Montag, 15. Mai 2017

UNTERWEGS NACH NORDEN, STOPOVER-TIPPS TEIL II: GRÄNNA AM VÄTTERSEE

Ein Strand am Vättersee in Gränna. Im
Hintergrund ist nicht etwa das andere Ufer zu
sehen, sondern die Insel Visingsö –
 das Gelbe rechts ist die Autofähre 

Hier kommt also Teil II meiner Stopover-Empfehlungen auf dem Weg nach Norden. Ziemlich genau in der Mitte zwischen Helsingborg und Nyköping (unserer ersten Station in Sörmland, die zugehörige Reisegeschichte ist nachzulesen in der aktuellen Ausgabe von ELTERN, die erste Doppelseite meines Texts ist auch hier in der Heftvorschau mit dabei), liegt das Örtchen Gränna an Schwedens zweitgrößtem See, dem Vättern. Gränna ist am Ostufer des Sees an den Hang geklebt, eine pittoreske Ansammlung aus alten bunten Holzhäusern mit einem alles überragenden weißen Kirchturm, der wirklich nicht besonders schwedisch aussieht – und so wirkt Gränna ein bisschen, als hätte man ein Alpendorf mit ganz vielen Exemplaren der Villa Kunterbunt gekreuzt.

Schöne Heimat einer der schwedischsten Süßigkeiten 

An Grännas Hauptstraße
reiht sich eine Polkagriskokeri 
an die nächste.
Das Markenzeichen Grännas sind die bekannten Polkagrisar. Wörtlich übersetzt bedeutet das "Polkaschweine" und dahinter verbergen sich rot-weiße Zuckerstangen mit Pfefferminzaroma. Überall in Gränna findet man heute zuckerduftende Süßigkeiten-Läden mit angeschlossenen Manufakturen, die die rot-weißen Stangen verkaufen. In vielen kann man zugucken, wie die Stangen hergestellt werden. Polkagrisar sind aber nicht nur eine Süßigkeit und ein authentisches Schweden-Mitbringsel, sondern auch Zeugnis der beeindruckenden Geschichte einer schwedischen Unternehmerin, Amalia Eriksson, der Google sogar 2014 zum 190 Geburtstag ein Doodle gewidmet hat.

Stark, stärker, Amalia: Die Frau, die dem Schicksal ...

Die Polkagris-Vorschule: Im heutigen
Schweden hätte Amalia noch mehr Unterstützung
als alleinerziehende Unternehmerin
bekommen.
Amalia wurde 1824 in Jönköping am Südzipfel des Sees als Amalia Lundström geboren. Mit nur zehn Jahren verlor sie bei einer Choleraepidemie ihre gesamte Familie – das heißt ihre Eltern, fünf Geschwister und sämtliche Verwandten. Als sie 28 Jahre alt war, fand sie Arbeit als Magd bei der wohlhabenden Familie Alvin, die nach Gränna zog, als Amalia 31 Jahre alt war – für damalige Verhältnisse eine alte Jungfer. Das sah der Schneider und Witwer Anders Eriksson anders und ehelichte Amalia zwei Jahre später. Noch ein Jahr später bekam Amalia Zwillinge, von denen ein Kind tot zur Welt kam. So blieb Tochter Ida ihr erstes und einziges Kind. Nur eine Woche später starb leider auch Anders und Amalia stand als alleinerziehende Witwe mit Baby da. Damals eine noch besch ... eidenere Lage als heute.

... die ausgestreckte Zuckerstange zeigte 


Lauter wirklich süße Dinger!
Foto: tina_stafrén/imagebank.sweden.se.
Doch für Amalia stellte sich die Krise als Wendepunkt ihres Lebens heraus: In dieser Notlage wurde ihr nämlich erlaubt, als Frau ein Unternehmen zu führen – sonst ein Ding der Unmöglichkeit. Ihre Geschäftsidee: Süßigkeiten herstellen. Ihre ganz spezielle rot-weiße Erfindung schlug ein wie eine, äh, Kalorienbombe ... Heute hat in Gränna fast jeder Polkagris-Laden und jedes Restaurant ein Bildchen von Amalia im Schaufenster, es gibt eine Bronzestatue und ihr späteres Wohnhaus Amalias Hus ist ein schnuckliges Hotel, in dem man sich bemüht, Amalias Andenken und das Flair des 18. Jahrhunderts so gut wie möglich zu bewahren und es mit heutigen Annehmlichkeiten zu verbinden. Das wäre denn auch der erste Übernachtungstipp. "Babys und Kinder sind bei uns herzlich willkommen!", versicherte mir Mitarbeiterin Caroline Larsson. Allerdings ist das Haus ist nicht gerade günstig – der DZ-Preis beginnt bei knapp unter 200 Euro. Wem das zu teuer ist, der sollte beim Gränna-Besuch einfach mal einen Blick hineinwerfen.

Hübsche Hotels, köstliches Essen, tolle Ausblicke 

Köstliches Abendmahl im
Restaurant des Gyllene Uttern,
hoch über dem Vättern
Auch sehr schön und etwas günstiger ist es in Smålandsgårdens Gästgiveri oder im Grenna Hotell (beide Websites leider nur auf Schwedisch, am besten ruft man an). Wir selbst haben wiederum im wirklich  kinderfreundlichen Hotel Gyllene Uttern ("Der Goldene Otter") übernachtet, das ein paar Kilometer außerhalb in einem kleinen Schlösschen mit phantastischem Blick über den Vättern liegt. Wir konnten uns vor dem Schlafengehen gar nicht vom Sonnenuntergangsszenario losreißen – das sich Mitte Juni ziemlich lang hinziehen kann. Und am nächsten Morgen hingen wir auch direkt wieder am weit geöffneten Fenster. Das Hotel hat auch ein erstklassiges Restaurant, in dem wir uns am Abend ein köstliches Menü gegönnt haben (das Frühstück kann übrigens auch was). Die Preise für ein normales Doppelzimmer bewegen sich in all diesen Häusern so um die 150 Euro, mit Raum nach oben und unten, je nach Angebot, Saison und Buchungszeitpunkt.

Leckerstes Eis, Inselausflüge, Burgruinen mit Aussicht

Morgendlicher Blick aus
unserem Zimmer im "Gyllene Uttern",
der gelbe Klecks im Hintergrund
ist die Fähre nach Visingsö
Nicht weit weg von Amalias Hus liegt in derselben Straße ein Eiscafé mit dem urschwedischen Namen Gelato Factory, einer der elf Finalisten in der Schwedischen Eiscreme-Meisterschaft! Selbstverständlich gibt's hier unter anderem Eis mit Polkagris-Geschmack – ich bevorzuge allerdings trotzdem Schoko.Von Gränna aus startet auch die Autofähre nach Visingsö, das ist die 25 Quadratkilometer großen Insel im Vättern, die aus der Vogelperspektive aussieht wie ein in Grüntönen geschecktes Halstuch eines Riesen, das ins Wasser geweht wurde. Leider hat unsere Zeit nicht für einen Ausflug dorthin gereicht, aber das wird irgendwann nachgeholt. Etwas nördlich von Gränna liegt direkt an der E4 (die man weiter hinauf muss, wenn man nach Sörmland will) das Brahehus, eine alte Schlossruine, mit atemberaubendem Blick über den Vättern, dem man von hier aus wunderbar "Hejdå, ses snart" ("Tschüss, bis bald!") sagen kann – nämlich bis zur Rückfahrt aus dem Norden.

Mittwoch, 10. Mai 2017

UNTERWEGS NACH NORDEN – STOPOVER-TIPPS, TEIL I: HELSINGBORG UND UMGEBUNG


Ein gewisser Caspar David F.
hätte diese Aussicht sicher zu schätzen gewusst:
Hoch über dem Meer erhebt sich
der Spazier- und Wanderweg
Landborgspromenaden
in Helsingborg
Unglaublich, aber wahr: Es geht bereits auf den längsten Tag des Jahres zu. Dabei war doch gerade
erst Weihnachten. Voriges Jahr haben wir uns zu Mittsommer aufgemacht ins Södermanland – kurz Sörmland. Das ist die zauberhafte Gegend südwestlich von Stockholm, in der schwedische Könige lange Zeit gern ihre Sommerfrische verbrachten, wovon dort jede Menge Schlösser zeugen. In der aktuellen Print-Ausgabe der Zeitschrift ELTERN könnt Ihr die Reisegeschichte lesen, die dabei herausgekommen ist: "Wo die wilden Beeren wohnen."

Pause machen in der "Perle des Öresunds"

Auch wenn Sörmland – wie auch Stockholm – immer noch zu Södra Sverige, dem südlichen Drittel Schwedens, gehört, ist die Fahrt dort hinauf von Deutschland aus lang, besonders für Familien sind Übernachtungsstopps zu empfehlen. Einige Städte bieten sich hierzu besonders an. Zum Beispiel die Stadt, in der wir wohnen, Helsingborg an der engsten Stelle des Öresunds. Die meisten Navis werden ohnehin den Weg über die Fährverbindung vom dänischen Helsingør zur "Perle des Öresunds" wählen, weil die Fahrt 60 Kilometer kürzer ist als über die Öresundbrücke via Malmö.

Der Stadtstrand in Helsingborg
im Sommer 
Je nach Zeitbudget kann man hier aber auch ein paar Tage oder Wochen verbringen. Von Helsingborg aus lassen sich wunderbare Ausflüge machen, etwa auf die Insel Ven oder ins Naturschutzgebiet Kullaberg beim alten Badeort Mölle – um nur einige zu nennen. Da ich lim ELTERN-Info-Teil zur Reisegeschichte versprochen habe, dass ich hier im Blog noch Tipps für die Anreise gebe und es ja vielleicht Leute gibt, die jetzt noch kurzfristig zu Mittsommer nach Schweden verreisen möchten, kommen hier nun zunächst meine Ratschläge für meine neue Heimat Helsingborg.


Übernachtungstipps in und um Helsingborg

Hier kommen also erst mal ein paar Vorschläge, wo Ihr Euer reisemüdes Haupt zur Ruhe betten könnt, auch wenn das in der eigenen Stadt ja immer etwas schwierig ist, weil man dort ja so selten im Hotel übernachten muss:

Hotel Maria
Antibes? Nein, der Öresund in Helsingborg!
In diesem putzigen kleinen Hotel mitten im Herzen der Altstadt habe ich selbst einmal übernachtet, als ich hier noch nicht lebte. Das hübsche alte Haus liegt direkt gegenüber der Mariakyrka, im Erdgeschoss ist eine Tapasbar, in der es leckere Kleinigkeiten und Rabatt für Hotelgäste gibt – allerdings findet Ihr in den Straßen drumherum jede Menge (auch relativ günstige!) Restaurants, darum würde ich Besuchern raten, einfach eine Runde um die Kirche zu drehen und auch einen Abstecher in die Bruksgatan (vor der Tür rechts, nächste rechts, dann nächste links) zu Ebbas Fik zu machen (siehe unten). Die Zimmer im Hotel Maria sind individuell gestaltet und es gibt ein Familienzimmer für bis zu vier Personen und mehrere Zimmer, in dem drei Personen übernachten können. Außerdem kann für 200 Kronen ein Babybett gemietet werden, was spätestens am Tag vor der Anreise mitgeteilt werden muss. Für größere Familien ist das Haus leider nicht richtig optimal. Und: Das Hotel liegt in einer Fußgängerzone. Man arbeitet allerdings mit einer Tiefgarage ums Eck zusammen. Kostenpunkt: 225 Kronen für 24 Stunden. Die Zimmerpreise variieren je nach Saison und Buchungszeitpunkt, wie heute üblich.

Dann hätte ich noch folgende Kleinode im Angebot:

Bed & Breakfast "By the Red House"
Dieses Bed & Breakfast liegt im wunderhübschen Dörfchen Domsten, ein paar Kilometer nördlich von Helsingborg. Auch wenn ich hier nie übernachtet habe – ich kriege Lust beim Betrachten der Bilder.

Örenäs Slott
Das Schloss liegt südlich von Helsingborg mit Blick über den Öresund und behauptet von sich selbst, familienfreundlich zu sein. Hier kann man übrigens auch Mittsommer feiern!

Rosenhälls Gård
Ein Freund ist einmal im Rosenhälls Gård in der Nähe des Örtchens Glumslöv abgestiegen – ebenfalls südlich von Helsingborg. Besonders für Pferdefreunde ein Tipp!

Galleri Hyttstigen
Leser von Verliebt in Schweden werden dieses traumhaft direkt am Strand von Ängelholm (ca. 25 Kilometer nördlich von Helsingborg) gelegene Bed & Breakfast kennen. Empfehlung!


Cafés
Cafés sind für mich eine ziemlich wichtige Sache, warum, könnt Ihr hier nachlesen. Zum Glück hat Helsingborg einige ganz hervorragende Cafés im Angebot. Als da wären:

Ebbas Fik
Fik ist kein Schweinkram und wird auch nicht mit kurzem, sondern mit langem "i" gesprochen. Es handelt sich ganz einfach um das schwedische Wort für Café, att fika bedeutet "Kaffeepause machen". Ebbas Fik ist ein wunderbares und kinderfreundliches Diner und Café im Stil der Fünfziger, mit Jukebox, solidem Filterkaffee (den man, wie in Schweden üblich, immer wieder auffüllen kann, was påtår heißt, gesprochen ungefähr "potor", wobei das "o" offen artikuliert wird), köstlichen Torten – besonders empfehlen möchte ich die Heidelbeertorte mit Vanillesauce (blåbärspaj med vaniljsås). Wem nicht nach fika ist, der bekommt hier auch Burger und Pommes oder andere Gerichte, die für ein American Diner üblich sind. Im Sommer kann man schön im Innenhof sitzen und im ersten Stock gibt's nicht nur die Toiletten, sondern alte Bücher, Comics und Vinyl – zum Stöbern und Kaufen.

Koppi
Koppi ist, insbesondere was den Kaffee selbst betrifft, vermutlich das beste Café in Helsingborg, wenn nicht gar in ganz Schweden: 2013 erhielt Koppi jedenfalls die Auszeichnung "Schwedens beste Kaffeebar" von den Testern des renommierten White Guide, kein Wunder, wird der Laden doch von zwei Barrista-Champions geführt. Bei Koppi kann man Kaffeeverkostungen ungewöhnlicher Sorten und Zubereitungsarten mitmachen und natürlich auch ganz einfach zwischendurch auf eine exzellente Tasse Kaffee und leckere Hefeteilchen einkehren. Hier sieht man noch ein bisschen mehr vom Interieur als auf der offiziellen Website im Link oben. Übrigens liegt Koppi gegenüber des ältesten Hauses in Helsingborg, des Jacob Hansens hus von 1641 (im Wikipedia-Artikel über das Gebäude ragt links ein Stückchen von Koppi ins Bild).

Pålsjöpaviljongen
Die Landborgspromenade  in Höhe des
Restaurants Pålsjökrog, direkt am Meer.
 Empfehlenswert, aber à la carte 
nicht ganz billig. Tipp:
Das Lunchmenü für 129 kr!
Das Waffel-Café Pålsjöpaviljongen (nicht zu verwechseln mit dem nicht weit entfernten Restaurant Pålsjökrog, siehe Bild rechts) ist eine Supersache mit Kindern: Hier gibt es die besten (leider nicht ganz billigen) Waffeln in ganz Helsingborg und einen kleinen Spielplatz für Kinder verschiedener Altersgruppen – von Babys, die die in Schweden verbreiteten Babyschaukeln garantiert lieben werden bis zu den "Großen", die viel zum Klettern finden. Wenn das Wetter es erlaubt, sitzt man draußen, aber es gibt auch einen Innenraum, in dem Bilder lokaler Künstler ausgestellt werden. Der Pavillon liegt mitten im Wald Pålsjö skog (skog = Wald), ist aber auch per Auto gut erreichbar. Ein Besuch lässt sich wunderbar mit einem Waldspaziergang verbinden. Der Wald mit seinen alten Baumriesen befindet sich auf dem Landborgen, wie ein großer Teil Helsingborgs. Das bis zu 40 Meter hohe Plateau entstand durch Erosion nach dem Schmelzen des Inlandseises und das hat den tollen Nebeneffekt, dass man vom Rand des Landborgen aus überall eine atemberaubende Aussicht übers Meer hat. Am Rande des Pålsjö skog führt der Spazierweg Landborgspromenaden entlang, ein Weg, der beinahe die ganze Zeit eine herrliche Aussicht über den Öresund bietet und der sich mit Kindern in handliche Portionen aufteilen lässt. Hier ist eine Karte, leider nur mit schwedischer Erläuterung, aber zum Glück erklären sich ja Karten auch ohne Worte.

Möllebacken
Auch im urigen Möllebacken bekommt man Waffeln – ebenso wie ein günstiges, reichhaltiges und solides Mittagessen. Der frühere Hof um eine alte Mühle liegt ebenfalls auf dem Landborgen (und an der Landborgspromenade, auf der Karte ist er Nummer 19) hoch über der Altstadt und hat eine dementsprechende Aussicht. Weil er ein bisschen versteckt ist – man muss wirklich wissen, wo man hin will – ist das Restaurant-Café ein echter Geheimtipp!


Pålsjöbad-Café
Das Palsjöbad im Abendlicht,
ein klassisches schwedisches
Kaltbadehaus mit Café
Das Café im Neubau des Pålsjöbades ist ebenfalls ein echter Insidertipp. Der Kaffee ist zwar eher
Standard und auch die Kuchen sind nicht unbedingt höchste Konditorenkunst, aber sie sind essbar und – ein echter Pluspunkt für Familien mit vielen Kindern – wirklich günstig. Außerdem kommt man nicht wegen des Kuchens hierher, sondern wegen der Aussicht – und die ist einfach unschlagbar. Man sitzt nämlich hinter einer Panoramascheibe direkt über der Wasseroberfläche des Öresund. Wie heißt es doch so schön? Location! Location! Location! Das Pålsjöbad ist übrigens ein traditionelles Kaltbadehaus – also eine öffentliche Sauna, nach der man sich im Meer abkühlt –, das in einem heftigen Wintersturm vor einigen Jahren stark beschädigt wurde. Danach wurde es im alten Stil wieder aufgebaut – mit einer Prise Luxus. Das Café ist aber für jedermann zugänglich, kein Saunabad vonnöten. Dienstagsabends von 19 bis 20 Uhr gibt es hier übrigens Yoga mit Aussicht.

Étoile
Im Étoile waren wir vor ein paar Tagen das erste Mal. Das kleine, hübsche Eckcafé im frankophilen Stil liegt im Helsingborger Norden. Pluspunkte: Das Café öffnet wochentags schon um 8 Uhr und ist auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet – und damit eine schwedische Rarität. Toll ist auch die großzügige und in Stufen angelegte Außenterrasse mit Blick auf den Jachthafen. Nachteile: Für sehr viel Geld kriegt man hier ziemlich wenig. Unsere Freunde hatten das "Deluxe"-Frühstück für 120 Kronen (derzeit gut 12 Euro) und das war mit "übersichtlich" sehr gut beschrieben: ein briefmarkengroßer Toast mit Avocado, ein Ei, ein frischer Saft und ein kleines Gläslein Joghurt mit ein paar Beeren und Flocken drauf, sowie Kaffee oder Tee. Kaffee, den man in Schweden normalerweise ohne Extrakosten nachnehmen kann, kostet bei der zweiten (winzigen) Tasse – aber immerhin nur 5 kr oder 10 kr (normale Tasse). Die Qualität ist allerdings in Ordnung.

Über weitere mögliche Aktivitäten in Helsingborg hatte ich an dieser Stelle  schon mal gebloggt. Allerdings kratzt all das nur an der Oberfläche, die Möglichkeiten hier und in der Umgebung etwas zu unternehmen, sind so vielfältig, dass sie kaum in einem Blogpost aufzuzählen sind, aber die Seite Visit Helsingborg hat dankenswerterweise eine ziemlich gute Übersicht – auch was weitere Übernachtungsmöglichkeiten und Restaurants betrifft. Und in diesem Artikel des "Local" habe ich heute (29. Mai) auch noch viele tolle Tipps gefunden!

Im nächsten Blogpost widme ich mich dann dem Stopover in Gränna am Vättern.

Am Ziel gab's eine echte Smultronställe:
Diese Smultron (Walderdbeeren)
haben wir auf dem Julita Gård am Oljaren
in Sörmland entdeckt.

Ich weiß, ich behauptete kürzlich, äh, im Februar, der vorige Post sei "mit gewisser Wahrscheinlichkeit" der letzte Post auf Blogger vor dem Umzug. So kann man sich irren. Ich habe einfach so viel zu tun, dass ich nicht dazu komme, mich um die Gestaltung des neuen Blogs zu kümmern. Das ist natürlich einerseits erfreulich, andererseits etwas frustrierend. Vor allem für mich und natürlich meinen Webfachmann Sascha von der supertollen Agentur Polimehr, der bereits alles vorbereitet hat. An ihm liegt das Schneckentempo ausdrücklich nicht!

Freitag, 24. Februar 2017

SCHWEDENS BEITRAG ZUM KARNEVAL: LECKERE SEMLOR (REZEPT!)


Last night in Sweden:
Die Ausschweifungen
 des schwedischen Karnevals.
Unerhört (lecker)! 

In meiner alten Heimat geht die Karnevalssaison in die heiße Endphase, in Schweden bleibt man gewohnt cool. Nicht nur, wenn seltsame Trolle darüber orakeln, was hierzulande passiert oder eben nicht passiert ist oder sich eine Schneefront  breit macht, wenn es eigentlich schon leise nach Frühling roch. Mit Karneval hat man hier einfach nix am Hut. Oder sagen wir: fast nix. Die Ausschweifungen vor der Fastenzeit beschränken sich allerdings auf den Konsum eines ebenso reichhaltigen wie köstlichen Gebäcks, nämlich der semlor. Der eigentliche Semmeltag ist dabei der Fettisdag, der "fette Dienstag". Wo ich herkomme, heißt er Veilchendienstag – vermutlich, weil man sich da veilchenblau säuft oder im Suff veilchenblau haut oder auch beides. Sicher ist, es handelt sich um den Tag vor dem Aschermittwoch.

Heute habe ich auch wieder etwas Neues zum Thema semlor gelernt. Ursprünglich aß man in Schweden vor Beginn der Fastenzeit nur ein simples Hefeteilchen, das man in Milch tunkte, den hetvägg (eine Geschichte über die unerwartete Gefährlichkeit der Dinger lest ihr hier). Irgendwann wurde das zu langweilig und die Sahne- und Mandelfüllung wurde erdacht. Was ich bisher nicht wusste: Eines Tages kam dann jemand (vermutlich ein Konditor) auf die Idee, dass man die Dinger nicht nur am Fettistag, sondern jeden Dienstag zwischen jenem und Ostern essen könne. Fasten kann man ja an der anderen Tagen. Wenn man denn unbedingt will. Mittlerweile gibt's semlor zwischen Weihnachten und Ostern ungefähr überall. Gefastet wird dann eher vor dem Sommerurlaub.

J. und ich haben schon ein bisschen vorab experimentiert – unter anderem, damit ich rechtzeitig diesen Eintrag schreiben kann. Nachdem wir im vorigen Jahr in mühevoller Kleinarbeit relativ komplizierte, wenn auch zugegebenermaßen sehr schmackhafte, semlor hergestellt hatten, sollte es diesmal etwas Einfaches, aber trotzdem wirklich Leckeres sein. Darum fiel unsere Wahl auf ein Rezept des Hobbybäckers Martin Johansson, der mit seinem erfolgreichen Backblog Pain de Martin (Martins Brot) das Konzept "einfach, aber gut" verfolgt. Früher war ich bei uns fürs Backen zuständig (was mit der ein oder anderen Katastrophe einherging, wie zum Beispiel hier nachzulesen), nach der Geburt von M. hat J. das Backen übernommen. Eigentlich war das für "vorübergehend" gedacht, aber wir haben das bis heute mehr oder weniger beibehalten. Entweder backt J. oder wir zusammen. Auch das gar köstliche und – man staune! – gänzlich knetfreie Brot, das bei uns inzwischen auf den Tisch kommt, ist eine Erfindung von Martin und wird alle paar Tage von J. gebacken.

Kugelkunst.
Kann erst später weg.

Kurz: Unsere Erwartungen waren hoch – und wurden nicht enttäuscht! Die semlor waren nicht nur fluffig und hübsch, sondern einfach köstlich. Die Geheimnisse der Köstlichkeit sind der frisch gemörtelte Kardamom und die vor dem Zerkleinern in der Pfanne gerösteten Mandeln. Und tatsächlich wird auch hier so gut wie nicht geknetet – Kneterei scheint im Backbereich insgesamt enorm überbewertet zu sein.

Und hier ist das Rezept:

Teig für ca. 24 semlor:

25 g Frischhefe
250 g Milch
250 g Wasser
150 g Zucker
150 g Butter (kalt, wird in den Teig gehobelt)
5 g (1 Teelöffel) Salz
10 g (1 Esslöffel) ganzer Kardamom
850 g Weizenmehl (wir haben ganz normales genommen, entspricht der deutschen Type 405)
1 Ei
Puderzucker

1. Alle Zutaten – bis auf das Ei – mixen (kein Erwärmen nötig, aber wir haben die Hefe in die Milch gebröselt und gerührt, bis sie sich aufgelöst hat, auch wenn Martin das nicht explizit erwähnt), dabei dass Mehl nach und nach hinzufügen. Martin empfiehlt, von Hand mit 500 g Mehl und den restlichen Zutaten zu beginnen und später die restlichen 350 g hinzuzufügen.

2. Den Teig auf ein bemehltes Brett geben und zu einer Art Paket zusammenfalten. Es macht nichts, wenn der Teig jetzt noch nicht geschmeidig und toll aussieht, das ist völlig normal. Erst nach dem ersten Gehen wird er zu seiner Form finden. Den Teig mit Frischhaltefolie abdecken und zwei Stunden gehen lassen – alternativ kann man den Teig auch über Nacht in den Kühlschrank stellen.

3. Der Teig sollte nun ganz gut gegangen sein. Mit etwas Mehl bestreuen und mit der Hand zu einem ungefähren Viereck zusammenklopfen, von dem man gut Stücke von 60 g abschneiden kann (bitte nicht ausrollen!) Martin empfiehlt, das erste Teigstück zu wiegen, um eine Auffassung davon zu bekommen, wieviel 60 g sind – die runden Brötchen werden schnell zu groß (was jetzt auch nicht so wahnsinnig schlimm wäre, aber nun gut). Die Teigstücke zu kleinen Bällen rollen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Mit Frischhaltefolie abdecken und auf doppelte Größe gehen lassen. Dauert bei Zimmertemperatur etwa 2 Stunden. Eilige stellen das Backblech an einen warmen Ort.

4. Den Ofen rechtzeitig auf 225 Grad aufheizen.

Mit geübtem Pinselstrich 
5. Die Kugeln mit dem mit einer Messerspitze Salz verquirlten Ei bepinseln und auf der mittleren Schiene backen bis sie gut Farbe angenommen haben. Dauert ca. 10 - 15 Minuten.

6. Abkühlen lassen.

So in etwa sieht das
Backergebnis aus

Martin empfiehlt, nur für die Hälfte der Kugeln die typische Sahne- und Marzipanfüllung zu machen. Schließlich wird die Sahne am ehesten schlecht, wenn man nicht alles sofort auffuttert. Die noch ungefüllten Semmeln lassen sich aber auch prima einfrieren und schmecken wunderbar als süße Frühstücksbrötchen – einfach nur mit Butter oder auch mit Butter und Käse. Mmmmm!

Füllung für 12 semlor

Von 12 fertig gebackenen semlor schneidet man eine Kappe ab (etwa das obere Drittel) und gräbt mit den Fingern ein Loch in die untere Hälfte (ungefähr die Menge von anderthalb Esslöffeln pro Kugel). Den herausgebaggerten Teig in eine Schüssel bröseln.

Außerdem braucht Ihr noch:

1 dl (ca. 70 g) Süßmandeln
200 g Marzipanmasse (je hochwertiger, desto besser)
ca. 4 dl Schlagsahne 


1. Die Mandeln in einer Pfanne rösten bis sie etwas Farbe angenommen haben (wir haben eine gußeiserne Pfanne benutzt).

Mandeln, bereits leicht gebräunt


2. Dann die Mandeln hacken und unter die Marzipanmasse und die Teigbrösel mischen. Mit einem Schuss Sahne und etwas Wasser geschmeidig kneten. Diese Füllung kommt nun in die ausgehöhlten semlor. 

3. Die Sahne schlagen (ohne Zucker!)

4. Auf die untere Hälfte der semlor streichen oder – wenn es etwas schicker sein soll – mit einer Tülle spritzen (ein Gefrierbeutel, dessen Spitze abgeschnitten wurde, tut es auch).

5. Deckel aufsetzen.

6. Mit einem Teesieb Puderzucker aufstäuben.

Et voilà!




Ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Dies hier ist mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit der letzte Blog-Eintrag, den ich bei Blogger verfasst habe. Ich bin mit Hilfe des grandiosen Sascha von der grandiosen Agentur Poli dabei, Blog und Website zu Wordpress.org umzuziehen, um nicht länger in das enge Google-Blogger-Korsett gepresst zu werden. Das dauert allerdings ein bisschen länger als gedacht. Ich melde mich, sobald "es vollbracht ist". Seid gespannt!








Samstag, 14. Januar 2017

DAS INGA LINDSTRÖM-PHÄNOMEN: GEFÜHLTES SCHWEDEN IN ZAUBERHAFTER KULISSE

Lust auf ein wenig Mittsommer-Feeling
mitten im Winter? Kein Problem!
Einen Teil der vergangenen Wochen habe ich damit verbracht, eine Reportage über unsere Mittsommer-Reise 2016 zu schreiben. Plötzlich war ich, während draußen die Temperatur langsam unter Null sank, gedanklich wieder in einer idyllischen Sommerlandschaft. 


Heile Schwedenwelt als Anti-Depressivum

Falls Ihr gerade keine Mittsommerreportage auf dem Schreibtisch, aber
Das ist "Inga Lindström"
alias Autorin
Christiane Sadlo.
(Foto: Dirk Bartling,
© Christiane Sadlo)
Lust auf eine Prise Sommer-in-Schweden-Gefühl mitten im Winter habt, könnt Ihr am Sonntag, 15. Januar, um 20:15 Uhr das ZDF einschalten. Da läuft nämlich mit "Tanz mit mir" die nächste Folge aus der Inga Lindström-Reihe (Wiederholung: 12. Februar, 20:15 Uhr, in der ZDF-Mediathek wird der Film nach der Erstsendung abrufbar sein.) Für Fans sind 
die leicht verdaulichen Filmchen aus der Feder von Drehbuch-Autorin Christiane Sadlo Anti-Depressiva, weil hier zuverlässig ein Girl ihren Boy findet und es sich mit so einer Geschichte wunderbar dem tristen Alltag entfliehen lässt. Für andere sind dieselben Filme seichte Schmonzetten – in etwa aus denselben Gründen. 

Können bis zu zehn Prozent der deutschen Bevölkerung irren? 

Ich gebe zu, ich war immer eher skeptisch, habe dann aber doch meinen ersten Inga-Lindström-Film geschaut, als ich 2014 stillend ans Sofa gefesselt war. Erstens aus Neugier, was den Erfolg dieser Reihe ausmacht, die bis zu acht Millionen Menschen in Deutschland vor den Fernseher lockt. Zehn Prozent der Bevölkerung! Zweitens, weil ich mich in meiner Still-Umnebelung auf nichts Kompliziertes konzentrieren konnte. Und drittens, weil die Filme in der Mediathek ganztägig abrufbar waren. Für in Schweden lebende Menschen ohne TV-Gerät ist das ein Kriterium. Wie ich mein Lindström-Debüt damals fand? Kann ich nicht mehr genau sagen, ich war abgelenkt: Ich musste mich ständig fragen, wo zum Teufel auf der Insel Öland – dort sollte sich alles abspielen – gedreht worden war. Ich mag Öland nämlich sehr und hatte mich auf nette Bilder gefreut. Zwar habe ich in einigen Einstellungen die Stadt Borgholm erkannt, aber die Villa des Geschehens schien in lieblichen Schären zu liegen. Und Schären gibt es auf Öland nicht. Dennoch muss ich mich unterhalten gefühlt haben, denn ich schaute mir vom Stillsofa aus noch weitere Filme der Reihe an und gewöhnte mich langsam ans Lindström-Universum, in dem etwa Münchner Tatort-Kommissare in sörmländischen Schlössern zuhause sind und es Namen gibt, über die sich mein Schwede nur beömmeln kann: "Wie heißt der? Laxson?" 

Wie bubbel auf nüchternen Magen: die Welt gerät lustig ins Schwanken

Nach der Elternzeit war dann erst mal Schluss mit Inga. Bis jetzt. Ich durfte "Tanz mit mir" vorab schauen* und war – ein wenig wider Erwarten – auch ohne Stilldemenz gut unterhalten. Diesmal sind es sogar drei Damen auf einmal, die vor der Kulisse des sommerlichen Stockholm in die Arme ihrer jeweils großen Liebe sinken – sogar den Gegenspielern gönnt das Script Glück. Auch sonst wird alles, wirklich a-l-l-e-s, im Rekordtempo gut, ach was, bestens. Unwahrscheinlich? Schon. Andererseits: Wer braucht schon mehr Realismus, wenn die Welt ist, wie sie sich derzeit präsentiert? Auch diese Lindström-Geschichte fühlte sich ein bisschen an wie ein Glas etwas zu süßer bubbel – wie Schweden liebevoll alle Perlwein-Getränke nennen – auf nüchternen Magen: Die Welt gerät lustig ins Schwanken. Gut gefallen haben mir die sympathischen Schauspieler Sina-Valeska Jung (Eva), Teresa Harder (Meret), Mike Hoffmann (Alban), Katharina Stark (Lissi) und in Nebenrollen auch Max Florian Hoppe (Henner) und der kleine Jakob Leon Wimberger (Jonas). Die haben es geschafft, durch die manchmal doch etwas arg mit schicksalhaften Zufällen gespickte Geschichte rund um eine Tanzschule mit einem Augenzwinkern zu navigieren. 


Herz an Herz spielt bei "Inga Lindström"
immer die Hauptrolle.
Gefühltes Schweden statt zögerlicher Balz

Bei alldem ist das Schweden der "Inga Lindström" nämlich eher ein aus der Distanz Deutschlands gefühltes. Die Storys haben mit (den) Schweden oft nicht viel mehr zu tun, als dass die Protagonisten heißen wie Produkte aus dem Ikea-Katalog – oder irgendwie so ähnlich. Dabei bewohnen sie für Normalmenschen völlig unerschwingliche Immobilien, die in atemberaubender Schären-Kulisse oder – im Fall von "Tanz mit mir" – eben in Stockholm liegen. Das in Sachen "feste Beziehung" doch eher von beslutsångest (Schwedisch für "Angst vor Entscheidungen") geprägte Paarungsverhalten der echten Schweden findet dagegen keinen Niederschlag. Das würde nämlich jeden einzelnen Lindström-Film zu einem Streifen mit Überlänge machen. Warum, das kann man zum Beispiel hier oder hier und natürlich in Verliebt in Schweden nachlesen. Allerdings, einen Punkt gibt es 
So ticken Schweden:
Ein sehr empfehlenswertes Geschenk
für Neu-Schweden
doch, in dem Lindström relativ authentisch schwedisch ist: Die Protagonistinnen sind keine hilflosen Mäuschen, sondern Frauen mit eigenen Jobs, die sich auch ohne Beistand eines Y-Chromosom-Trägers aus ihrer Misere befreien könnten. Dass sie sich doch hier und da helfen lassen, hat eher romantische Gründe

Christiane Sadlo, die Frau hinter dem Pseudonym

Schon nach "meinem ersten Lindström" regte sich bei mir Neugier auf die Frau, der Storys mit garantiertem Happy End wie am Schnürchen aus den Hirnwindungen fließen. Als mir nun das Vorab-Guck-Angebot ins virtuelle Postfach flatterte, fragte ich gleich, ob dann auch ein Interview mit Christiane Sadlo möglich sei. Und tatsächlich, die knapp 63jährige Wahl-Berlinerin, die schon vor der Lindström-Reihe sehr erfolgreich Drehbücher für Serien wie "Lisa Falk" oder "Forsthaus Falkenau" geschrieben hat, hatte Zeit und Lust, mir meine Fragen zu beantworten. 

Verliebt in Schweden: Karl May hat den Großteil seiner Winnetou-Saga geschrieben, lange bevor er die USA bereist hat. Kurt Tucholsky hingegen hat zunächst Urlaub in der Nähe von Mariefred gemacht, bevor er "Schloss Gripsholm" schrieb. Wie ist das bei Ihnen?
Christiane Sadlos
erster "richtiger" Roman
(will sagen: kein Buch zum Film)
als "Inga Lindström"

Christiane Sadlo: Ich bin dann doch eher wie Tucholsky! Bevor ich anfing Drehbücher zu schreiben, die in Schweden spielen, bin ich einige Male dort gewesen. Schon beim ersten Mal hab ich mich in Schweden verliebt.

VIS: Wie kam es denn genau dazu, dass Sie als "Inga Lindström" anfingen, Drehbücher zu schreiben? 


CS: Irgendwann saß ich an einem idyllischen Seeufer. Sonnenuntergang wie im Film, Segelboote auf dem Wasser, Stille..., das war die Landschaft, in der meine zukünftigen Geschichten spielen sollten.

VIS:
Im Grunde könnten sich Ihre romantischen Geschichten aber auch in Rom, Paris oder Berlin abspielen ...

CS:
Wenn ich Storys für Berlin schreibe, sind sie anders getaktet, hektischer, schneller, ruppiger. Jede Stadt hat ihren eigenen Rhythmus, ihren eigenen Klang. Ich mag vor allem den Sommerklang von Schweden. Wundersam helle Tage. Weite Himmel. Inseln zu Tausenden ins Meer getupft. Einzigartig.

VIS: In "Tanz mit mir" finden die Hauptpersonen die große Liebe und alle Probleme lösen sich auf wundersame Weise. Sie bekommen vermutlich schon mal zu hören, so etwas sei ja ziemlich unrealistisch. Nun habe ich zufällig selbst eine eher unglaubliche Geschichte erlebt (wobei alles doch etwas komplizierter war als in der lindströmschen Welt) und sogar Hauptdarstellerin Sina-Valeska Jung hat ja offenbar eine eher ungewöhnliche Love-Story im Gepäck. Das führt mich zu der Frage: Legen Sie den Inga-Lindström-Storys zuweilen wahre Begebenheiten zugrunde?

CS:
Ich rede viel mit Menschen, höre ihnen zu, lese über sie. Manchmal ist eine Geschichte so oder ähnlich von einer Freundin erlebt worden, manchmal hab ich selbst so etwas erlebt, manchmal hat die Frau am Nachbartisch im Cafe ihrer Freundin davon erzählt... einen realen Bezug gibt es eigentlich immer.

VIS:
Überhaupt: Was inspiriert Sie?

CS: Das ist einfach: das Leben. In all seinen Farben.

VIS: Haben Sie eine "Botschaft"? Zum Beispiel, dass man das Leben nicht so ernst nehmen soll und alles besser durch die rosa Brille betrachtet?

CS: Botschaft würde ich das nicht nennen. Eher vielleicht Trost. Oder banal auch Ablenkung. Es sieht in unserer Welt grade nicht sehr schön aus. Da biete ich mit meinen Geschichten gerne ein paar kleine Fluchten. 90 Minuten der Traum von einer Welt, in der zwar auch nicht immer alles in Ordnung ist, in der es aber immer ein Happy End gibt.


VIS: Haben Sie ein Vorbild?
Der Strandvägen ist eine der teuersten
Adressen in Stockholm – unter seinen gestutzten
 Bäumen flanieren die Protagonisten aus "Tanz mit mir"
unermüdlich auf und ab.
(Foto: henryk_trygg/imagebank.sweden.se)

CS: Nein.

VIS: Reisen Sie auch schon einmal zu den Dreharbeiten in Schweden? 


CS: Ich bin schon hin und wieder bei Dreharbeiten. Aber das sind 
immer immer sehr kurze Besuche. Schließlich wird beim Dreh konzentriert gearbeitet. Als Autorin, die mit Abgabe des Drehbuchs ihre Arbeit getan hat, ist man da einfach fehl am Platz. 

VIS: Wo in Schweden ist es am schönsten? 

CS: Ich bin verliebt in Stockholm. Für mich eine der schönsten Städte, die ich kenne. Und geradezu magisch ist der Schärengarten. Perfekte Harmonie von Licht, Wasser, Inseln. Mein schönstes Erlebnis war die Einfahrt mit der Fähre von Helsinki bei Sonnenaufgang in den Schärengarten. Märchenhaft.

VIS: Was gefällt Ihnen am besten an Schweden?

CS:
Wie gesagt, ich bin ein Stockholm-Fan. Aber auch die Westküste mit ihrer raueren Natur mag ich sehr gerne. Die roten Holzhäuser, der Götakanal, die tausenden Seen... Eigentlich kann ich gar nicht aufhören zu schwärmen.

VIS: Und an den Schweden?

CS: Weltoffene, sehr freundliche Menschen, die mir immer sehr interessiert begegnen.

VIS:
Wie kommen Sie auf die Namen Ihrer Figuren? Ich habe da so eine Vision: Sie haben eine große Skandinavien-Karte an der Wand und tippen mit geschlossenen Augen auf einige Orte und würzen dann mit Namen aus schwedischem Showbiz und Sport nach ... In "Tanz mit mir" heißen jedenfalls zwei der Protagonisten Narvik, wie die Stadt in Norwegen, eine heißt Boda, wie ein Ort in der Nähe von Gävle in Schweden. Es gibt Edbergs (wie Tennisspieler Stefan) und Stenmarks (wie Ski-Legende Ingemar). Ein Protagonist heißt Alban, ein Name, der in Schweden extrem ungewöhnlich ist – es sei denn man ist Dr. Alban ... 


CS: Erstens ist das Telefonbuch von Stockholm eine große Hilfe. Und natürlich hängt auch die Schwedenkarte hinter meinem Schreibtisch und dient der Inspiration. Hin und wieder nehme auch einfach Namen von Leuten, die ich toll finde oder auch von welchen, die ich nicht leiden kann, für den Antagonisten...


VIS: Apropos, wie sind Sie auf das Pseudonym "Inga Lindström" gekommen?

CS: Lindström klingt auch für deutsche Ohren nicht fremd. Und Inga, das ist die kleine Dunkelhaarige aus den Bullerbü-Filmen, die mochte ich als Kind besonders gern.**


Auch dieses hübsche Rondell am Wasser
im Stockholmer Stadtteil Hammerby durfte mitspielen.
(Foto: ola_ericsoon/imagebank.sweden.se)
VIS: Wie reagiert das Publikum auf Ihre Geschichten?

CS: Ich habe ein hauptsächlich weibliches Publikum. Die Frauen sagen mir oft, dass sie sich regelrecht auf den Sonntagabend mit Inga freuen. Da könne man sich, bevor der Alltag einen am Montag wieder in Beschlag nimmt, noch einmal ganz relaxt wegträumen...

VIS: Bekommen Sie auch Feedback aus Schweden? 

CS: Manche meiner schwedischen Freunde rufen mich nach einem Film lachend an und sagen mir, ich hätte hoffentlich nicht vergessen, dass nicht alle Schweden ein Haus auf den Schären besitze. Aber ich bekomme auch Mails, in denen ich beglückwünscht werde zu meinen Storys. Und der Fremdenverkehrsverband ist regelrecht dankbar über meine kostenlose PR-Arbeit.

VIS: Frau Sadlo, ich bedanke mich für das Interview.


Wenn Ihr nun neugierig geworden seid, dann schaut Euch doch einfach "Tanz mit mir" an – und lasst mich gerne hier in den Kommentaren wissen, wie Euer Eindruck war.  Bin gespannt, was Ihr sagt!

*Kleine Zusatz-Info für die ewigen Meckerfritzen: Nein, ich bekomme für dieses Posting nix vom ZDF oder sonst irgendwem – abgesehen von der Möglichkeit, den Film vor dem eigentlichen Sendetermin sehen zu dürfen. Ansonsten hätte ich den Post als "sponsored" gekennzeichnet. Was er aber in diesem Fall nicht ist. Wie gesagt.

** Und noch eine für die passionierten Besserwisser (ein Wort, das es übrigens genau so auch im Schwedischen gibt, nur klein geschrieben) unter Euch: Im schwedischen Original von Astrid Lindgren heißt das Mädchen Anna. Klein geschrieben bedeutet "inga" übrigens "keine". "Inga problem" bedeutet zum Beispiel – wörtlich übersetzt – "Keine Probleme" im Sinne von "Macht nix" oder eben "Kein Problem".

Mittwoch, 11. Januar 2017

WER IST EIGENTLICH DIESER KNUT – UND WAS HAT DER SCHUFT MIT DEM WEIHNACHTSBAUM GEMACHT?

Unsere Weihnachtskarte 2016 –
selbst gestaltet von der ganzen Familie.
Praktischerweise passt das Motiv
auch zu "Knut" 2017.
Statt rein kommt der Baum eben raus.
Am 13. Januar – dieses Jahr übrigens ein Freitag – ist der tjugondag jul, also der 20. Tag nach Heiligabend, dank der Werbespots eines schwedischen Möbelhauses in Deutschland kurz und bündig bekannt als "Knut" – kurz für tjugondag Knut (zur Herkunft dieser alternativen Bezeichnung komme ich gleich). Jedenfalls pfeffern, glaubt man dem Möbelhaus, an diesem Tag alle Schweden ihren Weihnachtsbaum durchs Fenster auf die Straße. "Knut" ist nämlich offiziell der letzte Tag der Weihnachtszeit, die damit in Schweden eine satte Woche länger dauert als an anderen Orten, wo mit dem Dreikönigs-Tag bereits Schluss mit lustig ist. Dafür übernimmt dann ja meist der Karneval, der in Schweden bekanntlich eine eher untergeordnete Rolle spielt. 

Zwei Männer in der Prinzenrolle sind einer zuviel 

Der Baum im Raum
Wer ist denn nun dieser komische Knut? Oder besser gesagt: Wer war es? Am 7. Januar 1134 wurde der dänische Prinz Knut Lavard von seinem Vetter Magnus im dänischen Ringsted um die Ecke gebracht. Magnus schlug einen Tag nach dem Ende des obligatorischen Weihnachtsfriedens zu – auch Morden geht nicht immer, Ordnung muss sein. Magnus war der Sohn des damaligen Königs Nils. Eigentlich war aber Cousin Knut der rechtmäßige Thronfolger, weil Onkel Nils nach Knuts Vaters Tod übernommen hatte, als Knut noch klein zum Regieren war. Kurz: Knut war Magnus ein Dorn im Auge. Knut wurde nun also nicht König (Magnus übrigens auch nicht, die Karmakeule schlug ein knappes halbes Jahr später zu – tja!), aber immerhin später heilig gesprochen. Sein Todestag wurde sein Namenstag – in Dänemark ist er das immer noch. In Schweden allerdings schob man "Knut" Anfang des 18. Jahrhunderts auf den 13. Januar.

Alles muss raus: Julgransplundring mit Ringelpiez und Trällerei
Unsere Krippe erfuhr im Laufe
der Weihnachtszeit leichte personelle
Veränderungen: ein vierter König
tauchte auf und brachte Fischbrötchen mit

Knut hat also mit dem Bäume-Rauswerfen in etwa genauso viel oder wenig zu tun wie Orangenhaut mit einer Orange. Nun ist der gemeine Schwede natürlich viel zu gut erzogen, um einfach seinen Baum auf die Straße zu schmeißen. Der Rieselpin wird selbstverständlich als Gartenabfall entsorgt. Richtig ist nämlich, dass die meisten Schweden am 13. den Christbaumschmuck und die Krippe einpacken. In manchen Familien hängen statt Kugeln Süßigkeiten und kleine Geschenke am Baum – das lädt dann zur traditionellen julgransplundring, der Weihnachtsbaumplünderei, ein, bei der die Kinder den Baum stürmen und die Geschenke an sich bringen.

Kommt nächstes Jahr der Zombie-Baum?

Zuvor wird allerdings um den Baum herumgetanzt (Schweden tanzen allgemein gern um irgendwas herum) und gesungen (und singen tun sie auch gern):

”Nu är glada julen slut, slut, slut
julegranen kastas ut, ut, ut
men till nästa år igen
kommer han, vår gamle vän
för det har han lovat. 

Übersetzt bedeutet das sinngemäß (ich habe die wortwörtliche Übersetzung zugunsten von Grammatik und Reim verlassen):

"Nun ist das frohe Weihnachtsfest aus, aus, aus
und der Weihnachtsbaum kommt raus, raus, raus
aber bis zum nächsten Jahr 
ist der alte Freund wieder da,
denn das hat er versprochen."

Wie so eine zunächst all ihrer Kleider beraubte und dann lieblos hinausgeworfene rieselnde Tanne es nun schaffen will, beim nächsten Weihnachtsfest wieder am Start zu sein – außer vielleicht als Zombie – ist das Geheimnis des Reimerfinders. 

Liebe Grüne-Daumen-Träger: Sachdienliche Hinweise erwünscht!

Unser Baum könnte theoretisch noch viele Weihnachtssaisons mitmachen: Ich bin nämlich Hippie und Baumumarmerin im Herzen und ertrage nicht den Tod eines hoffnungsvollen Bäumchens, schon gar nicht zu schnöden Dekozwecken. Darum haben wir eine im Topf gewachsene Bio-Nordmanntanne mit Wurzeln erstanden. Um sie nach Weihnachten in den Garten von J.s Vater zu pflanzen. Ob das allerdings an "Knut" passieren wird, ist fraglich. Denn: Kann man so einen Baum mitten im Winter rauspflanzen? Weiß das jemand? Für Tipps bin ich dankbar! Auch was die restlichen Festivitäten betrifft, gibt es Schwierigkeiten: Unser Baum steht zum Beispiel aus Platzgründen drumherumtanzunfreundlich in der Zimmerecke. Aber vor allen Dingen bin ich erst vor ein paar Tagen auf die gut 100 Jahre alte Plünderungstradition aufmerksam geworden – darum hängt – pssst! – dieses Jahr, an unserem allersten richtigen Baum, auch noch nix Süßes. Aber nächstes Jahr an Weihnachten wissen wir Bescheid ...

Mittwoch, 28. Dezember 2016

NEUES VON DER MAUS AUS MALMÖ: INTERVIEW MIT "ANONYMOUSE"

"Anonymouse" plaudert bei uns aus dem
Nähkästchen. (Foto: Emil Björklund)
Ich hoffe, Ihr habt alle ein schönes und friedliches Weihnachtsfest im Kreise Eurer Lieben feiern können. Am 24. Dezember hat unsere Glücksfee M. aus allen Einsendern unserer Advents-Buchverlosung die Gewinner gezogen. Die Glücklichen, die jeweils einen auf der Insel Marstrand spielenden Krimi der Schriftstellerin Ann Rosman gewonnen haben, sind die "Verliebt in Schweden"-Leser und -Leserinnen Rolf Wanka, Annemarie Kloss und Tine Hill. Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank fürs Mitmachen, die Bücher sind bereits zu Euch unterwegs!

Der Dezember bescherte aber nicht nur den genannten dreien eine Überraschung, sondern auch den Malmöer Passanten. Anfang Dezember machte eine Nachricht die Runde, die ausnahmsweise mal einfach nur schön war: In Malmö hatten ein mausekleines Restaurant und ein ebenso winziger Delikatessen-Laden eröffnet (wir berichteten). Das neue Angebot für Nager wurde von selbigen angenommen, wie ein Leser der größten Zeitung in Südschweden, der Sydsvenskan, beobachtete und im Film festhielt. Ich hatte Euch versprochen, an der Story dranzubleiben – und habe einige Fragen an "Anonymouse" geschickt, die mir freundlicherweise inzwischen von der Sprecherin (oder dem Sprecher?) der Künstler beantwortet wurden, der/die unter dem Pseudonym "Pärlan Mousekewitz" operiert(intervjun finns också på svenska). 



Verliebt In Schweden: Wollt/könnt Ihr/Du enthüllen, wer sich hinter "Anonymouse" verbirgt oder zieht Ihr/ziehst Du es vor, auch in Zukunft anonym(ouse) zu bleiben?

Pärlan Mousekewitz: Unser Werk ist die Hauptsache, wir möchten nicht im Fokus der Aufmerksamkeit stehen. Außerdem mögen wir den Namen "Anonymouse" – enthüllten wir, wer wir sind, müssten wir diesen Namen aufgeben und das wäre doch blöd. :)


Verliebt In Schweden: Vill ni avslöja vilka ni är, eller föredrar ni att vara anonymouse i framtiden också?

Pärlan Mousekewitz: Det är verket i sig som är det roliga och vi vill inte lägga något fokus på oss själva alls. Och dessutom gillar vi namnet Anonymouse och om vi berättade vilka vi var så skulle vi ju behöva byta namn, och det känns trist! :) 




VIS: Hat Euch Feinschmecker Remy aus "Rattatouille" inspiriert – oder ist es möglicherweise er, der hinter allem steckt?

PM: Aber ja, Remy, Bernard und Bianca, Chip und Chap, Basil, der große Mausdetektiv, Fern Gully, Nils Karlsson-Däumling, Fievel ... Alle Filme, in denen Tiere in einer Parallelwelt zu unserer leben und ihr Dasein auf alles gründen, was wir fallen lassen, haben uns beeinflusst.

VIS: Blev ni inspirerade av finsmakere Remy i "Rattatouille" (eller är det möjligen han som ligger bakom allt)?


PM: Jadå, Remy, Bernard och Bianca, Räddningspatrullen, Mästerdetektiven Basil Mus, Fern Gully, Nils Karlsson Pyssling, Fievel, alla filmer där små djur lever i en parallellvärld till våran och tar tillvara på det vi själva tappar har influerat oss. 




VIS: Der Laden und das Restaurant sind wunderschön und schon für sich ganz wunderbar – aber gibt es darüber hinaus noch einen Gedanken hinter der Aktion – mal abgesehen davon, dass es Spaß macht und schön aussieht?


PM: Nein. Es ging uns ums Bauen selbst. Das war das Spaßige daran und wir sind ziemlich glücklich über die Resonanz, die unsere Aktion ausgelöst hat. Die Reaktion war überwältigend positiv, eben gerade weil wir keine "Botschaft" haben, mal abgesehen von der, ein kleines Abenteuer verschenken zu wollen.


VIS: Butiken och restaurangen är fantastiskt fina och i sig helt underbara – men finns det någon tanke bakom aktionen utöver att det är kult, fint och vackert?

PM: Nej. Den var byggandet i sig som var det roliga och vi är väldigt glada över responsen vi fått som vara överväldigande positiv i just bristen av "meddelande" annat än att ge bort ett litet äventyr! 


VIS: Wie seid Ihr überhaupt auf die Idee gekommen, ein so "mausiges" kleines Geschäft und Restaurant zu bauen? 


PM: Wir arbeiten gern mit unseren Händen und es würde uns selbst ziemlich froh machen, wenn wir irgendwo unverhofft auf so einen Mäuse-Kiez träfen. Also haben wir angefangen an etwa einem Dutzend verschiedener Milieus zu feilen, auf deren Bau wir Lust hatten – nicht nur Restaurants und Geschäfte. 




VIS: Hur kom ni över huvud taget på idén att bygga en så här musig liten butik och restaurang?

PM: Vi gillar att arbeta med händerna och så kom vi då på att vi själva hade blivit väldigt glada om vi sprungit på en sån här miljö någonstans oväntat, så då började vi fila på ett dussintal olika miljöer som vi skulle tycka vore väldigt roligt att göra, inte bara restauranger eller butiker; men det där blev av någon anledning den första. 


VIS: Mögt Ihr ein bisschen etwas zu Eurem Hintergrund erzählen? Seid Ihr Künstler?

PM: Nein, das möchten wir nicht.

VIS: Har ni lust att berätta lite om er bakgrund? Är ni konstnärer?


PM: Nej, det har vi inte lust med :) 


VIS: Habt Ihr schon mal etwas Vergleichbares zuvor gemacht?

PM: Nein, das haben wir nicht.

VIS: Har ni gjort något liknande förut?


PM: Nej det har vi inte. 


VIS: Wie lange hat es gedauert, das alles zu bauen? Was habt Ihr für Material verwendet?

PM: Wir haben langsam im März angefangen und dann phasenweise daran gearbeitet. Dabei haben wir alle möglichen Materialien verwendet, etwa Lichterketten, Lampenschirme, Bilderglas, Knöpfe, Kronkorken, Streichholzschachteln, Eisstiele, Bodenbretter und vieles mehr.

VIS: Hur lång tid har det tagit att bygga allt? Vad för material har ni använt? 


PM: Vi började så smått med den i mars och har sen jobbat periodvis med den, det är alla möjliga material involverade men bland annat har vi använt oss av ljusslingor, lampskärm, tavelglas, knappar, kapsyler, tändsticksaskar, glasspinnar, golvplankor och mycket annat! 




VIS: Werdet Ihr Euch bei Euren weiteren Projekten "nur" auf Malmö konzentrieren?

PM: Wir können so viel verraten, dass wir zahlreiche – mehr oder weniger seriöse – Anfragen aus ganz Europa bekommen haben, woanders auch etwas zu bauen, aber wir möchten uns erst einmal auf Malmö konzentrieren. Das hat damit zu tun, dass wir in Malmö leben und wir unsere Bauten für bestimmte Orte konstruieren – darum müssen wir uns dort zunächst eine Weile aufhalten.

VIS: Kommer ni att fokusera "bara" på Malmö eller kanske någon annanstans också med era kommande projekt?


PM: Vi kan säga så mycket som att vi fått flertalet, mer eller mindre, seriösa förfrågningar om att bygga saker runt om i europa, vi väljer att fokusera på malmö just nu, lite därför att vi är baserade i malmö och eftersom vi bygger miljöerna för specifika platser så måste vi vara på den platsen ett tag först.


VIS: Wann habt Ihr offiziell geöffnet? Und habt Ihr vor Ort die Reaktionen der Passanten beobachtet, wenn sie Geschäft und Restaurant entdeckten?

PM: Wir haben am 7. Dezember eröffnet, doch wir waren nicht vor Ort, sondern sind kurz darauf ins Ausland gereist. Wir waren also nicht in Schweden, als alles "explodierte". Es gab aber eine ziemliche Aufregung, die Neuigkeit verbreitete sich rasend schnell und es wurde viel gebloggt und geschrieben. 

VIS: När öppnade ni? Och har ni observerat hur folk reagerade, när de fick syn på butiken och restaurangen? 


PM: Vi öppnade den 7e December och vi var inte på plats efteråt utan åkte ganska omgående utomlands så vi var inte i sverige när "det exploderade", men det blev ett rejält ståhej och det bloggades och skrevs och spreds i en rasande fart. 


VIS: Wie waren die Reaktionen in Schweden?

PM: Bis jetzt waren die Reaktionen überwältigend. Wir haben aufgehört zu zählen, wer alles über uns geschrieben hat, aber es waren in jedem Fall die Sydsvenskan dabei, Kvällsposten/Expressen, Aftonbladet, Svenska Dagbladet und Dagens Nyheter. Außerdem wurde im Fernsehen bei SVT und TV4 über unsere Aktion berichtet.

VIS: Hur var reaktionerna i Sverige? 

PM: Än så länge har det varit överväldigande, vi har tappat räkningen på exakt vilka som skrivit om det men iallafall Sydsvenskan, Kvällsposten/Expressen, Aftonbladet, Svenska Dagbladet och DN och det har varit inslag om det i både SVT och TV4. 


VIS: Gab es internationale Reaktionen?

PM: Absolut. Wir haben Artikel aus der ganzen Welt gesehen, von Australien bis Nigeria und Kolumbien, in Medien wie der BBC, der Huffington Post, dem Spiegel oder Time Magazine. Und wir wurden in der Late Late Show mit James Corden erwähnt. 

VIS: Finns det internationella reaktioner?


PM: Absolut, vi har sett artiklar från hela världen, från Australien till Nigeria och ända bort till Colombia, och i medier som BBC, Huffington Post, der Spiegel och TIME. Och nu senast nämndes vi på The Late Late Show With James Corden.


VIS: Und zum Schluss möchte ich um eine Information bitten, die sicher alle Nager unter meinen Lesern interessiert: Wie viel kostet ein Neujahrsmenü im "Topolino"? Und worum handelt es sich? Kann man einen Tisch reservieren?

PM: Die Mäuse haben ja nicht ganz die gleiche Währung wie wir und wir haben ein Bezahlsystem – aber mehr als das können wir nicht verraten?

VIS: Och till slut vill jag be om information, som säkert intresserar alla gnagare bland mina bloggläsare: Hur mycket kostar en nyårsmeny på Topolino? Och vad är det? Kan man reservera bord?


PM: Mössen har ju inte riktigt samma valuta som oss, och vi har verkligen ett system för vad de betalar med, men mer än så kan vi inte avslöja!