, einen Mix aus dem echten dänischen Smørrebrød und Sushi. Diese Kreation könnt Ihr im schrillen Royal Café genießen.

Wenn Euch nach hervorragender und möglichst authentischer dänischer Küche und großen Portionen ist, macht Euch auf ins Restaurant Puk. Schmeckt köstlich, ist aber nix für Kalorienzähler!

Falls Ihr den Trubel des berühmten Vergnügungsparks Tivoli nicht scheut, könnt Ihr Euer Smørrebrød zum Bier auch an Biergartentischen mit karierten Tischtüchern im Grøften probieren. Das hat mit Gruft nix zu tun, sondern mit Graben: Das Restaurant liegt in einer Senke.

Ein sehr schön gelegenes Café-Restaurant ist das Oven Vanden – das "Über dem Wasser" – im hübschen Stadtteil Christianshavn (in der Nähe von Christiania)

Lecker und stilvoll speist man in der Atlas Bar, im Süden des Zentrums gelegen.

Noch ein Smørrebrød-Tipp ist das Restaurant Tivolihallen (in der Nähe des Tivoli, aber nicht darin). Probiert unbedingt eines der Hering-Gerichte (= sild) zum Lunch (das Mittagessen heißt auf dänisch frokost, nicht zu verwechseln mit dem schwedischen frukost, das ist nämlich das Frühstück).

Im Norden der Stadt, gegenüber vom Rigshospitalet, einem von Lars von Triers schaurigen Lieblingsschauplätzen,  findet Ihr ein romantisches, französisch angehauchtes Restaurant namens Blegdammens Stjerne.

Im Süden der Stadt auf der Insel Amager, auf der auch der Flughafen und der Strand liegen, gibt es ein sehr empfehlnswertes und kein bisschen touristisches Café: Ingolfs Kaffebar. Liegt versteckt, lohnt sich aber.


Bars & Nachtleben

Ohne jeden Zweifel die schickste und wahrscheinlich beste Cocktail-Bar in Kopenhagen ist die K-Bar von Cocktail-Star Kirsten Holm. Mitten in der Stadt malerisch an einem Kanal gelegen. Stars und Sternchen beginnen hier ihren Abend – macht Euch auf Schlangen vor dem Eingang gefasst!

Alternativer geht es in der Wohnzimmer-Atmosphäre der Jolene Bar im hippen Schlachterviertel, dem Kødbyen (wörtlich übersetzt: Fleischdorf), zu. Hier trinkt man Bier statt Cocktails! Im Kødbyen findet Ihr auch noch einige andere Restaurants, Bars und spannende Galerien. Schaut Euch einfach um.

Altmodisches Flair hat die winzige Bobi-Bar im Zentrum. Hier sieht man alten Herren beim Schach zu, trinkt Cognac und – raucht. Aufgrund einer bizarren Gesetzesnische ist das Qualmen erlaubt: Wenn das Loka eine gewisse Größe nicht überschreitet, darf man zum Glimmstängel greifen.


Mit etwas mehr Zeit: Ausflüge

Keine Panik – formschön ist
hier in Klampenborg alles
In Klampenborg (Zug Richtung Helsingør) findet Ihr direkt hinterm Strand die von Arne Jacobsen gestaltete Wohnanlage Bellavista mit dem Bellevue-Theater. Außerdem den ehemals königlichen Wald Dyrehaven mit Ponyreiten und Wildgehege. Mit dem Dyrebakken gibt es sogar einen kleinen Vergnügungspark. Ein perfektes Ausflugsziel für Familien!

Kopenhagen ist reich und designbewusst. Auf Flohmärkten in der Stadt und vor allem in den reichen Vorstädten könnt Ihr darum großartige Schnäppchen machen, sowohl was Interieur als auch was Mode angeht. Einer meiner Lieblingsmärkte findet sonntags in Vedbæk von 9 - 14 Uhr  am und im alten Bahnhof statt (Vedbæk Stationsvej 20 A, Valhalla)

Bleibt Ihr ein paar Tage länger, solltet Ihr in Erwägung ziehen, den Zug zum wunderbaren Louisiana-Museum für Moderne Kunst im Örtchen Humlebæk (Zug Richtung Helsingør) zu nehmen. Mein Lieblingsmuseum auf dieser Welt! Yves Klein, Giacometti, Miró, Hockney ... Nach dem Rundgang lasst Ihr Euch im himmlischen Park mit Panoramablick hinüber nach Schweden auf die Wiese sinken. Entspannender kann ein Museums-Besuch nicht sein.

Von Humlebæk ist es dann nur noch ein Katzensprung ins malerische Örtchen Helsingør mit dem "echten" Hamlet-Schloss Kronborg – und – tata – der Fähre nach Helsingborg, wo wir wohnen. Was man in den beiden Helsingorten so machen kann, dazu findet Ihr eine erste Übersicht hier.

Zurück nach Hause – nach der
Bahnfahrt von Kopenhagen
geht's auf die Fähre
von Helsingør nach Helsingborg
(dafür steht auch das HH)


Das war natürlich längst nicht alles, aber jetzt ist mir erst mal nach Kaffee & Kuchen und darum ist hier Schluss!