Freitag, 24. Februar 2017

SCHWEDENS BEITRAG ZUM KARNEVAL: LECKERE SEMLOR (REZEPT!)


Last night in Sweden:
Die Ausschweifungen
 des schwedischen Karnevals.
Unerhört (lecker)! 

In meiner alten Heimat geht die Karnevalssaison in die heiße Endphase, in Schweden bleibt man gewohnt cool. Nicht nur, wenn seltsame Trolle darüber orakeln, was hierzulande passiert oder eben nicht passiert ist oder sich eine Schneefront  breit macht, wenn es eigentlich schon leise nach Frühling roch. Mit Karneval hat man hier einfach nix am Hut. Oder sagen wir: fast nix. Die Ausschweifungen vor der Fastenzeit beschränken sich allerdings auf den Konsum eines ebenso reichhaltigen wie köstlichen Gebäcks, nämlich der semlor. Der eigentliche Semmeltag ist dabei der Fettisdag, der "fette Dienstag". Wo ich herkomme, heißt er Veilchendienstag – vermutlich, weil man sich da veilchenblau säuft oder im Suff veilchenblau haut oder auch beides. Sicher ist, es handelt sich um den Tag vor dem Aschermittwoch.

Heute habe ich auch wieder etwas Neues zum Thema semlor gelernt. Ursprünglich aß man in Schweden vor Beginn der Fastenzeit nur ein simples Hefeteilchen, das man in Milch tunkte, den hetvägg (eine Geschichte über die unerwartete Gefährlichkeit der Dinger lest ihr hier). Irgendwann wurde das zu langweilig und die Sahne- und Mandelfüllung wurde erdacht. Was ich bisher nicht wusste: Eines Tages kam dann jemand (vermutlich ein Konditor) auf die Idee, dass man die Dinger nicht nur am Fettistag, sondern jeden Dienstag zwischen jenem und Ostern essen könne. Fasten kann man ja an der anderen Tagen. Wenn man denn unbedingt will. Mittlerweile gibt's semlor zwischen Weihnachten und Ostern ungefähr überall. Gefastet wird dann eher vor dem Sommerurlaub.

J. und ich haben schon ein bisschen vorab experimentiert – unter anderem, damit ich rechtzeitig diesen Eintrag schreiben kann. Nachdem wir im vorigen Jahr in mühevoller Kleinarbeit relativ komplizierte, wenn auch zugegebenermaßen sehr schmackhafte, semlor hergestellt hatten, sollte es diesmal etwas Einfaches, aber trotzdem wirklich Leckeres sein. Darum fiel unsere Wahl auf ein Rezept des Hobbybäckers Martin Johansson, der mit seinem erfolgreichen Backblog Pain de Martin (Martins Brot) das Konzept "einfach, aber gut" verfolgt. Früher war ich bei uns fürs Backen zuständig (was mit der ein oder anderen Katastrophe einherging, wie zum Beispiel hier nachzulesen), nach der Geburt von M. hat J. das Backen übernommen. Eigentlich war das für "vorübergehend" gedacht, aber wir haben das bis heute mehr oder weniger beibehalten. Entweder backt J. oder wir zusammen. Auch das gar köstliche und – man staune! – gänzlich knetfreie Brot, das bei uns inzwischen auf den Tisch kommt, ist eine Erfindung von Martin und wird alle paar Tage von J. gebacken.

Kugelkunst.
Kann erst später weg.

Kurz: Unsere Erwartungen waren hoch – und wurden nicht enttäuscht! Die semlor waren nicht nur fluffig und hübsch, sondern einfach köstlich. Die Geheimnisse der Köstlichkeit sind der frisch gemörtelte Kardamom und die vor dem Zerkleinern in der Pfanne gerösteten Mandeln. Und tatsächlich wird auch hier so gut wie nicht geknetet – Kneterei scheint im Backbereich insgesamt enorm überbewertet zu sein.

Und hier ist das Rezept:

Teig für ca. 24 semlor:

25 g Frischhefe
250 g Milch
250 g Wasser
150 g Zucker
150 g Butter (kalt, wird in den Teig gehobelt)
5 g (1 Teelöffel) Salz
10 g (1 Esslöffel) ganzer Kardamom
850 g Weizenmehl (wir haben ganz normales genommen, entspricht der deutschen Type 405)
1 Ei
Puderzucker

1. Alle Zutaten – bis auf das Ei – mixen (kein Erwärmen nötig, aber wir haben die Hefe in die Milch gebröselt und gerührt, bis sie sich aufgelöst hat, auch wenn Martin das nicht explizit erwähnt), dabei dass Mehl nach und nach hinzufügen. Martin empfiehlt, von Hand mit 500 g Mehl und den restlichen Zutaten zu beginnen und später die restlichen 350 g hinzuzufügen.

2. Den Teig auf ein bemehltes Brett geben und zu einer Art Paket zusammenfalten. Es macht nichts, wenn der Teig jetzt noch nicht geschmeidig und toll aussieht, das ist völlig normal. Erst nach dem ersten Gehen wird er zu seiner Form finden. Den Teig mit Frischhaltefolie abdecken und zwei Stunden gehen lassen – alternativ kann man den Teig auch über Nacht in den Kühlschrank stellen.

3. Der Teig sollte nun ganz gut gegangen sein. Mit etwas Mehl bestreuen und mit der Hand zu einem ungefähren Viereck zusammenklopfen, von dem man gut Stücke von 60 g abschneiden kann (bitte nicht ausrollen!) Martin empfiehlt, das erste Teigstück zu wiegen, um eine Auffassung davon zu bekommen, wieviel 60 g sind – die runden Brötchen werden schnell zu groß (was jetzt auch nicht so wahnsinnig schlimm wäre, aber nun gut). Die Teigstücke zu kleinen Bällen rollen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Mit Frischhaltefolie abdecken und auf doppelte Größe gehen lassen. Dauert bei Zimmertemperatur etwa 2 Stunden. Eilige stellen das Backblech an einen warmen Ort.

4. Den Ofen rechtzeitig auf 225 Grad aufheizen.

Mit geübtem Pinselstrich 
5. Die Kugeln mit dem mit einer Messerspitze Salz verquirlten Ei bepinseln und auf der mittleren Schiene backen bis sie gut Farbe angenommen haben. Dauert ca. 10 - 15 Minuten.

6. Abkühlen lassen.

So in etwa sieht das
Backergebnis aus

Martin empfiehlt, nur für die Hälfte der Kugeln die typische Sahne- und Marzipanfüllung zu machen. Schließlich wird die Sahne am ehesten schlecht, wenn man nicht alles sofort auffuttert. Die noch ungefüllten Semmeln lassen sich aber auch prima einfrieren und schmecken wunderbar als süße Frühstücksbrötchen – einfach nur mit Butter oder auch mit Butter und Käse. Mmmmm!

Füllung für 12 semlor

Von 12 fertig gebackenen semlor schneidet man eine Kappe ab (etwa das obere Drittel) und gräbt mit den Fingern ein Loch in die untere Hälfte (ungefähr die Menge von anderthalb Esslöffeln pro Kugel). Den herausgebaggerten Teig in eine Schüssel bröseln.

Außerdem braucht Ihr noch:

1 dl (ca. 70 g) Süßmandeln
200 g Marzipanmasse (je hochwertiger, desto besser)
ca. 4 dl Schlagsahne 


1. Die Mandeln in einer Pfanne rösten bis sie etwas Farbe angenommen haben (wir haben eine gußeiserne Pfanne benutzt).

Mandeln, bereits leicht gebräunt


2. Dann die Mandeln hacken und unter die Marzipanmasse und die Teigbrösel mischen. Mit einem Schuss Sahne und etwas Wasser geschmeidig kneten. Diese Füllung kommt nun in die ausgehöhlten semlor. 

3. Die Sahne schlagen (ohne Zucker!)

4. Auf die untere Hälfte der semlor streichen oder – wenn es etwas schicker sein soll – mit einer Tülle spritzen (ein Gefrierbeutel, dessen Spitze abgeschnitten wurde, tut es auch).

5. Deckel aufsetzen.

6. Mit einem Teesieb Puderzucker aufstäuben.

Et voilà!




Ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Dies hier ist mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit der letzte Blog-Eintrag, den ich bei Blogger verfasst habe. Ich bin mit Hilfe des grandiosen Sascha von der grandiosen Agentur Poli dabei, Blog und Website zu Wordpress.org umzuziehen, um nicht länger in das enge Google-Blogger-Korsett gepresst zu werden. Das dauert allerdings ein bisschen länger als gedacht. Ich melde mich, sobald "es vollbracht ist". Seid gespannt!








Samstag, 14. Januar 2017

DAS INGA LINDSTRÖM-PHÄNOMEN: GEFÜHLTES SCHWEDEN IN ZAUBERHAFTER KULISSE

Lust auf ein wenig Mittsommer-Feeling
mitten im Winter? Kein Problem!
Einen Teil der vergangenen Wochen habe ich damit verbracht, eine Reportage über unsere Mittsommer-Reise 2016 zu schreiben. Plötzlich war ich, während draußen die Temperatur langsam unter Null sank, gedanklich wieder in einer idyllischen Sommerlandschaft. 


Heile Schwedenwelt als Anti-Depressivum

Falls Ihr gerade keine Mittsommerreportage auf dem Schreibtisch, aber
Das ist "Inga Lindström"
alias Autorin
Christiane Sadlo.
(Foto: Dirk Bartling,
© Christiane Sadlo)
Lust auf eine Prise Sommer-in-Schweden-Gefühl mitten im Winter habt, könnt Ihr am Sonntag, 15. Januar, um 20:15 Uhr das ZDF einschalten. Da läuft nämlich mit "Tanz mit mir" die nächste Folge aus der Inga Lindström-Reihe (Wiederholung: 12. Februar, 20:15 Uhr, in der ZDF-Mediathek wird der Film nach der Erstsendung abrufbar sein.) Für Fans sind 
die leicht verdaulichen Filmchen aus der Feder von Drehbuch-Autorin Christiane Sadlo Anti-Depressiva, weil hier zuverlässig ein Girl ihren Boy findet und es sich mit so einer Geschichte wunderbar dem tristen Alltag entfliehen lässt. Für andere sind dieselben Filme seichte Schmonzetten – in etwa aus denselben Gründen. 

Können bis zu zehn Prozent der deutschen Bevölkerung irren? 

Ich gebe zu, ich war immer eher skeptisch, habe dann aber doch meinen ersten Inga-Lindström-Film geschaut, als ich 2014 stillend ans Sofa gefesselt war. Erstens aus Neugier, was den Erfolg dieser Reihe ausmacht, die bis zu acht Millionen Menschen in Deutschland vor den Fernseher lockt. Zehn Prozent der Bevölkerung! Zweitens, weil ich mich in meiner Still-Umnebelung auf nichts Kompliziertes konzentrieren konnte. Und drittens, weil die Filme in der Mediathek ganztägig abrufbar waren. Für in Schweden lebende Menschen ohne TV-Gerät ist das ein Kriterium. Wie ich mein Lindström-Debüt damals fand? Kann ich nicht mehr genau sagen, ich war abgelenkt: Ich musste mich ständig fragen, wo zum Teufel auf der Insel Öland – dort sollte sich alles abspielen – gedreht worden war. Ich mag Öland nämlich sehr und hatte mich auf nette Bilder gefreut. Zwar habe ich in einigen Einstellungen die Stadt Borgholm erkannt, aber die Villa des Geschehens schien in lieblichen Schären zu liegen. Und Schären gibt es auf Öland nicht. Dennoch muss ich mich unterhalten gefühlt haben, denn ich schaute mir vom Stillsofa aus noch weitere Filme der Reihe an und gewöhnte mich langsam ans Lindström-Universum, in dem etwa Münchner Tatort-Kommissare in sörmländischen Schlössern zuhause sind und es Namen gibt, über die sich mein Schwede nur beömmeln kann: "Wie heißt der? Laxson?" 

Wie bubbel auf nüchternen Magen: die Welt gerät lustig ins Schwanken

Nach der Elternzeit war dann erst mal Schluss mit Inga. Bis jetzt. Ich durfte "Tanz mit mir" vorab schauen* und war – ein wenig wider Erwarten – auch ohne Stilldemenz gut unterhalten. Diesmal sind es sogar drei Damen auf einmal, die vor der Kulisse des sommerlichen Stockholm in die Arme ihrer jeweils großen Liebe sinken – sogar den Gegenspielern gönnt das Script Glück. Auch sonst wird alles, wirklich a-l-l-e-s, im Rekordtempo gut, ach was, bestens. Unwahrscheinlich? Schon. Andererseits: Wer braucht schon mehr Realismus, wenn die Welt ist, wie sie sich derzeit präsentiert? Auch diese Lindström-Geschichte fühlte sich ein bisschen an wie ein Glas etwas zu süßer bubbel – wie Schweden liebevoll alle Perlwein-Getränke nennen – auf nüchternen Magen: Die Welt gerät lustig ins Schwanken. Gut gefallen haben mir die sympathischen Schauspieler Sina-Valeska Jung (Eva), Teresa Harder (Meret), Mike Hoffmann (Alban), Katharina Stark (Lissi) und in Nebenrollen auch Max Florian Hoppe (Henner) und der kleine Jakob Leon Wimberger (Jonas). Die haben es geschafft, durch die manchmal doch etwas arg mit schicksalhaften Zufällen gespickte Geschichte rund um eine Tanzschule mit einem Augenzwinkern zu navigieren. 


Herz an Herz spielt bei "Inga Lindström"
immer die Hauptrolle.
Gefühltes Schweden statt zögerlicher Balz

Bei alldem ist das Schweden der "Inga Lindström" nämlich eher ein aus der Distanz Deutschlands gefühltes. Die Storys haben mit (den) Schweden oft nicht viel mehr zu tun, als dass die Protagonisten heißen wie Produkte aus dem Ikea-Katalog – oder irgendwie so ähnlich. Dabei bewohnen sie für Normalmenschen völlig unerschwingliche Immobilien, die in atemberaubender Schären-Kulisse oder – im Fall von "Tanz mit mir" – eben in Stockholm liegen. Das in Sachen "feste Beziehung" doch eher von beslutsångest (Schwedisch für "Angst vor Entscheidungen") geprägte Paarungsverhalten der echten Schweden findet dagegen keinen Niederschlag. Das würde nämlich jeden einzelnen Lindström-Film zu einem Streifen mit Überlänge machen. Warum, das kann man zum Beispiel hier oder hier und natürlich in Verliebt in Schweden nachlesen. Allerdings, einen Punkt gibt es 
So ticken Schweden:
Ein sehr empfehlenswertes Geschenk
für Neu-Schweden
doch, in dem Lindström relativ authentisch schwedisch ist: Die Protagonistinnen sind keine hilflosen Mäuschen, sondern Frauen mit eigenen Jobs, die sich auch ohne Beistand eines Y-Chromosom-Trägers aus ihrer Misere befreien könnten. Dass sie sich doch hier und da helfen lassen, hat eher romantische Gründe

Christiane Sadlo, die Frau hinter dem Pseudonym

Schon nach "meinem ersten Lindström" regte sich bei mir Neugier auf die Frau, der Storys mit garantiertem Happy End wie am Schnürchen aus den Hirnwindungen fließen. Als mir nun das Vorab-Guck-Angebot ins virtuelle Postfach flatterte, fragte ich gleich, ob dann auch ein Interview mit Christiane Sadlo möglich sei. Und tatsächlich, die knapp 63jährige Wahl-Berlinerin, die schon vor der Lindström-Reihe sehr erfolgreich Drehbücher für Serien wie "Lisa Falk" oder "Forsthaus Falkenau" geschrieben hat, hatte Zeit und Lust, mir meine Fragen zu beantworten. 

Verliebt in Schweden: Karl May hat den Großteil seiner Winnetou-Saga geschrieben, lange bevor er die USA bereist hat. Kurt Tucholsky hingegen hat zunächst Urlaub in der Nähe von Mariefred gemacht, bevor er "Schloss Gripsholm" schrieb. Wie ist das bei Ihnen?
Christiane Sadlos
erster "richtiger" Roman
(will sagen: kein Buch zum Film)
als "Inga Lindström"

Christiane Sadlo: Ich bin dann doch eher wie Tucholsky! Bevor ich anfing Drehbücher zu schreiben, die in Schweden spielen, bin ich einige Male dort gewesen. Schon beim ersten Mal hab ich mich in Schweden verliebt.

VIS: Wie kam es denn genau dazu, dass Sie als "Inga Lindström" anfingen, Drehbücher zu schreiben? 


CS: Irgendwann saß ich an einem idyllischen Seeufer. Sonnenuntergang wie im Film, Segelboote auf dem Wasser, Stille..., das war die Landschaft, in der meine zukünftigen Geschichten spielen sollten.

VIS:
Im Grunde könnten sich Ihre romantischen Geschichten aber auch in Rom, Paris oder Berlin abspielen ...

CS:
Wenn ich Storys für Berlin schreibe, sind sie anders getaktet, hektischer, schneller, ruppiger. Jede Stadt hat ihren eigenen Rhythmus, ihren eigenen Klang. Ich mag vor allem den Sommerklang von Schweden. Wundersam helle Tage. Weite Himmel. Inseln zu Tausenden ins Meer getupft. Einzigartig.

VIS: In "Tanz mit mir" finden die Hauptpersonen die große Liebe und alle Probleme lösen sich auf wundersame Weise. Sie bekommen vermutlich schon mal zu hören, so etwas sei ja ziemlich unrealistisch. Nun habe ich zufällig selbst eine eher unglaubliche Geschichte erlebt (wobei alles doch etwas komplizierter war als in der lindströmschen Welt) und sogar Hauptdarstellerin Sina-Valeska Jung hat ja offenbar eine eher ungewöhnliche Love-Story im Gepäck. Das führt mich zu der Frage: Legen Sie den Inga-Lindström-Storys zuweilen wahre Begebenheiten zugrunde?

CS:
Ich rede viel mit Menschen, höre ihnen zu, lese über sie. Manchmal ist eine Geschichte so oder ähnlich von einer Freundin erlebt worden, manchmal hab ich selbst so etwas erlebt, manchmal hat die Frau am Nachbartisch im Cafe ihrer Freundin davon erzählt... einen realen Bezug gibt es eigentlich immer.

VIS:
Überhaupt: Was inspiriert Sie?

CS: Das ist einfach: das Leben. In all seinen Farben.

VIS: Haben Sie eine "Botschaft"? Zum Beispiel, dass man das Leben nicht so ernst nehmen soll und alles besser durch die rosa Brille betrachtet?

CS: Botschaft würde ich das nicht nennen. Eher vielleicht Trost. Oder banal auch Ablenkung. Es sieht in unserer Welt grade nicht sehr schön aus. Da biete ich mit meinen Geschichten gerne ein paar kleine Fluchten. 90 Minuten der Traum von einer Welt, in der zwar auch nicht immer alles in Ordnung ist, in der es aber immer ein Happy End gibt.


VIS: Haben Sie ein Vorbild?
Der Strandvägen ist eine der teuersten
Adressen in Stockholm – unter seinen gestutzten
 Bäumen flanieren die Protagonisten aus "Tanz mit mir"
unermüdlich auf und ab.
(Foto: henryk_trygg/imagebank.sweden.se)

CS: Nein.

VIS: Reisen Sie auch schon einmal zu den Dreharbeiten in Schweden? 


CS: Ich bin schon hin und wieder bei Dreharbeiten. Aber das sind 
immer immer sehr kurze Besuche. Schließlich wird beim Dreh konzentriert gearbeitet. Als Autorin, die mit Abgabe des Drehbuchs ihre Arbeit getan hat, ist man da einfach fehl am Platz. 

VIS: Wo in Schweden ist es am schönsten? 

CS: Ich bin verliebt in Stockholm. Für mich eine der schönsten Städte, die ich kenne. Und geradezu magisch ist der Schärengarten. Perfekte Harmonie von Licht, Wasser, Inseln. Mein schönstes Erlebnis war die Einfahrt mit der Fähre von Helsinki bei Sonnenaufgang in den Schärengarten. Märchenhaft.

VIS: Was gefällt Ihnen am besten an Schweden?

CS:
Wie gesagt, ich bin ein Stockholm-Fan. Aber auch die Westküste mit ihrer raueren Natur mag ich sehr gerne. Die roten Holzhäuser, der Götakanal, die tausenden Seen... Eigentlich kann ich gar nicht aufhören zu schwärmen.

VIS: Und an den Schweden?

CS: Weltoffene, sehr freundliche Menschen, die mir immer sehr interessiert begegnen.

VIS:
Wie kommen Sie auf die Namen Ihrer Figuren? Ich habe da so eine Vision: Sie haben eine große Skandinavien-Karte an der Wand und tippen mit geschlossenen Augen auf einige Orte und würzen dann mit Namen aus schwedischem Showbiz und Sport nach ... In "Tanz mit mir" heißen jedenfalls zwei der Protagonisten Narvik, wie die Stadt in Norwegen, eine heißt Boda, wie ein Ort in der Nähe von Gävle in Schweden. Es gibt Edbergs (wie Tennisspieler Stefan) und Stenmarks (wie Ski-Legende Ingemar). Ein Protagonist heißt Alban, ein Name, der in Schweden extrem ungewöhnlich ist – es sei denn man ist Dr. Alban ... 


CS: Erstens ist das Telefonbuch von Stockholm eine große Hilfe. Und natürlich hängt auch die Schwedenkarte hinter meinem Schreibtisch und dient der Inspiration. Hin und wieder nehme auch einfach Namen von Leuten, die ich toll finde oder auch von welchen, die ich nicht leiden kann, für den Antagonisten...


VIS: Apropos, wie sind Sie auf das Pseudonym "Inga Lindström" gekommen?

CS: Lindström klingt auch für deutsche Ohren nicht fremd. Und Inga, das ist die kleine Dunkelhaarige aus den Bullerbü-Filmen, die mochte ich als Kind besonders gern.**


Auch dieses hübsche Rondell am Wasser
im Stockholmer Stadtteil Hammerby durfte mitspielen.
(Foto: ola_ericsoon/imagebank.sweden.se)
VIS: Wie reagiert das Publikum auf Ihre Geschichten?

CS: Ich habe ein hauptsächlich weibliches Publikum. Die Frauen sagen mir oft, dass sie sich regelrecht auf den Sonntagabend mit Inga freuen. Da könne man sich, bevor der Alltag einen am Montag wieder in Beschlag nimmt, noch einmal ganz relaxt wegträumen...

VIS: Bekommen Sie auch Feedback aus Schweden? 

CS: Manche meiner schwedischen Freunde rufen mich nach einem Film lachend an und sagen mir, ich hätte hoffentlich nicht vergessen, dass nicht alle Schweden ein Haus auf den Schären besitze. Aber ich bekomme auch Mails, in denen ich beglückwünscht werde zu meinen Storys. Und der Fremdenverkehrsverband ist regelrecht dankbar über meine kostenlose PR-Arbeit.

VIS: Frau Sadlo, ich bedanke mich für das Interview.


Wenn Ihr nun neugierig geworden seid, dann schaut Euch doch einfach "Tanz mit mir" an – und lasst mich gerne hier in den Kommentaren wissen, wie Euer Eindruck war.  Bin gespannt, was Ihr sagt!

*Kleine Zusatz-Info für die ewigen Meckerfritzen: Nein, ich bekomme für dieses Posting nix vom ZDF oder sonst irgendwem – abgesehen von der Möglichkeit, den Film vor dem eigentlichen Sendetermin sehen zu dürfen. Ansonsten hätte ich den Post als "sponsored" gekennzeichnet. Was er aber in diesem Fall nicht ist. Wie gesagt.

** Und noch eine für die passionierten Besserwisser (ein Wort, das es übrigens genau so auch im Schwedischen gibt, nur klein geschrieben) unter Euch: Im schwedischen Original von Astrid Lindgren heißt das Mädchen Anna. Klein geschrieben bedeutet "inga" übrigens "keine". "Inga problem" bedeutet zum Beispiel – wörtlich übersetzt – "Keine Probleme" im Sinne von "Macht nix" oder eben "Kein Problem".

Mittwoch, 11. Januar 2017

WER IST EIGENTLICH DIESER KNUT – UND WAS HAT DER SCHUFT MIT DEM WEIHNACHTSBAUM GEMACHT?

Unsere Weihnachtskarte 2016 –
selbst gestaltet von der ganzen Familie.
Praktischerweise passt das Motiv
auch zu "Knut" 2017.
Statt rein kommt der Baum eben raus.
Am 13. Januar – dieses Jahr übrigens ein Freitag – ist der tjugondag jul, also der 20. Tag nach Heiligabend, dank der Werbespots eines schwedischen Möbelhauses in Deutschland kurz und bündig bekannt als "Knut" – kurz für tjugondag Knut (zur Herkunft dieser alternativen Bezeichnung komme ich gleich). Jedenfalls pfeffern, glaubt man dem Möbelhaus, an diesem Tag alle Schweden ihren Weihnachtsbaum durchs Fenster auf die Straße. "Knut" ist nämlich offiziell der letzte Tag der Weihnachtszeit, die damit in Schweden eine satte Woche länger dauert als an anderen Orten, wo mit dem Dreikönigs-Tag bereits Schluss mit lustig ist. Dafür übernimmt dann ja meist der Karneval, der in Schweden bekanntlich eine eher untergeordnete Rolle spielt. 

Zwei Männer in der Prinzenrolle sind einer zuviel 

Der Baum im Raum
Wer ist denn nun dieser komische Knut? Oder besser gesagt: Wer war es? Am 7. Januar 1134 wurde der dänische Prinz Knut Lavard von seinem Vetter Magnus im dänischen Ringsted um die Ecke gebracht. Magnus schlug einen Tag nach dem Ende des obligatorischen Weihnachtsfriedens zu – auch Morden geht nicht immer, Ordnung muss sein. Magnus war der Sohn des damaligen Königs Nils. Eigentlich war aber Cousin Knut der rechtmäßige Thronfolger, weil Onkel Nils nach Knuts Vaters Tod übernommen hatte, als Knut noch klein zum Regieren war. Kurz: Knut war Magnus ein Dorn im Auge. Knut wurde nun also nicht König (Magnus übrigens auch nicht, die Karmakeule schlug ein knappes halbes Jahr später zu – tja!), aber immerhin später heilig gesprochen. Sein Todestag wurde sein Namenstag – in Dänemark ist er das immer noch. In Schweden allerdings schob man "Knut" Anfang des 18. Jahrhunderts auf den 13. Januar.

Alles muss raus: Julgransplundring mit Ringelpiez und Trällerei
Unsere Krippe erfuhr im Laufe
der Weihnachtszeit leichte personelle
Veränderungen: ein vierter König
tauchte auf und brachte Fischbrötchen mit

Knut hat also mit dem Bäume-Rauswerfen in etwa genauso viel oder wenig zu tun wie Orangenhaut mit einer Orange. Nun ist der gemeine Schwede natürlich viel zu gut erzogen, um einfach seinen Baum auf die Straße zu schmeißen. Der Rieselpin wird selbstverständlich als Gartenabfall entsorgt. Richtig ist nämlich, dass die meisten Schweden am 13. den Christbaumschmuck und die Krippe einpacken. In manchen Familien hängen statt Kugeln Süßigkeiten und kleine Geschenke am Baum – das lädt dann zur traditionellen julgransplundring, der Weihnachtsbaumplünderei, ein, bei der die Kinder den Baum stürmen und die Geschenke an sich bringen.

Kommt nächstes Jahr der Zombie-Baum?

Zuvor wird allerdings um den Baum herumgetanzt (Schweden tanzen allgemein gern um irgendwas herum) und gesungen (und singen tun sie auch gern):

”Nu är glada julen slut, slut, slut
julegranen kastas ut, ut, ut
men till nästa år igen
kommer han, vår gamle vän
för det har han lovat. 

Übersetzt bedeutet das sinngemäß (ich habe die wortwörtliche Übersetzung zugunsten von Grammatik und Reim verlassen):

"Nun ist das frohe Weihnachtsfest aus, aus, aus
und der Weihnachtsbaum kommt raus, raus, raus
aber bis zum nächsten Jahr 
ist der alte Freund wieder da,
denn das hat er versprochen."

Wie so eine zunächst all ihrer Kleider beraubte und dann lieblos hinausgeworfene rieselnde Tanne es nun schaffen will, beim nächsten Weihnachtsfest wieder am Start zu sein – außer vielleicht als Zombie – ist das Geheimnis des Reimerfinders. 

Liebe Grüne-Daumen-Träger: Sachdienliche Hinweise erwünscht!

Unser Baum könnte theoretisch noch viele Weihnachtssaisons mitmachen: Ich bin nämlich Hippie und Baumumarmerin im Herzen und ertrage nicht den Tod eines hoffnungsvollen Bäumchens, schon gar nicht zu schnöden Dekozwecken. Darum haben wir eine im Topf gewachsene Bio-Nordmanntanne mit Wurzeln erstanden. Um sie nach Weihnachten in den Garten von J.s Vater zu pflanzen. Ob das allerdings an "Knut" passieren wird, ist fraglich. Denn: Kann man so einen Baum mitten im Winter rauspflanzen? Weiß das jemand? Für Tipps bin ich dankbar! Auch was die restlichen Festivitäten betrifft, gibt es Schwierigkeiten: Unser Baum steht zum Beispiel aus Platzgründen drumherumtanzunfreundlich in der Zimmerecke. Aber vor allen Dingen bin ich erst vor ein paar Tagen auf die gut 100 Jahre alte Plünderungstradition aufmerksam geworden – darum hängt – pssst! – dieses Jahr, an unserem allersten richtigen Baum, auch noch nix Süßes. Aber nächstes Jahr an Weihnachten wissen wir Bescheid ...

Mittwoch, 28. Dezember 2016

NEUES VON DER MAUS AUS MALMÖ: INTERVIEW MIT "ANONYMOUSE"

"Anonymouse" plaudert bei uns aus dem
Nähkästchen. (Foto: Emil Björklund)
Ich hoffe, Ihr habt alle ein schönes und friedliches Weihnachtsfest im Kreise Eurer Lieben feiern können. Am 24. Dezember hat unsere Glücksfee M. aus allen Einsendern unserer Advents-Buchverlosung die Gewinner gezogen. Die Glücklichen, die jeweils einen auf der Insel Marstrand spielenden Krimi der Schriftstellerin Ann Rosman gewonnen haben, sind die "Verliebt in Schweden"-Leser und -Leserinnen Rolf Wanka, Annemarie Kloss und Tine Hill. Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank fürs Mitmachen, die Bücher sind bereits zu Euch unterwegs!

Der Dezember bescherte aber nicht nur den genannten dreien eine Überraschung, sondern auch den Malmöer Passanten. Anfang Dezember machte eine Nachricht die Runde, die ausnahmsweise mal einfach nur schön war: In Malmö hatten ein mausekleines Restaurant und ein ebenso winziger Delikatessen-Laden eröffnet (wir berichteten). Das neue Angebot für Nager wurde von selbigen angenommen, wie ein Leser der größten Zeitung in Südschweden, der Sydsvenskan, beobachtete und im Film festhielt. Ich hatte Euch versprochen, an der Story dranzubleiben – und habe einige Fragen an "Anonymouse" geschickt, die mir freundlicherweise inzwischen von der Sprecherin (oder dem Sprecher?) der Künstler beantwortet wurden, der/die unter dem Pseudonym "Pärlan Mousekewitz" operiert(intervjun finns också på svenska). 



Verliebt In Schweden: Wollt/könnt Ihr/Du enthüllen, wer sich hinter "Anonymouse" verbirgt oder zieht Ihr/ziehst Du es vor, auch in Zukunft anonym(ouse) zu bleiben?

Pärlan Mousekewitz: Unser Werk ist die Hauptsache, wir möchten nicht im Fokus der Aufmerksamkeit stehen. Außerdem mögen wir den Namen "Anonymouse" – enthüllten wir, wer wir sind, müssten wir diesen Namen aufgeben und das wäre doch blöd. :)


Verliebt In Schweden: Vill ni avslöja vilka ni är, eller föredrar ni att vara anonymouse i framtiden också?

Pärlan Mousekewitz: Det är verket i sig som är det roliga och vi vill inte lägga något fokus på oss själva alls. Och dessutom gillar vi namnet Anonymouse och om vi berättade vilka vi var så skulle vi ju behöva byta namn, och det känns trist! :) 




VIS: Hat Euch Feinschmecker Remy aus "Rattatouille" inspiriert – oder ist es möglicherweise er, der hinter allem steckt?

PM: Aber ja, Remy, Bernard und Bianca, Chip und Chap, Basil, der große Mausdetektiv, Fern Gully, Nils Karlsson-Däumling, Fievel ... Alle Filme, in denen Tiere in einer Parallelwelt zu unserer leben und ihr Dasein auf alles gründen, was wir fallen lassen, haben uns beeinflusst.

VIS: Blev ni inspirerade av finsmakere Remy i "Rattatouille" (eller är det möjligen han som ligger bakom allt)?


PM: Jadå, Remy, Bernard och Bianca, Räddningspatrullen, Mästerdetektiven Basil Mus, Fern Gully, Nils Karlsson Pyssling, Fievel, alla filmer där små djur lever i en parallellvärld till våran och tar tillvara på det vi själva tappar har influerat oss. 




VIS: Der Laden und das Restaurant sind wunderschön und schon für sich ganz wunderbar – aber gibt es darüber hinaus noch einen Gedanken hinter der Aktion – mal abgesehen davon, dass es Spaß macht und schön aussieht?


PM: Nein. Es ging uns ums Bauen selbst. Das war das Spaßige daran und wir sind ziemlich glücklich über die Resonanz, die unsere Aktion ausgelöst hat. Die Reaktion war überwältigend positiv, eben gerade weil wir keine "Botschaft" haben, mal abgesehen von der, ein kleines Abenteuer verschenken zu wollen.


VIS: Butiken och restaurangen är fantastiskt fina och i sig helt underbara – men finns det någon tanke bakom aktionen utöver att det är kult, fint och vackert?

PM: Nej. Den var byggandet i sig som var det roliga och vi är väldigt glada över responsen vi fått som vara överväldigande positiv i just bristen av "meddelande" annat än att ge bort ett litet äventyr! 


VIS: Wie seid Ihr überhaupt auf die Idee gekommen, ein so "mausiges" kleines Geschäft und Restaurant zu bauen? 


PM: Wir arbeiten gern mit unseren Händen und es würde uns selbst ziemlich froh machen, wenn wir irgendwo unverhofft auf so einen Mäuse-Kiez träfen. Also haben wir angefangen an etwa einem Dutzend verschiedener Milieus zu feilen, auf deren Bau wir Lust hatten – nicht nur Restaurants und Geschäfte. 




VIS: Hur kom ni över huvud taget på idén att bygga en så här musig liten butik och restaurang?

PM: Vi gillar att arbeta med händerna och så kom vi då på att vi själva hade blivit väldigt glada om vi sprungit på en sån här miljö någonstans oväntat, så då började vi fila på ett dussintal olika miljöer som vi skulle tycka vore väldigt roligt att göra, inte bara restauranger eller butiker; men det där blev av någon anledning den första. 


VIS: Mögt Ihr ein bisschen etwas zu Eurem Hintergrund erzählen? Seid Ihr Künstler?

PM: Nein, das möchten wir nicht.

VIS: Har ni lust att berätta lite om er bakgrund? Är ni konstnärer?


PM: Nej, det har vi inte lust med :) 


VIS: Habt Ihr schon mal etwas Vergleichbares zuvor gemacht?

PM: Nein, das haben wir nicht.

VIS: Har ni gjort något liknande förut?


PM: Nej det har vi inte. 


VIS: Wie lange hat es gedauert, das alles zu bauen? Was habt Ihr für Material verwendet?

PM: Wir haben langsam im März angefangen und dann phasenweise daran gearbeitet. Dabei haben wir alle möglichen Materialien verwendet, etwa Lichterketten, Lampenschirme, Bilderglas, Knöpfe, Kronkorken, Streichholzschachteln, Eisstiele, Bodenbretter und vieles mehr.

VIS: Hur lång tid har det tagit att bygga allt? Vad för material har ni använt? 


PM: Vi började så smått med den i mars och har sen jobbat periodvis med den, det är alla möjliga material involverade men bland annat har vi använt oss av ljusslingor, lampskärm, tavelglas, knappar, kapsyler, tändsticksaskar, glasspinnar, golvplankor och mycket annat! 




VIS: Werdet Ihr Euch bei Euren weiteren Projekten "nur" auf Malmö konzentrieren?

PM: Wir können so viel verraten, dass wir zahlreiche – mehr oder weniger seriöse – Anfragen aus ganz Europa bekommen haben, woanders auch etwas zu bauen, aber wir möchten uns erst einmal auf Malmö konzentrieren. Das hat damit zu tun, dass wir in Malmö leben und wir unsere Bauten für bestimmte Orte konstruieren – darum müssen wir uns dort zunächst eine Weile aufhalten.

VIS: Kommer ni att fokusera "bara" på Malmö eller kanske någon annanstans också med era kommande projekt?


PM: Vi kan säga så mycket som att vi fått flertalet, mer eller mindre, seriösa förfrågningar om att bygga saker runt om i europa, vi väljer att fokusera på malmö just nu, lite därför att vi är baserade i malmö och eftersom vi bygger miljöerna för specifika platser så måste vi vara på den platsen ett tag först.


VIS: Wann habt Ihr offiziell geöffnet? Und habt Ihr vor Ort die Reaktionen der Passanten beobachtet, wenn sie Geschäft und Restaurant entdeckten?

PM: Wir haben am 7. Dezember eröffnet, doch wir waren nicht vor Ort, sondern sind kurz darauf ins Ausland gereist. Wir waren also nicht in Schweden, als alles "explodierte". Es gab aber eine ziemliche Aufregung, die Neuigkeit verbreitete sich rasend schnell und es wurde viel gebloggt und geschrieben. 

VIS: När öppnade ni? Och har ni observerat hur folk reagerade, när de fick syn på butiken och restaurangen? 


PM: Vi öppnade den 7e December och vi var inte på plats efteråt utan åkte ganska omgående utomlands så vi var inte i sverige när "det exploderade", men det blev ett rejält ståhej och det bloggades och skrevs och spreds i en rasande fart. 


VIS: Wie waren die Reaktionen in Schweden?

PM: Bis jetzt waren die Reaktionen überwältigend. Wir haben aufgehört zu zählen, wer alles über uns geschrieben hat, aber es waren in jedem Fall die Sydsvenskan dabei, Kvällsposten/Expressen, Aftonbladet, Svenska Dagbladet und Dagens Nyheter. Außerdem wurde im Fernsehen bei SVT und TV4 über unsere Aktion berichtet.

VIS: Hur var reaktionerna i Sverige? 

PM: Än så länge har det varit överväldigande, vi har tappat räkningen på exakt vilka som skrivit om det men iallafall Sydsvenskan, Kvällsposten/Expressen, Aftonbladet, Svenska Dagbladet och DN och det har varit inslag om det i både SVT och TV4. 


VIS: Gab es internationale Reaktionen?

PM: Absolut. Wir haben Artikel aus der ganzen Welt gesehen, von Australien bis Nigeria und Kolumbien, in Medien wie der BBC, der Huffington Post, dem Spiegel oder Time Magazine. Und wir wurden in der Late Late Show mit James Corden erwähnt. 

VIS: Finns det internationella reaktioner?


PM: Absolut, vi har sett artiklar från hela världen, från Australien till Nigeria och ända bort till Colombia, och i medier som BBC, Huffington Post, der Spiegel och TIME. Och nu senast nämndes vi på The Late Late Show With James Corden.


VIS: Und zum Schluss möchte ich um eine Information bitten, die sicher alle Nager unter meinen Lesern interessiert: Wie viel kostet ein Neujahrsmenü im "Topolino"? Und worum handelt es sich? Kann man einen Tisch reservieren?

PM: Die Mäuse haben ja nicht ganz die gleiche Währung wie wir und wir haben ein Bezahlsystem – aber mehr als das können wir nicht verraten?

VIS: Och till slut vill jag be om information, som säkert intresserar alla gnagare bland mina bloggläsare: Hur mycket kostar en nyårsmeny på Topolino? Och vad är det? Kan man reservera bord?


PM: Mössen har ju inte riktigt samma valuta som oss, och vi har verkligen ett system för vad de betalar med, men mer än så kan vi inte avslöja! 


Sonntag, 11. Dezember 2016

MARSTRAND, DER PIRATENSCHATZ AN SCHWEDENS WESTKÜSTE – UND EIN JUWEL FÜR KRIMI-FANS (BÜCHER ZU GEWINNEN!)

Das Christkind backt pepparkakor: Die Insel Marstrand im Schnee.
Nichts deutet darauf hin, dass das Kopfsteinpflaster der verträumten
 Gässchen einst das heißeste Pflaster Schwedens war.
(Foto: Jonas Ingman, © Turistrådet Västsverige)

Es ist nun schon eine Weile her, dass J., M. und ich auf der Insel Marstrand den Zauber der
westschwedischen Schären in klirrender Kälte erleben konnten. Damals war ich unterwegs für eine Reportage. Nun ist es wieder Winter und höchste Zeit, Euch endlich von diesem tollen Ausflug zu erzählen. Und nicht nur das: Ich habe Euch, liebe Leser, von der Reise zum ehemaligen Piratennest Marstrand etwas mitgebracht, was ich seitdem wie, nun ja, einen Piratenschatz gehütet habe. Und diesen Schatz will ich Euch nicht weiter vorenthalten. Ihr bekommt also von mir heute also einen winterlichen Reise-Geheimtipp und außerdem könnt Ihr gleich mehrere Krimi-Leckerbissen gewinnen – denn bald ist ja Weihnachten! Doch der Reihe nach. 

Wo Kriminalinspektorin und Krimiautorin das Segelboot nehmen

Heute, Kinder, wi-hird's wa-has geben ...
Wa-has da-has sein wird?
Das Bild gibt einen kleinen Tipp...


Marstrand liegt gut 30 Kilometer Luftlinie nordwestlich von Göteborg, mit dem Auto sind es bis zum Fähranleger auf der Insel Koö – der "Kuhinsel" – 45 Kilometer. Dort muss man sein Auto stehen lassen, wenn man nach Marstrand übersetzen möchte. Im Sommer gilt Marstrand als Seglerparadies. Doch bei unserem Besuch war von Segelbooten keine Spur. Es pflügte nur ein von kreischenden Möwen verfolgter Fischtrawler durch die Wellen. Ein Inselchen mit Leuchtturm war im Dunst zwischen uns und dem Horizont zu sehen. „Das ist Hamneskär mit dem Pater Noster“, erläuterte uns niemand geringere als Ann Rosman. Ann ist Krimiautorin, passionierte Seglerin und sie liebt Ihre Wahlheimat Marstrand von ganzem Herzen. Früher hat Ann mal als IT-Fachfrau für eine Firma gearbeitet, die den Auftrag hatte, jenen von Nahem knallroten Leuchtturm, zu renovieren. Das hatte Folgen: Anns erster Roman heißt Die Tochter des Leuchtturmmeisters. Das Buch begeisterte nicht nur mich, sondern war so ein Erfolg, dass Ann ihren Job an den Nagel hängen konnte. Inzwischen schreibt sie einen Krimi im Jahr. Heldin ihrer Krimis ist die Göteborger Inspektorin Karin Adler, die nach der Trennung von ihrem Freund auf ihrem Segelboot wohnt, ihr Abendessen gern selber fischt und am liebsten auf Marstrand ermittelt. Es ist nicht schwer zu erraten, dass in der Figur mehr als nur ein bisschen von Ann steckt, die uns in Segeljacke und Gummistiefeln begrüßt.

Eine Festung macht Karriere: vom Knast zum Kulturzentrum

Unseren Marstrand-Krimi gib uns heute:
Das Inselchen Hamneskär mit dem Leuchtturm
Pater Noster. Ann Rosman
 inspirierte das einsame 
Eiland zu ihrem Debütkrimi
(Foto: Jonas Ingman)
Im Zentrum Marstrands liegt die Festung Carlsten, das Wahrzeichen der Insel. Einst war das alte Gemäuer ein berüchtigtes und sagenumwobenes Gefängnis, heute wird hier keiner mehr gefangen gehalten. Stattdessen kann man hier historischen Dinners beiwohnen, Konzerten lauschen oder bei Rollenspiel-Events mitmachen – im Sommer. Im Winter taugt Carlsten vor allem als Fixpunkt, wenn man ohne die Gefahr, sich zu verirren um das nicht mal einen Quadratkilometer „große“ Eiland herum wandern will. Weit unten führen Leitern von den rauen Klippen in die tosende Gischt: Badestellen. Tatsächlich konnten wir auch jetzt Zeugen werden, wie ein "Verrückter" seine Hüllen abwarf und mal eben untertauchte. Vielen Schweden geht nichts über ihren dopp, ihr tägliches Bad in freier Natur. Wie Leser dieses Blogs wissen, "doppen" wir (J. und S., heißt das – M. ist noch nicht so überzeugt) ja auch gerne – im Sommer. Bei winterlichen Temperaturen höchstens nach einem erhitzenden Saunabad (Verliebt in Schweden-Leser werden sich erinnern).

Ein Park für Trolle und Elfen 

Untergetaucht: Früher kletterten hier oft Piraten
 über die Felsen,
heute nur noch Dopp-Bekloppte
ins Wasser
(Foto: Jonas Ingman)
Schließlich bogen wir ab ins Inselinnere und wanderten durch den St. Eriks-Park, ein verwunschenes
Fleckchen Erde, windgeschützt von hohen Felsen. Der Park sieht mit moosbewachsenen Steinen, moorigen Senken und alten Bäumen wenig nach Grünanlage, dafür sehr nach Elfen- und Trollwohnsitz aus. Von hier aus führt auch eine versteckte Steintreppe hinauf zur St. Eriks-Höhle, wobei die eine Höhle eigentlich zwei sind, die direkt nebeneinander liegen. Hier haben sich Marstrands Bewohner unter dänisch-norwegischer Belagerung Anfang des 18. Jahrhunderts versteckt gehalten. Das war allerdings nicht die erste Nutzung. "Hier hat man auch schon Werkzeuge aus der Steinzeit gefunden“, erfuhren wir von Ann.

Abba und des Königs Badewässerchen

Zurück im Örtchen zeigte Ann uns das weiß-grüne Gesellschaftshaus direkt am Meer, in dem sich einst die feinen Leute trafen und später Abba Teile des Videos zu „The Winner Takes It All“ drehten. Im Varmbadhus nebenan, heute ein Hostel namens Båtellet mit Spa, ließ sich König Oscar II. vor gut 120 Jahren gerne betüddeln. Hinterher badeten Groupies im royalen Badewasser, natürlich gegen Bares. Auch der Friseur machte gern eine Extrakrone mit den Locken des Königs. Ich persönlich bin ja nicht so für recyceltes Badewasser und auf königliche Haare kann ich auch wunderbar verzichten. Lieber hätte ich schon eines der pastellfarbenen Holzhäuser Marstrands, die gerade mit ein bisschen Schneeresten obendrauf aussahen wie leckere Petit Fours mit Zuckerguss, ergänzt von der braunen Festung als krönendes Stück kladdkaka – schwedische Schokotorte – obenauf (ich erwähnte wohl schon mal, dass ich Konditorentochter bin ...) Während es hier im Sommer hier vor meist gut betuchten Gästen wimmelt, waren die Gassen zu Füßen der Festung nun leer – abgesehen von uns und einer Katze, die übers Kopfsteinpflaster streunte. Viele der Domizile auf Marstrand sind nur im Sommer bewohnt. Das macht es im Winter aber noch mal so idyllisch.

Wo die Kriminellen Schwedens auf legale Piraten trafen 

Als wir später in der Veranda des Hotels und Restaurants Villa Maritime am Hafen bei prasselndem Kaminfeuer saßen und auf das Tagesgericht warteten (Fisch, klar), schien allerdings plötzlich ganz Marstrand auf den Beinen zu sein. Ann kam aus dem Begrüßen gar nicht mehr heraus. Als Ann endlich fertig war mit dem Umarmen ihrer Freunde und Bekannten, sagte ich: „Eigentlich ist die Insel ja viel zu idyllisch für so viel Mord und Totschlag.“ Die Antwort war ein breites Grinsen. „Lass dich nicht täuschen! Marstrand hat eine kriminelle Tradition. Als die Insel Ende des 18. Jahrhunderts Freihafen war, siedelten sich hier Kriminelle aus ganz Schweden an – Verbrechen, die nicht mit Mord und Ehre zu tun hatten, wurden hier nämlich nicht verfolgt.“ Dann erzählte sie noch, dass auch Piraten auf Marstrand zuhause waren: Bestimmte Einwohner bekamen vom König einen kaparbrev - die Lizenz zum Entern von Handelsschiffen. Offiziell durften nur Schiffe überfallen werden, mit denen Schweden sich im Kriegszustand befand. Davon, was inoffiziell vermutlich auch geschah, kann man bei der Lektüre von Anns zweitem Krimi, "Die Wächter von Marstrand", eine Vorstellung bekommen. Dann beugte Ann sich verschwörerisch vor und flüsterte mir zu, was sie nach Fertigstellung dieses Buches erfahren hatte. Sie, die Zugezogene, ist im Grunde eine echte Piratenbraut, denn sie ist mit dem letzten Piraten Marstrands verwandt. Daniel Jacobsson, der „Riese der Westküste“, gestorben 1854, mit 78 Jahren. Genau über den hatte sie geschrieben. Vorsehung?


Fünf Minuten Fährüberfahrt in eine andere Welt



Marstrand von der "Kuhinsel" – Koö – aus gesehen.
Hinten im Bild: die Festung Carlsten.
Hier vorn am Steg legt Kriminalinspektorin
 Karin Adler während ihrer Ermittlungen gerne an.
(Foto: Jonas Ingman)
Auf dem Hinweg waren wir mit der Fähre von Koö gekommen – die Überfahrt dauert fünf Minuten – zurück nahm uns Fischer Matias Sörvik mit dem Boot mit. Matias ist Fischer. Er schwärmte, die Hummer vor Marstrand seien die besten der Küste. Die, die er fängt, schaffen es allerdings nie bis ans Festland, sondern werden direkt auf der Insel verspeist. Übrigens kann man mit Matias auch zum Hummerfang oder Seehunde gucken rausfahren – Interessenten melden sich bei Matias per SMS unter der Nummer 0046-707323877 – er spricht Englisch. (Wer des Schwedischen mächtig ist, findet auf seiner Website noch mehr Infos zum Angebot.) Von Matias' Boot aus warfen wir einen letzten Blick auf die schönen alten Häuser. Da haben wohl schon die Piraten ihren Hummer gegessen. Und während wir über den schmalen Sund brausten, schaute ich hinüber nach Klöverö, der „Kleeinsel“, wo Daniel Jacobsson seine Basis hatte ...

Zu gewinnen: Drei Karin-Adler-Krimis von Ann Rosman

Ann Rosman am Ort ihres
Herzens.
(Foto: Jonas Ingman)
Wenn Ihr mehr über den echten Piraten und die spannende Geschichte Marstrands wissen möchtet, die Ann Rosman in fesselnde Romane um Kriminalinspektorin Karin Adler verpackt hat, ist heute Eure Chance! Wir verlosen ein von Ann Rosman signiertes Exemplar von "Die Wächter von Marstrand", inklusive eines maritimen Lesezeichens mit von Ann persönlich geknüpftem Seemannsknoten. Außerdem kann eine Glückliche oder ein Glücklicher bald den Krimi "Die Gefangene von Göteborg" ihr/sein eigen nennen, einen Roman, in dem Ann Rosman die wahre Geschichte der Anfang des 19. Jahrhunderts unschuldig zur Haft auf Carlsten verurteilten Metta Fock meisterlich mit einem fiktiven Kriminalfall der Gegenwart verwebt. Auch dieses Buch ist von Ann Rosman signiert und mit Seemannsknoten-Lesezeichen versehen. Und weil bald Weihnachten ist, legt Anns deutscher Verlag, der Aufbau-Verlag, noch ein Exemplar ihres zuletzt auf Deutsch erschienenen Marstrand-Krimis "Das Totenhaus" obendrauf.
Damit Ihr in den Lostopf wandert, müsst Ihr mir nur eine Frage beantworten: Wie hieß der Enkel des in diesem Text erwähnten schwedischen Monarchen, der wiederum statt auf Marstrand lieber im Öresund bei Helsingborg planschte und auf Schloss Sofiero residierte (der Enkel, nicht der Opa)? Tipp: Die Antwort findet Ihr im Blog, in einem Eintrag vor nicht allzu langer Zeit! Schickt die Antwort mit Eurer Adresse an sternenkeks ätt yahoo punkt co punkt uk. 
... Anns 
zuletzt auf Deutsch 
erschienenen
Roman 
Die Krimis "Die Wächter von Marstrand"und
"Die Gefangene von Göteborg"
gibt's heute zu gewinnen, sowie ...
















Unter den richtigen Einsendungen wird Glücksfee M. unterm Weihnachtsbaum die glücklichen drei Gewinner ziehen. Einsendeschluss ist darum der 23. Dezember 2016.
J., M. und ich drücken Euch die Daumen!

Und falls Ihr Lust bekommen habt, die Koffer zu packen:

Zum Schluss noch ein kleiner Hoteltipp für Eure Reise: Wir haben bei unserem Aufenthalt im Marstrands Havshotell gewohnt, das auf Koö direkt am Fähranleger liegt – ein tolles, modernes Hotel mit grandiosem Schwimmbad und Spa und dem hervorragenden Restaurant "Ottos Kök", in dem man ganz vorzüglich die westschwedischen Fisch-Spezialitäten genießen kann. Wenn es etwas günstiger sein soll, könnte Eure Wahl aufs im Text schon erwähnte Båtellet direkt auf der Insel fallen – wohl eines von Schwedens schönsten Hostels.

Noch einmal Hamneskär mit dem Pater Noster
aus anderer Perspektive.

Das Häuschen rechts hat übrigens 
ein eigenes Leuchtfeuer
 und ist heute eines der
exklusivsten Domizile Schwedens.
(Foto: Jonas Ingman)